Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift Leue 788 sich eine schöne Entfaltung. Es schloß sich uns auch eine kleine Schar von Lehrern und Laien an, die mit zäher Ausdauer an dem Werke mitarbeiteten', das, sich verzweigend, immer mehr Bezirke umfaßte. Als Herr Gollerstepper — dessen Sohn, Herr Leop. Gollerstepper, in die Fußstapfen des Vaters tretend, gehört dem Verein als Vizepräsident an — nach 7jährigem Wirken zur ewigen Ruhe einging — seinem Andenken Segen! — war der Boden urbar gemacht. Wohl hat es an Anfechtungen, an schweren Erschütterungen nicht gefehlt, und merkwürdigerweise gerade seitens einer Korporation, deren besonderer Sympathie wir gewärtig gewesen und die berufen schien, die Institution werktätig zu begleiten. Wer kennt jedoch die Irrgänge des menschlichen Herzens, wer vermöchte die kaleidoskopisch wechselnden Gründe zu ermessen, di, gegen uns gesprochen schaben mögen? Genug, die Wasser zwischen uns und Zenen scheinen allzu tief —. Auch mit materiellen Sorgen galt^S zuweilen zu ringen, da uns das große Publikum kaum kannte, wir, unvermSgend die Trommel zu rühren, in der Erschejyüngrni -Wucht gar-^zu wenig auffielen. Skeptiker sprachen uns die Zukunft ah Wir aber verzagten nicht. Es erstand uns im Kultusvorstande ein mächtiger großherziger Mären, dessen Interesse mit unseren:' Wachstume stieg und dem (und dessen Schulamte) wir überaus zu Danke verpflichtet sind und bleiben. E i n e Andachtsstätte und eine Subvention von 300 Kr., dies war unser Anfang, und mit einem Konto von Kr. 5000 und mit 10 Andachtsstätlen, die über 1200 junge Teilnehmer zählten, weist sich Tefillath Han'orim in diesem Jahre aus. Welch erfreuliche Aussicht! Mit einer besonderen Beziehung können wir sagen: „Nun sind wir zu zwei Lagern geworden!" Denn zu den anfänglichen, nur für die männliche Jugend (Schüler, Studenten, Lehrlinge, Praktikanten) bestimmten Iugendgottesdiensten hat sich seit einem Jahre auch ein solcher für Mädchen gesellt. Es leitete uns die Erkenntnis, daß Mädchen und Frauen die Hüterinnen der heiligen Flamme sein müssen, daß ihnen die Aufgabe zufällt, die Harzen der Kinder zu erleuchten und zu erwärmen, daß sie es sind, die das Hans Israel" bilden, die jüdische Frau ist es, die — Wandel der Zeit -- den jüdischen Mann macht. Und die ersten Versuche nach dieser Richtung sielen ermutigend aus. Die Mädchen strömten in solcher Menge zu, betätigten einen solchen Eifer, daß' wir am Pessach und Schwuoth einen Doppelgottesdienst vorsehen mußten und daß an den hohen Feiertagen an 3 Andachtsstätten über 300 Mädchen sich versammelten und wacker aushielten. Zu diesem Aufschwünge hat ein geschlossener Kreis der jüngeren Lehrer ein groß Teil beigetragen, deren frische Kraft mit der Erfahrung der älteren Mitarbeiter in harmonische Wechselwirkung trat. Gewiß, es gibt noch genug zu ordnen, die Arbeit kann nicht ruhen. Es bedarf einer Regelung und Anpassung der Liturgie an die Bedürfnisse unserer jungen Gemeinde; sehr liegt uns die Verdeutschung der Thora- und Haftoravorlesung am Herzen, die lebendiges Interesse wecken soll; wir brauchen einen festen Stab geschulter Organe — das Aesthetische hat auch sein Recht — wir haben für geeignete Gebetbücher und Machsorim Sorge zu tragen k. Und Schritt für Schritt soll dem Ziele zugestrebt werden. Dem Idealisten — er duldet auch den Namen Schwärmer — bleibt es unbenommen, seinen Traum zu träumen. Nicht fern, , so mögen kleine Gotteshäuser entstehen, in denen aus der Kinder Lallen sich die Macht des Judentums fest gründet. Und diese Institution, in allen größeren Gemeinden verbreitet, spannt ihr Netz über unsere gesamte Jugend, die wir um jeden Preis gewinnen müssen, oder wir verdorren. Es bleibt noch übrig, all denen innigen Dank auszusprechen, die sich um unsere,.- Institution verdient gemacht haben. Besonders hervorgehoben. sei: der Vorstand der Bibelschule IX., Seegasse, dessen Vorsteher, Herr Pappenheim, sich für unser Werk sehr warm eingesetzt hat; die Vorstände des Theresienkreuzer-Vereins, der israelitischen Kinderbewahranstalt, des Müdchen-Unterstützungsvereins, der Talmud-Thoraschule, die uns ein gastliches Dach gewähren. Es ist dem Schreiber ein Herzensbedürfnis, all den getreuen Mitarbeitern zu danken, von denen — der Namen sind garviele;— ich die Herren Gollerstepper, Max K u g e l, Ph. W e i ß, I. P h i l i p p, I, O e h l e r, Oberlehrer Jakob Kohn besonders gern nenne. Sie und auch die anderen hier nicht besonders Genannten arbeiten mit großer Hingabe an dem Werke, arbeiten — l'schem schoraajim. Mautne r. Austritte au» dem Judentum Vom 13. Oktober bis inkl. 19. Oktober 1912. Bodenstein Moriz, Vertreter, geb. 21. April 1889, Wien, II., Josefinengasse 2 Caukner geb. Szarvas Margarete, geb. 21. Mai 1887, Wien, XVIII., Hofstattstrasse 14 Eltbogen Leopoldine, Schneiderin, geb. 8. November 1884, Herzogenburg, XV., Moeringgasse 16 Haasz Dr. Otto, Advokat, Rechtsk msulent der österr. Zentral- Bodenkredit-Bank, geb. 28. Jänner 1881, Poruba, IX., Pichlergasse 6 Haner Helene, Private, geh. 4. Juni 1857, Wien, XII l., Linzerstrasse 400 Jiszda Hermine, Private, geb. 14. August 1895, Wien, XXI., Leopoidauerstrasse 81 Kaiser Emil, Posamentierergehilfe, geb. 18. Mai 1888, Kelt Szenitz, XIV., Ortnergasse 3 Koncz Vilma, Sängerin, geb. 1. Oktober 1886, Kolosvar, II., Körnergasse 7 Putschin Ignaz, Privatbeamter, geb. 11. Oktober 1884, Wien, IV., Wiedener Hauptstrasse 10 Sander Solle, G» schäftsinhaberin, geb. in Richenburg, Böhmen, VI., Mariahilferstrasse 18 Scbames Johanna, geb. 20. Mai 1898, Wien, wohnhaft Chranow Schir Hersch, Apothekergehilfe, geb. 19. Februar 1884, Bogostol, Russland, II., Kl. Sperlgasse 6 Steiner Gisela, geb. 6 Jänner 1875, Nadas, Ungarn, II., Grosse Schiffgasse 30 Seiner Gisela, Postoffiziantin, geb. 9. Juni 1879, Wien, IV., Hauptstrasse 52 Braunau i. B. t™» ickun Todes ift trn der i.8 Jahre alte Rrhmenfabntanl Heil Felix Rachwalsky am 9. Oktober gestorben. Er stürzte, als er die DecktrheUen auf dem Dache des Maschinen» Hauses beaufsichtigte herab, wurde von der Dampfmaschine erfaßt und zermalmt. Er war ein überaus zärtlicher Gatte mw Vater und erfreute sich der Synpathien aller, die seinen herzgewinnenden Charakter kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Die irdischen Ueberreste wurden nach Breslau überführt. Am Bah Hofe in Braunau widmete Herr Rabbiner Dr. G- Sicher aus Nachod dem Verblichenen warm empfundene Abschirdsworte Derselbe hielt auch in Breslau am 13. Oktober die Grabr de. Straßnitz. Der Ausschuß der israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner am 14. Oktober a. c. stattgefundenen Sitzung, angesichts dessen, daß die in dieser altehrwürdigen Gemeinde seit mehr denn hundert Jahren bestehende Mikwah nunmehr den lokalen zeitgemäßen Ansprüchen nicht gerecht werden kann, einhellig beschlossen, eine allen religionsgesetzlichen und den unverkennbaren modern-hygienischen Anforderungen entsprechende Mikwah (rituelles Bad) zu bauen. Das gleichzeitig ernannte M:kwah'Baukomit?e, bestehend aus Herrn Kultusvorsteher Siegmund Rebemvurzel und den Herren Beiräten Jakob Rebemvuitzel, David Weiß und Moritz Deutsch, wurde beauftragt, unverzüglich in Aktion zu treten und seine anerkennungswerte, nicht genug würdigende heilige Mission in möglich kürzester Zeit auszusühren. Rabbiner Freifeld. Jglau. Der Rabbiner Dr. I. I. Unger, dessen Tod wir gemeldet haben, wirkte 54 Jahre mit musterhafter Pflichttreue, mit beispielloser Selbstaufopferung als Seelsorger seiner Gemeinde, durch 40 Jahre war er als Religionslehrer an den beiden Mittelschulen Iglaus tätig. Als Gelehrter, als Dichter, als Talmudist, genoß Dr. Unger einen ehrenden Ruf. Trotz seines hohen Alters und trotz seiner theologischen Eesetzeskenntnis huldigte er modernen Anschauungen. Zum Leichenbegängnisse hatten Zivil- und Militärbehörden ihre Abordnungen entsendet. Bürgermeister Jnderka war mit Gemeinderäten und Repräsentanten des Stadtverordnetenkollegiums erschienen, ebenso die Vertreter der katholischen Geistlichkeit und des evangelischen Kirchenrates, der Schulleitungen sowie zahlreicher Korporationen Iglaus. Aus der Umgebung Iglaus und aus einem Teile Mährens hatten sämtliche Kultusgemeinden Delegationen entsendet. Oberkantor Weiß erekutierte mit dem Tempelchor die Trauerpsalmen, nach deren Rezitation Rabbiner Dr. Leoy aus Brünn dem Dahingeschiedenen den Nachruf hielt. In der Zeremonienhalle sprach der Vorstand der Kultusgemeinde kaiserlicher Rat Lieblich. — Einen rührenden Anblick boten die zahlreichen Schüler und Schülerinnen der Iglauer Lehranstalten, die am Friedhof Spalier bildeten und. nachdem der Sarg ins Grab gesenkt wurde, dieses umstanden, um von dem allverehrten Meister und Seelsorger sich zu verabschieden. Professor Antscherl aus Wien, einstiger Schüler des Verewigten, gab der Trauer aller Schüler, die zu den Füßen ihres Lehrers und väterlichen Beraters und Freundes gesessen, beredten Ausdruck und ein lautes Weinen und Wehklagen, von der Jugend ausgehend, pflanzte sich aus die Erwachsenen fort und dieser ergreifende Schluß der imposanten Trauerfeier zeigte, wie beliebt und verehrt Dr. Unger in seiner großen Gemeinde war, an deren Wiege er einst gestanden und die unter seiner Seelsorge zu einer der bedeutendsten mährisch-jüdischen Gemeinden geworden ist. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben, sein Name in Ehren sortleben. Battelau bei Jglau. Donnerstag nachts starb hier das älteste Vorstandsmitglied unserer alten Gemeinde, Herr Mar Schuh im 88. Lebensjahre. Von Nah und Fern strömten seine Verwandten und Freunde herbei, um an dem Begräbnisse, welches Sonntag den 20. Oktober stattfand, teilzunehmen. Herr Rabbiner Dr. S. Nagelberg aus Triesch hielt einen ergreifenden Nachruf. Hierauf nahm Herr Prof. Moriz, Antscherl im Namen der hiesigen Chewra-Kadischa Abschied von dem Verstorbenen. Dann bewegte sich der endlose Leichenzug zum Friedhof, woselbst der fromme Verblichene an der Seite seiner treuen Gattin bestattet wurde.