Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022026--21585-3046687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 44 Dr. Mochs WvcheMrßft Seite 747 armee ziemlich schlecht bestellt, so macht dieses jüdische, Freiwilligenkorps einen sehr tiefen Eindruck. Ohne jede Militäruniform, Klotz mit einer Schärpe in den serbischen Nationalfarben gekennzeichnet, viele von ihnen in der typischen jüdischen Kleidung, gruppierten sie sich auf dem Hauptplatze von Belgrad und zogen unter grotzen Ovationen seitens der heimischen Bevölkerung aus der Stadt in den Krieg. Die serbischen Blätter feiern diesen patriotischen Heldenmut und die Opferwilligkeit der Juden in langen Artikeln. Das „Gefühl“ des Benegaten. Die Kandidatur des Täuflings Mugdan in dem im Sinne des preußischen Wahlrechts jüdischsten Kreise Deutschlands gibt natürlich auch der radikalen Presse zu „lieblosen“ Kommentaren Anlaß. Unter der Spitzmarke „Mugdan der Christ“ schreibt die ,‘,Welt am Montag“: „Dr. Mugdan, der Albert Trägers Nachfolger im Landtage werden soll, ist öffentlich und auch im .Reichstage wegen seines angeblich nicht ganz kompletten Religionswechsels angeredet worden. Die Aufstellung zum Landtage gibt Anlaß, auf die Angelegenheit zurückzukommen und eine „kleine Anfrage“ an den Herrn Kandidaten zu richten. Die „Weser-Zeitung“ hat vor längerer Zeit eine Stelle aus dem Briefe eines damals im Reichstage sitzenden Mannes veröffentlicht, die so lautet: „Ich habe nie aufgehört, mich als Jude zu fühlen und werde es auch in Zukunft weiter tun, trotz meines Austrittes.“ Als der Autor dieses Briefes wird allgemein Herr Dr. Mugdan bezeichnet, der doch im Reichstage eine „Verletzung seines christlichen Gefühls“ beklagt hat. Herr Dr. Mugdan wird gewiß erfreut sein, daß wir ihm Gelegenheit geben, sieh zu der Verbindung von christlichem Gefühl und jüdischem . Gefühl, die ihm das Gerücht nachsagt, zu äußern.“ Auch der sozialdemokratische „Vorwärts“ weiß recht Pikantes aus der Vergangenheit des vielseitigen Mannes aufzutischen: „Bis zu welchem Grad die fortschrittlichen Juden Berlins ihre Selbstentmannung treiben können und was andererseits diesen Mannesseelen von der Leitung ihrer Partei geboten werden kann, davon legt die Aufstellung des Sanitätsrates Dr. Mugdan als Kandidat für die Abgeordnetenwahl Zeugnis ab. Bekanntlich hat der Sanitätsrat Dr. Mugdan die Heilswahrheiten der christlichen Kirche durch die Taufe erst im reifen Mannesalter erkannt und zufällig gerade zu einer Zeit, als die antisemitische Hochflut der Fortschrittspartei die Aufstellung jüdischer Kandidaten nicht mehr opportun erscheinen ließ. Den Wissensdurstigen könnte der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Eickhoff nähere Mitteilung machen. Vor uns liegt die Abschrift eines Briefes des Sanitätsrats Dr. Mugdan, worin er zugibt, erklärt zu haben, daß er bei einer Stichwahl zwischen Stöcker und einem Sozialdemokraten für Stöcker eintreten wolle. Diese “Erklärung sei aber nicht öffentlich, sondern in Bekanntenkreisen abgegeben worden. ..." Ein interessantes Manuskript in der französischen Na? tionalbibliothek. Aus Paris wird uns berichtet: In der Abteilung für Hebraica der Pariser Nationalbibliothek erweckt jetzt ein vor einigen Tagchr erworbenes neues Werk allgefc meines Interesse. Es ist das ein altes hebräisches Manuskript, das in mehrfachen Beziehungen wertvoll ist. Ts hat zunächst Bedeutung für die französische Literaturgeschichte, ebenso für die altfranzösisch * Philologie und drittens vom Standpunkte der allgemeinen Schriftenforschung. Das Manuskript stellt eine Sammlung von Aufzeichnungen, Auszügen aus religiösen Büchern und rabbinischen Vorträgen dar. Autzerdem befindet sich in dem Manuskript eine Normenlabelle für die Zusammenstellung eines jüdischen Kalenders. In diesem Teile des Manuskriptes findet sich auch das Datum des Ent-» stehens der Handschrift. Es heitzt dort - nämlich, das heurige Jahr ist das Jahr 4997 der Weltfchöpfung. Demnach wäre chas Manuskript jetzt 675 Jahre alt. Die ersten Seiten des Manuskriptes sindteilweise vevwischt. Dem weiteren Inhalte ist jedoch zu entnehmen, datz der Verfasser ein Schüler jener Rabbiner ist. welche zu seiner Zeit im nordöstlichen Frankreich gelebt haben. Das Interesse der Philologen wird durch ein ziemlich umfangreiches Verzeichnis jener Fremdwörter wachgerufen. welche sich im alten hebräischen Schrifttum vorfinden und die der Autor der Handschrift teilweise ins Hebräische, teilweise ms Französische seiner Zeit und stel-, lenweise sogar ms Mittelhochdeutsche übersetzt hat. Auch die Schrift des Manuskriptes wird zum Studium anregen, da sie weder die assyrische, noch unsere heutige Druckschrift und auch nicht die sogenannte Raschi-Schrift darstellt. Vorführung verschiedener SchächtmethodM. Aus London wird uns der folgende interessante Fall mitgeteilt: Der dortige Tierschutzverein hat in der letzten Zeit eine lebhafte Agitation gegen das rituelle Schächten entfaltet. Es entspricht ganz dem praktischen Wesen der Engländer, datz sie es nicht beim theoretischen Kampfe bewenden ließen, sondern vergleichende Studien über die verschiedenen Schächtmethoden Vornahmen Vorige Woche wurde nun die Vorführung der verschiedenen Schächtmethoden im Londoner Schlachthause in Gegenwart eines grotzen Publikums vorgenommen. Auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde wurden hiezu eingeladen. Es ist nun interessant, datz sämtliche Methoden, welche die vorherige Betäubung des zu schlachtenden Viehes bezwecken, vollständig versagt haben, und selbst die eifrigsten Mitglieder des Tierschutzvereines mutzten konstatieren, datz das Vieh bei diesen Methoden viel länger und viel größere Schmerzen leidet, als bei der jüdischen rituellen Schlachtmethode. Ein Vorstandsmitglied des Verbandes der.englischen Tierschutzvereine sah sich denn auch veranlaßt, einem Vertreter der jüdischen Gemeinde gegenüber öffentlich die Bemerkung zu machen: Die jüdische Schlachtmethode hat die Probe siegreich bestanden. Das wird nun der ganzen Hetzkampagne gegen das rituelle Schächten in diesem Lan^e ein unrühmliches Ende bereiten. Hoffentlich wird ihm die Zukunft recht geben. Korrespondenzen. Eine Hetze gegen Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald Seitdem es bekannt geworden, daß der 3000 Kronen- Preis der Rappaport-Stiftung für eine Arbeit: ..Samuel Oppenheimer und sein Kreis" Herrn Dr. Grum wald zugefallen war. hat Dr. S. R. Landau nicht aufgehört, sowohl die Kuratoren der Stiftung, als Dr. Grunwald mit Schmähungen und ehrenrührigen Insinuationen zu verfolgen. Um das Ansehen der Stiftung vor mutwilliger Schädigung zu schützen, hat der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, in der letzten Vorstandssitzung eine pragmatische Geschichte der Stiftung und ihrer Preisausschreibungen auf Grund der Akten vorgetragen und die gegen die Stiftung gerichteten Angriffe in ihrer Grundlosigkeit aufzeigt. Nun wendet sich Dr. S. R. Landau mit erneuerten Schmähungen gegen mich persönlich und gegen Dr. Grunwald. und tischt eine Menge Schauermärchen auf. die ihm vielleicht irgend ein Witzbold aufgebunden hat, dem er aufgesessen ist. Da ich von privater Seite befiagt wurde, „was es mit den von Dr. S. R. Landau vorgebrachten Räubergeschichten" für eine Bewandtnis hat, hielt ich es doch für angebracht, ihm auf Grund des Pretzgesetzes eine Berichtigung zuzusen? den, deren Wortlaut ich auch den Lesern der „Wochenschrift" zur Kenntnis bringe.