Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 750 Dr. Büochs Wochenschrift Nr. 44 leicht schläft «er und wird erwachen!" Obwohl die Natur der biblischen Literatur es mit sich bringt, dah nur das Allerernsteste gesammelt und erhalten wurde, so klingt doch so oft noch ein Heller Humor in den philosophischen Kohelet und in die nachdenkliche Weisheit der Sprüche hinein. Viel reichlicher ist bereits die Ausbeute, wenn man s«h an jene grohe Literatur heranmacht, in deren Mittelpunkt der Talmud steht, die zwar auch keine Neigung hatte, Humor und Witze niederzuschreiben, aber doch im Zusammenhänge mit anderen Stoffen so manches aus dem Volksmunde aufbewahrt, das auch ein Licht auf die heitere Seite der Volksseele wirft. Der Talmud erklärt den heiteren Sinn, der zu Humor aufgelegt war, aus den kleinen Verhältnissen. —. .„Warum," so fragte man den Rab Assi, „werden die Feste bei den babylonischen Juden fröhlicher gefeiert?" „Weil sie arm sind," antwortete der weise Mann.ft Aber der Humor der Juden hat, so weit er sich sch riftlich erhallen hat, einen ernsten Sinn. Er'soll dazu dienen, durch sinnreiche Gleichnisse die Erhabenheit der hebräischen Lehre gegenüber der römisch-griechischen Anschauung zu erweisen. Der Kaiser, der im Disput mit Rabban Gamliel sich vermiht, die Unendlichkeit Gottes dadurch herabzuziehen, datz er anzugeben vermag, wg -ich dieser Gott im Augenblick befinde und womit er sich gerade beschäftige, wird von Rabban Gamliel durch die schlagfertige Gegenfrage ad absurdum geführt, ob der Kaiser ihm nicht sagen könne, wo sein Sohn, deir fern sei und nach dem er sich sehne, im Augenblick weile. Das weist der Kaiser als eine Unmöglichkeit zurück, woraus er dann vom Rabbi hören muh: „Du weiht nicht einmal die Dinge hier unten auf Erden, und du willst einen Einblick in die Welt des Himmels (die übersinnliche Welt) haben?"U Aber sicher noch mehr Eindruck auffdie Feinschmecker rabbinischen Humors und Scharfsinnes machte es, wenn weiter erzählt wurde, am anderen Tage habe der Kaiser den nämlichen Gelehrten wiederum in das Gespräch gezogen: „Ihr behauptet immer, die Sterne seien unzählbar. Das sind doch nur Aufschneidereien. Ich habe sie gezählt und wette, dah ich ihre Zahl genau weih." „Wunderbare Weisheit," erwidert Gamliel, „aber wieviel Zähne hast du im Munde?" Der Kaiser steckt sofort den Finger in den Mund, um sie zu zählen. Da fängt der Rabbi laut zu lachen an und ruft: „Er weih noch nicht einmal, wieviel Zähne er im Munde hat, und will wissen, wieviel Sterne am Himmel sind." Selbst die Anfänge des Monotheismus werden mit humorvollen Anekdoten umgeben, die sich ganz in derselben Richtung wie Elijjahus Sarkasmus gegenüber den -Baalspfaffen bewegen. Terach, der Vater Abrahams, war nicht bloh ein Götzendiener, sondern er betrieb sogar noch nach dem Midras Rabba .einen schwunghaften Götzenhandel. Als er eines Tages in Geschäften eine weite Reise unter-' nahm, muhte ihn der junge Abraham vertreten. Nachdem er bereits durch überlegte und überlegene Fragen, alle Kunden aus dem Laden vertrieben hatte, trat eines Tages doch wieder eine Frau in den Laden, diesmal mit einer Schüssel Mehl als Opfergabe für die Götzen. Nachdem sie fortgegangen, ergreift Abraham einen Knüppel, mit dem« er alle Götzen in kleine Stücke und Scherben zerschlägt bis auf den allergröhten. den er unberührt Iaht. Diesem steckt er den Knüppel in die Hände, setzt ihm die Mehlschüssel vor, und wartet so die Rückkehr seines Vaters ab. Ms d.er von seiner Reise heipikehrt und den Trümmerhaufen überblickt, will 4, Talmud Babl. Sabbat. Seite 145 b. 4 ebb. Sanhedrin, Seite 39 a. er von Abraham wissen, wer der Schurke gewesen, der ihm das getan. Der aber erzählt: „Lieber Vater, denke nur, was da vivrgegangen. Eines Tages brachte eine Frau aus der Nachbarschaft eine Schüssel mit Mehl für diese Götter, und ich stellte sie als Spende mitten zwischen sie. Da entstand plötzlich ein heilloser Lärm. Alles tobte gegen, einander. Denn jeder di.eser Götter beanspruchte die, Schüssel Mehl für sich. „Mir gehörtes," schrie der eine, „wein ist es," der andere, und eine allgemeine Prügelei begann. Da mit einem Male ergriff der Grohe: den Knüppel, und dann hat er sie allesamt zerschlagen und sich die Schüssel genommen." Der Vater hört's zuerst mit an, dann aber schreit er voller Entrüstung: „'Das ist eine Lüge. Die Götter können weder hören' noch sehen, oder gar sich bewegen. Du selbst hast diegemeine Tat begangen." Aber ruhig erwidert Abraham: „Du weiht, dah sie nicht hören noch sehen, und dennoch betest hu sie an?'') Ueue Köcher. The Teachers Institute of the Hehre w Union College. Graduation of the First Class at the ’Plum Street Temple. June 15. 1912. Programm 1912—1913. The Teachers Institute of the Hebrew Union College Cincinnati. Mayer Sulzberger. The Polity of the Ancient Hebrews. Philadelphia 1912. Julius H. Greenstone. Di. Artur Landsberger. Jüdische Sprichwörter. Leipzig 1912. Verlag Ernst R o w o h 11. Walter von Molo. Ums Menschentum. Ein Schillerroman. Verlag Schuster u. L o e f f 1 e r, Berlin W., 57, Bülowstraße 107. W. Fred. Margaretha von Valois. Memoiren, Briefe und sonstige Dokumente ihres Lebens. Erster und zweiter Band. Insel - Verlag, Leipzig, Kurze Straße 7. Rabbiner Dr. Ludwig Pick, Berlin. Die Weltanschauung des Judentums. 1912. C. Boas Nachfolger, Verlags-' byehhandlung, Berlin C., 2. Jung-Juda“. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIII. Jahrgang, Nr. 20. Prag, den 25. Oktober 1912 (14. Marcheschwan 5673). Inhalt: Leopold Ko mp er t: Das jüdische Herz. — Ben Je hu da: I. Buch Moses, Kap. 24. — Dr. J. M.: Geschichten und Geschichte. — M. Ehre ntal: Aus Hermann Vamberys Jugendjahren. — Die beste Ware und das sicherste Besitztum. — Ida Böch: Vergiß mein nicht. — Albert Löw: Wer ist reich hienieden. — Abraham de Castro (Schluß). — Aus der palästinensischen Kolonie Chederah.,— Guck in die Welt. — . Uebersetzungs- Aufgabe. — Rätsel. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Michael Heilprin and His Sons. A Biography. By Gnstav Pollak, Author of Franz Grillparzer and the Austrian Drama, etc. From Dodd, Mead & Company Publishers. New-York, Fourth Avenue, and 30 th Street. U Kriefkuste«. K. Wegen Raummangels mußte Ihre Einsendung, wie mehrere andere Korrespondenzen zurückbleiben. K. F. in L. Von keinem der drei Präsidentschaftskandidaten in Nordamerika ist irgend eine Beschränkung der jüdischen Emigration zu befürchten. Alle drei Kandidaten sindim wahren Sinne radikalfreisinnig. R. Adler. Der Betreffende kann ohne weiteres beim Wiener Rabbinat seinen Wiedereintritt in das Judentum anmelden und sich über diese erfolgte Wiederaufnahme eine Bescheinigung ausstellen lassen. K. F. Selbstverständlich wird auch die Wiener Advokatenkammer Gelegenheit haben, der Angelegenheit, sobald sie erst weiter ausreift, näher zu treten. Herrn I. I. in P. Die Angelegenheit ist bereits veraltet und eignet sich darum weniger zur öffentlichen ^Behandlung. °) MidraS Rabba, Seite 42 a.