Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 766 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 45 „Ob ich sie liebe!"- Es war spät geworden, ich warf die Flinte um, reichte dem Musikanten die Hand zum Abschiede und ging die Dorsstratze meinem Hause zu. Während über mir der stille, feierliche Sternenhimmel war, schwebten aus der Ferne sanfte fromme Töne, gleich guten Geistern zu mir her. Es war die Geige des jüdischen Musikanten, die mir das Geleite gab. Literatur. Heinrich Löwe, „D ie Juden in der katholischen Legend e“. 96 Seiten, 3 Tafeln mit Abbildungen, Preis Mark 2.—. Jüdischer Verlag, Berlin, 1912. Den Verfasser hat bei seiner Arbeit die Ueberzeugung beseelt, daß die Geschichte nicht allein von politischen und wirtschaftlichen Kräften bestimmt wird. In diesem Buch speziell wollte 6r an einem Legendenstoff zeigen, „welche Regungen der Volksseele unbewußt an der Gestaltung der .Judengeschichte im Mittelalter mitgewirkt haben“ und es gelingt ihm in der Tat zu veranschaulichen, wie die uralten Volksvorstellungen, daß die fremden Religionsgemeinschaften im geheimen allerhand Greuel gegen Glauben und Leben der herrschenden Majorität verüben, von größtem Einfluß auf die Schicksale der Juden waren. Diese Wirkung erstreckte sich nicht nur auf die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, auf die Siedlungsgeschichte, sondern auch auf die Literatur und Kunst, sowohl der Juden wie Nichtjuden. In den mittelalterlichen Illustrationen, Holzschnitten, wimmelte es von Darstellungen jüdischer Ritualmorde und Hostienschändungen. In der Literatur hat sich manches erhalten, was auf die mittelalterlichen Legenden zurückgeht. Wir brauchen nur an die Liebesgeschichte eines Klerikers mit einer Judenmagd in Wassermanns: „Die Juden von Zirndorf“, welche schon im 12. Jahrhundert erzählt wurde, zu erinnern. Das Buch vereinigt in glücklicher Weise die Aufgabe einer wissenschaftlichen und einer verständlichen Darstellung. Der gelehrte Apparat befindet sich in den Anmerkungen am Schluß des Buches, wo eine reiche Literatur verzeichnet ist. Die sieben Abbildungen sind nach alten Originalen reproduziert. Wenn man das Büchlein liest, erkennt man darin jene Eigenschaften des Verfassers, die seinen gleichfalls im Jüdischen Verlag erschienenen „Sprachen der Juden“ den verdienten Erfolg gesichert haben: Anschaulichkeit, geschickte Gruppierung eines historisch und literarisch interessanten Materials, Hervorhebung des Wichtigen und wissenschaftliche Zuverlässigkeit, Ellegaard Leisner-Ellerbeck, „P o g r o m“. Mit Zeichnungen (Vollbilder) von Kurinerker. Preis kart. Mark 3.—, Luxusausgabe Mark 5.—. Alleinvertrieb beim Jüdischen Verlag, Berlin W. 15, Sächsischestr. 8. Das Buch wird seiner Aufgabe, einer gründlichen Popularisierung der Nachrichten über die Pogromgreuel, in doppelter Weise gerecht. Im einleitenden Teil wird eine Uebersicht über das Wesen des Pogroms gegeben, gewissermaßen ein Idealbild: die geheime und offene Agitation, genaue Bezeichnung der Judenhäuser, Zusammenrottung, sinnlose Zerstörung und dann Mord, Mord; Mord an Männern, Mord an Frauen, Mord an Greisen und Kindern. Im historischen Teil hat der Verfasser aus dem gewaltigen Material, das in dem amtlichen, von dem zionistischen Aktions-Komitee herausgegebenen Werk über die Judenpogrome (erschienen im Jüdischen Verlag) aufgespeichert ist, eine Auslese getroffen. Es werden einige besonders typische Fälle aufgeführt. Was einen westeuropäischen Leser besonders befremden wird, ist die soziale Schichtung der Pogromhelden. Mit Staunen wird man feststellen, daß es sich hier nicht allein und nicht einmal zum größeren Teil um finstere Massen handelt, deren tierische Instinkte entfesselt worden sind, sondern um alle Klassen der Bevölkerung. Einmal stellt der Pope, ein Pfarrer, an der Spitze der mordenden Menge. In Bachmut beteiligen sich Polizei und Soldaten am Pogrom, in Kiew aber, da war die ganze Garnison aufgeboten, und ein General in Paradeuniform erteilte die Orders . . . Die Forschung wird noch manches wertvolle Material über Entstehung und Organisation der Pogrome zutage fördern, eines steht aber jetzt schon fest: diese ganze Bewegung wäre unmöglich, wenn sie nicht diejenigen leiteten, die auf die Geschicke des ganzen Reiches größeren Einfluß haben . . Und das Fazit: „900 Tote, über 6000 Verwundete und Verstümmelte, ungezählte Schändungen und Vergewaltigungen, über 30.000 ruinierte Familien, über eine viertel Million durch Raub und Plünderung heimgesuchte Menschen und fast 75 Millionen Mark geraubt oder vernichtet.“ Das Buch ist mit Geschmack ausgestattet, die Zeichnungen charakteristisch. Bemerkenswert ist das Bild „Auf zum Pogrom“, welches mit ganz ungewöhnlicher Kraft und Anschaulichkeit einige Pogromgesellen auf dem Gang „zur Arbeit“ zeigt. Dr. Adolf Frankl-Grün. Die Psalmen, sachlich und sprachlich erklärt. Einleitung. Erstes Buch. Wien 1912. Selbstverlag XIX., Hauptstrasse 13. Josef Lichtneckert: »Der sozialdemokratische Welt-Staat« mit Gemeineigentum und Eigenproduktion als Universalmittel zur Beseitigung aller Armut, Ausbeutung, Kriege, Seuchen, Not, kurz alles Elendes und zur Herbeiführung der dauernden Glückseligkeit und Friedens der Allmenschheit auf Erden. Weltstadt-Verlag 1912 in Papiermühle (Sachsen-Altenburg). Le Traducteur, The Translator, II Traduttore, drei Halbmonatsschriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Diese Sprachschriften bieten hauptsächlich folgenden Inhalt: Interessante Erzählungen, naturwissenschaftliche Aufsätze, Handelsbriefe, Belehrungen über Länder- und Völkerkunde, Handel, Sitten und Gebräuche, entweder mit genauer Uebersetzung oder mit Fußnoten. Neben dem Sprachstudium berücksichtigen sie auch die Aneignung wichtiger Sachkenntnisse. Ganz besonders nützlich dürften die in jeder Nummer enthaltenen Gespräche sein, in denen hauptsächlich die in den Schulen nicht genug gepflegte Umgangssprache berücksichtigt wird. Außerdem wird den Lesern Gelegenheit geboten, mit Ausländern zu korrespondieren. — Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenfrei durch den Verlag des „Traducteur“ in La Chaux-de-Fonds' (Schweiz). . 1 ' i . [ Agudath Jissroel. Rede gehalten am zweiten Tage des Sukkothfestes 5673 von Rabbiner Dr. J. Horovitz. Der Reinertrag ist für die israelitische Religionsschule bestimmt. Preis M. 0,50. Verlagsanstalt M. Lehrberger u. Co., Frankfurt a. M., Taunusstraße 3. KriefKaste«. Eifriger Leser in Linz. L. A. gehörte dem Judentum nicht an und ist am 4. d. M. gestorben. K. K. Der Ursprung und die Bedeutung der rätselhaften Worte „Budjet prazdnik" wird erläutert durch Binjamin Segel mit folgender Anekdote: Pobjedonoszew, der Prokuror des heiligen Synod, der bekannte Judenfresser, hatte auch seinen — Hausjuden. Eines Tages sprach der allgewaltige Pobjedonoszew zu seinem Hausjuden: „Dich schütze ich ja vor allen Verfolgungen, und zuweilen rette ich ja sogar einen anderen Juden auf deine Fürbitte. Aber sage mir nur, was meinen die Juden dazu, was für ein Ende erwartet sie. da ich solche blutige Verfolgungen über sie verhänge?" — Wenn ich Eurer Heiligkeit das sage, lassen Sie mich auf administrativem Wege nach Sibirien transportieren." — „Sprich frei! Es soll dir nichts geschehen" — „Nun, die Juden sagen: Budjet prazdmk (es wird ein Fest geben)." — „Was für ein Fest, dummer Jud'? Da ich euch ausrotte, aushungere und vertreib,:!" — „Die Juden sagen, es war immer so. Zuerst kam Pharao, der rottete sie aus, am Ende gibt's ein Fest, das ist Pessach. Dann kam Antiochus und rottete sie aus. jetzt gibt's ein Fest, das ist Chanukkah. Dann kam Haman und rottete sie aus, jetzt gibt's ein Fest, das ist Purim. Dann kamen noch allerlei Pharaone und Hamans, und allemal gab's ein Fest. Aber diese Feste dauerten nur wenige Jahre und wurden bald von anderen verdrängt. Schließlich kann man ja nicht das ganze Jahr Feste feiern. Also auch jetzt wird es ein Fest geben: Budjet prazdnik, so meinen die Juden, Eure Heiligkeit . . . ." So meinen die Juden tatsächlich, und so haben sie immer gemeint und sie haben Recht hehalten. I. G. in K Universität Bern. S. B. Wenden Sre sich an Herrn Rabbiner Dr. B r o d y in Prag. 91. B. in Z. Die Beantwortung solcher geschäftlichen Fragen müssen Sie schon einem Auskur.ftsbureau übertragen. D. A. M> Der gegen Oekar Strauß zum Gouverneur des Staates New-Ioik gewählte William Sulz er, ist christlicher Konfession und Abstammung, war aber der eifrigste und unermüdlichste Agitator zur Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland. Als Mitglied des Kongresses hat er den A-'trag gestellt und begründet und in zahlreichen Volksversammlungen die Stimmung der Massen für den Antrag gewonnen. Männer wie Jakob H. Schiff und Louis M a rschall haben den jüdischen Wählern seine Wahl eindringlich empfohlen. Der letztere schrieb in einem publizierten Briefe: „Ich hege die heiligste Zuversicht, daß niemals eine Zeit kommen wird, in der man wird sagen können, die Juden sind undankbar." Bei aller Verehrung für den Kandidaten Oskar Strauß hat die jüdische Wählerschaft des Staates New-Iork ihre Stimmen William Sulz er zugewendet, ungeachtet dieser Mann christlicher Konfession und Abstammung ist.