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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 734 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 43 Bieletz. Am Samstag den 19. d. M. fand in der hiesigen Synagoge, anschließend an den Mussafgottesdienst, die Feier des 25 jährigen Dienstjubiläums des Herrn Oberkantor Goldmann statt. Die Synagoge war von einem distinguierten Publikum besucht. Der Jubilar wurde mit vollem Namen zur Thora gerufen, woraus Herr Kantor Rudolf Fischer mit seiner klangvollen Tenorstimme einen von Sr. Ehrw. Herrn Rabb Dr. Steiner verfaßten, auf die Feier bezugnehmenden Mischeberach vortrug, welcher aus das aywesende Publikum tiefen Eindruck machte. — Nach dem Einheben stimmte der verstärkte Tempelchor Beethovens Ehre Gottes an, worauf Sc. Ehrwürden Herr Rabb. Prof. Dr. Steiner eine feierliche Ansprache an den Jubilar hielt. Mit dem Segen für den Jubilar schloß der ehrwürdige Redner seine Ansprache, die alle Anwesenden tief bewegte. Herr Oberkantor Goldmann dankte gerührt dem Rabbiner sowie der ganzen Gemeinde und schloß mit einem Gebet für das Wohl derselben. — Nach Schluß des Gottesdienstes begab sich eine Abordnung des Kultusvorstandes, mit dem Präses Herrn kais. Rat S. Pollak an der Spitze, und eine Deputation mehrerer in Bielitz bestehender Vereine in die Wohnung des Jubilars. Herr kais .Rat Pollak überreichte demselben mit einer Ansprache eine kunstvoll ausgestattete Adresse, einen Pokal und ein Ehrengeschenk, Herr Osias Schmelz gratulierte namens der Chewra Kadischa, Herr Prof. Feuerstein im Namen des Bnai Brith. Beide Vereine .sowie auch der jüd. Frauenverein überreichten dem Jubilar wertvolle Ehrengeschenke. Herr Kantor Fischer sprach im Namen der Kultusbeamten. Es war ein schönes Fest, welches einem Manne galt, der durch fein ganzes Wesen sich die Sympathien aller, die ihn kannten, zu erwerben und zu erhalten verstand. Radautz. Unsere Gemeinde hat den Verlust eines begeisterten, edelfianigen und opferfreudigen Juden zu beklagen. Dr. Phöbus Maier, k. k. Norar, verschied nach langem Leiden. Der Dahingeschiedene war ein warmherziger Förderer aller jüdischen Bestrebungen und betätigte sich in fast allen jüdischen Vereinen in hervorragender Werse. Seine Wohltätigkeit kannte kerne Grenzen. Einen großen Teil seines Ernkommens widmete er relrgiösen und wohlrärigen Zwicken. Dem allseits verehrten Manne gaben die ganze judnqe Gemeinde, die Sp tzen aller Behörden, die Gerstlrchkeu aller Konf ff onen, sowie die ganze christliche Intelligenz das lltzre Gelerre. An der Bahre hielt §errabbrner Jakob H o f f m a n n einen ergreifenden Nachruf. Feuilleton. Die Wunderkur*) Eine wahre Begebenheit aus den Erinnerungen eines Arztes. Es war im Jahre 1874. Nach kurz vorher bestandenem Staatsexamen war ich als Assistentsarzt am städtischen Krankenhause in D—dt tätig, eifrig bemüht, meine ärztlichen Kenntnisse zu vertiefen. Den Sommer d. I. nahm ich meine Ferien und reiste zu meinen Eltern nach P —n. Diese waren eifrig bemüht, ihrem neugebackenen Doktor den Aufenthalt so angenehm als möglich zu «gestalten. Die Sabbat- und Festtage, die nach altem Ritus bei uns gehalten wurden, waren im wahren Sinne des Wortes bei uns Festtage. Mein Vater, der die Synagoge fleißig besuchte, brachte hin und wieder einen fremden Gast mit, der zur großen Befriedigung meiner Mutter ihrer Küche stets Ehrp antat. So erschien auch an einem Sabbat während meines Ferienaufenthaltes ein sehr sauber angekleideter Russe, der sich angeblich in Geschäften in P—n aufhielt — ein bescheidener, ruhiger Mann. Bei Tisch drehte sich das Gespräch, wie in den meisten jüdischen Häusern, um die Kinder, und mein Vater erzählte mit einer gewissen Freude, daß sein zu Besuch weilender Aeltester Arzt geworden wäre. Als unser Gast das Wort „Arzt" hörte, erschien er plötzlich wie verwandelt. Sein bisher ruhiges Wesen wich einer auffallenden Erregung. Er trat auf mich zu mit einer unterwürfigen, aber ebenso* dringenden Bitte. „Herr Doktor, Sie müssen mir helfen. Ich habe zu Hause eine schwerkranke Frau und Tochter, Sie müssen *) Aus der „Allg. Ztg. des Judentums."!mir etwas verschreiben!" Natürlich lehnte ich dieses Ansinnen ab, indem ich ihm erklärte, ich könne unmöglich einem Patienten, den ich nicht gesehen Hache, etwas verordnen. Unser Gast ließ sich aber nicht abweisen. Er wurde immer dringlich>er mit seiner Bitte, und da er das Unvernünftige seines Begehrens nicht einsah, spielte ich folgenden Trumpf aus: „Sie sind doch ein frommer Mann und können doch unmöglich wollen, daß ich am Schabbes eine Sünde Ihretwegen begehe, indem ich ein Rezept schreibe!" Aber auch dieser Trumpf half nicht. Die Erregung des Mannes wuchs bedenklich, er warf sich zu Boden, umklammerte meine Knie und^ schrie weinend: „Herr Doktor, ich lasse Sie nicht, Sie müssen mir etwas kür meine Frau und Tochter verschreiben." , Was blieb mir anderes übrig, als daß ich dem erregten Manne seine Bitte erfüllte? Ich erkundigte mich nach den Krankheitssymptomen der beiden Kranken und glaubte aus den Angaben zu entnehmen, daß es sich um eine schwere nervöse Störung bei beiden handle und übergab ihm eine dementsprechende, natürlich indifferente schriftliche Verordnung. Freudestrahlend und mit übertriebenen Dankesworten nahm unser Freund das Rezept an sich. Es vergingen feit meinem Besuch in P—n mehrere Monate. Ich war auf meinem Posten in D—dt tätig und hatte die kleine, eben erzählte Episode fast vergessen, als mich ein Brief meines Vaters wieder daran erinnerte. Der Brief lautete folgendermaßen: „Du wirst Dich^ lieber Sohn, wohl noch unseres Sabbatgastes während Deines Ferienaufenthaltes erinnern, der Dich so flehentlich um Deinen ärztlichen Rat bat. Von diesem erhielt ich aus Rußland dieser Tage einen mit glühenden Dankesworten erfüllten Brief, in dem er mir mitteilt, daß seine jahrelang kranke Frau wie Tochter durch Deine Verordnung vollkommen geheilt seien, daß er jetzt nach so langer Zeit wieder ein glücklicher Mensch sei usw." „Du darfst Dir aber nicht einbilden" — fährt mein Vater fort —, daß diese Wunderkur Dein Verdienst ist, denn die Sache hängt anders zusammen. Sein Brief klärt diesen Zusammenhang auf. Nachdem nämlich alle angewandte ärztliche Hilfe bei den genannten Kranken sich als vergeblich bewiesen hatte, kam unserem Gaste die Eingebung, den wundertätigen Row in G—tz — nahe von P—n — um Rat zu fragen. Der Wundermann hörte die Leidensgeschichte, die der Bedrückte ihm vortrug, ruhig an und gab ihm den klugen Rat, — den ersten Arzt zu befragen. Unser Russe deutete den delphischen Spruch des Wunderrabbis so, daß er den ersten Arzt, dem er begegne, fragen müsse. Und das warst Du! Deshalb bestand er so dringend auf Deine Verordnung! ' Natürlich ist diese glückliche Heilung ein Ruhmesblatt — des Wunderrabbis in G—tz." So schloß der Brief meines Vaters. Vermag nicht der unerschütterliche Glaube Berge zu versetzen? Dr. Th. I. gifowt»*. „Israel am Scheidewege". Dieser Tage wurde mir aus Brody, begleitet von einem anonymen Schreiben, eine kleine, magere, vierzehn splendid gedruckte Seiten enthaltende Broschüre zugesendet mit der Bitte, sie in der „Oesterr. 'Wochenschrift'* zu besprechen. Besprechen, als ob diese arme Publikation, die fast nichts enthält, als Zitate aus abgelegenen Zeiten, einen Inhalt hätte. Der bemitleidenswerte Verfasser wußte augenscheinlich nicht, was mit seiner Zeit und seinem Oelde anzufangen, als er die Broschüre schrieb und sie in Brody an ganz unschuldige, wehrlose, nichts böses ahnende Alenschen gratis verteilen ließ, ohne zu bedenken, daß er in Israel den Religionskrieg anfachen könnte. „Israel am Scheidewege“ heißt das in Zürich weg-

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