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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 731 wallungsspesen der „Orient Colonising Company, Ltd." sowie die Kosten der Vorbereitung des neuen Fmanzinstituts sind in dieser Summe nicht mit einbegriffen. Im Namen der Revisionskommission beantragte Handelsrichter Bernhard Lilienfeld dfe Erteilung der Dccharge, die die Versammlung einstimmig beschloß. Aus den Wahlen gingen die bis^rig,en Mitglieder des Vorstandes und des Zentralrates der A. I. 5t. O. hervor, überdies ist Herr Bernhard Lilienfeld in den Vorstand gewählt. In den Aufsichtsrat der .Orient Coloniiing Company, Ltd?" wurde Herr Georg Lachmann neugewählt. Zu der Mitgliederversammlung waren von den auswärtigen Vorstandsmitgliedern der A. I K. O. die Herren Dr. Abraham Hirsch-Halberstadt und Kommerzienrat George M a r.r - Königsberg eingetroffen. Die jüdifchr Patronage in Tripolis. Der Verband der jüdischen Gemeinden im Königreiche Italien versendet soeben einen Bericht über die Tätigkeit des Verbandsvorstandes in den letzten Monaten. Diesem interessanten Berichte entnehmen wir die Mitteilung, daß der Verband seine Tätigkeit nunmehr auf das neueste italienische Reichsland Tripolis und Cyrenaica erstreckt habe und dort bereits bedeutende Erfolge aufweisen kann. Abgesehen davon, daß die jüdischen Gemeinden in Tripolis auf dem besten Wege sind, sich zu organisieren und die nötigen Wohlfahrtseinrichtungen zu schaffen, werden sie dem'nächst auch die Wahl eines Großrabbiners vornehmen, der die Eignung besitzen wird,, den jüdischen Gemeinden als Führer und Ratgeber in dieser Reorganisation vorzustehen. Als wichtigstes Ergebnis der Aktion des Verbandes ist jedoch die Gründung jüdischer Fraurnvereine in Tripolis anzusehen, welche schon in dieser kurzen Zeit hervorragende soziale Arbeit leisten. Eine ihrer Schöpfungen ist die jüdische Patronage in Tripolis, welche sich zur Aufgabe gestellt hat, einerseits die verlassenen und armen Kinder einer regelmäßigen Erziehung zuzuführen, andererseits die dem Elementarunterricht entwachsenen jüdischen Kinder Mit nützlichen Gewerben vertraut zu machen. Alle diese Aktionen werden, wie nicht anders zu erwarten war, von den Juden in Italien moralisch und materiell in Weitestgehender Weise gefördert. Ehr Melodrama aus dem jüdi'chen Leben im Londoner Lyzeumtheater. Aus London wird uns geschrieben: In einem der größten Londoner Theater, in dem historischen „Lyzeum" fand dieser Tage die Uraufführung eines Melodramas aus dem jüdischen Leben in Rußland statt. Das Stück- Mhrt den Titel „The open door" (Die offene Tür) und hat die Herren Arthur Schirley und Ben Landeck z.u Verfassern. Drei packendste Szene in dem Drama, dessen literarischer Wert nicht allzu hoch bewertet werden kann, ist die Vorführung eines Pogroms gegen Juden auf der Bühne. Der Pogrom mit allen seinen schrecklichen Einzelheiten übersteigt an Naturalismus selbst ähnliche Szenen in dem Drama „Die Juden von Tschirikow". Im Mittelpunkt des Dramas steht das jüdische Ehepaar Rafael und Mirjam, welche den schrecklichsten Verfolgungen ausgefetzt sind, weil die schöne Mirjam den Nachstellungen des Eeneralinspektors der Provinz energischen Widerstand leistet. Sie beschließen aus dem Lande zu fliehen, doch gelingt dies nur dem Manne, während Mirjam in den Kerker geworfen und zur öffentlichen körperlichen Züchtigung verurteilt wird. Ganz unwahrscheinlich klingt es, daß, wie es die Autoren glauben machen wollen, der zur Erekution der Prügelstrafean Mirjam beorderte Kosak die Ausführung der Strafe verweigert und daß ein russischer Geistlicher ihr rechtzeitig zur Flucht verhilft, um sich mit ihrem Manne, dem es gelang, nach England zu entkommen, daselbst zu vereinigen. Trotz dieser inneren Schwächen des Stückes bildet es eine große Zugkraft auf die Bewohner dhH Londoner Ostens, und das „Lyzeum"-Theater hat jetzt allabendlich ausverkauftes Haus zu verzeichnen. Eine antiemrlifch? Suffragette. Während die größten jüdischen Schriftsteller und Denker in England den ruhigen Kampf ums Stimmrecht der Frauen fördern, haben nun die hypermodernen Radau-Suffragetten zu einer sehr rückständigen Waffe, dem Antisemitismus, gegriffen, um das Frauenstimmrecht zu begrünoen. In Glasgow hat dieser Tage in einem politischen Frauenvereine ein-e Mrs. Drummoond (der Name ist verdächtig) den Kampf um das 'Frauenstimmrecht zu dem Zwecke angekündigt, um das Land' von Gesetzgebern wie Sir Rufus Isaars und Mr. Herbert Samuel zu befreien. Die Frauen brauchten ihr ^timmrecht, um die gesetzgeberische Herrschaft der Juden und der Katholiken in England unmöglich zu machen. Vergeblich wurde der Dame unter die Nase geriieben, datz die Juden den Kampf der Frauen stets unterstützt haben, Mrs. Drummoond ließ sich jedoch von ihrem Wahne nicht abbringcn und mutzte schließlich m't ihrem Anhänge die Versammlung verlassen. Universikärsptvjessor Dr. Tavrd Blauftein. In New-Dork starb dieser Tage im Aller von 46 Jahren der Prof ssor für semitische Spmchen an der Columbia Universität Professor Dr. David Blaustein. D-'r Verstorbene stammte aus Lyda in Rußland, absolvierte seine Hochschulstudien in Deutschland, wo er jedoch ein Fortkommen nicht fand und daher nach Amerika auswanderte. Hier lenkte er durch sehr beachtenswerte Publikationen auf dem Gebiete der s mitischen Sprachwissenschaft die Aufmerksamkeit auf sich und Wunde bald darauf Prof ssor für semitische Sprachen an der Columbia Universität. Seine freie Zit widmete er dem S'ud'um der sozialen Lage der jüdischen Einwanderer und den Erziehungsfragen der jüdischen Einwanderer sowie den Erziehungsfraqen der jüdischen Jugend. Seit einigen Jahren ist Dr. Bla« st-m mit der Oberleitung sämtlicher von der Jewisli Educational Alliance in New - Jork erhaltenen jü fischen Schulen betraut worden. In dieser seiner Eigenschaft sowie als Vorstandsmitalled vieler anderer jüdischer Organisationen hat sich Prozessor Blaustein um die Hebung des sittlichen und kulturellen Niveaus im New- Jorker Ghetto große Verdienste erworben. Die Beliebtheit, deren sich Prof« ssor Blaustein im New-Airker Eastend erfreute, und die große Achtung, die er auch in den offiziellen Kreisin und in der Gelehrtenwelt von Amerika genoß, kamen in der überaus großen Beteiligung dieser Kreise an seinem Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Laut einer Meldung der New Marker „Times" hat die Zahl der Anwesenden bei seinem Lelchenbegängmfse 12.000 überschritten. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Kultusvorsteber Herrn kaiserlichen Rat Siegmund K a u d e r s, das Ritterkreuz des Franz Joseph Ordens verliehen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Der Verein zeigt hiermit an, daß am Sonntag den 27. d. M., um 10 llhc vormittags, unter Führung seines Präsidenten S. Brod die Brfichtigung des neuen Wiener Bankverein- Gebäudes, I., Schottenring, stattfindet. Wie». (Lese- und Redehalle jüdischer H o ch s ch ü l e r.) Die in der XXXVII. ordentlichen Plenarversammlung vom 15. Oktober 1912 vorgenommenen Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Präses: eand. arch. Hans Sobelsohn; I. Vizepräses: J.U.C. Oswald Glogau; II. Vizep äfes: J.U.C. Edgar Schick; I. Kassier: phii.?? Leo Schul-

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