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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-11-08 · 45 (8.11.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 760 Dr. Vlochs Wochenschrift 45 nung einem Widerspruch gegM das Judentum gleichkomme. Es hat sich bei diesen Herren Rabbinern eine ganz merkwürdige Art von Verfolgungswahn herausgebildet, der in jedem Vorsteher einen Feind erblickt, der es darauf abgesehen habe, „den Rabbiner nach seiner Pfeife tanzen zu lassen". Rur aus diesem Gefühle heraus läßt sich die schadenfrohe Genugtuung erklären, mit welcher Herr Rabbiner Dr. Stern feststem, daß d.er böhmische Gemeindebund infolge des Schmollens der Rabbiher keine fruchtbare Tätigkeit entfalten und die geplante Gesamtorganisation nicht zustande kommen konnte. Allerdings ist diese Auffassung eine irrige. Kein Gemeindebund wird in der Lage sein, eine großzügige, die gesamte Judenschaft umfassende Tätigkeit zu entfalten, so lange er nur eine freiwillige Vereinigung ist und nicht eine vom Gesetze anerkannte, mit der nötigen gesetzlichen Autorität ausgestattete Repräsentanz der gesamten Judenschaft darstellt. Nicht die Vertretung des Rabbinerstandes in der einen oder anderen Form in der Organisation ist das Kriterium für eine segensreiche Arbeit, sondern die Autorität, welche ihr vom Staatsgesetze verliehen wird. Und diese kann nur erreicht werden, wenn die gemeinsamen Bestrebungen nicht durch Kastengelüste gestört werden. Im übrigen stimmt auch die historische Darstellung der Vorgänge, wie sie Herr Rabbiner Dr. Stern gibt, nicht mit den Tatsachen überein. Es stimmt zunächst nicht, daß der Gedanke einer Organisation der Juden vom böhmischen Gemeindebund und unmittelbar daher vom Herrn Rabbiner Dr. Stern und Kollegen ausgegangen ist. Der allgemeine österreichisch-israelitische Bund war schon ursprünglich als ein gesetzlich anerkannter Verband aller Kultusgemeinden Oesterreichs gedacht. Da die Durchführung dieser Organisationsform an dem Widerstande der damaligen Regierung scheiterte, haben sich die Gründer des Bundes wohl in das Unvermeidliche gefügt, den Bund als freiwillige Organisation geschaffen, dabei jedoch es als ihre wichtigste Aufgabe angesehen, jedes gesetzliche Mittel anzuwenden, um die Umwandlung der freiwilligen Organisation in eine autoritative herbeizuführen. Auf diese Weise kamen die Gemeindetage vom Jahre 1908 und 1909 mit der anerkennenswerten Mithilfe der „V'nei V'rith"-Organisationen zustande. Ich will nun schließen: -Es kann keinem vernünftig denkenden Menschen einfallen, aus einer Gesamt Organisation der österreichischen Judenschaft eine Richtung oder einen Stand auszüschliehen, aber sie würde ihren 'Zweck verfehlen, wenn sie eine Vertretungskörperschaft im Grunde genommen nicht vorhandener Kasten würde. Ein Gememdevorstehr'r aus der Provinz. Eine Selbstbchchuldigung des Mordes an Agnos Hruza. In Polna hat am 31. Oktober ein dort wohnhafter Fabriksschuhmacher im Schanklokal der Bozena Heller sich der Täterschaft des an Agnes Hruza begangenen Mordes bezichtigt. Er kam vom Bezirksgerichte, wo er wegen eines Eigentumvergehens einvernommen wurde und erklärte, nachdem er für 18 HeUer Schnaps getrunken hatte: „Ich werde jetzt eingesperrt, und da soll es gleich ordentlich geschehen. Es drückt mich schon lange, es zu sagen: Ich habe die Agnes Hruza erschlagen." Auf die Frage der Frau Heller, warum er das getan habe, antwortete et: „Weil sie nicht gut getan hat." Auf die weitere Frage, womit er sie erschlagen habe, erwiderte er: „Mit der Faust, auf einen Hieb." Als Zeugen dieser Aeuherungen werden namhaft gemacht: die Bauern Vojtech Rossicky und Havlicek vulgo Landa au% Dobrutow bei Polna, der Polnaer Einwohner Rudolf Parik, Frau Bozena Heller, die Schustersgattin und Bedienerin Josefa Prozarova und Alfred Aufrecht in Polna. Der Letztere erstattete die Strafanzeige bei der Gendarmerie, worauf der Schuster verhaftet und dem Bezirksgerichte Polna eingeliefert wurde. Nach erfolgter Verhaftung soll die Gattin des Inhaftierten vor mehreren Personen erklärt haben, ihr Mann habe zu Hause schon seit Jahren wiederholt erklärt, daß er die Agnes Hruza totgeschlagen habe. Am nächsten Tage, nachdem er seinen Rausch aus geschlafen hatte, wurde Schmejkal neuerlich einvernommen. Er revozierte seine Aussage und erklärte, er hätte sie nur im Rausche gemacht. Auch legte er gegen seine Verhaftung Protest ein. Schmejkal ist ein notorischer Alkoholiker, der bisher noch nicht vorbestraft ist. Mit seiner Gattin, die das Geständnis von der Ermordung der Hruza wiederholt von ihm gehört haben will, lebt er in stetem Unfrieden. Er bleibt vorläufig in Haft beim Bezirksgericht und wird sich wahrscheinlich wegen Uebertretung nach Paragraph 308 St. G. (Verbreitung von falschen Nachrichten) zu verantworten haben. Berlin. (Ueber die Feier des 25jährigen Amtsjubiläums des Rabbiners Dr, Adolf Rosenzweig, die am 11. Oktober l. I. durch einen feierlichen Festgottesdienst in der Neuen Synagoge begangen wurde, wird folgendes berichtet: Schon am Vormittag hatten sich zahlreiche Gratulanten insbesondere auch seine Kollegen, Freunde und Schüler eingefunden, um dem Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Von seinen Amtskollegen wurde Herrn Dr. Roseuzweig das Bild von Bendemann „An den Strömen Babels" als Angebinde überreicht. Am Abend vor dem Gottesdienste fand im Trausaal die eigentliche Feier statt. Namens der Gemeindebehörden, des Vorstandes und der Repräsentanten überbrachte Herr Kommerzienrat Eisuer. an Stelle des durch seine schwankende Gesundheit verhinderten ersten Vorstehers Herrn Julius Jaeoby. dem Jubilar die besten Glückwünsche. Er pries die Verdienste des Gefeierten als Redner, Prediger, Pädagoge und auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, er wies darauf hin, daß dre wechselseitigen Beziehungen zwilchen dem Jubilar und den Gemeindekörp rschaften während dieses ganzen, langen Zeitraumes stets die angenehmsten nnd vertrauensvollsten gewesen sind. Er schilderte das Familienalück des Jubilars, seine Häuslichkeit, die von der Poesie und dem Zauber altjüdischer Sitte umweht gewesen sei und wie er es verstariden habe, diese altjüdische Poesie auch in die Herzen seiner Kinder zu pflanzen, er, die wenn er Glück habe, alle in hochgeachteten Stellen sehen werde; ganz besonders betonte der Redner, daß es dem Jubilar zu höchster Befriedigung gereichen dürfe, seinen Schwiegersohn Dr I. Bergmann als Amtskollegen in Berlin und fernen ältesten Sohn. Dr Arthur Rosenzweig, als Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Aussig wirken zu seben. Mit dem Wunsche, das Amt wie bisher zu verwalten, und der Hoffnung, daß es ihm vergönnt sein werde, noch viele tnele Jahre in gleichem Sinne zu wirken, richtete Herr Kommerzienrat Eisuer auch an die anwesende Familie des Gefeierten seine Glückwünsche. Hieraus verlas der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung Herr Louis Sachs eine kunstvoll ausgestattete Adresse folgenden Inhalts: Hochverehrter Herr Rabbiner! Seit Ihrem Amtsantritt als Rabbiner unserer Gemeinde ist ein Vierteljahrhundert verflossen. ES ist uns Herzenspflicht, Ihnen aus diesem festlichen Anlässe innigste Glückwünsche darzubringen und dankbar und verebrungsvoll zu bekunden, daß Sie während, dieses gan en, für die Entw ckivng der Gemeinde bedeutungsvollen Zeitraumes Ihres hohen Amtes mit wahrer Hingebung und Treue gewaltet haben. Zu vielen, vielen Malen hat Ihr beredtes Wort, ob es von d»r Kanzel des Gotteshauses Israels Lebre verkündete oder die Wechselfälle des Lebens im Lichte der R ligion verklärte, die Herzen Jh'-er Zuhörer erhoben und erquickt und in der Treue zum angestammten Glauben, in dem Streben nach dem Wahren und Guten befestigt. Auch mit der Feder haben Sie dem Judentume und seiner Wissenschaft in emsigem Fleiße gedient. An der Jugenderziehung nahmen Sie besonders als Inspizient des Religionsunterrichtes und als Mitglied der Berliner städtischen Schuldeputation eifrigen Anteil. Den Kranken und Schwachen, auch den verirrten Brüdern waren Sie Helfer und Berater. Sie waren jederzeit bereit, wenn die Gemeinde oder der Einzelne Sie riefen, und wo immer sich Ihnen Gelegenheit dazu bot, sind Sie mit ganzer Seele eingetreten für den Frieden der Gemeinde nach innen und außen. So mußte Ihnen die humane Elfaffung und opferwillige Betätigung all der mannigfaltiaen Pflichten Ihres Berufes — die wir in vollem Umfange aufzuführen - uns versagen müssen — die Hochschätzung und Zuneigung nicht nur der Gemeindebehörden, sondern auch weiter Kreise unserer Gemeinde gewinnen.

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