Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 691 England zu danken, und von Hm stammt auch der erste große Entwurf über die ärztliche Inspektion in Schulen. Dr. Mayer Kopplans, der sich in zahlreichen Eelehrten- Gesellschaften groben Ansehens erfreut, nimmt auch an dem öffentlichen Leben der jüdischen Gemeinde in Leed und ihren Wohlfahrtsanstalten lebhaften Anteil. Der Autor des „Narrmtanz". Aus Czernowitz wird uns geschrieben: Leo Birinski, der Autor der Komödie „Narrentanz", die jetzt gleichzeitig in Wien, Berlin, Leipzig, Dresden und München mit großem Erfolge gegeben wird, ist ein geborener Bukowinaer. Er heißt mit richtigem Namen Leo Gottesmann und ist in Storozynetz geboren. Nach Absolvierung einiger Mittelschulklassen widmete er sich dem Buchhandel und'nahm eine Stelle in einer Wiener Buchhandlung an. Sein erstes Werk „Moloch" lenkte die Aufmerksamkeit der literarischen Welt auf ihn und nun hat er mit der Komödie „Narrentanz" das literarische Feld ganz erobert. Die Ausführungen der deutschen und österreichischen Blätter über die Persönlichkeit Birinski^ stimmen insoferne nicht, als die Presse in ihm einen russischen Revolutionär sieht, dessen Heimat irgendwo in einem ruffischen Pogrom- Winkel liegt. Das ist einfach nicht wahr, denn Leo Birinski ist ein Oesterreicher, vielmehr ein waschechter Bukowinaer. Ein typographischer Fallstrick In dem "i'T vor den Schaufartönen P'"i'P befindet sich in allen v'innv und die sonderbare Bezeichnung n’3sn. In der kabalistischen Bemerkung nachher aber heißt es -02, N'23-I N'^l2v32 pnp das stimmt, das eine wie das andere macht 400, nun aber folgt: «w na *n .tp.-'ibö», D'asn -'v bv, das macht auch 400 mit dem doppelten n Was aber soll das pw' im n'N' bedeuten? Meines Erachtens emen schmählichen Fallstrick eines Neofiten oder eines nicht" jüdischen Zensors. Die neueren Gebetbücher enthalten ja jene kabalistischen Gebete nicht mehr, aber die Drucker und Verleger von Gebetbüchern des älteren Ritus seien dringend gewarnt, jenen Fallstrick aus neuen Auflagen zu entfernen. Wie ich mich erinnere, hat mein seliger Vater, Oberrabbiner in Wloclawek. sie bereits hier angemerkt, und ein Herr Maroulies aus Jassy fordert ebenfalls einen Appell an die Oeffentlichkeit. Cur o—Lemberg. Korrespondenzen. Die Ursache des Mangels an Rabbinergrößen in Oesterreich und Ungarn. Sehr g,eehrter Herr Redakteur! Der unter obigem Titel in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienene Artikel des Neupester Oberrabbiners, Herrn Dr. Ludwig Venetianer. berührt einen sehr wunden Punkt des Lebens der jüdischen Provinzgemeinden in Oesterreich. Tatsächlich leidet unter diesem Mangel an wirklichen Persönlichkeiten unter den Rabbinern Oesterreichs vor allem die jüdische Gemeinde und in weiterer Konsequenz das gesamte jüdische Leben in Oesterreich. Wie aus den sicherlich kompetenten Ausführungen des Herrn Oberrabbiners von Neupest hervorgehl, stehen die Dinge in Ungarn nicht bester. Ich will mich jedoch hier, mit Ihrer Erlaubnis, nur mit den mir durchaus bekannten österreichischen Verhältnissen beschäftigen, die leider so schlechte sind, daß man nur mit Bangen in die Zukunft blicken kann. Es muß ohne weiteres zugegeben werden, daß die Rabbiner in unseren Provinzgemeinden sehr schlecht bezahlt werden und daß die Gehälter, welche manche unserer Gemeinden für ihre Rabbiner — die dazu noch zu verschiedenen, mit dem Amte nicht zusammenhängenden Dienstleistungen herangezogen werden - aussetzen, dem Ansehen eines Rabbiners durchaus nicht entsprechen. Ieder Einsichtige wird es auch begreiflich finden, daß unter solchen Umständen Männer von Selbstgefühl und junge Leute, die sich ihrer Fähigkeiten bewußt sind, sich allmählich vom jüdisch-theologischen Berufsstudium fernhalten und daß wir demnach einer Zeit entgegengehen, da es überhaupt als Zeichen der Mittelmäßigkeit und Unbeholfenheit angesehen werden wird, wenn jemand sich dem Rabbinatsstudium zuwenden wird. Das soll alles zugegeben werden. Die Frage ist jedoch, ob an dieser Verschlechterung des Niveaus des Rabbinerstandes wirklich bloß die Gemeinden schuld sind, ob nicht vielmehr ein großer Teil der Schuld auf die Rabbiner selbst zurückfällt, die es verabsäumt haben, die sich ergebenden Mittel und Gelegenheiten zu ergreifen, um den Rabbinerstand sowohl moralisch, als auch materiell zu heben. Hört man die Klagen unserer Provinzrabbiner, so ist man leicht zur Annahme geneigt, daß an diesen zweifellos sehr traurigen Zuständen ausschließlich die Gemeindevorstände schuld seien, die den Sinn dafür verloren hätten, durch die Besserstellung der Rabbiner auch das eigene. S. h. der Gemeinde Ansehen zu heben. Dem ist jedoch durchaus nicht so. Die Gemeinden wissen es ganz gut. daß der Rabbiner gerade in der heutigen Zeit eine für das gesamte Judentum wichtige Mission zu erfüllen hätte, und daß er die für die Durchführung einer solch schwierigen Arbeit unerläßliche Autorität nicht nur aus sich selbst schöpfen kann, sondern sie auch durch die soziale und wirtschaftliche Anerkennung seitens der Gemeinden, gewissermaßen von außen her gestützt, finden muß. In dieser Erkenntnis haben denn die Provinzgemeinden die Bestrebungen der größeren Gemeinden, einen Zusammenschluß aller Kultusgemeinden zu einer autoritativen Gesamtorganisation herbeizuführen, mit Freuden begrüßt, weil sie darin ein Mittel sahen, das Niveau ihres Beamtenstandes, in erster Reihe dasjenige der Rabbiner, zu erhöhen. And um schon in dem Organisationsentwurf zu dokumentieren, daß die Gemeinden den Rabbinern die ihnen zukommende Stellung einzuräumen geneigt sind, wurde ihnen in der übrigens als Laienorganisation gedachten Gesamtorganisation eine geradezu erzeptionelle Stellung zugebilligt. Was geschah nun? Die einzige aktive Rabbinerorganisation, der Böhmische Rabbinerverband, hat, um eventueller fiktiver Erfolge willen, es gut gefunden, gegen die geplante Organisation mit einem Proteste bei der Regierung einzuschreiten. Das heißt so viel: der Rabbinerverband hat sich den Bemühungen der Gemeinden, das wirtschaftliche Los der Rabbiner und dadurch mittelbar auch das geistige Niveau derselben zu verbessern, entgegengestellt. Sie haben also, meines Erachtens, kein Recht, über ihr Schicksal zu klagen, so lange sie die Bemühungen der Gemeinden in ihrem Interesse geradezu verhindern. Ein Gemeindevorsteher aus der Provinz. Wahlen in die Genoffenschaft der Kkeide'cmacher Wiens. Ans wird geschrieben: Binnen kurzem finden die Genossenschaftswahlen der Kleidermacher Wiens statt und es wird nicht überflüssig sein, gerade an dieser Stelle die Aufmerksamkeit der jüdischen Mitglieder dieser bedeutenden Genossenschaft auf diese Wahlen aufmerksam zu machen. Wer die einschlägigen Verhältnisse genau kennt, dem wird auch der große Anteil bekannt sein, den gerade die jüdischen Schneidermeister aller Kategorien an dem Aufschwung des Schneidergewerbes in Wien haben, und er wird es unbegreiflich finden, daß auch diese zu den größten Gewerbekorporalionen Wiens zählende Genossenschaft eine Beute parteipolitischer Amtriebe werden konnte, in welcher sich die antisemitische Cliquenherrschaft dauernd eingerichtet hat. Es wird sich vielleicht