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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 706 Dr. Vlochs Wochenfchrfft Sir. 42 „Ich danke Ihnen sehr für Ihr Schreiben und das meiner Kandidatur entgegengebrachte lebhafte Interesse. Ich bin überzeugt, daß Ihr Ersuchen uni ein Schreiben, das in Ihrer Synagoge am heiligen Iomkippur zur Verlesung gebracht werden soll, den besten Absichten entsprungen ijt. Ich will jedoch die heiligen Ideale dieses heiiig,en Tages nicht durch meine Kandidatur und ihre Förderung profanieren. Als gute Amerikaner sollten wir alle uns davor hüten, die Religion mit der Poluik und die Politik mit der Religion zu verquicken. Ich bitte bloß meine Mitbürger aller Konfessionen. daß die einen mir ihre Unterstützung nicht deshalb entziehen mögen, weil ich nicht ihrer Religion angehöre, und die anderen wieder, daß sie mir ihre Unterstützung nicht bloß deshalb zuwenden mögen, weil ich ihr Glaubensgenosie bin. Alle mögen meine Kandidatur nur von dem Gesichtspunkte aus beurteilen, ob ich für das hohe Amt, für welches ich kandidiert wurde, die Eignung besitze oder nicht. Ich habe, wie Sie wissen, die Kandidatur nicht gesucht. Sie erfolgte in Anerkennung meiner Dienste für das Vaterland ohne Rücksicht auf meinen Glauben. Das ist auch so in Ordnung. Und ich werde mir auch alle Mühe geben, daß nichts geschehe, wodurch diese Ehrung Abbruch erleiden könnte, eine Ehrung, die mir an sich wertvoller erscheint, als der eventuelle Erfolg bin den Wahlen. Ich hoffe, daß der Gott Israels, der nicht ruht und nicht schläft, den Mitgliedern ihrer Gemeinde Gesundheit, Glück und den Segen des heiligen Tages bescheren wird." Eine jüdische Kolonie auf Ek-Arischi. Aus Kairo wird berichtet, daß eine Vereinigung russischer Iuden einen größeren Landstrich in der Nähe von El-Arisch, also in der Mitte zwischen dem Suezlanal und Jerusalem an der Küste des Mittelmeems, von der ägyptischen Regierung angekauft hat; dort soll eine rein jüdische und von allem Druck der Machthaber freie Kolonie erstehen. Lord Kitchener hat di: Kaufurkunde unterzeichnet. Eine wichtige Mission des itoistifchen Führers Dr. Jochelmann. Aus Kiew wird uns berichtet: Vor einigen Tagen begab sich der Führer der Ito in Rußland, Dr. Iochelmann, im Aufträge der Organisation nach Amerika, um daselbst den heutigen Stand des Einwanherungswesens und die Lage der jüdischen ^Einwanderer zu studieren. Dr. Iochelmann wird auch bezüglich der in Amerika zu gründenden Mandelstam-Kolonie im Sinne der Beschlüsse der letzten Ito-Konferenz in Wien mit den maßgebenden Faktoren in Amerika Unterhandlungen pflegen. Ursprünglich hätte der Kiewer Advokat Margolin diese Studienreise mitmach^rn sollen, doch mußte er, der bekanntlich einer der Verteidigjer in den Beiliß- Prozeß ist, mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand dieses Prozesses sein Vorhaben in letzter Stunde aufgeben. Mil. Kolmdre auf dem Auswandererfchiff. Der Auswandererdampfer der russisch-amerikanischen Schiffsfahrtsgesellschaft, welcher den Namen „Zar" führt, hat seine letzte Amerikafährt am Vorabend des Versöhnungsfestes angetreän. Trotz des großen Festes war die Zahl der jüdischen Emigranten, welche auf dem „Zar" ihre Heimat verlassen haben, eine ziemlich große. Dif: Schiffsgesellschast hat nun diesen jüdischen Emigranten wenigstens die Abfahrt aus dem Lande der Bedrückung angenehm machen wollen und alle Vorkehrungen getroffen, damit die Iuden sowohl den Kolnidre-Abend, als tp auch den Versöhnungstag selbst im gemeinsamen Gebete auf dem Schiff verbringen können. Es wurde den jüdischen Passagieren auf dem Schiffe ein eigener Vetraum eingerichtet, eine Bundeslahe mit zwei Thorarollen besorgt und sogar ein bekannter jüdischer Kantor für diese Reise bestellt, um den Gottesdienst in alttraditioneller Weise leiten zu können. Man kann sich die Stimmung denken, welche am Kolnidre-Abend unter den armen Iuden herrschte, die auf dem Rücken des „Zar" ihr Heimatland verlassen müssen, um jener Freiheit entgegenzusegeln, welche ihnen der Zar in seinen Landen so ungerecht und so hartnäckig verweigerte. Kolnidrei auf dem Meere. (Aus der N-w-Aorker „Staats-Zeitung".) I. Die Juden in dem Zwischendeck Die sind in Leid und Sorgen. Sie beten zu dem Gott der Welt; Jom Kipurtag ist morgen. Derweilen heult und tobt der Sturm. Im Tauwerk hört man's gellen. Die Wogen rollen bergeshoch Und donnern im Zerschellen. Bald prasselt's nieder über's Deck; Es zischt von Gffcht und Schaume. Dann poltert's wieder dumpf und hohl Tief unten in dem Raume. Es ächzt das Schiff; es kcacht der Kiel; Es bebt in jeder Ecke. Und Elend herrscht und halbe Nacht Im dumpfen Zwischendecke. 2 Doch endlich ist der Sturm vorbei, Mild kommt die Nacht gezogen. Des Südens gold'ue Sterne steh'n Am klaren Himmelsbogen. Es glüht im Mondesstrahl das Meer Vom Wellengold, dem feuchten. Phosphorisch blitzt im Wellental Demant'nes Meeresleuchten. Ein Feenreich, voll Licht und Glanz; Voll Schönheit, farbentrunken. Wo sich am Bug die Welle bricht Sprüh'n silberweiße Funken. Und durch das Leuchten klingt und f i singt Der Wellen ewig Rauschen. Dumpf dringk'F hinauf zum hohen Bord. Wir steh'n und schau'n und lauschen. 3. Da horch; vom armen Vorderdeck Kommt's feierlich gezogen. Ein ernster, voller Männerfang Tönt ob den Meereswogen. Das ist ein eigenartig Lied. Bald klingt die fremde Weise Wie S.hnsucht, Liebe und Vertrau'n; So zart, so mild und leise. Dann schwillt sie voller und voller an Wie Zürnen und wie Klagen. Dann wieder scheint von schwerem Leid Das fremde Lied zu sagen. Jetzt klingt's wie Heller Festgesang, Wenn Lust und Stolz sich eiren. Jetzt endet's wie in tiefem Weh' Uno wie gebroch'nes Weinen. Kapitän und Mannschaft lauschen stumm Die Passagiere schweigen. Die Töne Hallen über's Meer Als wie ein Zauberreigen. Der Seewind selber ist gemach Und feierlich geworden. Das Meer bealeitet den Gesang Mit ewigen Akkorden. Der Himmel ward zum Tempeldach Voll Welten, unbekannten; So sangen das Kolnidreilied Die Inden-Emigranten. - Jacob Ben Lazar.*) *) U ber den Verfasser schreibt uns Herr Willy Reiniger in Wien: Jacob Ben Lazar hat mit den Buren gegen die Engländer gekämpf-, sich durch Mut ausgezeichnet und es dort bis zum Kommandanten gebracht. In New-Dork wurde er zweimal vom Expräsidenten R o o s e v e l t empfangen, der mit ihm eingehend die triste Lage der russischen Juden besprochen. Dir Krtritttzung der Audeu am Kerischen Welthandel im Altert««.*) (Fortsetzung.) 6. p\ Griechenland muß im Bereiche des Serischen Welthandels schon im hohen Altertume als Schiffsdurchgangsetappe eines der wichtigsten Glieder in der Kette der beteiligten Länder gebildet haben. Wo, wird Jeder nun fragen, *) Um uns nicht mit vorausgeschickten Erklärungen wiederholen zu müssen, unterbrechen wir jetzt die Fortsetzung des Artikels “nat und werden die Schlußartikel darüber später bringen.

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