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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 705 Waren die denkbar schlechtesten; der Boden, dien sie bearbeiteten — sie waren von altersher Bauern war schlecht, unzureichend: denn wenn er früher einmal eine Fanntie aus 3—4 Seelen bestehend, knapp ernähren konnte, so vermochte er doch jetzt, nachdem sie sich um' vieles vergrötzert hatte, unmöglich 10 15 Personen die Er.stenzmittel zu bieten. Unter den 33 Proselpten-Familien. die ich in Bözöd-Ujfalü fand, gab es keine einzige, die kaum mehr als das tägliche Brot verdiente.. Trotz ihrer unsäglichen Not würden sie sich glücklich gefühlt und über nichts gemurrt haben, da ihnen ja nach so vielen Leiden der edle und unvergeßliche ungarische Kultus- und Unterrichtsminister. Freiherr Josef von Eötvös, im Jahre 1868 die Erlaubnis erteilt hatte, sich öffentlich' zum Judentum zu bekennen, wenn sie imstande gewesen wären, jene Anstalten zu errichten, welche das Bekenntnis zu ihrem neuen Glauben zur Voraussetzung hat. Sie besaßen bloß ein Bethaus, das aber auch baufällig war, Schule und Lehrer fehlten. Die Alten beteten ungarisch, die Jugend wuchs ohne jeglichen Unterricht heran, sie verstand weder hebräisch, noch ungarisch : denn erst einige Jahre später wurde eine staatliche Schule mit ungarischer Unterrichtssprache eröffnet^ Der Gemeinde-Schoch et war eiin recht unwissender Mensch, der keipe Ahnung hatte, welch hohe und heilige Mission das religiöse Haupt einer solchen Gemeinde von Gerim zu erfüllen hat. Mir tat es in der Seele weh, ich schämte mich, wie wir Juden, im allgemeinen wohltätig, dem väterlichen Glauben anhänglich, eine solche Gemeinde von Proselyten vernachlässigen können, nichts tun, um ihren Mut zu beleben, sie materiell zu unterstützen, ihnen zu beweisen, daß sie Glaubensbrüder im Lande und überall in der Welt haben, die solche Selbstaufopferung, solche Treue und Anhänglichkeit ans Judentum zu würdigen verstehen. Man hatte gehört, mutzte gehört haben, daß im Jahre 1868 Jacob Kovücs im Alter von 66 Jahren und mit ihm zusammen Jtzig Abraham in Erdö-Szentgyörgy sich der Beschneidung unterwarfen: worauf ihrem Beispiel alle Männer der Sabbatarier, folgten. Welche Opfer hätten Katholiken, Protestanten, besonders Engländer, für solche Proselyten gebracht! Die reichsten und vornehmsten christlichen Familien würden an der Spitze der Spenden stehen, bei uns tragen unsere sogenannten Großen zur Verherrlichung eines eucharistischen Kongresses bei! Und das Judentum besteht doch, trotz der Großen, unter denen es ja. Gott sei Dank, auch rühmliche Ausnahmen gibt. Meine in Bözöd-Ujfalü gemachten Wahrnehmungen legte ich in einem Berichte nieder, den ich an meine lieben Freunde Prof. Dr. Bacher und Dr. Vänüczi, die damaligen Herausgeber der „Magyar-Zsidü Szemle", überschickte. Mein Bericht, dem ein warmer Appell der Herausgeber voranging, erschien Oktober 1885 und hatte das Glück, die ungarischen Glaubensbrüder aus ihrer Lethargie aufzurütteln und sie an eine heilige Pflicht' zu ermahnen. Das Ergebnis der Sammlung, die schon früher erwähnten Spenden der Pariser und Wiener Allianz mithinzugerechnet, wozu noch zwei Beträge von je 100 Gulden von dem ungar.-jüd. Landesfonds und der Budapester jüd. Gemeinde kommen, war ausreichend, utm den Sabbatariern ein Schulgebäude neu zu errichten, das Gotteshaus gründlich umzubauen und an Stelle des alten rituellen Bades, das weder den religiösen. noch den hygienischen Anforderungen entsprach, ein neues anzulegen. Der frühere Schochet wurde entlassen, Herr Isaak Hirsch berufen, ein Mann, der seine schwierige Mission in meiner Aber jedes Lob erhabenen Weise erfüllt. Amtlich ist er der Lehrer der Jugend, der Vorbeier, der Schochet, der Matrikelfuhrer des Bezirkes, für alle diese Funktionen ist ihm eine Wohnung im Schulgebäude eingeräumt und ein jährliches Gehalt von sage und schreibe! 600 Kronen zugesagt worden. Ob er's auch regelmäßig oder überhaupt bekommt, ist eine Frage, auf die ich keine Antwort geben kann. Außeramtlich ist Herr Isaak Hirsch der Vater der Sabbatarier, die sich an ihn in allen ihr leibliches und geistliches Wohl betreffenden Fragen wenden, den sie in jeder Stunde des Tages und der Nacht bereit finden, ihnen Rede zu stehen, den aber niemand fragt, wie er mit 600 Kronen jährlich sich und seine zahlreiche Familie anständig und menschenwürdig ernähren kann. Es wäre noch vieles zu tun im Interesse der Gemeindeanstalten und der Sabbatarier selbst. Ich habe schon oben auf ihre unsägliche Armut hingewiesen, diese bestätigte auch Dr. Herzog, Rabbiner in Kaposvür, der im Jahre 1890 Bözöd-Ujfalü besuchte, sie konnte auch Dr. Moses Gaster, Oberrabbiner in London, der nach meinem ersten Besuche bei den Sabbatariern sie kennen lernte, nicht entgehen. Trotz der vielen Lasten und Verpflichtungen, denen die großen jüdischen Organisationen in Wien. Berlin. Paris und London gerecht werden müssen, könnten sie vielleicht doch noch jährlich 100— 200 Frcs. in ihr Budget aufnehmen, um damit den Proselyten in Bözöd-Ujfalü und ihrer Gemeinde zu Hilfezu kommen. Auch die großen jüdischen Gemeinden in. Wien und Budapest könnten wohl jährlich 100— 200 Kronen diesem edlen Zwecke zuführen. Es handelt sich nicht um eine Angelegenheit der ungarischen Juden allein", die Erhaltung der jüdischen Proselyten-Gemeinde in Bözöd-Ujfalü ist nach meiner Ueberzeugung eine Ehrensache der Gesamtjudenheit. Bukarest, 6. Oktober 1912. (Fortsetzirng folgt.) Dr. M. Beck, Rabbiner Vom Aabrmarkr des Lebens. Schwert und Sichel. Irgend ein deutscher Literarhistoriker rühmte Ewald Kleist (geb. 1715), weil er in seiner Dichtung „?Der Frühling" zuerst gesungen habe: „Wer wandeltz die Schwerter in Sicheln". Da kommt em anderer deutscher Gelehrter. Herr Eugen Reichel, und weist nach, daß schon Gottsched (geb. 1700) in einer Ode gesungen: „Sie bricht schon an die güldne Zeit, Da wir aus Schwertern Sicheln schneiden." Und ein drirter Arier, Herr Adam Müller, geboren in Guttenbrunn, der es mit seinem Antisemitismus vereinbar findet, Mitarbeiter eines sogenannten „judenliberalen" Blattes zu sein, rühmt bewundernd die Entdeckung Reichels. Daß schon der Prophet Jesaias (II, ä) verkündet hat: „sie werden machen ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern", wissen chie drbi! gelehrten Arier nicht. M. L. Oskar Strauß über Religion und Politik. Die amerikanischen Blätter publizieren jetzt einen Brief, den Oskar Strauß, der Kandidat der Roofevelt- Partei für die Gouverneurstelle im Staate Newyork, an den Präsidenten einer jüdischen Gemeinde gerichtet hat. Der Präsident der „Ahawath-Achim-Synagoge" in Bufalo gratulierte Oskar Strauß im Namen seiner Gemeinde zu seiner Kandidatur und bat ihn gleichzeitig um ein Schreiben, welches der Präsident der genannten Gemeinde während des Jomkipur-Gottesdienstes in der Synagoge zur Verlesung bringen wolle. Hierauf richtete Oskar Strauß an den Briefschreiber das folgende äußerst charakteristische Schreiben:

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