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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«eite 748 Dr. Bloch- Wochenschrift Nr. 43 Hinsichtlich fccr Behauptung, -atz Dr. Grunwald, das genannte Thema Zuerst für seine von der Kubusgemeinde veranstalteten öffentlichen Vorträge gewählt habe, und datz das Kuratorium der Rappaport-Stiftung erst hierauf dasselbe Thema ausgeschrieben und dann Dr. Grunwald sich um den Preis beworben und ihn auch erhalten habe, stellt der Präsident auf Grund der vorliegenden Akten, wie übrigens auch aus dem mitgeteilten Verzeichnisse ersichtlich, fest, datz diese Ausschreibung zuerst im Jahre 1995 erfolgte, im Jahre 1907 das Thema neuerlich! zur Ausschreibung gelangte und datz Dr. Grunwald sich schon anlätzlich der ersten Ausschreibung um den Preis bewarb, und Tetrte endgEge Preisarbeit am 29. Dezember 1911 überreichte, ^während er seine Vorträge über „Oppenheimer und seinen Kreis" am 14. Dezember 1911 bezw. am 4. Jännet 1912 und 15. Februar 1912 gehalten hat. Aus diesen' aktenMätzig festgestellten Daten geht es nun klar hervor^ datz Dr. Grunwald nahezu 6 Jahre an diesem Thema arbeitete und datz es nur begreiflich« <rschein>en mutz, datz er dieses Thema, in welch.es er auf Grund jahrelangen Studiums eingedrungen war, zum Gegenstände seiner Vorlesungen wählte, datz aber das Preisthema schon jahrelang, ehe diese Vorlesungen stattfanden. ausgeschrieben worden war. Vorstehender Bericht des Präsidenten wird Zur Kenntnis genommen. EnthiMuns des Grabdenkmals für Bäumt Wilhelm SLiatzun. Wir haben in letzter Nummer über dis am 15. d. M. erfolgte Enthüllung eines Grabdenkmals für den verewigten Baurat Wilhelm Stiatzny berichtet. Namens der „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" sprach Hofrat Professor Adam Politzer. Seine Rede lautete wörtlich : „Wohl hat die Zeit, die seit dem Tode Wilhelm Stiaßny’s verflossen ist, unsern Schmerz, nicht aber unsere Trauer um ihn, gemildert. Sie erneut sich beim Anblick dieses Grabdenkmales, welches uns das Leben und das segensreiche Wirken dieses edlen Mannes in lebhafte Erinnerung wachruft. Wenn wir den Tod eines im Greisenalter dahingeschiedenen Mannes beklagen, der sein Leben dem allgemeinen Wohle gewidmet hat, so wird unser Schmerz durch den tröstlichen Gedanken gemildert, daß der Verblichene nach vollendetem edlen Tagewerke von uns schied. Umso tiefer muß uns die Trauer ergreifen, wenn ein Mann im kräftigen Mannesalter, inmitten seines gemeinnützigen Wirkens, plötzlich vom Tode ereilt wird. Welche Summe der schönsten Pläne seiner Kunst und seines unermüdlichen Eifers für neue Wohlfahrtseinrichtungen sind mit Wilhelm Stiaßny ins Grab gesunken! Wie reich aber, trotz des kurzen Lebenslaufes Wilhelm Stiaßny’s, sein Leben an herrlichen Werken seiner Kunst, an Werken der Wohltätigkeit und Menschenliebe gewesen, wie er mit Selbstaufopferung Tausende Hilfsbedürftiger gefördert, gestützt und vom Untergange gerettet hat; welch große Verdienste er sich als Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, als Gemeinderat der Stadt Wien und als Gründer zahlreicher wohltätiger Vereine erworben hat, das wird in den Annalen unserer Stadt unauslöschbar verzeichnet bleiben. Zu den schönsten Leistungen seines nimmermüden idealen Strebens zählt die Gründung des jüdischen Museums, eine Schöpfung, die er mit Begeisterung und unermüdlicher Ausdauer zu einer Institution entwickelt hat, welche allgemeine Bewunderung erregt. Diese seine Schöpfung, der er mit vollem Herzen anhing, geloben wir als teures Vermächtnis und kostbares Erbe in seinem Sinne zu erhalten und weiter auszugestalten. Wenn die irdische Hülle, die den edlen Geist Wilhelm Stiaßny’s umschloß, den Naturgesetzen folgend, längst in Staub zerfallen sein wird, dann wird noch in fernsten Zeiten das, was er auf dem Gebiete seiner Kunst und an opferwilliger Wohltätigkeit auf Erden geleistet hat, unverlöschbar in der dankbaren Erinnerung künftiger Generationen fortleben, als hehres Beispiel der ethischen Aufgaben eines Menschenlebens. Dieses Grabmal aber, das Liebe und Treue seiner Angehörigen gewidmet haben, möge bis in die fernsten Zeiten, als Wahrzeichen des Edelsinnes und der Menschenliebe fortbeste it'ii.“ Sodann trat Professor Dr. S. E h r m a n n vor und richtete an die Versammlung folgende Worte: . N ch Jahresfrist stehen wir, seine Ereunde, wieder am Grabe Wilhelm Stiaßny’s, und darüber erhebt sich nun ein steinernes Mal, das Symbol seiner selbst; eine ragende Säule und darauf gemeißelt ein Tempel über dem Grabe eines Profeten. Wohl besseres konnte nicht erdacht werden, als was hier die liebende Gattin, der schaffende Künstler, dem Tempelerbauer, dem Nacheiferer der Profetenworte errichteten. Dem Gelehrten und Künstler, dem für Eecht und Gerechtigkeit, für das Wohl seines Vaterlandes kämpfenden Biirger, der von sich im guten Sinn sagen konn e, was der Künstler des Werkes aus dem Profetenbuche Zacharias zur Inschrift erwählte: »I«h bin kein Prüfet, bin nur ein Ackersmann und habe Menschen gedient von Jugend auf“. Möge die gute Saat ,n eine i arbe t&reh hen L ben, von Jugend auf gesä t. aufgeben, in dem Herren der Lebend n. Sein Andenken sei gesegnet alle Zeit.“ Kaiser Franz JosrpH Wer die Frömmigkeit de'e Judcm. Dieser Tage hat Kaiser Franz Joseph eine Deputation der ungarländischrn orthodoxen Juden in besonderer Audienz empfangen, welche erschienen war, um anlätzlich der 40. Jahreswende der Sanktion des autonomen orthodoxen israelitischen Landesorganisations- Statutes ihre Huldigung auszudrücken. Die Deputation, welche unter Führung des Präsidenten der orthodoxen, Landeskanzlei, Herrn Adolf Frankl, und des Pretzburger Oberrabbiners erschienen war, wurde vom Monarchen in äußerst huldvoller Weise empfangen. Rach« der Ansprache des Präsidenten und der Vorstände der einzelnen Deputationsmitglieder zog der Kaiser jeden Einzelnen der Erschienenen in ein Gespräch. Beachtenswert -gestaltete sich das Gespräch Mit dem Präsidenten, den er zunächst über die Organisation befragte, und dadn ganz unvermittelt die folgende Frage an ihn richtete: „Wie steht es mit der Religiosität? Gibt es noch viele Fromme?" — Präsident: „Es wäre unbescheiden, Majestät, wenn wir uns selbst als fromm bezeichnen würden. Aber wir sind bestrebt, die Religiosität zu pflegen, darum sind wir ja orthodox." — Der Kaiser antwortete hierauf: „Tun Sie es und bestreben Sie sich auch in -Zukunft, denn die Hauptsache ist ja doch die Religiosität." Der Sadagorer Hof und der Balkankrieg. Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Am Hofe des Sadagorer Zaddik gibt es jetzt schwere Sorgen. Bekanntlich sind die Mitglieder der weltberühmten Familie seit undenklichen Zeiten oltomanische Untertanen. Nun besteht die Befürchtung, datz anlätzlich der Einberufung aller im Auslande lebenden ottomanischen Untertanen bis zum 42. Lebensjahre auch« die Mitglieder der Sadagorer Zaddikfamilie, zu denen auch« die Rabbis von Czortkow, Hussiatyn, Ottinie etc. gehören, eine Einberufung bekommen werden. Hinsichtlich derjenigen Mitglieder der Familie, welche einen Rabbinatssitz innehaben, nimmt man an, datz. sie im Sinne der türkischen Gesetze vom Kriegsdienste befreit sein werden. Hingegen erwartet man, datz die übrigen Mitglieder der weitverzweigten Familie ihre Einberufung bekommen werden. Bisher ist eine solche nicht erfolgt, und wje verlautet/ werden jetzt zwischen Sadagora und^ dem Grotzrabbinat der Türkei Verhandlungen über einen Modus procedendi gepflogen, da großes Gewicht darauf gelegt wird, die türkischen Gesetze auf das Genaueste zu respektieren. i E ne Richtigstellung. Im Artikel „Die Ursachen des Mangels an Rabbinergrötzen in Oesterreich-Ungarn" in Nr. 41 der „Wochenschrift" wirft ein Herr Gemeindevorsteher aus der Provinz dem Rabbinerverband

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