Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022024--21546-3046646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette f04 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 42 stettengasse 2, während der Amtsstunden abzuholen. Sie werden, auf diesem selbstgeschaffenen Kataster fußend, nächstes Jahr außer bei den wenigen neu hinzukommenden Bindern, sich jede Recherchentenarbrit ersparen. Außerdem werden sich künftig alle Zweige der Kinderfürsorge desselben bedfenen können, da er in der Hoffnung, daß alle diese Zweige sich mit der Zeit der V,> kleidungszentrale anfchließen werden, derM kosten ja nur geringe sind, in Vornherein darauf angelegt wurde. Wir sind selbstlos genug, die noch ferne stehenden Vereine im Interesse unserer uns so warm ans Herz gewachsenen Schuljugend mit aller Wärme zum Antritt aufzufordern, obwohl wir die mühevolle Pionierarbeit, geleistet haben und unser Kataster, der die sämtliche jüdische Schuljugend Wiens, die arme und wohlhabende umfaßt, sowie unsere Erfahrungen den Neuhinzutretendm mühelos in den Schoß fallen werden. Daß gemeinsame Anschaffungen und Erschließung neuer Hilfsquellen für 'mandjc Vereine von ungeheurem Nutzen [:iit werden, versteht sich von selbst. Außerdem wurde während der Bekleidungssaison in der Zentrale an jedem Vormittag eine Sprechstelle eingerichtet, wo jedem für die Sache, Interessierten Rede und Antwort gegeben wird, Aufteilungen der Gesuche, Auskunft über schon bekannte 'Familien gegeben wird, und wohin jeder der schon beteiligten Vereine seine Liste, djr jedem zur Einsicht freisteht, abliefern wird. So werden wir in einigen Wochen neben der schon vorhandenen Liste der Bedürftigen auch die Liste der zur Beteilung angenommenen haben und gemeinsam leichter das Ziel erreichen, daß die wenigen ühriggebliebenen Kinder versorgt werden. Im nächsten Jahr wird wohl schon das Ziel erreicht, auf das der Wöchnerinnenverband in seinem Ressort seit elf Jahren mit Stolz zurückblickt. Wie keine arme jüdische Frau der 21 Bezirke in ihrer schweren Stunde ohne Hilf!.' bleibt, so wird kein armes jüdisches Wiener Kind ohne Winterbekleidung zur Schale gehen, und, folgen die ü'brigen Wiener Vereine unserem Beispiel bald, überhaupt kein armes Wiener Kind. Wie weitreichend ist aber diese Aktion, wie sehr wird sie Kinderepidemien und Kindersterblichkeit vermindern, wie wohltuend soziale Gegensätze mildern. Wieviel bedeutende Männer und Frauen gehen gerade aus dieser armen Schuljugend hervor, wie notwendig ist es. daß nicht nur die Gabe erfolgt, sondern daß es in einer für Ellern und Kinder wohltuenden Weife gleschieht. 2n unserer von sozialen Gegensätzen durchwühlten Zeit sollte wenigstens in der Schule kein N:id- und Haßgefühl, das für das ganze Leben verhängnisvoll werden kann, zwischen den verschiedenen Schichten der Kinder herrschen. So mögen sich Vereine, Philanthropen, Mitschüler, denen das Wohl der armen Kinder am Herzen liegt, vertrauensvoll an die Zentrahe (I.. Scitenstettengasse 4) wenden: sie werden dort dies geeignetsten Ratschläge finden, um den Richtigen auf gichtigem Wege zu helfen. Oktober 1912. C. Benedikt. Die Kabbatarier von Közöd Ujfalu. In der letzten Nummer (Nr. 40, 4. Oktober 1912) Ihrer weitverbreiteten und mir persönlich so sympathischen „Wochenschrift" veröffentlicht Ihr Budapester Korrespondent über die Proselyten in Bözöd-Ujsalü so phantastische Dinge, als wenn dieses Dorf nicht in Ungarn, sondern weit weg in Asien, Afrika oder Südamerika läge. Und doch hat der gelehrte Oberrabbiner von Budapest, Dr. Samuel Kohn, vor Jahren eine sehr wertvolle und auf den besten Ouellen beruhende Arbeit über die Sabbatarier veröffentlicht, zuerst in der in Budapest erscheinenden „Magyar-Zsido Szemle", später, wenn ich mich genau erinnere, in besonderer Ausgabe. Die Sammlung, von welcher Ihr Mitarbeiter spricht .und! deren Er-' gebnis die Sabvatarier ihre Gemeindeanstalten verdanken, wurde nicht in Bukarest und Budapest veranstaltet, sondern in ganz Ungarn. An ihr beteiligten sich die kleinen und kleinsten Gemeinden in Ungarn viel lebhafter, als diejenige in der Hauptstadt Ungarns. Die eifrigsten Förderer waren die damaligen Hörer der Budapester Landes-Rabbinerschule, jetzt angesehene Rabbiner ünd Gelehrte von Ruf, die namentlich in den Ferienmonaten an allen Ecken und Enden für die Sabbatarier, diese Märtyrer des Judentums, die öffentliche Wohltätigkeit anregten. Den Impuls aber zu dieser damals die ganze Iudenheit Ungarns ergriffenen Agitation gab mein lieber Freund Dr. Joseph Bänoczi, derzeit Direktor der jüd. Landes-Lehrerbildungsanstalt: der die genannte „Magyar-Zsido Szemle" im Verein Mit Professor Dr. W. Bacher mehrere Jahre herausgab, bis sie dann später Professor Dr. L. Blau zuerst mit Dr. Fr. Mezey, jetzt Dr. Blau allein, übernahm. Aber auch außerhalb Ungarns interessierten sich sehr einflußreiche Kreise für die Sache der Sabbatarier in Bözöd-Ujfalü. So bewilligte die Pariser „Alliance Israeliie Universelle" im Jahre 1887 Frcs. 500, die Wiener „Israelitische Allianz" 300 Gulden, später drei Jahre hindurch, 1890, 1891/ 1892, wieder je 300 Gulden für Schulzwecke, Die Anregung zu diesen namhaften Spenden der beiden Körperschaften ging von Dr. S. Kohn, Dr. Iellinek und Abraham Hochmuth, ehemals Rabbiner in Weszprim (Ungarn), aus. Das seltsamste Moment in der zugunsten der Sabbatarier unternommenen Aktion ist vielleicht die warme Beteiligung eines Rumänen, namens Georg Opra, an derselben. Dieser seltene Mann, ein griechisch-katholischer Geistlicher in Bözöd-Ujfalv, war bis zu seinem im Jahre 1893 erfolgten Tode der uneigennützigste Freund und Anwalt unserer Proselyten. So oft diese ein Anliegen oder eine Klage bei einer Behörde vorzubringen hatten, wendeten si.e sich vertrauensvoll an Opra, der ihre Sache stets erfolgreich vertrat. In der Voraussetzung, daß es Ihren zahlreichen Leserkreis interessieren wird, Näheres über die Entstehung dieser Sekte und die gegenwärtige Lage der Prosen lyten-Gemeinde zu erfahren, will ich etwas weiter ausholen. Ich muß vorausschicken, wieso es kam, daß meine 'Aufmerksamkeit auf sie gelenkt wurde. Ich pflegte in früheren Jahren mit meiner Familie einen Kurort in Srebenbürgen zu besuchen. Dort kam ich mit Glaubensgenossen aus der Gegend von Bözöd-Ujfälu zusammen, die so seltsam und märchenhaft klingende Dinge über die Sabbatarier erzählten, daß in mjr der lebhaftes Wunsch erwachte, sie persönlich kennen zu lernen. So entschloß ich mich, August 1885, nach Bözöd-Ujfälu zu: reisen. Alles, was ich dort sah und hörte, war so eigenartig und wirkte so nachdrücklich auf mich, daß ich die Proselyten August 1887 zum zweiten- und 1890 zum drittenmal aussuchte. Mein erster Besuch bei den Proselyten erregte unter ihnen freudiges Erstaunen und erweckte die gespanntesten Hoffnungen in die Zukunft, und ich hatte die größte Mühe, ihnen die Ueberzeugung beizubringen, daß ich mit leeren Händen und nur durch die Neugier getrieben zu ihnen komme. Als ich jedoch von Haus zu Haus ging, Männer, Weiber und Kinder über ihre persönliche Lage und den Zustand ihrer Gemeinde ausforschte, verwandeltesich meine Neugier in tiefstes Mitleid mit ihnen, und noch heute, nach 27 Jahren, zittert das Weh in meinem Herzen nach, wenn ich mich erinnere, in welchem Jammer und Elend ich sie traf. Ihre materiellen Verhältnisse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.