Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 738 Nr. 44 Dr. Vlochs Wochenschrift geisterter Fanatismus und Fatalismus auch noch heute über allem Zweifel stehen. So kann also die arischchristliche Vaterlandsliebe und tapfere Männlichkeit zur Katastrophe der Türkei werden, des weitaus duldsamsten Staates in Europa. Sehr belehrend ist gegen alle diese historischen Wahrheiten das semitisch-jüdische Gegenstück. In dreien der kriegführenden Staaten sind die jüdischen Bürger in einem sehr bemerkenswerten Prozentsatz vertreten, in der Türkei, in Serbien und Bulgarien. Man hat in der ganzen Vergangenheit dieser Staaten niemals etwas von revolutionären Umtrieben der Juden gehört, dagegen sehr viel von ihrer patriotischen Bereitwilligkeit. Wie es nun jetzt zum Kriege kam, haben die Juden allev Staaten sofort im großen Stile ihre Pflicht getan, ihre Bereitwilligkeit zu allen notwendigen Opfern erwiesen und ohne Zögern alle ihre waffenfähigen Söhne ins Feld geschickt. Besonders aus Belgrad und Sofia wurde von einwandfreier Seite gemeldet, mit welcher Begeisterung sich die Juden zum Dienste des Vaterlandes gestellt haben. Und nun sollen speziell die Regimenter der ge-- nannten Hauptstädte sich am tapfersten benommen und! am meisten gelitten haben, die Regimenter, in deren Kontingent die Juden einen großen Teil bilden. Sie haben die Siege miterstreiten geholfen, welche besonders im antisemitischen Rußland mit solcher Begeisterung ausgenommen wurden, wo man die Juden wie Parias behandelt, weil man sie als Bürger und Mensch,en für' minderwertig hält. Es wird aber vielleicht noch schöner kommen. In die Reihe der kriegführenden Staaten kann in Kürze auch Rumänien treten, dem die Machtvergrößerung des benachbarten Bulgarien nicht gleichgültig sein darf. Dann wird wieder eine Armee im Feld stehen, die einen bedeutenden Prozentsatz Juden aufzuweisen hat. Rumänische Juden, die rechtlosesten der Welt. Man nimmt sie unter die Bürger des Staates nicht auf, aber man zwingt sie, für diesen Staat zu sterben. Man läßt sie in der Armee nicht einmal bis zum Gefreiten avancieren, aber man verlangt begeisterte Tapferkeit von ihnen. Die Juden nun haben gezeigt und werden zeigen, daß unter allen Umständen ihr Patriotismus größer ist, als das Recht zur gerechten Vergeltung. Daß sie ihr Paterland auch lieben, wenn es ihr Stiefvaterland ist. Auf dem Balkan wird jetzt mit Herzblut bewiesen, welches Ideal das größere ist: das arisch-christliche oder das jüdisch-semitische. > Die Proselyten-Gemeirrde irr Ungarn. (Die Sabbatarier von Bözöd-Ujfalu.) (Fcr ßtzung von N". 42.) Nach der Schlacht bei Mohäcs (29. August 1526) erhielt Siebenbürgen eine größere Selbständigkeit als früher, es hing nur noch> lose mit Ungarn zusammen. Unter den Fürsten, die von jetzt ab das Land regierten, waren einige der Reformation freundlich! gesinnt, Siebenbürgen wurde die Heimat der Glaubensfreiheit. Zu den rezipierten und gleichberechtigten christlichen Konfessionen, der katholischen, lutherischen und reformierten (calvinischen), kam im Jahre 1568 noch die vierte,' die der Unitarier oder Antitrinitarier, hinzu. Den llnitariern schloß sich auch Franz D av id an, nachdem er früher in seiner Vaterstadt, Klausenburg, katholischer Geistlicher gewesen war, darauf ein eifriger Anhänger Luthers und später Calvins wurde. Zum Unitarismus wurde Franz David durch den Italiener Blandrata bekehrt. Der Jünger ging aber bald über die Lehren des Meisters hinaus; denn während die Unitarier und Sozinianer bloß die Dreieinigkeit verwarfen, leugnete Franz David auch die Gottheit Christi und geriet dadurch! in einen heftigen Streit mit Blandrata. Dieser Franz David muß als der eigentliche Stifter der Sekte der Sabbatarier angeseh en w erd en, dfe auchdeshalb anfangs Davidisten genannt wurden. Durch seine Lehre, die Anbetung Christi sei nirgends im Neuen Testament befohlen worden, weshalb sie Gott auch nicht gefällig sein könne, zog er sich nicht nur dis Feindschaft seines früheren Meisters, sondern auch die des siebenbürgischen Fürsten, Chr. Bathori, eines Freundes der Jesuiten, zu. Dieser liefe, Franz David den Prozeß machen, ihn von Karlsburg (Gyulafehervür) auf die Festung Deva bringen, wo er am 15. November 1579 färb. Diese Strenge des Fürsten Bathori gegen Franz David schadete nichts der Bewegung, auch nicht die gegen ihn erhobene Anklage, daß er förmlich zum Judentu'jrr übergetreten sei; im Gegenteil, dir Anhänger Davids wurden immer zahlreicher und eifriger, besonders unter den Szeklern, im Osten und Nordosten Siebenbürgens, während unter den übrigen Nationalitäten des Fürstentums, den Ungarn, Deutschen (sogenannten Sachsen) und Romanen, seihe Lehren keine günstige Ausnahme fanden. Diese Erscheinung erklärt sich am einfachsten dadurch, daß! die Unitarier, aus deren Mitte die Sabbatarier, wie wir gesehen, hervorgegangen waren, fast ausschließlich Szekler waren: aber trotzdem muß es doch ausnahmsweise, wenngleich, in sehr geringer Zahl, auch unter den Ungarn und selbst unter den Romänen Anhänger Fr. Davids gegeben Haben; denn wir begegnen denselben auch in Mako (Ungarn), wo die Szekler niemals heimisch waren, und auch unter den Romänen. Dr. S. K o h n, dem wir die genaue Kenntnis der religiösen Ansichten und der Literatur der Sabbafarier verdanken., und dem wir auch in den Hauptzügen als sicherem Führer folgen, erwähnt untqr den Verfassern von Gebeten und Liedern, die in den Ritus der Sabbatarier Aufnahme gefunden haben, zwei Männer: Georg Sch in ca und Eher g heli, die offenbar romanischer Abstammung waren. E e o r g S chi n k a i, Edler von Schinka, am 28. Februar 1753 geboren, der berühmte Chronist der Romanen, war ohne Zweifel ein Nachkomme des erstgenannten Georg Schiina. Die Behauptung. Franz David habe sich zum Judentujm bekannt, widerlegt sich von selher durchdie Tatsache, daß. er bis zu feinem Tode Christus als den größten, Propheten, als den Messias, anerkannte und das tsteue Testchnent weit über das Alte stellte. Ob die siebenbürgischen Sabbatarier in geistigen Zusammenhang mit -ähnlichen Sekten in Böhmen, wo sie Subbotnik: hießen, in Schlesien, Polen und Rußland, wo sie sich, bis auf den heutigen Tag erhalten haben, gebracht werden können, bestreitet der ungarische Gelehrte Joseph Lugossy, dem sich auch Dr. S. Kohn anschließt. Wenn auch ähnliche Bestrebungen in anderen Ländern nicht ohne Einfluß auf die Entstehung der sieb,enbürgi-! scheu Sekte waren, wie ja auch der Unitarismus aus Polen nach Siebenbürgen verpflanzt wurde, so war doch die weitere Entwicklung und Ausgestaltung hier eine ganz verschiedene von derjenigen in den slavischm Ländern. Die Sabbatarier Siebenbürgens gingen wohl aus dein: Christentum hervor, näherten sich, aber je länger je mehr dem Judentum, bis sie schließlich in demselben ganz aufgingen. Nach dem 5kode Franz Davids gewannen die Sabbatarier einen mächtigen Beschützer in Andreas E ö s s y aus Szent-Erzfebet. Er entstammte dem vornehmsten