Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 785 gelegte, in Brody aut offener Straße ausgesetzte uneheliche «Lind einer kranken Phantasie, das Lifseinen Windeln eine Kriegserklärung an den Talmud brachte und die Händchen zum Profeten Isaias erhob, der den Gottesdienst im Tempel, die Priester, die Opfer, das Fasten negierte und die Verteilung milder Gaben als Mittel- und Kardinalpunkt »der Religion predigte, während die Schöpfer des gestrengen Talmuds die ganze Schwere auf das Zeremonielle, auf Buße, Kasteiungen, Beten und Fasten legen. Zwischen dem milden Seher Isaias, dem später Jesus mit gleichen Sprüchen folgte, und den Gewaltigen des Talmuds wäre nun die Entscheidung zu treffen, und fällt, wie zu hoffen steht, der Talmud, dann ist die Assimilierung des Judentums fertig, zieht sich der Antisemitismus in seine Höhle zurück und der religiöse Friede herrscht auf Erden! Und der Zionismus? Der Zionismus hätte keine Berechtigung mehr, nicht der geträumte Judenstaat, nicht der Tempel, nicht die Priester, nicht die neuen Herrlichkeiten und die alten Erinnerungen! „Sind wir dabei,“ heißt es, „uns vom Talmud loszusagen und die hohe Ethik unserer Seher als unsern Glaubenskanon anzuerkennen, dann ist die Scheidewand, die uns von den Völkern, unter denen wir wohnen, gefallen und eine natürliche Assimilierung könnte platzgreifen.“ Bravo! Der erfindungsreiche Verfasser kann sich ein Patent geben lassen auf das Mittel, in so rascher Weise den jahrhundertealten Kampf zu beenden, den Rassenhaß zu tilgen, die Feinde, die sich jetzt blutig befehden, zu versöhnen und den Gottesfrieden auf Erden herzustellen. „Die Diskussion über die von mir aufgeworfene Frage ist eröffnet,“ schließt er mit Pathos und lehnt sich selbstbewußt im kurulischen Stuhle zurück, auf den Effekt seines Vorschlages wartend. Warte nur, sie strömen herbei, die Millionen aus Rußland, Rumänien, Galizien und Ungarn, um mit dir den Talmud zu begraben, die Gotteshäuser zu zerstören, die Fest- und Fasttage abzuschaffen, mit dir zurück zu wandern in die vortalmudische Zeit, als noch in den palästinischen Landen die Mahnrufe Isaias ertönten, die Jesus, sieben oder acht Jahrhunderte später, in denselben jüdischen Bereichen wiederholte; das Judentum umzuwühlen und neue Lehren in seine Furchen zu streuen 7— warte bis daß Israel, das so viele Völker hinter sich versinken sah, und unentwegt blieb im Strudel der Zeiten, die zu Jahrtausenden angewachsene Vergangenheit abschüttele, seine kanonischen Bücher einstampfen und sich an die Seite derer stellen werde, die es so lang und so viel gemartert, getreten, auf den Scheiterhaufen geworfen, entrechtet und expatriiert haben — warte, und du wirst mit dem ewigen Juden der Sage durch die Zeiten schreiten, ohne ihr Ende zu finden, denn diese Scheidewand ist noch lange nicht baufällig, sie steht so fest, fester noch als die Klagemauer in Jerusalem! T e p 1 i t z, Mitte Oktober. Herzberg-Fränkel. La Mara, Anton Rubinstein. Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1911. Preis Mark 1.—. Die bekannten „Musikalischen Studienköpfe“ in Einzeldrucken zu verbreiten, ist ein Unternehmen, das zumeist gute Früchte tragen wird. Die Monographie über diesen Künstler aus jüdischem Stamme berechtigt zu dieser Erwartung. H. Jantzen, Michelangelo. Velhagen und Klasings, Bielefeld, 1912. Preis Mark —.60. Alle Vorzüge dieses so rasch eingebürgerten „Volksbuches“ weist diese neueste Kummer auf. Der „Jeremias“ auf dem Titelblatt, der „David“ und all die anderen Schöpfungen des gigantischen Geistes entzücken in Bild und Wort von neuem Auge und Herz. R. Lindemann H., Florilegium hebraicum. Herder, Freiburg i. Breisgau, 1912. Preis K 3,84. Eine gute Chrestomathie des alten Testaments für den Schulgebrauch. Kur wird jüdische Leser eine Psalmüberschrift befremden, wie (S. 158) „Christus regnat etc?'. 8. H. Mosenthal, Bilder aus dem jüdischen Farn i 1 i enleben. Max Ko c h, Leipzig, Bruderstraße 15. Diese nur für ein paar Pfennige zu habende Sammlung der ausgezeichneten Mosenthal’schen ‘Erzählungen „Tante Guttrand“, „Schlemilchen“!, „Raafs Mine“ usw. verdient die weiteste Verbreitung. Ignaz Balla, Die Rothschilds. Verlag I. Kadyschnikow, G. m. b. H., Berlin W. 50, Rankestraße 33. Kriefkaste«. S. I. L. Das Buch „Die religiösen Strömungen der zeitgenössischen Iudenheit" von Rabbiner Dr. Rahn, ist in der „Oesterreichischen Wochenschrift" bereits besprochen worden. „Ges". Den Antisemiten, den „unentwegten und zielbewußten Vorkämpfern für die deutsche Rasse", hat der Anthropologe Otto Hauser in der Oktobernummer der reaktionären „Polüisch-Anthropologischen Revue" unbewußt einen bösen Streich gespielt. In einer Studie über die deutschen Reichstagsabgeordneten nach ihrem physischen Typus stellt er nämlich unter anderem fest, daß unter den acht Mitgliedern der Wirtschaftlichen Vereinigung nur ein einziger guter germanischer Typus, dagegen fünf Mitteltypen und zwei ganz ungermanische Typen mit ertrem kurzen Nasen sind. Noch viel schlechter schneidet die Deutsche Reformpartei ab. Ihre sämt- Fchen Vertreter im Reichstage — drei an der .Zahl — sind darnach ungermanisch von Typus. I. L. in M. Die Sabbatarier in Bözöd-Ajfalu sind ohne äußeren Anlaß, lediglich dem Drange innerer Ueberzeugung folgend, zum Iudentume übergetreten und haben alles Leid und alle pvhtischen Drangsale eines solchen Uebertrittes aus sich genommen. Markus A. in Wien. Gewiß würde sich für die israelitische Kultusgemeinde in Karlsbad empfehlen, das „Kaiser Iubiläums- Hospiz für arme Israeliten" in ein „Kaiser Iubiläums-Hospiz für Israeliten" zu ändern. Die Anstalt genießt mit Recht ein großes Vertrauen, die Aerzte verdienen wegen ihrer Hingebung allen Respekt. Mancher kranke Jude möchte gerne gegen Bezahlung das Hospiz aufsuchen und es stört ihn die Tatsache, daß es ein Hospiz ist bloß für „arme" Israeliten. Man will nicht gerne in ein Armenhaus einkehren. Wenden Sie sich in dieser Angelegenhat an Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Ziegler, der sich der Sache gewiß gerne annehmen dürfte. — In Karlsbad gibt es mehrere Hospize, die unter gleichen Verhältnissen bestehen, und keines wird als Armenhaus bezeichnet. Es wäre daher eine große Wohltat und würde dankbar anerkannt werden, wenn die Kultusgemeinde beschließen würde, den Namen zu ändern und das Wort „arme" wegzulassen. Das Haus kann ganz gut heißen: Kaiser Franz Joseph Regierungs-Iubiläums-Hospiz für Israeliten. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. „Hotel St-fmie", II., Taboritraße 12. Fre'tag den 25., Samstag de» 26. Sonntag den 27 und Montag den ^8. Oktober 1912: „Bas Schema". Op rette von Lateiner, Musik von M o g u l e s k ». — Sonntag den 27., */,4 Uhr nachmittags : „Schwue bei der Thara" von I. R a k o w. — Dienstag den 29 und Murwoch den 30. Oktober: „Der Unbekannte" von I. G o r d i n (Frl. Son aSagorskaja vom jüoochen Th alw in K'ew als G lil). — Donnerstag den 31. Oktober 1912: „Bas Schema". — Freitag den t. Nov-mber 1912, */,4 Uhr nachmittags bei ermäßigten Preisen: „Sulamith" von A. Goldfaden. Polizeibeamten-Lotterie, deren Ziehung am 9. Kovember 1912 im Polizeidirektionsgebäude stattfindet, hat ihre ersten 3 Haupttreffer bei Juwelier Martin M. Lukacs, Wien, I., Graben 14, und ihre kleinen Treffer auch, bestehend aus Juwelen, Gold- und Silbergegenständen, in ihrem Bureau ausgestellt. Lose ä 1 Krone sind in allen Wechselstuben, Lottokollekturen und Tabaktrafiken zu haben. Die Auswanderung über Triest. Von der Austro-Americana wurden im Jahre 1912 bis inklusive 30. September 9978 Auswanderer nach Nordamerika, 8597 nach Südamerika, zusammen 18.575 Personen gegenüber 5151 bezw. 5757, zusammen 10.908 Auswanderer in derselben Zeitperiode des vorigen Jahres befördert; die Zunahme beträgt somit 7667 Personen. Verein der Sabbathfreunde „Zrdomrr Scbabbos“. Wien, II., Kleine Schiffgasse 10, 1541 Bureaustunden: 8 - 9 Uhr vorm, und 1—2 Uhr nachm. Offene Stellen: Buchhalter (deutsch-ung.) für Manufaktur en-gros, Strazzist (deutsch-ung.) für Manufaktur en-gros, Buchhalterin mit mehrjähr. Praxis, Kontoristin (Anfängerin), Verkäufer aus der Spezereibranche, Laufburschen, Lehrlinge verschied. Branchen, Lehrmädchen für Modistin, Näherinnen für Kappenmacher. Bewerber: Verkäufer aus der Manufakturwarenhranche, Kontoristen u. Kontoristinnen, Verkäufer aus der Lederbranche, Buchhalter, Praktikanten aller Branchen.