Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 740 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 4t Beobachtung empfohlen. Trotzdem wurden von den strclngen Speisegesetzen diejenigen Sabbatarier dispensiert, die vermöge ihrer Stellung und ihres Amtes am Hofs erscheinen mutzten und zur fürstlichen Tafel geladen waren. Dieselbe Erleichterung wurde allen Staatsbeamten, unter denen es viele eifrige Sabbatarier gab. in hezug auf das Arbeitsverbot am Sabbat und an den übrigen, jüdischen .Feiertagen gewährt. Besonders strenge und feierlich wurde der Sabbat gehalten. Sie nannten ihn die himmlische Braut und enthielten sich an demselben jeglicher Arbeit und erlaubten sich nur in den seltensten Fällen, namentlichbei Lebensgefahr, von dem Arbeitsverbot abzuweichen. Am Sabbat hielten sie viermal Gottesdienst ab, es wurden Gebete verrichtet, Psalmen gesungen, die Thoravorlesung jedoch war ihnen im allgemeinen nicht bekannt. Nur in der von Simon Püchi gm Ende des Dorfes Szent Erzsebet errichteten Synagoge wurde auch an jedem Sabbat ein Thoraabschnitt verlesen. In dem herrschastlichen Schlosse, das er in Szent-Erzsebet befaß, hielt er einen Hauskaplan. Sabbatarier, und duldete es nicht, daß sein Hausgesinde am Sabbat arbeite, und achtet^ darauf, datz die Speisegesetze genau beobachtet wurden. Neben der Synagoge erbaute er auch eine Schale und betraute einen Sabbatarier mit der Leitung derselben, nachdem er von Szent-Erzsebet den unitarischen Schub Meister entfernt hatte. Der Sabbat sollte nach, der Auffassung der Sabbatarier nicht nur durch körperliche, sondern auchdurch sittliche und geistige Ruhe gefeiert werden. B u k a r e st. ' Dr. M. Beck, Rabbiner. (Lchluß folgt.) vom Aabrmarkr des Lebens. Werner Sombart contra Franz Oppenheimer. Aus Berlin wird dem „Israelit" gemeldet: Der in Berlin stattfindende zweite deutsche Soziologentag brachte gestern kurz vor seinem Abschluß lebhafte Diskussionen und scharfe Auseinandersetzungen zwischen Dr. Franz Oppenheimer und Werner Sombart, die grundsätzlichen Interessen vom jüdischen Standpunkte aus nicht entbehren. Oppenheimer hielt einen Vortrag über „Rassentheoretische Eeschichtsphilosophie", in dem er sich in außerordentlich starken Ausdrücken gegen die Uebertreibungen der Rassentheoretiker vom Schlage Woltmanns, Chamiberlains, Ammons u. a. m. wandte und im Gegensätze zu dem Einflüsse des Blutes auf die Entwicklung der Weltgeschichte das Milieu, d. h. also die äußeren kulturellen Einflüsse, als absolut maßgebenden Faktor darstellte. Die Schärfe seiner Polemik Deranlaßte einen Teil der Hörer, den Saal zu verlassen, und es kam dann in der Diskussion zu heftigen Zusammenstößen zwischen der dissentierenden Minderheit und dem Redner. Sombart warf Oppenheimer vor, daß seine wissenschaftlichen Anschauungen nicht von objektiven Erwägungen bestimmt, sondern einfach darnach orientiert seien, die kulturelle Anpassung und damit die politische Gleichberechtigung der Juden innerhalb ihrer Wirtsvölker zu begründen. Diese Auffassung, welche Rasse und Abstammung als gleichgültig und die höheren Kulturfaktoren als einzig maßgebend ansieht, sei ebenso einseitig, wie die Theorien Gobineaus und seiner Nachfolger. Auch Professor Mar Weber trat gegen Oppenheimer in die Schranken, indem er erklärte, die in Betracht kommenden Probleme seien nach dem heutigen Stande der wissenschaftlichen Forschung überhaupt noch nicht lösbar. Im Schlußworte Oppenheimers kam es nochmals zu heftigen Zusammeinstößen mit Sombart. Es entbehrt jedenfalls nicht eines eigentümlichen Reizes, hier den Nichtjuden Sombart für die zionistische Auffassung des Rassenproblems gegen den Zionisten Franz Oppenheimer auftreten zu sehen. Diese Tatsache allein beweist eigentlich schon zur Genüge, daß Blut und Rasse beim Kulturmenschen doch recht untergeordnete Faktoren find! Das Buch eines griechischen Prälaten über das Judentum. Aus Konstantinopel wird berichtet: In den nächsten Tagen wird hier unter dem Titel „Gedanken über das Judentum" ein Buch erscheinen, das sowohl wegen seines Autors, als auch wegen seines Inhaltes das Interesse der Oeffentlichkeit .in Anspruch nehmen wird. Es ist dies ein Werk des vor einiger Zeit verstorbenen griechischen Prälaten aus Zante, Monsignore Dionys Latta. Dieser auch von seinen Gläubigen nahezu vergötterte Geistliche war einer der nicht allzu vielen liberalen und hochherzigen griechischen geistlichen Würdenträger, die inmitten des gerade unter den Griechen wütenden Judenhasses den Mut fanden, in Artikeln und Kanzelreden in objektiver Weise das Wesen des Judentums zu beleuchten und auf seine Verdienste um die Entwicklung des menschlichen Geistes hinzuweisen. Die „Gedanken über das Judentum" find eben eine posthume Sammlung jener Artikel und Reden, die schon zur Zeit, da sie geschrieben und gesprochen wurden, allgemein.es Aufsehen erregt und liefen Eindruck gemacht haben. Die Drucklegung dieser Sammlung wurde von der Familie des Verstorbenen, welche gleichfalls im Geiste ihres würdigen Familien? Hauptes lebt, veranlaßt. Sie wird jedenfalls einen wertvollen Beitrag zur Apologetik des Judentums bilden. Ein jüdischer Staatssekretär für Indien. Wie die in höheren Regierungskreisen Englands eingeführte „Pall MaA Gazette" zu berichten weiß, steht die Ernennung des Mr. Lionel Abrahams zum Nachfolger des jüngst verstorbenen Staatssekretärs im Mi-- nifterium für Indien bevor. Mr. Abrahams, der längere Zeit hindurch in diesem Amte als Vizesekretar tätig war, ist bereits feit 20 Jahren Beamter dieses Departements und war früher Finanzsekretär in demselben. Vor fünf Jahren war er auch Mitglied der Kommission für die indische BahNadministration und indisches Finanzwesen. Er gilt heute, als bedeutender Kenner des indischen Administrationswesens. Der erste jüdWe Abgeordncke in Serbien. In der vor einigen Tagen stattgehäbten Sitzung der serbischen Skuptschina stellte sich der o&& einer Ersatzwahl siegreich hervorgegangene neue radikale Abgeordnete Buli Benzion vor. Er ist der erste Jude, der in, Serbien ein Abgeordnetenmandat erlangt hat. Dem neuen Abgeordneten wurde der Amtseid nach jüdischem Ritus abgenomMen. Herr Benzion ist eine bekannte Persönlichkeit und erfreut sich als Direktor eines hervorragenden Geldinstitutes eines guten Rufes. Seine Wahl ist auch schon deshalb bemerkenswert, weil fein' Votum der Regierung die Majorität in der Skuptschina sichert. Ein jüdisches FreiwMgenkorps in Serbien. Wie der Belgrader Korrespondent des Londoner „Standard" seinem Blatte mitteilt, hat sich in der serbischen Hauptstadt ein aus 900 Mitgliedern bestehendes jüdisches Freiwilligenkorps gebildet und ist gegen die türkische Grenze marschiert. Diese Freiwilligen rekrutiersen sich aus Juden,, die noch nicht oder nicht mehr zum Milijtärdienst im Kriege herangezogen werden konnten. Ist es schon mit der Uniformierung der serbischen Kriegs-