Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022026--21587-3046689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 747 '»UU Dr. Mochr W»cheiUrM Archiven beigebrachten Daten und Belege nachzuprüfen. Die Zumutung, daß die Ausscheidung ausgerechnet Karl Lamprechts direkt oder indirekt von mir betrieben wurde, erledigt sich nach dem Vorstehenden von selbst, sie erfolgte überdies zu einer Zeit, als ich jenseits des Atlantischen Ozeans weilte und in Newriork wohl an alles andere eher dachte, als an die Wiener Rappaport-Stiftung. Unwahr ist endlich Ihre Behauptung am Schlüsse* des Artikels: „die Arbeit wird nicht publiziert": wahr ist vielmehr, daß mit einer angesehenen Verlagsbuchhandlung wegen der Publikation Unterhandlungen stattfinden. Daß das Buch noch nicht gedruckt vorliegt, erklärt sich aus dem Umfange eines Werkes! von mehr als 25 Druckbogen, doch dürfte es noch im Laufe des Winters im Buchhandel erscheinen. Vorstehende Berichtigung wollen Sie in der gesetzlichen Frist mit denselben Leitern und an derselben Stelle Ihres Artikels zum Abdruck bringen. Ergebenst Dr. I o sep h S. B l o ch." Versammlung der „Agu-ath-Jisroel" Wien. Montag, den 21. Oktober l. I., fand im Festsaale des Hotel Continental eine große Versammlung der „Agudath-Iisroel" statt. Sie war für halb 8 Uhr abends anberaumt. Lange vor der festgesetzten Stunde war der Saal von Gästen überfüllt. Die Eröffnung der Versammlung verzögerte sich bis 8 Uhr, weil zur selben Zeit die Ueberführung der Leiche des Herrn Simon Buchwald stattfand und viele dem Toten das letzte Geleite gaben. Der Vorsitzende Dr. Reiniger widmete nach Er-, öffnung dem Verstorbenen einen herzlichen und tief-, empfundenen Nachruf und hob seine besonderen Verdienste um die Fürsorge armer Kranker und deren rituelle Verköstigung hervor. IHe Versammlung hörte in tiefer Bewegung den Nachruf stehend an. Auf den Gegenstand der Versammlung übergehend, begrüßte der Vorsitzende die Erschienenen, namentlich die Herren Rabbiner, Kultusvorsteher, Vereinsleitungen. Professoren, Vertreter der Presse und andere illustre Gäste. Er stellte der Versammlung Herrn Dr. Arnold Klein, Rabbiner aus Nürnberg, vor, der durch seine Vorträge der „Agudah" schon manchen Erfolg gebracht und sich auch hier in uneigennütziger Weise in deren Dienst stellte. Von stürmischem Beifalle begrüßt, ergriff der Referent das Wort, um über das Thema „Die Weltorganisation der gesetzestreuen Iudenheit" zu sprechen. Der Redner führte etwa folgendes aus: „Der Gedanke der „Agudah" — des Zusammenschlusses aller gesetzestreuen Iuden - sei nicht künstlich in chas Volk getragen, sondern aus dem Urboden jüdischen Pflichtbewußtseins und Lebensdranges in der Volksseele selbst entstand,en. Man hört von Leuten die Bemerkung, diese Idee sei ihnen auch gekommen, sie hätten sie schon längst ausgesprochen. — In Kattowitz konnte man feststellen, wie tief empfunden die Sehnsucht nach dieser Neuschöpfung ist. Mit elementarer Gewalt brach aus dem Herzen der Versammelten die Zustimmung zur Konstituierung hervor. Nicht zaghaftes, kühles Abwägen, sondern das Bewußtsein : die „Agudah" wird entstehen und bestehen, weil sie da sein muß — gab der „Agudah" Dasein. Was find die Ziele, die Ausgaben, die sich dis „Agudah" zu stellen hat? In Anlehnung an eine Gebetstelle, die in dreifacher Bitte um die Erhaltung des jüdischen Volkes fleht, erörtert der Referent drei Aufgaben der neuen Organisation. ' Sie will arbeiten an der Behebung des wirtschaftlichen Elends in den Ländern der Not. Wohl arbeiten daran auch andere Organisationen, ihre Verdienste sollen nicht verkannt werden: aber Tatsache ist, daß ein großer Teil der östlichen Glaubensgenossen zu den bestehenden Organisationen kein Vertrauen gefaßt hat. Die wirtschaftliche Frage hängt innig mit der Kulturfrage zusammen. Darum muß die Lösung von einer Seite kommen, von der die Notleidenden wissen, daß sie über die religiösen Werte so denkt, wie diese selbst. Für die bestehenden Organisationen sind die Hilfsbedürftigen Objekte der Fürsorge, in der „Agudah" sollen sie Subjekte der Hilfe sein, sollen ihr Schicksal durch Abstimmung selbst ordnen helfen. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Emigranten zu richten. Cs wandern aus allen Ländern der Not jährlich viele Tausende in überseeische Länder. Viele gehen dein Iudentume verloren, weil es ihnen an lichem Halt fehlt und auch an Gelegenheit, die Forderungen des jüdischen Religionsgesetzes zu beobachten. Hier hat die Orthodoxie die Pflicht, zu wirken. Sie will und muß an der materiellen Erhaltung des Iudentums arbeiten. Die Anstellung jüdischer Bergarbeiter in den Kohlengruben Schlesiens, die die Sabbath- und Speisegesetze dabei beobachten können, zeigt, daß auch auf biefern Gebiete vieles erreicht werden kann. Eine zweite Aufgabe ist, die früher vorhandene, nun aber verlorene ideelle Einheit der jüdischen Gemeinschaft herzustellen. Die Entfremdung zwischen Ost und West ist zu groß geworden. Der Ost-Iude glaubt gar nicht, daß im Westen wahre Thora-Treue lebt. Dev West-Jude stellt sich den östlichen Bruder als kulturlosen, wirklichkeilsfremden Menschen vor. Das ist eint ungesunder Zustand. Es schlummert im Ost-Iudentums eine große Summe von Intelligenz, die durch Organtzsation der jüdischen Allgemeinheit dienstbar gemacht werden kann. Als dritte Aufgabe, die für die „Agudah" charakteristisch und ihr erst ihr besonderes Gepräge verleiht, ist die Mission, alle sich bietenden Aufgaben im Geiste des gesetzestreuen Iudentums zu lösen, für Erhaltung desselben zu arbeiten. Die Iugend in West-Europa wendet sich vielfach vom traditionellen Iudentume ab, weil dieses zu wenig an den großen praktischen Fragen des Tages arbeitet. Die Iugend will aber sich auf diesem Gebiete betätigen. Die Iugend im Osten dagegen wird geblendet vom Glanze der europäischen Kultur, die sie oft aus glaubensfeindlicheni Quellen kennen lernt und geht dadurch dem väterlichen Erbe verloren. Da kann nur die Verbindung des Ostens mit dem Westen helfen. Der kulturgesättigte Westen kann zeigen, daß er im Besitze der Zeitkultur das Judentum zu halten versteht, daß das Judentum keiner Kultur zurückstehl. Die Iugend des Westens wird ein Arbeitsfeld gewinnen und ihrerseits Gelegenheit haben, den reichen Thoraschatz des Ostens bewundern und erstreben zu lernen. Die „Agudah" tritt nicht als Kampforganisation auf* Sie wendet sich an alle Thora- und gesetzestreu Gesinnten und fordert sie zur Mitarbeit auf." Stürmischer Beifall folgteden Worten des Redners. In der nun anschliehenden Diskuffion nahm Herr Dr. Heinrich Schreiber das Wort, der die Grüße und Wünsche der Kultusgemeinde überbrachte. Die Herren: Rabbiner Dr. Feuchtwang. Stern, Bernhard Hofbauer traten in warmen Worten für die „Agudah" ein. Herr Plaschkes ist für die „Agudah". doch wünscht er die Pflege des nationalen Gedankens. Großes Interesse erregen die Ausführungen des Herrn Isidor Austerlitz, der sich als Misrachist bekannte. Er be#