Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 710 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 42 Gesamtbevölkerung in diesem Dilajet, welches das südliche Makedonien umfaßt, 1,165.390 Bewohner zählt. Im westlichen Mazedonien leben 4750 Juden. In Albanien gibt es insgesamt 11.000 Juden. Ein jüdischer Vizekonsul Amerikas in Jerusalem. Die Regierung der Der,einigten Staaten von Nordamerika hat Mr. Samuel Edelmann zum Vizekonsul in Jerusalem ernannt. Mr. Edelmann, der aus Philadelphia stammt, hat seine Studien an der Pennsylvania- Universität absolviert. Schon als Student wurde er von der Regierung nach der Türkei entsendet, um die türkische Sprache praktisch zu erlernen und gleichzeitig der amerikanischen Gesandtschaft in Konstantinopel zur Disposition zu stehen. Spater versah er Konsulardimste in Konstantinopel und ist jetzt itadji Jerusalem versetzt worden. Edelmann ist der erste amerikanische Jude, der in Jerusalem ein Amt bekleidet. BenernMg einer Pariser Strahl nach einem Judm. Wie..Aniver. Israelite" berichtet, wurde dieser Tage eine Straße in Paris nach dem Juden Eduard Colonne benannt. Die archZoloaffchen Arbeiten Frankreichs in EgyptM. Aus Paris wird gemeldet: In der letzten Sitzung der „Academie des Inskriptions et Belles-Lettres" hielt Raymond Weil! sein Referat über die von ihm im Auttrage des französischen Unterrichtsministeriums und der Akademie in Egyvten durchgekührten archäologischen Arbeiten. Der Bericht erstreckt sich auf die Tätigkeit Weills während der Jahre 1911/1912 und hat so sehr den Beiiall des Ministers und der Akademie gefunden, daß Weill mit der Weiterführung in den nächsten zwei Jahren betraut wurde. Ein Unfall des jüdichm Fliegers AbraMovicz. Aus Petersburg wird uns gemeldet: Der Aviatiker Abramovicz. der sicherst jüngst durch seinen Aufsehen erregenden Flug von Berlin nach. Petersburg berühmt gemacht hat. erlitt bei einem Schauflfegen in Petersburg einen bedauerlichen Unfall. Er stürzte mit seinem Aeroplan aus einer Höhe von 50 Meter, wobei sem Avvarat fast vollständig zerstört wurde. Glücklicherweise erlitt Abramovicz selbst verhältnismäßig leichte Verletzungen. Die russische Regierung gegM die Vertreibung der Juden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: In politischen Kreisen fällt es allgemein auf, daß die russische Regierung in allerjüngster Zeit plötzlich ihre Taktik in bezug auf die Ausweisung der Juden aus den Städten und Dörfern geändert hat. Der Minister des Innern hat mehreren Gouverneuren gegenüber den Standpunkt der Regierung kundgetan, daß die in letzter Zeit überhandnehmenden Masfenausweisungm von Juden im Gesetze nicht begründet erscheinen. Im Ministerium des Innern Leigt sich jetzt eher auch eine Geneigtheit, den Bittgesuchen ausgewiesener Juden um Aushebung des Ausweisungsbefehles Folge zu leisten. Der Gehilfenminister Eharusin hat gerade in den letzten Tagen dem Chersoner Gouverneur den telegraphischen Befehl erteilt, die für die nächste Zeit Ln Aussicht genommene und bereits festgesetzte Vertreibung der Juden aus den Dörfern der Gouvernements zu sistierM, biezilchungsweise nicht zur Durchführung zu bringen. Welchen Motiven diese plötzliche Wendung in der Politik der russischen Regierung entsprungen ist, ist nicht bekannt. Eine mMche Sumpfpflanze. (Ein geistlicher Wähler in der jüdischen Wahlkurie.) Die Verordnung der russischen Regierung, wonach auch getaufte Juden als Juden angesehen und demnach bei den kommenden Dumawahlen in die jüdische Wahlkurie einzureihen sind, hat verschiedene tragikomische Folgen. So zum Beisviel wird der Iekaterinoslawer Geistliche Bielko. der schon vor vielen Jahren vom Judentum zum Christentum übergetretm ist. auf Grund der obenerwähnten Ministeriellen Verordnung sein Wahlrecht in der jüdischen Wahlkurie ausüben müsien. Man kann sich denken, wie diese getauften Juden von ihrem Stimmrechte Gebrauch machen werden. David Werner Amram Proffffor der Prnnfylvani'rllnivehität. Aus Newyork wird uns geschrieben: Der bekannte Rechtsanwalt und Schriftsteller David Werner Amrom wurde zuM Professor für vraktisches Recht und allgemeines Strafrecht au der Pennsnlvruia-Universität gewählt. Di-sr Ernennung bat in allen Kreisen den besten Eindruck gemacht, denn Professor Werner Amrom genießt sowohl als praktischer Jurist, wie auch als Schriftsteller das größte Ansehen. Seine schriftstellerische Tätigkeit erstreckt sich auch auf jüdische Gebiete und seine .Reisebeschreibungen und Aü-'sätze über die Indien in Italien und dem On-nt laben Aufsehm erregt. Eims seiner Hauvtwerte über die jüdischen Eheschmdungsgesetze gilt nicht nur in Amerika als ein klassisches Quellenwerk. i ■ ■ Von der jüdsschsn Abteilino der amerikanischM Natronal- VMiothrk. Di" Kongreßbibliothek in Washmgtön besitzt eine sehr reichhaltige Abteilung kür Iudosia. Im Aufträge des Präsidenten Taft wird jetzt ein,e Ordnung d-r Bibliothek nach Fächern vorgenoMmen. wobei fest gestellt wurde, daß die Iüdava dieser groben Bibliothek 80 ^00 Bände ausmachen. Mit der Katalogisierung derselbe ist. wi" uns aus Newyork berichtet wird, Mrs H. £. Evert betraut worden. Oskar Strauß über seine Kandidatur. Aus New-Iork wird uns berichtet: In jener denkwürdigen Massenversammlung, in welcher der gewesene amerikanische Handessminister Oskar Strauß zur allgemeinen Ueberraschung einhellig für den Posten eines Gouverneurs des Staates Nety- Aork kandidiert wurde, ergriff stürmisch akklamiert auch Oskar Strauß, der diesem Konvent präsidierte, das Wort: Er wies zunächst darauf hin. daß er allen Versuchen seiner Parteifreunde, ihn zur Annahme der Kandidatur zu bewegen, stets mit der größten Entschiedenheit entgegengetreten sei. Diese einmütige Begeisterung, mit welcher seine Nominierung nicht nur von den engeren Parteifreunden, sondern auch von der großen Masse seiner Parteigeqner ausgenommen wurde, mache es ihm zur Pflicht, dem Rufe zu folgen. Oskar Strauß führte dann noch Folgendes aus: Ich habe die Ueberzeugung, daß ich den wichtigsten und nützlichsten Teil meines Lebens an der Seite des begeisterten Apostels der Freiheitsidee. Theodor Roosevelt, verlebt habe. Er erwies mir die Ehre, mich an die Spitze des Departements für Handel und Arbeit zu stellen, ein Departement, das eher verdient hätte, das Departement der Menschlichkeit genannt zu werden. Dieses Departement ist eine Schöpfung Roosevelts und es ist Ehrenpflicht, es besonders zu unterstreichen, daß er es uns zum Gesetze gemacht hat. in allen unseren öffentlichen Funktionen die Menschenfreundlichkeit über die materiellen Rückfichten zu stellen. Und indem ich nun neuerdings eine neue Verantwortlichkeit und eine heilige. Pflicht auf mich zu nehmen erkläre, fühle ich es, daß ich das nur so tun kann, wenn ich denselben Weg schreite, den Theodyr Roosevelt mir zu gehen gestattete, als er mich zum Mitgliede seines Kabinets ernannte.