Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ih. 46 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 773 Diese Zeiten hatten den Zweck, die Aufgaben einer Zentralstelle für jüdisches Armenwesen anzudeuten, aber nicht zu erschöpfen. Jedes einzelne der angedeuteten Arbeitsgebiete würde eine eigene eingehende Behandlung verdienen. Das ist Detailarbeit. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dah sie groh ist und grasten Schwierigkeiten begegnet. Ihre Hauptschwierigkeit besteht allerdings in der Ueberwindung menschlicher Schwächen, wie Ehrgeiz und die Angst, an dem Erfolge ehrlicher humanitärer Arbeit auch andere teilhaftig werden zu lassen. Deshalb muh eben eine Zentralstelle von jedem Bureaukratismus frei sein. Sie darf nicht über den Vereinen schweben wollen, sondern muh immer mit ihnen und unter ihnen arbeiten. Sie wird jeden Armen, jeden Verein und jeden Philanthropen individuell behandeln. Eine Zentralstelle gerade für jüdisches Armenwesen darf nicht die Nolle eines Kommandanten spielen, sondern muh der gute Geist sein, der überall dort seine heilsame Wirkung ausübt, wo Juden sich zu gemeinsamem Wohltun zusammengefunden haben. Vom Zabrmarkt des Lebens. Eine prophetische Ankündigung de's Krieges g:gen die Türkei für das Jahr 5673 (1912/13) im! kabbalistischen Buche Sohar. Im alten kabbalistischen Buche Sohar zum Bibelabschnitt Wajera im Anschluh an den Vers betreffend Ismael wird für das Jahr 5673 ein groher Krieg gegen'die Türkei und eine Versammlung mehrerer Könige in der überwundenen Haupt st adt Konstantinopel angekündigt. Der erste jüdische' Stabsoffizier im bulgarischen Heere. Aus Sofia wird uns berichtet: Das „Amtsblatt" veröffentlicht die Beförderung des Kapitäns Dadschar (?) zum Major. Dadschar ist der erste jüdische Stabsoffizier im bulgarischen Heere und wurde nach der Erstürmung von Mustapha Pascha vom König Ferdinand auf dem Schlachtfelde eigenhändig dekoriert, weil es in erster Linie der vom Major Dadschar geführten Abteilung zu danken war, dah Mustapha Pascha den Vulgaren so rasch in die Hände fiel. König Ferdinand hatte bereits auf dem Schlachtfelde die Beförderung zum Major ausgesprochen, doch erfolgte die Verlautbarung im Amtsblatte erst jetzt. Jüdischer Patriotismus. Ungefähr 120 Jahre lebten die Juden, sowohl jene, die in Judäa, als jene, die in anderen Ländern wohnten. unter der Herrschaft der persischen Könige, bis das Perserreich durch die unbezwingliche Macht Alerander des Groben in seinen Grundfesten gewaltig erschüttert wurde. Alexander eroberte bald Kleinasien, Syrien und Phönizien, und als er Tyrus belagerte, fehlte es seinem Heere an Lebensmitteln: er forderte daher den damaligen Hohenpriester der Juden in Jerusalem, namens Iaddua, auf. ihm zu huldigen und sein Heer mit Proviant zu versorgen. Letzterer jedoch nahm Anstand, dem Wunsche des gewaltigen Welteroberers zu entsprechen, indem er ihm sagen lieh: „W i r h a b e n dem Darius einen Eid der Treue geschworen und dürfen daher, wenn wir nicht meineidig sein und die Gesetze Gottes und der Natur verletzen wollen, seine Feinde durchaus nicht unterstützen." Alexander war im ersten Moment ob der ihm überbrachten abschlägigen Antwort sehr entrüstet. Nachdem er Tyrus erobert hatte, rückte er mit seinem Heeve racheschnaubend gegen Jerusalem. Angst. Furcht, Bangen und Grauen bemächtigten sich der Bewohner dieser Gottesstadt beim Herannahen des mächtigen Feindes: nur der Hohepriester Simon der Gerechte, der ein festes unerschütterliches Vertrauen auf die Allmacht Gottes hatte, blieb ruhig. Er zog vielmehr unerschrocken dem siegreichen Helden in Begleitung anderer Priester im vollen Ornate entgegen, um ihm einen feierlichen Empfang zu bereiten. Als Alexander den Hohepriester, der eine imposante, ehrfurchtgebietende Erscheinung war, erblickte, stieg er vom Pferde, reichte ihm freundlichste die Hand und behandelte sowohl ihn als sämtliche Israeliten in sehr wohlwollender und entgegenkommender Weise. Die Feldherren, die sich in seinem Gefolge befanden. waren ganz überrascht und konnten nicht umhin, ihrer Verwunderung ob dieser raschen Sinnesänderung Ausdruck zu verleihen. Alexander löste ihnen bald das Rätsel, indem er ihnen folgenden Aufschluh gab: „Ich habe in Macedonien, als ich mir meine Eroberungspläne im Geiste entworfen, im Traume eine ehrwürdige Gestalt gesehen, die der des Hohepriesters frappant ähnlich war und mir glänzende Siege verheizen hatte. Abgesehen aber davon," fuhr er weiter fort, „habe ich nach reiflicher Ueberlegung die Ueberzeugung gewonnen, dah gerade das Vorgehen der Juden, die den geleisteten Eid unter keiner Bedingung brechen wollten, als loyale Gesinnung anerkannt zu werden verdiene." Alexander hielt an des Hohepriesters Seite seinen feierlichen Einzug in Jerusalem und besuchte den Tempel, der von ihm mit reichlichen Spenden bedacht wurde. Infolge dieser wohlwollenden Gesinnung, die Alexander, der überhaupt, trotz seiner glänzenden Siege, die er überall errungen, tolerant und milde war, bekundete, ermutigt, wagten es die Juden, an ihn mit der Bitte heranzutreten, er möge geruhen, ihnen und allen ihren in den übrigen Ländern wohnenden Glaubensgenossen die vollständige Religionsfreiheit zu gewähren, welchem Wunsche zu entsprechen er sich bereitwilligst erklärte, ja noch mehr, er erliest ihnen sogar die Abgabe im Sabbatjahre. Als- Zeichen der tiefsten Dankbarkeit und hohen Verehrung liehen die Juden allen in diesem Jahre geborenen Knaben den Namen Alexander beilegen. Man sieht also, dah die Juden zu allen Zeiten den geleisteten Eid der Treue hochgehalten und sich als opferwillige und opfermutige Patrioten ausgezeichnet hatten. Fr. Der MeisterschaftsstMograph der Welt. Aus Newyork wird uns geschrieben: Es hat seinerzeit viel Aufsehen erregt, als beim 9. Deutschen Stenographentag in Stuttgart zwei Stenographen (aus München und Konstanz) ein Diktat von 400 Silben in der Minute nachschrieben und richtig in Kurrentschrift übersetzten. Diese Leistung wurde jetzt von einem aus Rustland eingewanderten Juden namens Nathan Behrin übertroffen, der beim Wettschreiben der National Shorthand Reporters Association in Newyork mit einer Leistung von 278 Worten (1 Wort ist ungefähr gleich 2 Silben) als Sieger hervorging. Behrin hat seine erstaunliche Leistung bei einem 5 Minuten währenden Diktatschreiben erzielt. 280 Worte wurden in der Minute diktiert, und nur ein Wort pro Minute schrieb er so, dah es nicht zu entziffern war. Behrin, der 24 Jahre alt ist und sich jetzt Weltmeisterschaftsstenograph nennen darf, ist also nicht nur der schnellste, sondern auch der