Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 730 Dr. Blochs Wochenschrift ’-Jfr. 43 Ich war am Mittwoch auf dem Kriegsministerium und fragte dort nach:, ob man denn in diesem Jahre von der Regel aogewichen war. Sonst werden die jüdischen Soldaten auf die Bitten der Rabbiner am niv u»h d--m c-'rr->2 c-ir ohne Widerrede vorn Dienste befriüt. Man wies mir nun nach, daß auf meine am 22. August alten Stils (— 4. September neuen Stils) unter Nr. 3175 registrierte Petition wegen Befreiung dhr jüdischen Soldaten an den bevorstehenden Feiertagen unter Nr. 25.491 die Resolution geschrieben war: „Es wurde dem Korpskommandanten aufgetragen, daß die jjm aktiven Dienste sich befindlichen jüd. Soldaten am 29., 30. und 31. August (= 11., 12. und 13. September) und am 7. und 8. September a. c. (= 20. und 21. Septchnber) vom Dienste befreit werden sollen." Ich zweifle nicht daran, datz diese Order ausgeführt wurde, weil ich keine Reklamation von irgend einer Seite bekommen habe, die nicht ausbleibt, wenn irgend ein antisemitisch angebauchter Offizier an einem kleinen Orte in der Ausführung des Befehls von oben sich lässig zeigt. Sie dienen der guten Sache, wenn Sie einer solchen, aus den zuverlässigsten Quellen geschöpften Berichtigung, wie die vorstehende ist, in Ihr^er gesch. „Wochenschrift" Aufnahme gewähren. Mit den besten Grützen Ihr ganz ergebener Bukarest. Dr. M. Beck, Rabbiner. Karlsbad. Die in unserer Stadt erscheinende Zeitung, der „Volkswille", veröffentlichte in der letzten Nummer folgenden Bericht: Line neue Reklame für Karlsbad. In derNeuen Freien Presse“ vom Mittag des 15. Oktober wird berichtet, daß der Karlsbader Kurkommissär, Herr Baron von Ger lach, schwer erkrankt ist und sich im Krankenhaus in Komotau einer gefährlichen Operation unterziehen mußte, von welcher er genesen ist. Wenn diese Nachricht etwa vom Karlsbader „Publizitätsbureau“ an die Blätter versendet wurde, dann kann man diesem B reau zu der Art und Weise, wie dasselbe für Karlsbad Reklame macht, gratulieren. Daß der Leiter des Karlsbader Kuramtes sich veranlaßt sieht, eine andere Stadt, noch dazu eine Provinzstadt, aufzusuchen, wenn er krank ist, und damit sozusagen sein Mißtrauen gegen das Hospital der Weltkurstadt Karlsbad, der Stadt, die 170 Aerzte hat}, auszusprechen, ist sicherlich keine Empfehlung für Karlsbad und wir müssen es als einen ganz starken ,jPlutzer“ bezeichnen, daß man derartige Nachrichten, die geeignet sind, Karlsbad auf das schwerste zu schädigen, an auswärtige Blätter versendet. Wenn der Kurkommissär von Karlsbad, Herr Baron von Gerlach, kein Vertrauen zum Hospital in Karlsbad hat, dann ist das seine Sache, deswegen kann es doch noch gut sein — das ist Ansichtssache; daß man aber etwas derartiges in einem weitverbreiteten Blatte veröffentlicht, ist eine direkte Schädigung der Interessen der Kurstadt und damit der Bevölkerung von Karlsbad.“ Allgemeine jüdische Kolonisations - Organisation. Am 10. Oktober fand in Berlin die jährliche Mitgliederversammlung der A. I. K. O. statt. Ihr war am 30. September die Generalversammlung der Aktionäre des Finanginstituts der A. I. K. O., der „Orient Eolonifing Company L t d.", vorangegangen. In beiden Versammlungen führte Kommerzienrat und Handelsrichter Gerson Simon den Vorsitz, während Dr. Alfred Rossig den Jahresbericht erstattete. Wie aus den Berichten hervorgeht, hat die A. I. K. O. im letzten Jahr ihr Aktienkapital und ihre Mitgliederbeiträge beinahe verdoppelt. Ihre Propagand.a tätigkeit, die früher Deutschland und England gewidmet war, erstreckte sich in diesem Jahre auf zwei weitere Länder, Oesterreich und Ruhland. In Oesterreich bildete Wien naturgemäß den Ausgangspunkt. Dank der Unterstützung der führenden Persönlichkeiten der Repräsentanz der Kultusgemeinde, des „Jüdischen Kolonisationsvereins", sowie der O. O. B. B.-Logen, vermochten die Vertreter der A. I. K. O. bei plan- '.mätziger Arbeit die jüdischen Finanzkreise Wiens für das jüdische Kolonisationswerk lebhafter zu interessieren, als dies je früher gelungen war. Unter dem Vorsitze des k. k. Hoflieferanten Heinrich Men dl bildete sich ein vorbereitendes Komitee, welches für ein neues, von der A. I. K. O. vorbereitetes Institut eine erfolgreiche Subskription eröffnete, die dann auch in Lemberg fortgesetzt wurde. Ebenso sind in Prag die Vorbereitungen für eine Subskription getroffen worden. Die österreichische Propaganda ruhte hauptsächlich in Händen des HerrnErnstLöw enberg. In den öffentlichen Versammlungen, welche in Wien, Prag und Lemberg veranstaltet wurden, fanden die Bestrebungen der A. I. K. O. die wärmste Aufnahme seitens der matzgebenden Kreise her jüdischen Gemeinden. Von besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung und die praktische Tätigkeit der A. I. K. O. waren die Ergebnisse ihrer Bemühungen in Rutzland. Auf Grund vorangegangener Besprechungen mit hervorragenden Vertretern der jüdischen Finanzkreife Rutzlands begaben sich im März 1912 der Ehrenpräsident der A. I. K. O., Dr. Isidor G i n s b e r g, der erste Vorsitzende Komm.-Rat Gerson Simon und der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses Dr. Alfred Nossig nach Petersburg, wo zur Unterstützung der Zwecke der A. I. K. O. zwei Komitees ins Leben gerufen wurden. Während eine Gruppe von Finanziers für das neue Institut unter gewissen Bedingungen eine namhafte Beteiligung zusagte, eröffnete ein anderer Kreis Zeichnungen für die „Orient Colonising Company, Ltd." sowie für den Betriebs- und Kolonisationsfonds der A. I. K. O. Andere Ziele verfolgte die A. I. K. O. in Moskau, wo hauptsächlich der Generalsekretär Dr. S. Rawikowitsch tätig war. Hier wurde die Gründung einer Boden-Erwerbs-Genossenschaft auf einer neuen, festen Basis angestrebt. Dank der eifrigen Tätigkeit der der Kolonisationsidee ergebenen Kreise sowie der Ratschläge hervorragender jüdischer Juristen gelang es nach mehrmonatlichen' Bemühungen, eine vom bildliche Organisationsreform zu finden, und die B. E. G. „Kadimah" zu legalisieren. Die nene Boden-Erwerbs- Genossenschaft soll mit der „Orient Colonising Company, Ltd." in einem engen Kooperationsverhältnis verbleiben. Die Vorzüge der neuen Organisationsform bestehen darin, datz an Stelle loser Gruppen ein kommerzielles Institut tritt, das von den Behörden anerkannt und kontrolliert wird und dessen Mitglieder bindende finanzielle Verpflichtungen übernehmen. Da die Anteile ratenweise eingezahlt werden, können auch! Minderbemittelte Boden erwerben. Gemeinsam mit der Boden-Erwerbs-Gesellschaft zu Bialystok hat die A. I. K. O. die Vorbereitungen zur Bildung einer Kolonie in der Nähe einer Stadt auf dem jüdischen Ansiedlungsgebiet soweit gefördert, datz die Uehertragung des Bodens dem Abschlüsse nahe ist und die Uebersiedlung der ersten Partie der Kolonisten bevorstehl. Die Mehrzahl der zur Besiedlung des Terrains ausersehenen FamilieN haben sich bereits in Rutzland mit der Landwirtschaft befatzt. Auch an einer zweiten Kolonie, welche gleichzeitig auf der Sinaihalbinsel vorbereitet wird, wird die A. I. K. O. beteiligt sein. Aus dem vom Schatzmeister der A. I. K. O., Bankier A lö i s A. F. M a r c u s? vorgelegten Rechnungsberichte ging hervor, datz die Ausgaben der A. I. K. O. im Jahre 1911 16.335,39 Mark betrugen, denen Einnahmen in gleicher Höhe gegenüberstehrn. Die Der-