Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Mochs Wochenschrift Sette 709 klaren Aufschluß über die angeführten, auf den ersten Blick dunkel scheinenden, iu vielfacher Beziehung für unser Thema interessanten Stellen. Wir werden noch im Laufe die er Arbeit nach vielt» Richtungen hin daraus die nötigen Resultate ziehen. S. Spinner, Wien. (Fortsetz ing folgt.) IKorrespondenzen. Errichtung einer Gärter-Vildungsanstalt für jüdr,-chr Knaben. Im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde hielt am Montag, den 14. Oktober l. I., der Vierein zur Hebung der Gewerbe unter .Vorsitz seines Präsidenten S. V r o d eine Sitzung ab, der auch zahlreiche Experten beiwohnten. Unter anderem erschienen die Herren Kommerzialrat Eduard Wiener für den Verein „B'nai B'rith", kais. Rat Dr. Ascher für die Baron Hirsch-Stiftung, Dr. Friedberger für das Taubstummen-Institut, Frau Dr. Sophie Grünfeld, Präsidentin, und Frau Sophie Quittner, Vizepräsidentin des Ferienheims, Herr Direktor Hecht für das Baron Springersche Waisenhaus, Oberst Husserl für den Handwerkerverein, kais. Rat Dr. Krüger für das Kinderheim, Direktor Rudolf K c. h n für das Kaiser-Iubiläums-Knabenwaisenhaus. Direktor Mautner für den Waisenhaus-Verein; ferner Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely, Privatier Jacob S. Straßberg, Fabrikant Herr mann etc. In offizieller Vertretung des Kultusvorstandes ist Herr kais. Rat Dr. Lieben erschienen. Der Präsident begrüßte die Versammlung und dankte für die außerordentlich erfreuliche Sympathie, die der Realisierung seines Gedankens, nämlich der Gründung einer Gärtner-Bildungsanstalt für jüd. Knaben mündlich und schriftlich entgegengebracht wurde. Er sprach über die hohe Bedeutung dieser Schöpfung, die demi jüdischen Gewerbestand einen neuen, vorzüglich geeigneten Erwerbszweig eröffnet, und verlas die Eingabe, die der Verein bereits im Monat Februar, mit zahlreichen Unterschriften versehen, an den isr. Kultusvorstand entsendete. Der Verein bittet in dieser Eingabe, daß der neuangekaufte Friedhof einen kleinen Teil der Bodensläche zu G ä r in e r z w e ck en verwenden solle. Die von dem Areale erzielten Produkte sollen teilweise für big Bepflanzung der Friedhöfe sich bewerten, und hauptsächlich sollen geeignete Lehrkräfte Gärtnerzöglinge zu tüchtigen Zier-, Handlungs- und Blumeng ärtnern heranbilden. Auch Frauen würden hier einen lohnenden Erwerb durch Blumen Handel gewinnen, und würde so aus dem Totenfelde ein neues, jbgenreiches Leben erwachsen. Nun beschrieb der Präsident in ausführlicher Weise die Einrichtung der Gartenlölonic in B u d a p e st, die von der Regierung als M u st e r s ch u l e geschätzt wird; ferner von der jüdischen Bildungsanstalt in Ahlem und der protestantischen in Wien etc. Es wären heute folgende zwsei Fragen zu beantworten: 1. Ist eine solche Bildungsanstalt erwünscht? 2. Wenn ja. welche Körperschaften und Persönlichkeiten sind berufen, ein Komitee zur Propagierung dieser Schöpfungsidee zu bilden? Die erste Frage wurde einstimmig bejaht. Bei der zweiten Frage entwickelte sich eine hochinteressante Debatte, die hier wiederzugeben kein Raum Bezeichnung dieser Gegend dienen. Demzüolge wären die Spartaner, wenn auch vielleicht nicht direkt Inden, so doch aleicher Abstammung ans d.-mielhen alten Kulturlande der Aramcier. Dies erklärt auch den Satz (l.Mcc.lO.l l). den Jonathan an die Spartaner schrieb, daß die Juden ihrer zu jeder Zeit m den Gebeten als „Brüder" («ZeXwürv) gedenken. vorhanden ist und auf welche wir ausführlich demnächst zurückkommen. Das Ergebnis derselben war die sofortige Bildung eines ständigen Komitees, bestehend aus den Herren Kultusvorsteher Dr. Samuely und Kommerzialrat Simon, sie kais. Räte Dr. Ascher und Dr. Krüger, die Frau Präsidentin Dr. Sophie Grünfeld, Kommerzialrat Leo Wiener, Direktor Hecht, die Herren Direktoren Dr. Friedberger und Mautner, Stadtbaumeister Gieß kann, Jacob S. Straßberg und Präsident S. Brod. Das Komitee kann weitere Kooptierungen vornehmen. Die jüdische Bevölkerung in Galizien laut dcla Ergebttitfeit der letzten Volkszählung. Laut den Ergebnissen der letzten Volkszählung wurden am 1. Jänner 1910 in Galizien 872.975 Juden gezählt. Da die.Gesamtbevölkerung in Galizien 8,029.387 beträgt, so ergibt sich daraus, daß die Juden 10,87 Proz. der Eesamtbevölkerung ausmachen. Die Zahl der Juden in Galizien ist in den letzten 10 Jahren wohl absolut gestiegen, weist aber einen Rückgang in ihrem Verhältnisse zur Gesamtbevölkerung auf. Während sie im Jahre 1890 11,63 Prozent, im Jahre 1900 11,09 Prozent der Gcsamtbevölkerung ausmachen, fiel dieser Perzentsatz im Jahre 1910 auf 10,87 Prozent. Der größere Teil der jüdischen Bevölkerung (659.706) lebt im ruthenischen Ostgalizien. Budapest. Der Chef des Patentamtes, Ministerialrat Ludwig B a 1 l a y, ist heute nachts nach längerer Krankheit gestorben. Dr. Ludwig Ballay war Offizier der Ehrenlegion und nahm innerhalb des Judentums eine besondere Stellung ein. Ministerialrat Dr. Ballay der bis zu seinem 24. Lebensjahre dem Talmudstudium oblag, war ein ausgezeichneter Kenner des hebräischen Schrifttums und hat als Mitglied der Repräsentanz der Budapester israelitischen Kultusgemeinde auch am öffentlichen Leben der ungarischen Juden lebhaften Anteil genommen und gehörte der konservativerem Hab tung an. Seit einigen Jahren war er Präsident des vornehmen Leopoldstädter Kasinos. Jüdische Geschworene am Jomkippur. In der zweitgrößten Stadt Ungarns, in Szegedin. hätte, wie uns von dort berichtet wird, am letzten Iomkippurtage gegen vier Personen, welche des Mordes angeklagt sind, eine Schwurgerichtsverhandlung stattfinden sollen. Da unter den Geschworenen sich 11 Juden beianden. haben diese den Präsidenten des Gerichtshofes noch rechtzeitig ersucht, daß er sie mit Rücksicht auf ihren größten Feiertag vom Dienste befreie. Obgleich er diesem Verlangen auf Grund des Rezeptionsgesetzes hätte stattgeben müssen, war der Präsident dennoch hiezu nicht geneigt, sondern; fällte die ganz ungesetzliche 'Entscheidung, daß die jüdischen Geschworenen auch am Iomkippurtage verpflichtet feien, bei der Verhandlung 311 erscheinen. Hierauf haben von ihnen nur vier deck Mut bekundet, sich der unerhörten Rücksichtslosigkeit des Verhandlungsleirers zu widersetzen und der Verhandlung ganz ferne zu bleiben. Die übrigen sieben jüdischen Geschworenen erschienen wohl zur Verhandlung, erklärten jedoch daselbst, daß sie am Iomkippur nicht zu Gericht sitzen, da ihnen dies ihr Gewissen verbietet, und blieben bei düser ihrer ablehnenden Haltung auch nach wiederholter energischer Aufforderung des Präsidenten, an der Verhandlung teilzunehmen. Erst dann ließ sich der Präsident hiezu herbei, die Verhandlung zu vertagen. Die Juden in Akdcwen und Mazedonien. Nach einer uns vorliegenden neueren Statistik gibt es in Mazedonien insgesamt 61.910 Juden. Davon leben im Dilajet Saloniki 55.320 Juden, wahrend die