Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 44 „An den verantwortlichen Redakteur der periodischen Druckschrift „Neue National-Zeitung", Herrn Dr. S. R. Landau in Wien. 2n Nr. 21 vom 25. Oktober 1912 bringen Sie an erster Stelle einen Artikel, der gegen meine Person und meine Stellung als Mitglied des Kuratoriums der Rappaport-Stiftung sich richtet. Sie behaupten. „daß mit der einzigen jüdisch 'wissenschaftlichen Preisstiftung Mißbrauch getrieben werde" und sagen ausdrücklich: „Nicht um die Rappaport-Stiftung handelt es sich hier, sondern um Dr. Grunwald. Und nicht bloß um Dr. Grunwald, sondern auch um seinen Schwiegervater Dr. I. S. Bloch, der hinter ihm steht." Der „Mißbrauch" wird näher präzisiert dahin, daß!!! „wenn es sich darum handelt, gewissen Protektions? lindern die Preise in den Schoß zu legen, kinderleichte Monographien gewählt werden;" ferner 1! ';; : „daß der Schwiegervater des einzigen Preiswerbers für die Arbeit seines Schwiegersohnes die Juroren zusammenstellt;" daß „ein christlicher Geschichtsprofessor und zwei jüdische Rabbiner-Seminarprofessoren — welche anläßlich einer früheren Bewerbung des Herrn Dr. Grunwald um denselben Preis dessen Arbeit als ungeeignet bezeichnet hatten, ohne jeden Grund amoviert wurden, um den Juroren des Herrn Dr. Bloch Platz zu machen." Dem gegenüber verlange ich im Grunde 8 19 des Preßgesetzes den Abdruck nachstehender Berichtigung: Dr. Mar Grunwald hat den Preis der Rappaport-Stiftung nur zweimal erhalten. An der Wahl des Themas: „Einfluß Spinozas auf deutsche Dichter und Denker" kann ich unmöglich schuldig sein, denn ich gehörte 1893 noch gar nicht dem Kuratorium der Rappaport-Stiftung an. Dr. Grunwald, 22' Jahre alt, war noch unverheiratet, niemand wußte von ihm, und als in der Sitzung des Kuratoriums eine Notiz des Manuskriptes: „Verfasser bittet, aus besonderen Gründen, Prof. Freudenthal in Breslau ein Amt als Preisrichter nicht zu übertragen" zur Diskussion gelangte, befürwortete Herr kais. Rat Dr. Theodor Lieben, diesem Wunsche schon deshalb Rechnung zu tragen, weil möglicherweise Prof. Freudenthäl selber Einsender der Arbeit sei, — welchem Argument die Kuratoren Prediger Dr. Adolf Jellinek und der Dichter Ludwig August Frankl, Ritter von Hochwarth, beipflichteten. Erst 1895 wurde ich in das Kuratorium berufen; die übereinstimmenden Gutachten der drei Preisrichter, Hofrat Prof. Theod. Gomperz in Wien, Geheimrat Prof. Hermann Cohen in Marburg und Geheimrat Prof. Georg Jellinek in Heidelberg lagen bereits vor. Als das verschlossene Kuvert geöffnet wurde und „Dr. Mar Grunwald aus Gleiwitz" auf dem Zettel stand, klang uns allen der Name dermaßen fremdartig, daß wir schon, um die Konfession des Preisgewinners zu erfahren, den Herrn Oberrabbiner Dp. G ü d e m a n n ersuchten, telegraphisch über den Träger dieses Namens irgend welche verläßliche Informationen zu beschaffen. Die kamen aus Breslau und lauteten: Dr. Grunwald ist ein junger Theologe, der vor wMigen Wochen das Seminar verlassen und als Rabbiner einer orthodoxen Gemeinde nach Hamburg berufen wurde. Damals war Dr. Grunwald weder „Schwiegersohn" noch „Prolektionslind", sondern mir wie allen Mitgliedern des Kuratoriums selbst dem Namen nach völlig unbekannt. Seither hat Herr Dr. Grunwald, allerdings schon nach seiner Vermählung mit meiner Tochter, um den Preis der Rappaport-Stiftung vom 15. Feber 1905 mit einer Arbeit „Die Juden und" di.e österreichischen Finanzen 1646 -1740". beziehungsweise vom 1. August 1909 mit einer Arbeit „Samuel Oppenheimer und sein Kreis" sich beworben. An der Wahl dieser Themen war ich wiederum unschuldig, beide sind beim Kuratorium von dem Wiener Universitätsprofessor Herrn Dr. Alfried Francis Pribram, dem Schwiegersohn des Stifters, in Antrag gestellt worden. In der Preisausschreibung wurde „vornehmlich auf Grund der in den verschiedenen Archiven vorhandenen handschriftlichen Quellen" eine Darstellung gefordert des „Anteiles, welchen in obbezeichneter Epoche Juden bei der Beschaffung der für die staatlichen Ausgaben notwendigen Mittel genommen haben, der Lebensschicksale der bei diesen Unternehmungen beteiligtest Personen, soweit es dem Zwecke der vorliegenden Arbeit entspricht". So wenig war die Aufgabe eine „kinderleichte", daß trotz der unverhältnismäßig hohen Preise außer Dr. Grunwald kein zweiter Preisbewerber für diese Arbeiten sich gefunden. An der Beratung und Beschlußfassung über Aus->. wähl der Preisrichter für diese Arbeiten habe ich nicht teilgenommen, den Sitzungen vielmehr mich ferngehalten. Die Behauptung, daß „der Schwiegervater des einzigen Preiswerbers für die Arbeit seines Schwiegersohnes die Juroren zusammengestellt", ist somit auch in diesem Falle der Wahrheit zuwiderlaufend. Ebenso ist es aber auch unwahr, ^daß „die Juroren — ein christlicher Geschichtsprofessor und zwei jüdische Rabbiner-Seminarprofessoren —- anläßlich einer früheren Bewerbung des Herrn Dr. Grunwald um denselben Preis, dessen Arbeit als ungeeignet bezeichnet halten." Wahr ist vielmehr, daß „der christliche Geschichtsprofessor", der Historiker Dr. Karl Lamp recht von der Leipziger Universität sich dahin ausgesprochen, dem Autor der vorgelegten Arbeit den vollen Preis zuzu erkennen. Wahr ist ferner, daß unter den Juroren für diese Arbeiten „zwei jüdische Seminarprofessoren" sich niemals befunden haben. Die Berufung von Professoren der Rabbiner-Seminare als Preisrichter wap nach der ganzen Natur des behandelten Wissensgebietes, ausgeschlossen. Nicht „Rabbiner-Seminarprofessoren", sondern der Historiker Dr. Heinrich F r i e d j u n g und der Eeschichtsprofessor der Czernowitzer Universität, Dr). Herzberg-Fränkl, hatten das Amt als Preisrichter bei beiden Preisausschreibungen: sie wurden bei der zweiten Preisausschreibung nicht „amoviert", haben vielmehr das Preisrichteramt neuerdings übernommen. "Als dritter an Stelle des Leipziger Professors Karl Lamp recht, welcher schon dem ersten Manuskript Dr. Grundwalds den Preis zuerkannte, trat der Wiener Universitätsprofessor Dr. Alfred Francis Pribram, Schwiegersohn des Stifters und Antragsteller der Preisausfchreibung. Das war die einzige Personalveränderung, welche das Stiftungskomitee im Preisrichterkollegium vorgenommen, — gewiß aus keiner anderen Erwägung als der, daß Prof. Pribram, eine anerkannte erste Autorität auf dem Gebiete der österreichischen Finanggeschichte, auch am ehesten in der Lage ist, die vom Verfasser aus den