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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-11 · 41 (11.10.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
41 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4i Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 897 er seitens der Eltern vielfach unterstützt wird. Welchen Wert haben die Worte des Lehrers, wenn dieselben noch so gediegen, geistreich und überzeugungsvoll sind, wenn denselben die Verkörperung, das lebendige und belebende Beispiel — das Fundament des Unterrichtes — im Elternhause fehlt? Denn „Worte lehren und Beispiele zünden". Wir können hier mit den Worten des grotzen Propheten Jesaias sprechen: „Die Väter essen Herlinge und die Zähne her Söhne werden davon stumpf." Wenn zuweilen ein Vater es schmerzlich empfindet und darüber klagt, daß dessen Sohn fahnenflüchtig geworden und die Religion seiner Väter treulos verlassen hat, oder eine Mutter darüber bittere Tränen vergießt, daß ihre Tochter ihren angestammten Glauben gewechselt hat, so bedeutet das das Erwachen des belasteten Gewissens und eine Anklage gegen sich selbst. Wer hat denn in vielen Fällen ihnen den eingeschlagenen Weg dahin gezeigt und den betretenen Schritt dvhin leicht gemacht? — Sind es nicht oft die Eltern?! Gewiß! Der Gläubiger Schabbes verlangt von dem Sohne, dem Stammhalter und Erben des Hauses, die Einlösung der Ehrenschuld seines Vaters und seiner Großeltern, die er als Lnabe mit 13 Jahren öffentlich feierlichst anerkannt hatte. Allein der Schuldner schüttelt bedenklich den Lopf und spricht nach einigem Bedenken: „Den Gläubiger mit Namen „Schabbes" kenne ich nicht; er ist mir ganz fremd. Ich kenne bloß den modernen Sonntag und den gebräuchlichen Namen Sonnabend. Ja, in vielen jüdischen Familien steht bereits die Schabbessonne im Zeichen des Abends, des Unterganges und in manchen anderen Häusern ist dieselbe bereits längst untergegangen, so daß hier diesbezüglich Nacht und Finsternis herrschen. Darum muß die Devise lauten: „Tiku bacliodescli schofer bakose Jbajom^cliagena!’4 Es muß daher häufiger als früher mit aller Kraft in die Posaune gestoßen werden, sei es in Form einjer Kanzelrede oder in flammenden Artikeln, damit diejenigen, welche schwerhörig oder taub für die jüdische Religion sind, es hören, die Schlafenden aus ihrem Schlafe aufgerüttelt, die Säumigen und Gleichgiltigen aus ihrer Lethargie geweckt und die Pflichtvergessenen an ihre Pflicht erinnert und gemahnt werden. Dann werden hoffentlich die Schabbeslichter wieder heller in den jüdischen Häusern erstrahlen und der altehrwürdige, Herz und Gemüt erhebende und erquickende „Oneg-Schabbes" wieder seinen Ehrenplatz in der jüdischen Familie finden! Jos. Friedl, Oberlehrer i. P. Literatur. M. Stookclmacher, Randbemerkungen zu "Werner Sombarts „Die Juden und das Wirtschaftsleben“. Berlin 1913, Leonli. Simion Nachf. M. 1.2/9. M. Hoffmann, /„Judentum und Kapitalismus“. Berlin 1912, H. Itzkowski, Aug-uststraße 69, M. 2.50. Beide Bücher bestätigen von neuem die beispiellose Leichtfertigkeit, mit der Sombart in seinem „dicken Judenbuche“ tendenziöse Zitate fabriziert. Sie nageln seine Solidarität mit den Antisemiten gefährlichster Spielart fest. Die ausgezeichneten »Randbemerkungen« Steckelmachers s hließen mit den Worten: »Es ist nicht nur ein einseitiges und tendenziöses, sondern auch ein oberflächliches Buch, ein Buch, das auf die unbewiesensten Hypothesen, ja auf durchaus falsche oder mißverstandene oder offensichtlich feindselige und durch die Geschichte widerlegte Daten hin eine j üdische Eigenart festzustellen sich anmaßt, die von vornherein nur in der Richtung des Kapitalismus, des Börsenspekulantentums, der Geldleihe sich zu betätigen prädestiniert sei . . .“ s Hoffmann geht Sombart sehr zart an den Leib. Er protestiert sogar im-Vorwort gegen eine angebliche „in letzter Zeit beliebte, gehässige und ungerechte Sombarthetze“ (auch nach der „Zukunft der Juden?!“). „Wasch' mir den Pelz und rn^ch' mich nicht naß!“, so dürfte das Motto zu diesem Vorwort lauten. Und Seite 59 wird liebevoll beteuert: S. ist gewiß kein Antisemit und er verfolgt mit seinem Werke die besten Absichten. „Aber*,“ so fährt H. fort, ,',wenn er einem Juden mit Ehrgefühl zumutet, Stellen wie diese ohne Entrüstung hinzunehmen und als Ausfluß einer gerechten und unparteiischen Gesinnung zu betrachten, so beweist dies nur, daß der sogen, gesellschaftliche und wissenschaftliche Antisemitismus (!), die geoildeten Schichten unseres Volkes so tief ergriffen hat, daß auch die Besten von ihnen mit einem Tropfen antisemitischen Oeles gesalbt sind.“ Dabei folgt unmittelbar darauf der skandalöse Vergleich Sombarts von dem christlichen und jüdischen Totenbett. Und S. 76 sagt H. selbst: „Das Bild des Juden, der mit seinem Gotte handelt und bei dieser Gelegenheit sozusagen seine Lehrzeit für das praktische Leben macht, fehlt eigentlich noch im antisemitischen Register.“ Ist das nicht ein Lapsus calami? Es sollte doch wohl heißen: „fehlte“ (nämlich vor Sombart); S. haben wir doch diese Beglückung zu verdanken. Wozu die zahmen, schüchternen, wie S. um Entschuldigung bittenden Euphemismen: „Es ist unwissenschaftlich“ (S. 93), „Arges Pech hat S.“ (S. 97), „Unvorsicht“ (101), „mit diesen Sätzen fällt die ganze Sombartsche Theorie“ (128) u. a. rn.? Hat nicht vor Hoffmann bereits der arische Professor Bachfahl (in den »l’reusischen Jahrbüchern« Jan. 1912) männlichere Töne gegen Sombart angeschlagen? Da heißt es ganz unverblümt: „Das ist denn doch ein starkes Stück und „»schnurrig“ ist dabei nur die beispiellose Leichtfertigkeit und Unwissenheit des Autors.“ „Und nicht besser orientiert, wie über die Südniederländer des 16. Jahrhunderts, ist Sombart über die Kordniederländer : sonst könnte er nicht von einer ^plötzlich ausbrechenden Blüte Hollands“ sprechen.“ „Erweist sich somit die Formulierung des Problems, wie Sombart sie gibt, als verfehlt, so noch mehr sein Versuch der Lösung.“ „Man sieht aus allem dem, wie falsch und oberflächlich um nicht zu sagen, anmaßend-ungeniert Sombarts Behauptung ist.“ „Ganz ebenso verhält es sich mit den Ausführungen Sombarts über Hamburg. Er beruft sich für die Bedeutung der Juden im Wechselgeschäfte auf ein Gutachten von 1733, daß die Juden im Wechselgeschäfte „fast ganz Meister“ seien. Es heißt nun aber in der betreffenden Stelle (bei Grunwald, Hamburgs deutsche Juden, 1904 Seite 21): Die Juden seien jetzt (1733) im Wechselgeschäft, im Handel mit Galanteriewaren und in der Herstellung gewisser Stoffe ,-,fast ganz Meister“, und sie hätten (sc. darin) „die Unsern überflügelt“; daran schließt sich unmittelbar der Satz: ,»,F r ü'h er brauchte man sich um die Juden nicht zu kümmern.“ Aus diesem letzten Satze geht doch das gerade Gegenteil von Sombarts These hervor und seine Zwischenbemerkung „zum Teil noch später“ stellt die Dinge geradezu auf den Kopf.“ „ . . . Zwar spricht ßombart von einer „frühen und ganz allgemeinen Durchsetzung der (amerikanischen) Kolonistenbevölkerung mit jüdischen Elementen“: aber das ist pure Phantasie. Bei einem so trefflichen Kenner der amerikanischen Geschichte, wie Darmstädter es ist, finden wir vielmehr die Angabe, daß es nur „in den mittleren Kolonien vereinzelte Juden“ gegeben habe, und dem entspricht die Tatsache, daß noch 1818 von jüdischer Seite selbst die jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten auf nicht mehr als 3000 Köpfe geschätzt wurde.“ „Man wundert sich dabei nur über eines, — nämlich darüber, daß sich Sombart nicht die geringe Mühe gemacht hat, sich über diese Dinge besser zu unterrichten.“ „Und indem Sombart weiterhin fragt: „Woher aber stammt diese starke Tränkung der amerikanischen Kultur mit dem spezifisch jüdischen Geist?“, gibt er die Antwort: ,,Wie mir scheint: aus der frühen und ganz allgemeinen Durchsetzung der Kolonistenbevölkerung mit jüdischen Elementen.“ Man darf nun gespannt sein, wie er dieses!, doch immerhin noch stark verklausulierte Urteil begründen wird; diese Begründung aber bedeutet wieder — echt Sombartsche Art! — eine Aufhebung der soeben gemachten Verschränkung.“ „Man sieht die Puritaner in der neuen Heimat ihren Einzug halten, immer 19 Familien; in der Mitte ihre Leibjudenfamilie! Niemals hat wohl die Phantasie auf dem Gebiete historischer J,Forschung“ schlimmere Orgien gefeiert, wie im vorliegenden Falle.“ „Sombarts Prophezeiung (Si 41), daß nach 50 bis 100 Jahren die Vereinigten Staaten nur noch von Slaven, Negern und Juden bewohnt seien und daß darin die Juden ^natürlich die wirtschaftliche Hegemonie an sich .gerissen haben werden“, wird nicht nur dem Autor selbst,^ son-

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