Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 44 Dr. Brochs Wochenschrift Seite 739 Adel und besah, zahlreiche Güter in drei Comitaten Siebenbürgens. Er wurde 1567 durch, Franz David dem Unitarisnms gewonnen, von dem er sich aber immer mehr entfernte und ein begeisterter Sabbatarier wurde. Aus dem Krankenbette verfaßte er zahlreiche Lieder und Hymnen, die unter den Sabbatariern große Vierbreitung fanden. In einer dieser Hymnen, die alle ohne Ausnahme in ungarischer Sprache abgefaßt waren, heißt es: Gepriesen sei Gott in den Höhen, Der uns die Zeit erleben ließ, Daß wir im Verborgenen die wahre Religion gesunden. Befolgen wir sie treu in unserm ganzen Leben! Leidenschaftlich hing er an diesem seinen Glauben und opferte ihm sein Leben, seine Gesundheit und sein ganzes großes Vermögen. Nach dem Tode seiner Binder ernannte Andreas Eössi den Siwon Pacht nicht nur zum Erben seines bedeutenden Vermögens, sondern übertrug ihm auch die Aufgabe, für die Verbreitung der Sekte der Sabbatarier theoretisch und praktisch zu wirken. Mit Bezug aus seine Opferfreudigkeit und seine Hingebung für dia Sache der Sabbatarier rühmten ihm diese nach dessen im Jahre 1598 oder 1602 erfolgten Tode nach: „Der Fromme hat auch nach dem Tode ein frommes Andenken." Andreas Eössy hatte die Mangelhaftigkeit seiner Kenntnisse auf dem Gebiete der hebräischen und rabbinischen Literatur schmerzlich empfunden, darum spornte er noch zu Lebzeiten Simon Pacht an, weite Reisen zu Machen, bedeutende jüdische Gelehrte auszusuchen, um im Umgänge mit ihnen seine hebräisch-literarischen Kenntnisse zu bereichern und besonders das praktische Judentum kennen zu lernen. Denn merkwürdigerweise gab es damals, wenigstens im Szeklerland, keine Juden, von denen die Sabbatarier sich hätten belehren lassen können. Dr. S. Köhn ermähnt bloß die Eristenz'einer sepbardischen Gemeinde in Klausenburg. von deren Mitgliedern Pachi Hebräische Bücher soll gekauft haben: jedoch.muh es nach meiner' Ansicht schon früher in Karlsburg eine jüdisch-spagnolifche Gemeinde gegeben haben. Ich war im August 1892 dort und fand noch 5h-6 jüdische Familien, deren Ahnen aus der Türkei eingewandert waren. Sie hatten einige Jahre vorher den Bau eines großen und wunderschönen Gotteshauses in Angriff genommen, konnten ihn aber nicht vollenden, weil die Gemeinde immer mehr und mehr zusammensichMolz. In dem genannten Jahre gehörte der Tempel schon, der aschkenasischen Gemeinde, die etwa 300 Familien zählte, die, nachdem sie den Bau zu Ende geführt hatte, den spagnolischen Glaubensbrüdern erlaubte, an Sabbaten und den anderen jüdischen Feiertagen ihren Gottesdienst nach sephardischem Ritus in demselben abzuhalten. Es gelang aber nicht imMer, die Zahl von 10 Spagnolen zusammenzubringen. Ob dort noch heute sephardischer Gottesdienst abgehalten wird, ist mir nicht bekannt. Die Stadt Karlsburg, zu jener Zeit eine große Festung und schon zur Zeit der Römer bekannt (Alba Julia), sah in ihren Mauern oft die Landesstände versammelt, die gar manche für die Sabbatarier verhängnisvolle Beschlüsse faßten, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie mit den dortigen sephardischen Juden in regem Verkehr waren, von welchen sie vielleicht auch den sephardischen Ritus annahmen. Es muh nämlich vorweg bemerkt werden, daß die Lieder und Gebete und Hymnen der Sabbatarier deM Gebetbuche und Machsor der Sephardim entnommen, bezw. aus demselben ms Ungarische übersetzt worden sind. Meines Wissens ist die Cristenz einer jüdisch--türkischen Gemeinde in Klausenburg sonst historisch nicht bewiesen, während solche zweifellos -in Karlsburg und Temesvnr bestanden haben. Die Annahme. daß zwischen diesen zwei Gemeinden und den Sabbatariern freundschaftliche Beziehungen Unterhalten wurden und daß sie in der ersteren Stadt auch Gesinnungsgenossen hatten, läßt sich nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Wenn wir Fkanz David den Stifter der Sekte der Sabbatarier nannten, so müssen wir in Simon Pochi den Gesetzgeber und Organisator ihrer religiösen Einrichtungen sehen. Vermöge seiner Kenntnisse brachte er die bisher verschwommenen Glaubenssätze der Sabbatarier in ein bestimmtes und festgefügtes System, vermöge seiner hohen gesellschaftlichen Stellung vermochte er die Sekte in allen Schichten der Bevölkerung zu verbreiten. Er bekleidete die Würde eines Staats-Kanzlers, undi als solcher unterschrieb er oft die zwischen Siebenbürgen und ausländischen Staaten geschlossenen Verträge, so den im Jahre 1516 in Tyrnau zwischen Kaiser Mathias II. und dem Fürsten Gabriel Bethlen zustandegekommenjen. Simon Pechi war der erste Sabbatarier, der das Udische Schrifttum gründlich kannte und der auch mit dem Zeremonialgesetz vertraut war. Und doch war er voll Widersprüche. Er polemisiert gegen alle christlichen Konfessionen, weil sie willkürlich das mosaische Gesetz, ausgehoben, und doch hielt er die Beschneidung nicht für verbindlich. Er schärft seinen Anhängern die strenge Beobachtung des Sabbats, des Pessachfestes ein, an dem kein gesäuertes Brot genossen werden darf, ebenso macht er den Sabbatariern die Fefer des Wochen- und Laubhüttenfestes zur Pflicht, verschweigt aber das Gebot von Sukka und Lulab, wie auch sein Gebetbuch keine Segenssprüche beim Anlegen von Tallith und Tefillin enthält. Er nimmt den Evangelien gegenüber eine feindselige Stellung ein, sieht aber doch in Jesus den von allen Propheten verkündeten Christus und glaubt selbst an den Ehiliasmus. freilich nicht in dem hergebrachten Sinne. Nach Pechi ist der Ehiliasmus die glückliche Zeit, da alle zwischen Juden und Christen bestehenden Gegensätze schwinden werden: die Christen werden das Gesetz Moses' beobachten, die Juden werden in Jesus den Messias verehren. Beim Begräbnis der Toten hielten die Sabbatarier noch an manchen christlichen Gebräuchen fest, erklärten, jedoch ganz im Geiste der Bibel den Toten für unrein. Als unrein galt ihnen auch, wer den Sarg eines Toten oder den Knochen eines Toten berührte. Dir Unreinheit dauerte sieben Tage lang. Die Sabbatarier betraten keine christliche Kirche, weil man in sie Tote brachte und dort auch begrub. Sie sagten von den christlichen Konfessionen. daß sie unter Toten und Götzenbildern das. lebendige Wort Gottes verkündeten. Auch in anderen Beziehungen hielten sie sich strenge an den Wortlaut der Schrift. So z. B. sollen die des Meineides überführten Zeugen dieselbe Strafe erleiden, die den Angeklagten, wenn sich dfe Anklage gegen ihn als wahr erwiesen hätte, getroffen haben würde. Der Genuß des Schweinefleisches war ihnen ein Greuel. In emem durch die Vermittlung eines Gesinnungsgenossen aus Mako (Ungarn) an SinaPascha, der sich damals in Ofen aufhielt, überreichten Bittgesuche, durch welches sie den Schutz des mächtigen Sultans erflehten und das am 15. Juli 1595 in Maros-. Büsürhely verfaßt wurde, rühmten sich die Sabbatarier nicht nur. daß ste einen Gott und nicht drei Gottheiten anbeteten, sondern auch, daß ihnen gleich den Türken der Genuß des Schweinefleisches verhaßt wäre. Sie aßen auch nicht von dem Fleische eines Tieres, das nicht vorher in vorschriftsmäßiger Weife getötet -war. Pechi hat den Sabbatariern aus dem Schulchan Aruch Iore Dea den auf das Schächten bezüglichen Abschnitt ins Ungarische übersetzt und ihnen zur genagey