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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Vlochs Wochenschrift Sette 707 wird Griechenlands in dieser Bedeutung in der Bibel Erwähnung getan? Wo finden sich denn in der Bibel überhaupt Spuren, die klar und deutlich Zeugnis davon ablegen könnten, daß die alten Hebräer das prähistorische Griechenland mehr, als blos dem Namen nach gekannt hätten, vielmehr eine genauere Kenntnis desselben befassen, und die auf einen näheren Kontakt dieser Völker schließen lassen sollten? Und sind denn andererseits im alten Griechenland auf jüdischen Einfluß zurückführende Spuren nachweisbar? Sollte denn doch, bei allem Antagonismus der Griechen gegen Nichthellenen als Barbaren, der Juden, wenigstens in der älteren griechischen Literatur, Erwähnung geschehen? Diese Fragen haben wohl nach der bisherigen, heute aber bereits teilweise als antiquiert erkannten Geschichtsauffassung gewissermaßen einige Berechtigung, wonach Griechenland einzig infolge einer auf eigener schöpferischer Kraft beruhenden Evolution eine geschlossene selbständige Kulturwelt bildete, die mit den orientalischen Völkern bis zum Einfalle der Perser nicht in Berührung kam. während anderseits die Völker des Orients erst nach dem Kriegszuge Alexanders des Großen die Griechen genauer kennen lernten. Diese von den Historikern apodiktisch hingestellte Behauptung, welche zu überprüfen man erst jetzt auf Grund neuer Beweiswürdigung versucht, ist sowohl von der modernen Bibelkritik als auch von der neuen jüdischen Geschichtsschreibung als über jeden Zweifel erhabene Wahrheit anerkannt und demgemäß auch kritiklos als unerschütterliche Basis ihrer Forschung zugrunde gelegt worden *). Kein Wunder daher, wenn man dadurch in der Darstellung des Verhältnisses der Inden zum alten Griechenland ein vollständiges Chaos anrichtete, das sofort zum Vorschein kommt, sobald eine einschlägige Frage berührt wird. Anstatt sich auf eigene Quellenforschung zu stützen, und auf Grund unserer alten, echten Traditionen die herkömmliche falsche Geschichtsauffassung zu korrigieren, folgte die jüdische Geschichtsschreibung den Weisungen einer im sremdeü Hain selbst ratlosen Egeria, um dadurch nur ihre eigenen klarfließenden Quellen zu trüben. Deutliche Fingerzeige im alten jüdischen Schrifttume, die auf das Verhältnis der Juden zum alten Griechenland Hinweisen, wurden in dieser voreingenommenen Geschichtsauffassung ganz unbeachtet gelassen. Klare, darauf bezughabende Prophetenworte mußten folgerichtig, um sich nach jeder Richtung in diese Darstellung einfügen zu lassen, als apokryph hingestellt, oder, wenn sie mit derselben gar nicht in Einklang zu bringen waren, nach j.em bekannten Vorgänge dieser bodenlos willkürlichen Kritik nach Belieben durch textkritische Korrekturen und Konstruktionen zum unkenntlichen Zerrbild verstümmelt werden. Desgleichen mußten ältere . Zeugnisse von Griechen, in denen sie ihrer Wertschätzung der Juden Ausdruck gaben, wie deren einige z. B. Josephus (Contra Ap. I, 22) zusammengestellt (besonders den Bericht des Hermippus, wonach Pythagoras *) Diesem Grundsätze treu schreibt auch der Begründer der hebräischen Lexikographie in deutscher Sprache, Geseuius in der Einleitung zu seinem Wörterbuche (p XXXIII): „Griechische Wörter finden sich im biblischen Hebraismus gar nicht, wohl aber in den chaldäischen Stücken des Daniel und Esra, besonders Namen für musikalische Instrumente, welche die Morgenländer von den Griechen angenommen haben mochten". Wie unhaltbar diese Behauptung an sich ist. werden wir ja bald sehen; aber auch die hier bezüglich der Musikinstrumente geäußerte Ansicht ist falsch und gerade ihr Gegenteil richtig. Wir können hiefür einen klassischen Zeugen führen, nämlich Strabo, der X. 3, folgendes sagt: „Nach dem Gesänge, dem Toktmaß und den Tonwerkzeugen geurteilt, hat man die ganze Musik für Thrazisch und Asiatisch gehalten rc. Diejenigen, die dem Dionhsus ganz Asien bis Indien weihen, leiten alles was Musik betrifft, von dort her. Man sagt „schlagend die asiatische Zither" onrrp, Daniel 3. 5). „Berecynthische Flöten" in»n r6'K, Ps. 22, 1). Einige Instrumente haben auch barbarische (d. h. aramäische und hebräische) Namen: Nabla (vaßXa, V23), Sambyce (aa[iß’jxrj, Mao, Dan. 3, 5 mit Einschaltung des „m" wie bei TupTüavov, Pauke und aü|j.cpGma, K'3S"D, Dan. 3, 10, Rohrpfeife, Flöte; die Schreibart K’32ö'o und das talmudische jisüd ist eine spätere Rückentlehnung aus dem Griechischen),rc." Man vergleiche noch xtvöpa= H32 rc. mit Juden Thraziens verkehrte und sich ihre Doktrinen aneignete. dem Josephus klar und deutlich hinzufüqt, daß Juden seit ältester Zeit in vielen Städten Griechenlands lebten, woselbst die jüdischen Sitten zahlreiche Nachahmer gefunden hätten) mit Stillschweigsn übergangen oder teilweise als Spuria betrachtet werden2). Und all dies, um den einmal akzeptierten historischen Standpunkt um jeden Preis, auch auf Kosten der historischen Wahrheit, behaupten zu können. Direkte andere Zeugnisse älterer griechischer Schriftsteller, die diesem System Breschen schlagen könnten, lassen sich nicht leicht auffinden, da die Juden gewöhnlich in den Kollektivnamen „Syrer", „Phönizier", „Barbaren" (Nichtgriechen) inbegriffen erscheinen, wie wir noch oft zu sehen Gelegenheit haben werden. Wir sind daher in erster Reihe mehr auf die objektiv gehaltenen, ihrem ganzen Inhalte nach mehr den Stempel der Wahrheit an der Stirn tragenden Berichte der Bibel angewiesen. Hier aber etwa eine umfassende Darstellung der wechselseitigen kulturellen Beeinflussung des Oriente- und Griechenlands zu geben oder auch nur in großen Zügen das Hin- und Herfluten des geistigen Fluidums zu kennzeichnen, liegt dieser unserer Arbeit ganz ferne und würde den ganz enggezogenen Rahmen unseres Themas weit überschreiten, da es sich uns gegenwärtig nur darum handelt, in einer Vorarbeit historisch geographische Fundamente der später folgenden eiaentlichen Handelsgeschichte zu legen. Wir wollen daher lediglich nur feststellen, was die verschiedenen biblischen Autoren unter „Javan" verstanden haben, dabei aber nichtsdestoweniger neuaufgedeckten Spuren nachspüren, manches einschlägige Material streifen und manche nach dieser Richtung hin gewonnenen Resultate festhalten, die eine seit ältester Zeit zwischen dem alten Griechenland und den alten Hebräern bestandene Verbindung authentisch bezeugen. Prüft man die in der Bibel auf Jonien bezughabenden Stellen, so gelangt man wiederum notwendig zur Ueberzeugung, daß der im Talmud und Targum hiefür überlieferten Tradition wohl nur wahre Tatsachen zu Grunde liegen können, weil dadurch erst eine richtige Erklärung dieser Stellen ermöglicht wird, die zum Wegweiser dienen kann, um den wahren historischen Sinn derselben zu ermitteln. Man muß dann aber die von externer Seite her angenommene üble Gewohnheit ablegen, das in der talmudischen Literatur angedüufte und bis jetzt unbenützte historische Material in blinder Voreingenommenheit ohne eingehende nähere Prüfung mit billigen Schlagworten in Bausch und Bogen in Mißkredit zu setzen und die daselbst wiedergegebenen alten Traditionen bloß als Geistesspielereien späterer Zeit zu betrachten. Die kritische Sichtung des Stoffes ergibt stets, daß die später gesammelten Mitteilungen und Erklärungen oft auf uralte, über Jahrhunderte, ja Jahrtausende, zurückreicheude Ueberlieferungen .zurückgehen, die zum Teile bereits Philo, Josephus, die Evangelien und die ersten Kirchenväter, oft als „Ueberlieferung der Alten" (xapacca'? xwv Ttpsaßircspwv, im Talmud c'3pT nncs), kennzeichnen und die meist die Feuerprobe der schärfsten, aber wissenschaftlich ehrlichen Kritik glänzend bestehen können. Solche alte Tradiy E3 ist merkwürdig, wie Maimuni in dieser Beziehung eine richtigere Auffassung der Geschichte offenbart, indem er Hilchoth Thef. 1, 3 sagt: maisn iNVi pi 2122 mjiu 12312123 'v'2 ^uiv' 1*7322 unter P' versteht er hier gewiß in erster Reihe Nord-Kleinasien und dann Griechenland. — Gelegentlich erwähnen wir auch, daß der byz. Kaiser Constantin VII. Porphyrogennetos (912—952) erzählt (De Them. I. 3): „Die Assyrer exilierten die Bewohner Samarias und wiesen ihnen Wohnsitze in Pontus und Umgebung an. In der Bibel wird der Ort wohin sie exiliert worden sind mit Namen, r6,i, d. h Colchis angegeben, möglicherweise nimmt der Kaiser das alte Colchis in dem weiteren Sinne, daß es Pontus mit einfaßt. Fand man doch eine alte Münze von Sinope aus dem IV. Jahrh. v. Chr. mit der Legende p*?rri2, denn Colchis nennen auch die Juden sowohl 12 als auch rbn (so. II, 1). Bergl. Zeitsch. d. D.-Morg. Ges. IX. 1855 9 46511.

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