Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 713 Die vorgenommenen Neuwahlen in den Turnrat ergaben folgendes Resultat: Dr. Julius Beer als Obmann, Ingenieur Theodor Deutsch als Obmannstellvertreter, Dr. Erwin H a a s als I. Schriftführer, Otto L e r n e r als II. Schriftführer, Leopold Wessely als I. Kassier, Siegfried Weiner als II. Kassier. Isidor H o r ow i tz als I Turnwart, Julius Reis als II. Turnwart. Ingenieur Emil Deutsch als Zeugwart und Frl. Irma W e l l w a r t h, Dr. Sigmund Fuchs, Isidor H o l z e r als Beisitzer. Austritte aus dom Judentum Vom 6. Oktober bis inkl. 12. Oktober 1912. Deutsch Olga, geb. 5. Juni 1885, Budapest. Eiseniohr geb. Grünbaum Rosa, Privatbeamteusgaltin,ll., Ennsgasse 23. Fischer Stefan, Privat, geb. 18. Oktober 1891, Wien, XUL, Topf'elgasse 8. HofFmann Johanna, Kontoristin, geb. 16. Oktober 1892, Wien, IX., Berggasse 20. Landesberger Marianne, Private, geb. 27. August 1893, Wien, IX., Porzellangasse 5. Reis Gisela, Klavicrlehererin, geb. 29. August 1869, Wien, II., Rembrandtstraße 14. Rosenfeld Gisela, Private, geb. 26. August 1887, Spasza, Ungarn, XVIII., Schulgasse 31. Singer, geb. von Kramer Rosa, Private, geb. 1. November 1870, Budapest, IX., Pulverturmgasse 15. Sprinzeles Josef, geb. 10. März 1886, in Seyrnig, N.-Ö., XVI., Koppstraße 26. Weinberg Walter, Bankbeamter, geb. 29. Jänner 1881. Wien, VII., Blindengasse 88. Linz. (Seltene Feier.) Samstag, den 12. d. M.. feierte unser allverehrter und hochgeschätzter A menvater und Tempelvorsteher Herr Josef Bettler in vollster Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Wiewohl derselbe diesen Tag in aller Stille im Kreise seiner Familie begehen wollte, ließ es sich unser rühriger Präses, Herr Benedikt Schwager, nicht nehmen, diesen um die hiesige Gemeinde so wohlverdienten Manne eine kleine, aber äußerst würdige spontane Kundgebung zuteil werden zu lassen. Schon am Freitag abends ließ er dem greisen Jubilar eine vom Vorstande der hiesigen Kultusgemeinde gewidmete prachtvolle Barchestasse aus fein getriebenem Silber mit sinniger Gravierung überreichen. Am Samstag zu Musiaf versammelte sich der Gesamtvorstand mit seinem Präses Herrn Benedikt Schwager im Festgewande im Gotteshause. Der greise Jubilar wurde zu Maftir mit vollem Namen zur Thora gerufen, worauf Sr. Ehrw. Herr Rabbiner M. Friedmann eine sehr schöne und äußerst sinnige Ansprache an den Jubilar richtete, worin er die Verdienste des Herrn Josef Beitler als Tempelvorsteher und Armenvater Hervorbob und ihm im Namen des Vorstandes, der Gemeinde und im eigenen Namen die innigsten Glückwünsche für sein ferneres Wohlergehen zum Ausdrucke brachte. Hierauf trugen sowohl Herr Oberkantor Löwensohn als auch Kantor Piskaty die von ihnen zn diesem Zwecke verfaßten Mischebarach in formvollendeter Weise vor und der greise Jubilar rezitierte noch mit kräftiger Stimme die Haphtora nach der alten Weise. Nach dem Gottesdienste wurde der Jubilar vom Vorstande und von allen Anwesenden auf das Herzlichste beglückwünscht. Am Nachmittage fand sich der Beamtenkörper der Kultusgemeinde unter Führung Sr. Ehrwürden Herrn M. Friedmann in der Wohnung des Jubilars ein und beglückwünschte denselben. Herr Josef Beitler besucht trotz seines hohen Alters noch täglich frühmorgens das Gotteshaus und widmet außerdem jeden Tag einige Stunden in der Gemeindekanzlei zum Wähle der Armen und der Gemeinde. Möge er uns daher noch recht lange erhalten bleiben. Klagensurt. Ä,n 5. Oktober d. I. veranstaltete der hiesige „Israelitische Frauen- und Mädchen-Wohltätigkeitsverein" in den prächtig dekorierten Restaurationsräumen der „Musiksäle" eine Simchas-Thora-Feier, die sich eines überraschend starken Besuches erfreuen konnte. Eingeleitet wurde der gemütliche Abend mit zwei Konzertstücken, die von Herrn stud. med. S. Stößl („Jordania", Prag) auf der Violine temperamentvoll gespielt wurden, wobei ihn die junge Präsidentin des Vereines, Frau Hedy Lustig, verständnisinnigst am Klavier begleitete. Hierauf trug Herr med. Stößl ein felbstverfaßtes „Simchas-Thora-Epos" vor, das in trefflichen Versen die Bedeutung und Entstehung des Festabends schilderte und schallende Heiterkeit im Publikum erweckte. — Mit reichem Beifall bedacht, sang hierauf Fräulein Mira Stößl, von Fräulein Elsa Stößl sein begleitet, das Lied „Unter'm blühenden Lindenbaum" und „Hoho, du stolzes Mäd'l". Dann hielt unser Seelsorger, Herr Josef E ü n z l e r eine Rede, in der er die edle Tätigkeit des Frauenvereines würdigte, und sprach einen begeisterten poetischen Toast aus den Vorsteher der Gemeinde und zugleich Gründer des genannten Vereines, Herrn Mar Stößl, der bereits 25 Jahre lang zum Segen der Klagenfurter jüdischen Gemeinde unermüdlich wirke. An dem ernsten Teil des Festes, während dessen die von den Damen gespendeten Speisen die leiblichen Bedürfnisse der Gäste stillten, schloß sich unter den Klängen des Theaterorchesters ein Kränzchen mit Preistanzen. Preise erhielten die Paare: 1. Frl. Mira Stößl—Herr Kraus, 2. Frl. Paula Stößl—Herr Glich«, 3. Frau Hedy Lustig—Herr med. Stößl. Eine „Herren-Schönheitskonkurrenz" (Preise wurden Herrn Jos. Günzler und Herrn Mar Stößl zugedacht) und eine mit schönen Besten ausgestattete Tombola trug unter anderem viel zur Stimmung des Festes bei, das Alt und Jung in Lust und Freude bis in die Morgenstunden beisammenhielt. An dem Gelingen des Abends hat großes Verdienst Herr Josef Müller, der durch eine großzügige Spende das materielle Ergebnis von vornherein sicherstellte und mit Herrn med. Stößl die Vorarbeiten leistete. Rabbiner Dr. Unger in Jglau. Aus Jglau. 16. d., wird uns mitgeteilt: Heute früh ist hier im hohen Alter von 87 Jahren Rabbiner Dr. I. Unger gestorben. Er blickte auf eine 54jährige verdienstvolle Tätigkeit zurück. Als Hebraist genoß er einen Weltruf, als Kanzelredner war er weithin geschätzt. Klattau, 14. Oktober. In den Ortsschulrat Klattaus wurde Herr I. U. Dr. Isidor Fleischer, Advokat und Kultus- Vorsteher, in die Stadtvertretung die Herren Franz Lanner, Brauhausbefitzer, und Albert Schütz. Bankier, in den Ausschuß der Bezirksvertretung Herr Heinrich Singer, Lederfabrikant, gewählt. Sämtliche Wahlen erfolgten nahezu einstimmig. Eine Kailjerhuldigung der ungarischen orthodoren Israeliten. Wie berichtet, hat Montag vormittag der Kaiser bei den allgemeinen Audienzen eine Abordnung der ungarischen orthodoren israelitischen Konfession in Audienz empfangen. Die Abordnung überbrachte die Huldigung zum vierzigjährigen Gedenktag der Gewährung der Autonomie an die ungarische orthodoxe israelitische Konfession. Die Deputation war schon im Vorjahre zur Audienz vorgemerkt, aber da im Vorjahre die allgemeinen Audienzen unterblieben, mußte auch diese Audienz entfallen. Der Kaiser nahm die Deputation huldvollst auf. Präsident Frankl erbat vom Monarchen die Erlaubnis, daß Oberrabbiner königlicher Rat Reich den Segen über das Haupt des Monarchen spreche. Der Kaiser gewährte es, und Dr. Reich bedeckte mit Erlaubnis des Monarchen das Haupt und sprach den Segen. Dann hielt Präsident Frankl eine Ansprache an den Kaiser, in der er den Dank und die Huldigung namens der ungarischen orthodoren israelitischen Konfession aussprach. Der Monarch nahm die Huldigung in gütigster Werse auf und erwiderte der Deputation folgendes: ..Den Mir im Namen der ungarischen israelitischen Konfession überbrachten Ausdruck der Huldigung »nehme ich mit Dank entgegen. Es gereicht Mir zur Freude, daß Sie im Rahmen der von Mir genehmigten Organisation die religiösen Gefühle gepflegt haben und auch in patriotischer Richtung gewirkt und gearbeitet haben. Seien Sie Meiner weiteren Huld und Meines weiteren Schutzes überzeugt." Der Monarch sprach ungarisch. Sissek. (Todesfall). Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde erlitten. Einen unserer Edelsten und Getreuesten hat der Tod im besten Mannesalter über Nacht hinweggerafft. Herr Jacques Reiß, Großkaufmann und Vizepräsident unserer Gemeinde, ist am 7. d. M. einem Herzleiden plötzlich erlegen. Hohe Intelligenz, gepaart mit einem selten edlen Sinn für jüdische Interessen und humane Bestrebungen waren der Grundzug seines ehrlichen und festen Charakters. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer großen Kundgebung der ganzen Gemeinde und Stadt. Kultuspräsident Herr Stationschef S. Straffer hielt dem verstorbenen Vizepräsidenten einen warmen Nachruf. Am Grabe sprach Se. Ehrw. Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Heiß die Trauerrede, die einen tiefen Eindruck machte. Die kantoralen Funktionen'versah in gewohnter meisterhafter Weife Herr R e n d i. Oberkantor in Agram. Der Verstorbene war ein Schwager des Herrn Dr. Jacques König in Wien-Floridsdorf