Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022024--21554-3046654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 713 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 42 Wien. (Agudas Iisroel.) Am Montag den 21. Oktober d. I. 1J2 8 Uhr abends, Festsaal des «Hotel Continental", Wien, II., Taborstraße Nr. 4, wird Herr Rabbiner Dr. Arnold Klein aus Nürnberg über «Die Weltorganisation der gesetzestreuen Judenheit" sprechen. — Gäste, auch Damen, willkommen. Wie«. (Kinderbekleidung.) In Verfolg der von der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen angeregten gemeinsamen Kinderbekleidungsaktion findet Montag, den 21. Oktober 1912, 7 Uhr abends, im Zcremoniensaal der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, Parterre, eine Versammlung der sich mit Kinderbekleidung befassenden Vereine statt. Alle Vereine, die sich für eine richtige und moderne Behandlung dieses Zweiges der Wohltätigkeit interessieren, werden hiemit eingeladen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß im Bureau der Zentralstelle, I., Seitenstettengasse 2, 2. Stock, ein permanenter Dienst eingerichtet wurde. Daselbst werden an jedem Sonntag, vormittag von 10—12 Uhr, jedem Interessenten, besonders Vereinen, Lehrern und Kinderfreunden persönlich über alle die Kinderbekleidung bezughabenden Anfragen Auskünfte erteilt, Ei« sehr beachtenswerter Vorschlag. Wir erhalten folgende Zuschrift: «Ich hoffe im Namen vieler Glaubensgenoffinneu zu sprechen, wenn ich mir erlaube vorzuschlagen, für jüdische Arme eine Kleidersammelstelle zu beantragen, denn so wie ich werden viele Damen im Herbst und Frühling ausmustern und nicht wiffen, wohin damit, denn alte Damensachen kaust man nicht oder der Erlös ist so minimal, daß es entsprechender Ware, Armen zukommen zu lassen, eventuell für die Provinz, denn da soll sich der Unkundige an den Richtigen wenden. Hoffe, mein Ansuchen hat Ihr Wohlwollen. Hochachtend Gisela Kessler, II., Nestroygasse 8, Tür 11. Tempelbau Landstraße. Ein langgehegter Wunsch der jüdischen Bewohner im III. Bezirke soll der Erfüllung entgegengehen. Es gilt ein würdiges, der Kopfzahl und Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung des III. Bezirkes entsprechendes Gotteshaus zu errichten. Dasselbe soll zugleich ein religiös-kulturelles Zentrum bilden, um das sich alle bisher zerstreuten Elemente dieses Bezirkes scharen werden. Den eifrigen Bemühungen des Tempelbaukomitees ist es gelungen eine passende Baustelle, Ecke Blüthengafle und Weißgarberstraße, käuflich zu erwerben, für welche die baubehördliche Bewilligung bereits erfolgt ist. Ebenso hat das löbliche Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde die weitestgehende Unterstützung zugesichert. Durch die günstige Raumausnützung wird es möglich sein, in einem an das Gotteshaus sich anschließenden Vorbau paffende Räume zur Unterbringung einer Talmud-Thoraschule, ferner eines großen Saales zur Abhaltung von populär-wissenschaftlichen Vorträgen zu schaffen. Die einhellige Begeisterung für den Bau hat im Bezirke bereits ansehnliche Erfolge gezeitigt und Spenden in solchem Maße zugeführt, daß in Kürze an die Erdaushebungsarbeiten geschrillt n werden kann. Allerdings sind noch große finanzielle Opfer erforderlich; doch hofft das Tempelbaukomitee die ausreichendste Unterstützung seitens der durch Ihren Gemeinsinn bestbekannten jüdischen Bevölkerung. Wien. (Die„VereinigungjüdischerAkademiker" in Wien.) An der Wiener Universität ist ein Verein in Bildung begriffen, der sich das Ziel gesteckt hat, den Zusammenschluß gesetzestreuer Mischer Akademiker zu fördern. Er will dieses Ziel erreichen hauptsächlich durch Pflege von Geselligkeit in gemeinschaftlichen Sitzungen, die zugleich der Belehrung auf wiffenschaftlichem, vornehmlich jüdischem Gebiete dienen sollen. Auskünfte jeder Art erteilt iur. Mar Juua, Wien, Universität. Jüdische Portiere und Hausbesorger. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nummer 37 der „Österreichischen Wochenschrift" ist eine kleine, aber vielsagende und namentlich in heutiger Zeit höchst erfreulich wirkende Notiz enthalten, die vermöge ihrer sozialen Bedeutung das lebhafteste Interesse der gesamten Judenschaft Oesterreichs erregen sollte und hoffentlich auch erregen wird. Die Notiz betrifft die Wirksarstkeit und Tätigkeit des „Vereines jüdischer Portiere und Hausbesorger", dessen Bestand seit den 2 Jahren, die seit der Gründung desselben verstrichen ^sind, den Beweis erbrachte, daß in Kreisen der jüdischen Hausbesitzer die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß sie mit ihren Glaubensgenossen zumindest ebenso gute Erfahrungen machen, als mit Bekennern anderer Konfessionen, die bis vor kurzem sich als die patenten Portiere und Hausbesorger ausgaben und in ihren freien Stunden auf ihre Brotgeber wacker allen Unrat ergossen, während sie bei der Aufnahme die allerbesten Philosemiten spielten. Nun aber ist es Pflicht aller jüdischen Hauseigentümer, dem Beispiele des allverehrten und hiedurch seine soziale Fürsorge bekennenden Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, zu folgen, und nicht nur selbst, sondern auch in Freundes- und Bekanntenkreisen ihren ganzen und gewöhnlich großen Einfluß dahin auszuüben und zu Gunsten der jüdischen Portiere und Hausbesorger einzutreten. Viele Herren Kultusvorsteher, sowie die Vorstandsmitglieder vieler jüdischer Vereinigingen sind in der glücklichen Lage, im Personenverbande von Lehmanns Wohnungsanzeiger mit einem in römischer Schrift erscheinenden »E.« verzeichnet zu sein, und an diese Glücklichen sei nun appelliert, sie mögen sich des „Vereines jüdischer Portiere und Hausbesorger" erinnern; auch an die Hausadministratoren sei diese Mahnung gerichtet, die hoffentlich den Erfolg erzielen wird, der im Interesse der schönen Institution gelegen wäre! Mein Appell sei aber auch an die Herren Architekten und Baumeister gerichtet, die namentlich in jüngster Zeit überaus beschäftigt sind, sie haben ja stets Einfluß bei den Arbeitgebern, welch letztere gerne den Wünschen nach dieser Richtung hin entsprechen Würden. Aber auch an die Hausbesitzer jüdischer Konfession in der Provinz sei die Mahnung gerichtet, des „Verein es jüdischer Portiere und Hausbesorger" zu gedenken. Von dort aus sind schon zu wiederhollenmalen höchst, beachtenswerte Anregungen ausgegangen, die in der Residenz gerne befolgt werden, möge es in diesem Falle in umgekehrter Richtung sich betätigen! Dr. M. L. Wien. Wie im Vorjahre bildete auch Heuer die Laubhütte des Vereines „Einheit" eine Sehenswürdigkeit der Wiener jüdischen Gemeinde und wurde während des ganzen Sukkot-Festes besonders stark frequentiert. Am ersten Festabend fand nach dem Abendgottesdienste die feierliche Uebergabe der „Sukka" an die täglichm nach Hunderten zählenden Gäste der „Einbeit" statt. Oberkantor Müller von der „Schiffschul", Chordirigent Weiß und die Sänger stimmten das herrliche Kidduschgebet an, nach welchem Herr Obmann Bernhard Hofbauer die Honoratioren mit geist- und gemütvollen Worten begrüßre und alle Anwesenden einlud, von dieser herrlichen „Sukka", die Herr Fischer und Herr Hofbauer jnn. besonders schön und praktisch errichtet hatten, Gebrauch zu machen. Dies geschah und feierlich und würdig erklang am Schluffe das Tischgebet. — Möge es der „Einheit" au Gönnern und Förderern ihrer schönen und echt jüdischen Institution nie fehlen! A. I. Wiener Jüdischer Turnverein. (Wien, IX., Liechtensteinstraße 20.) Am 7. Oktober fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des I. Wiener Jüdischen Turnvereines statt, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Der Obmann Herr Dr. Jmmerglück erstattete den allgemeinen Rechenschaftsbericht, an den sich die Spezialreferate über die Kaffagebabrung, den Turnbetrieb und das Turngeräte-Jnventar anschloffen. Uebereinstimmend konnten die Referenten ein kräftiges Aufwartsstreben und eine gedeihliche Weiterentwicklung des Vereines mit Befriedigung konstatieren. Der Turnbetrieb war während des ganzen Jahres ein sehr reger und wurde auch während der Sommermonate in fast unvermindertem Umfange aufrecht erhalten. Die Zahl der Teilnehmer ist gegen das Vorjahr in allen Abteilungen bedeutend gewachsen und erreichte der Turnbesuch mit 127 Turnern im Herrenturnen am 14. März d. I. und mit 84 Damen im Damenturnen am 12. Februar d. I. seinen Höhepunkt. Aber nicht nur numerisch erfuhr der Verein eine Steigerung, sondern auch in turnerischer Beziehung machte er derartige Fortschritte, daß er heute einer der ersten Plätze unter den Wiener Turnvereinen einnimmt. Dieser turnerische Fortschritt kam auch bei den Darbietungen des Vereines zum Ausdruck, von denen die Beteiligung an der Makkabäerfeier durch eine Musterriege am Hochreck, deren Vorführungen den Clou des Abends bildeten, das Zöglingswettturnen am 28. Februar d. I. und das große, am 25. März in den Sofi-nsälen abgehaltene Schauturnen erwähnt seien. Den größten turnerischen Erfolg konnte indeß der Verein bei dem am 26. und 27. März d. I. in Berlin stattgefuvdenen Verbandsturntagen der Jüdischen Turnerschaft verzeichnen, wo sich die vom Verein delegierten Mitglieder sowohl beim Wettturnen, als auch in der Vorturnstunde rübmlicksi hervortaten und es ihnen gelang, beim ersteren den 1., 2. und 4. Preis zu erringen. Während der Frübjahrs- und Sommermonate wurde auf dem Cricketerplatz Leichtathletik betrieben und auch auf diesem Gebiete schöne Erfolge erzielt, von denen der Sieg des Vereines bei dem im Juni d. I. stattgefundenen Sportmeeting der „Hakoah" beredtes Zeugnis gibt. Dieser Aufschwung und diese Erfolge des Vereines sind ausschließlich das Verdienst seines unermüdlichen Platzleiters Herrn Emil Popper, der sich mit der größten Hingebung in den Dienst der jüdischen Turnsache stellte und dem für sein erfolgreiches Wirken der beste Dank gesagt fei. So suchte der Verein dem Programme der jüdischen Turnerschaft vollauf gerecht zu werden, die jüdische Jugend körperlich und sittl-ch zu kräftigen und in jüdischem Gerste heranzubilden.