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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-25 · 43 (25.10.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ni. 43 Dr. Blochs Wochenschrift Leite 737 Preisfragen, durchs welches dieser unbegründete Vorwurf am besten widerlegt werden dürfte. 1. Im Jahre 1883 (erstmalige Ausschreibung nach Begründung der Stiftung) wurde das Thema: „Welchen Einfluß haben die jüdischen Aerzte auf das Judentum und das jüdische Volk ausgeübt?" (kulturhistorisches Bild) ausgeschrieben. Die einzige Bewerbungsarbeit war als! zur Preiszuerkennung ungeeignet bezeichnet. 2. Im Jahre 1885 wurden 2 Preisfragen gestellt, und zwar: a) „Welchen Einfluß haben die Hebräischm Psalmen ausgeübt auf die Gestaltung der Liturgie, auf die Entwicklung und Fortbildung der HymNologie in den verschiedenen Kirchen^ vorzugsweise unter den modernen Völkern." b) „Die Leistungen der Juden in Frankreich seit ihrer Gleichstellung auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Literatur und im bürgerlichen Leben." lieber das erste der beiden Themen wurde einer der überreichten Arbeiten, und zwar der des cand. phil. Julius Steinschneider aus Berlin, der Preis von Kr. 1600 zuerkannt. Für das Zweite Thema war eine Bewerbungsarbeit nicht eingelaufen. 3. Im Jahre 1887: „Die Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des Ghettos unter der Regierung des Königs Humbsrt I." Diese Ausschreibung war ergebnislos. 4. Im Jahre 1890 wurde dieses Thema neuerlich verlautbart, und wurden zwei der hiezu überreichten Arbeiten remuneriert. Der Autor der einen, Dr. A. Berliner, erhielt Kr» 2000, die Autoren der anderen, Dr, Paul Rieger und Dr. Hermann Vogelstein je Kr. 1000. 5. 1893 lautete das Thema: „Der Einfluß Spinozas auf die deutschen Denker und Dichter." Der Preis wurde dem damaligen Hamburger Prediger Dr. M. Grunwald zuerkannt. 6. Im Jahre 1898: „Apologetik des Judentums von Josephus bis auf die Gegenwart." Die Ausschreibung blieb ergebnislos. 7. Im Jahre 1901 wurde dieses Thema neuerlich und überdies ein neues Thema: „Die Geschichte des jüdischen Volksschulwesens in Oesterreich" ausgeschrieben. Auch diese Ausschreibung war rücksichtlich beider Preisfragen ergebnislos. . 8. Im Jahre 1905 wurden zwei Preisthemen, und zwar: „Das Judentum zu Ende des jüdischen Staates" und „Die Juden und die österreichischen Finanzen 1648 bis 1740" ausgeschrieben. Die Ausschreibung bezüglich des ersten Thcknas blieb ergebnislos, da die einzige vorgelegte Arbeit von den Preisrichtern abgelehnt wurde. Zu dem zweiten Thema überreichte Herr Dr. Grunwald eine Arbeit, welche nicht prämiiert wurde. Ueber B eschluß des Preisrichter-Kollegiums erhielt der Autor eine Remuneration von Kr. 800 aus der Stiftung. 9. Am 1. August 1909 wurden wieder 2 Themen ausgeschrieben, und zwar „Samuel Oppenheimer und sein Kreis" und „Das Judentum zu Ende des jüdischen Staates." Auf diese Preisaufgabe und deren Lösung komme ich später zurück. Die gleichfalls zum Vorwurfe erhobene Tatsache, daß verschiedene Preisausschreibungen ohne Bewerber blieben, müßte Wohl zugegeben werden, aber dieses Schicksal teilt die iRappaportsche Stiftung mit vielen anderen Preisstiftungen. Einen großen Raum in den Angriffsartikeln nimmt die Bemängelung der Tatsache ein, daß dem Herrn Dr. Mar Grunwald in zwei Fällen für seine Arbeiten der Ravpaport-Preis zuerkannt wurde. Die Preisfrage: „Einfluß Spinozas auf deutsche Denker und Dichter"*) wurde im Jahre 1893 von einem Kuratorium ausgeschrieben, in welchem u. a. auch der sel. Dr. Adolf Jellinek saß. Sie hatte den für die Ge^ schichte der Juden sicherlich wertvollen Zweck, darzutun, welchen befruchtenden Einfluß der Geist Spinozas auf die ganze moderne deutsche Literatur ausgeübt. Daß das damalige Preisrichterkollegium, das aus den Herren Geheimrat Prof. Cohen-Marburg, Hofrat Prof. Dr. Theodor Gomperz-Wien und Geheimrat Professor Dr. Jellinek-Heidelberg bestand, nur vom Gesichtspunkte der wissenschaftlichen Bewertung der .eingelangten Arbeit geleitet wurde, indem es den Preis dem damaligen Hamburger Prediger Dr. Mar Grunwald zuerkannte, steht außer Frage, und ebenso hat auch die wissenschaftliche- Kritik über die dann veröffentlichte Arbeit das günstige Urteil bestätigt. Aus der Fülle der Urteile seien hier die folgenden erwähnt: Der Philosoph Eduard v. Hartmann schrieb („Neue Freie Presse" vom 8. März 1904) über das Werk: „Ich wünsche, wir hätten ähnliche Monographien auch über andere einflußreiche Philosophien, denn sie sind sehr geeignet, klärend zu wirken." Friedrich Spielhagen schrieb unter anderem: „Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll, die ungeheure Gelehrsamkeit, die das gigantische Material zusammenbrachte, oder die Klarheit, mit der es verarbeitet ist." Aehnlich lauten die Urteile von Ernst Haeckel und Felir Dahn. Den Ausgangspunkt der Angriffsartikel bildet eigentlich die im Jahre 1907 erfolgte Preisausfchrcibung über das Thema: „Die Juden und die österreichischen Finanzen 1648—1740", das, wie aus dem obigen Verzeichnis zu ersehen, nachdem diese Ausschreibung nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führte, im Jahre 1909 dahin eingeschränkt wurde, daß das Thema „Samuel Oppenheimer und sein Kreis" lautete. Es wird nun behauptet, daß es sich bei diesem Thema „uin nichts anderes als um die Wuchergeschäfte einiger Hofjuden" handle, während andererseits den gewählten Juroren gewissermaßen die Qualifikation abgesprochen wird, in dieser Frage ein maßgebendes Urteil abzugeben. Was die erstere Behauptung betrifft, so beweise gerade der Umstanddaß selbst ein jüdisches Blatt sich die Vorurteile des Geschichtsschreibers Mensi und des Generalstabswerkes über die Feldzüge des Prinzen Eugen zu eigen macht, welche große geschichtliche Bedeutung die objektive Erforschung jener Geschichtsepoche und d^e Widerlegung der obenerwähnten Vorurteile hat. abgesehen davon, daß es sich in einem gewissen Sinne auch um die historischer Ehrenrettung eines Mannes handelte, der zu seiner Zeit ein Repräsentant der Wiener Iudenschaft war. Gegenüber der Bemängelung der Zusammensetzung des Preisrichter-Kollegiums genügt es. zu erwähnen, daß als Juroren Dr. Friedjung, Professor Herzberg-Fränkel- und Professor Pribram, letzterer ein Schwiegersohn des Stifters Dr. Rappaport, fungierten. Der Bewerber um diesen Preis hatte eben nicht die Aufgabe, eine jüdische Familiengeschichte oder ein Kapitel aus der jüdischen Geschichte zu schreiben, sondern nur eingehend und objektiv den Anteil darzustellen, den Samuel Oppenheimer und sein Kreis an der Gestaltung der österreichischen, Finanzen an der Wende des 17. Jahrhunderts genommen haben. Deshalb mußte bei der Auswahl der Juroren hauptsächlich darauf Bedacht genommen werden, daß anerkannt bedeutende, hervorragende Historiker, die besonders in der Wirtschaftsgeschichte Oesterreichs zu Haufe sind, als Preisrichter bestellt werden, und daß eminenbere als die drei Genannten wohl nicht zu finden waren, darüber werden Sie wohl mit mir 'übereinstimmen. *) In dem Zeitungsartikel wird die Preisfrage fälschlich als: ,.Einfluß Spinozas auf Goelhe" angegedeu.

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