Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 774 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 46 akkurateste Stenograph der Welt. Seine Leistung ist um so erstaunlicher, als es schon ungeheure Schwierigkeiten bereitet, jemanden zu finden, der imstande ist> 280 Worte in einer Minute laut vorzulesen. Eine heroorragendc' indische Mathematikerin. Aus Kiew wird uns berichtet: An der hiesigen Universität hat dieser Tage die jüdische Hörerin Jsabella Abramovicz das Haupteramen für mathematische Wissenschaften mit solch ausgezeichnetem Erfolge bestanden. daß das Professorenkollegium der Universität beim Unterrichtsministerium um die Erlaubnis ansuchte, Fräulein Abramovicz behufs weiterer Ausbildung zur 'Professorin für Mathematik an Hochschulen an d,er Universität belassen zu dürfen. Für den Fall, daß diese Erlaubnis, wie vorauszusehen ist, von der Regierung nicht erteilt werden sollte, wird Fräulein Abramovicz im Auslande ihre Studien fortsetzen. Erfindung eines jüdischm Studenten. Aus Paris wird gemeldet: Ein jüd. Student des hies. Polytechnikums, Liber Olchowski, welcher in Baku die Handelsschule mit einer Auszeichnung absolvierte, zum Besuch einer Hochschule in Rußland wegen seines Judentums nicht zugelassen wurde und deswegen nach Frankreich übersiedelte, hat jetzt ein wissenschaftliches Werk mit einer neuen Lehre über die Entstehung der Kometen verfaßt. Der berühmte Astronom Flammarion preist dieses Werk als ein geniales, welches zahlreich^ alte Theorien der Astronomie zerstört und ein neues Licht auf viele wissenschaftliche Fragen wirft, welche bis jetzt unerhellt waren. Flammarion versendet dieses Werk an alle wissenschaftlichen Anstalten und wird in der Pariser astronomischen Gesellschaft über die neuen Theorien Olchowskis ein Referat erstatten. Archäologische Forschungen in Tripolis und der CyrMaica. Wie uns aus Rom berichtet wird, werden jetzt nach Abschluß des italienisch-türkischen Friedens in Tripolis und der Cyrenaica die bei Ausbruch des Krieges unterbrochenen archäologischen Forschungen wieder ausgenommen werden. An der Spitze der von der italienischen Regierung entsendeten Studienkommission steht der Universitätsprofessor Halpherr aus Rom. Die nächste Arbeit dieser Studienkommissjon wird die Erforschung jener Epoche sein, welche die sogenannte jüdische Epoche in Cyrenaica ist. Professor Halpherr, der auf archäologischem Gebiete schon große Erfolge aufzuweisen hat, hofft jetzt in Lybien sehr wertvolle Dokumente jüdischer Kultur in der Cyrenaica zutage zu fördern. Eine Synagoge auf der Jnsü des Apollon. Bei den jetzt zu Ende gehenden, von dem Duc de Loubat subventionierten Ausgrabungen der französischen archäologischen Schule (Athen) aus der Insel Delos wurde im Laufe dieses Jahres u. a. auch beim Stadion im Nordosten der Insel gegraben. Die allgemeinen Umrisse des Stadions waren schon früher erkannt worden, und so hat man diesesmal, wie in einem Bericht des französischen Archäologen Charles Dugas an das „Bulletin de l'art artique et moderne" mitgeteilt wird, Häuser untersucht, welche an dem in das Meer abfallenden Hügel unterhalb des Stadions liegen. Dabei wurden ausgezeichnete Wandmalereien und Straßenaltäre aufgedeckt. Die Wandmalereien zeigen u. a. einen schön erhaltenen Herakles und Opferszenen. Das Wichtigste bei diesen Ausgrabungen war aber, daß man ganz in der Nähe der genannten Wohnhäuser auf einen aus zwei Räumen bestehenden Bau stieß, der mit Bänken umgeben war und der nach den daselbst gefundenen Inschriften als die Synagoge der Insel Delos erkannt werden darf. Mit absoluter Sicherheit läßt sich noch nicht seststellen, ob hier wirklich der Betsaal der delischen Juden vorliegt; aber bei der Toleranz der Bewohner und der Tempelverwaltung des Delischen Gottes ist auf Grund der Inschriften die Möglichkeit dafür gegeben; es steht ja auch fest, daß Heiligtümer ägyptischer und syrischer Götter auf der antiken Wallfahrts- und Handelsinsel bestanden haben, welch letztere man gerade in den letzten Jahren namentlich im Inoposviertel von Delos ausgegraben hat. Mit der jüdischen Synagoge wären also auf Delos die gesamten Religionen des Mittelmeergebietes vertreten gewesen. Wie schützen wir unsere Jugend vor sittlicher Entartung. (Eine Ergänzung.) Die Anregungen des Herrn Josef A n t s ch e r l in Nr. 45 Ihres gesch. Blattes sind derart beachtenswert, daß man darüber nicht achtlos hinweggehen kann. Jedoch vom Gesichtspunkte des geehrten Herrn Einsenders aus betrachtet, ist dies ein Fingerzeig bloß für die Eltern, der Lehrer steht diesem machtlos gegenüber. Die Lektüre, die das Lind durch Nachlässigkeit der Eltern zur Hand bekommt, entzieht sich von selbst der Einflußsphäre des Lehrers. Der Lehrer kann nur die Iugendlektüre beaufsichtigen, um das Lind vor sittlicher Entartung zu schützen, der Religionslehrer aber hat die Pflicht, das Lind vor religiöser Entartung zu schützen. Welche Hilfsmittel stehen ihm aber da zur Verfügung? Da müssen wir aber leider antworten: „Gar keine!" "Schreiber dieses hat an dieser Stelle schon oft auf die Schädlichkeit der Schulbibliotheken für die jüdische Jugend hingewUesen und die Schaffung von Bibliotheken für jene angeregt. Es machten sich auch Ansätze zur Bildung solcher Bibliotheken merkbar, aber wie es scheint, ist das Ganze beim Anfangsstadium geblieben. Der Religionslehrer hat schon hinlängliche Schwierigkeiten zu überwinden, um den Einfluß der Schule, in religiöser Beziehung, zu paralysieren, ohne mit der Schulbehörde nicht in Konflikt zu geraten; nun entsteht ihm in der Schülerbibliothek eine zweite, vielleicht noch größere Schwierigkeit, die zu bekämpfen er nicht in der Lage ist, da ihm keine passende Jugendschrift, keine gleichartige Bibliothek zur Verfügung steht. Die größte, bedeutendste, und wir müssen auch bekennen, beste Iugendschrift ist Oesterreichs deutsche Jugend. In rein pädagogischem Sinne geleitet bietet sie für die Jugend Anregungen, wie sie nicht besser und mehr gewünscht werden können. Märchen, Heldensagen, um das patriotische, Erzählungen, um das sittliche Gefühl zu heben. Dabei exakte Illustrationen und Lehrstoffe in einer Form, die das Lind zum Lernen anregen. Die stenographischen Lehrkurse, die das Blatt bringt, sind einfach mustergültig. Aber gerade diese Vorzüglichkeit der genannten Zeitschrift, welche sie förmlich für die Schule unentbehrlich macht, wirkt für die jüdisch-religiöse Erziehung schädlich und zersetzend, denn sie ist in rein katholischem Sinne geleitet, eine Jede Nummer beinhaltet zur Hälfte rein katholische Themen in Wort und Bild, welche nur zu sehr geeignet sind, die Phantasie des Lindes dem 'jüdisch-religiösen Sinne entgegengesetzt zu beeinflussen. Die pädagogische Vorzüglichkeit dieser Zeitschrift veranlaßt viele gut jüdische Eltern, das Blatt für ihre Linder zu halten, und wir haben nichts, um unsere Jugend diesem Einflüsse zu entziehen. Iung-Juda reicht da nicht hin. Die Gleichgültigkeit, mit der diese Frage von Seite der berufenen Faktoren behandelt wird, verursacht, daß auch diese einzige jüdische Iugendschrift nicht die genügende Verbreitung findet. Es ist demnach die Frage, wie wir unsere Jugend vor religiöser Entartung schützen, ebenso wichtig, wie der Schutz vor sittlicher Entartung, ja bei weitem noch wichtiger, denn letztere kann nur das Haus, die Familie regeln, während erstere die Oeffentlichkeit. Und dies wäre sehr leicht zu regeln. Eine ausgiebige finanzielle Unterstützung würde es den Herausgebern von Iung-Iuda ermöglichen, das Blatt so auszugegestÄten, um erfolgreich.die Lonkurrenz mit er'nem anderen Blatte aufzunehmen, die Bemühungen, das Blatt zu verbreiten, wären dann auch erfolgreicher. Wenn dann die Lultusgemeinden zur Schaffung von jüdischen Iugendbibliotheken Opfer brächten, so wäre ein großer Schritt getan zur Bekämpfung des Indifferentismus und der Indolenz in religiösen Dingen. Tachau. IosefSchön. Die Konfessionslosigkeit untc'r den Juden. Als Beweis dafür, welche Dimensionen die Austritte aus dem Judentum mit gleichzeitiger Konfessionsloserklärung in Oesterreich und Ungarn angenommen haben, diene die folgende traurige aber wahre Begebenheit, die sich jüngst in einer österreichischen Kaserne abspielte. Bekanntlich werden die Rekruten vor ihrer Eidesleistung in die Kirche, beziehungsweise in die Synagogr geführt, wo ihnen der betreffende Feldgeistliche die Wichtigkeit des Fahneneides erklärt. Zu diesem Zwecke wer-