Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 690 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 41 falls durch Abdrucken dieser Zeilen — der Wahrheit entsprechend berichtigen wollte. Hiefür im voraus bestens dankend zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung Philipp Schey von Koromla. Der Empfang einer jüdischen Deputation bei Safouow abgelehnt. Der Besuch des russischen Ministers des Aeutzern Sasonow in England hat, wie bereits berichtet, auch bei den englischen Juden das größte Interesse hervorgerufen. Die Iuden Englands haben, wie bekannt, in Angelegenheit der russischen Patzfrage eine jahrelange Agitation entfaltet, diese Frage auch im Parlamente zur Sprache gebracht und mit der Aktion besonders stark eingesetzt, als die Kunde von dem Erfolge derselben Bewegung in Amerika vor Jahresfrist nach London kam. In dieser Angelegenheit haben die führenden Kreise der englischen Iudenschaft dem englischen Minister des Aeutzern Grey ein ausführliches Memorandum überreicht, in-welchem auf die Anomalie hingewiesen wird, daß der Schutz der englischen Regierung für ihre gleichberechtigten Bürger jüdischen Glaubens an der russischen Grenze sozusagen gesetzlich aufhöre. Man gab sich nun der Hoffnung hin, datz Minister Grey auf Grund dieses Memorandums mit seinem russischen Kollegen während dessen Aufenthalt in London die Frage besprechen und die Angelegenheit selbst fördern werde. Ueberdies tauchte auch der Gedanke auf, datz eine jüdische Deputation, bestehend aus den einslutzreichsten Persönlichkeiten, bei Sasonow vorspreche, um mit ihm persönlich wegen der Verfolgungen, denen die Juden in Rußland ausgesetzt sind. Rücksprache zu pflegen. Wohl hat diese Idee nicht in allen Kreisen der Londoner Iudenschaft Anklang gefunden, da es einflußreiche Personen gab, die einen solchen Schritt weder für opportun, noch für nützlich hielten. Schließlich entschloß man sich dennoch zu dem Versuche, eine solche Deputation zu entsenden. Lu diesem Zwecke haben die Mitglieder der Deputation sich zunächst an den Minister Grey wegen einer Audienz gewendet und gleichzeitig angegeben, datz sie in dieser Audienz den englischen Minister des Aeutzern bitten wollen, der jüdischen Deputation eine Audienz bei Sasonow zu verschaffen. Zwei Tage später erhielt nun das Deputationskomitee die Mitteilung Grey's, in welcher er selbst den Empfang der Deputation ablehnt und ebenso ablehnt, der Deputation eine Audienz bei Sasonow zu erwirken. Diese schroffe Ablehnung hat in den Kreisen der englischen Iudenschaft begreiflicherweise einen peinlichen Eindruck gemacht. Der künftige Präsident der portugiesischen Republik über das Augolaprojekt. Der Kandidat für die Präsidentschaft der portugiesischen Republik, Senor Lima, empfing wahrend seiner letzten Europa - reise den Redakteur der polnisch-jüdischen Zeitung „Jsraelita" und gab in Folgendem seine Ansicht über das Angolaprojekt kund: Dieses Projekt, das sich auf positivem Wege befindet, bezweckt die Besiedlung von Angola und anderer portugiesischer Kolonien, mit jüdischen Auswanderern, hauptsächlich aber mit landwirtschaftlichen Arbeitern und Gewerbetreibenden. Wir wollen ihnen den Boden zur Verfügung stellen, ihnen Werkstätten erbauen und sie auch durch andere Mittel unterstützen, damit sie zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen der Entwicklung unserer Landbesitze jenseits des Meeres in Ruhe und Frieden arbeiten können. Jährlich wandern aus Rußland Zehn tausende von Juden aus. Zum größten Teile emigrieren sie aus Not. Amerika stellt diesen unglücklichen Emigranten große Hindernisse in den Weg, welche diesen Bedauernswerten viel Elend und Jammer verursachen. Amerika schickt nicht nur körperlich schwache, sondern auch wirtschaftlich schwache zurück, welche nicht im Besitze einer bestimmten Summe Geldes sind. Und dennoch emigrieren solche, welche die äußerste Not hiezu zwingt. Und gerade diese letzte Kategorie von Emigranten will Portugal für seine Kolonien haben. Erstens weil es die Arbeit dieser Auswanderer besser wird verwerten können, und zweitens weil Portugal die ehrliche Absicht hat, diesen Unglücklichen zu Hilfe zu kommen. Wir sind in unserem Innersten von der Nützlichkeit der Juden überzeugt. Man muß es nur verstehen, sie nützlich zu machen. Die Juden haben ganze Schichten geistig fähiger und arbeitstüchtiger Elemente. Man muß also es verstehen, diese Schichten durch Anwendung menschenfreundlicher Methoden dem Lande nutzbar zu machen. Und unsere Methoden werden sein: Bildung, Gleichberechtigung und menschliche Behandlung. Solche Methoden haben ihre Wirkung niemals verfehlt, und es ist füc mich daher kein Zweifel, daß auch wir in unseren Hoffnungen, die wir in die Juden setzen, uns nicht täuschen werden. Wir wollen in diesen entlegenen Territorien ein neues Zentrum der Arbeit und Zivilisation schaffen und neue Generationen treuer und ergebener Bürger begründen. Sie fragen, ob dieser Plan in unserem Lande nicht auf Widerstand stoßen werde. O nein, unter den Anhängern dieses Projektes steht die republikanische Regierung, welche das Zutrauen des überwiegendsten Teiles des Volkes besitzt, an erster Stelle. Eher können sich technische und finanzielle Schwierigkeiten ergeben, welche wir aber uns bemühen werden, zu beseitigen. Ernstere Hindernisse stellen dem Plane die Juden selbst in den Weg, welche jedem Vorschläge, und mag er noch so ernst und ehrlich gemeint sein, mit Zweifeln und Mißtrauen begegnen. Durch dieses eigentümliche Mißtrauen haben die Juden schon mehr als ein ernstes und positives Projekt zunichte gemacht. Wn Erlaß an die jüdischen Gemeinden, betreffend die Feuerbestattung in Württemberg. Bekanntlich war den Rabbinern und Vorsängern in Württemberg bisher auf Grund eines Erlasses der Kgl. Isr. Oberkirchenbehörde v. I. 1895 die amtliche Mitwirkung bei zur Verbrennung bestimmten Leichen untersagt gewesen. Bereits vor einigen Monaten forderte die Oberkirchenbehörde von allen Rabbinern Württembergs ausführliche Gutachten ein, um neuerdings zu dieser aktuellen Angelegenheit Stellung nehmen zu können. Nunmehr hat die Oberkirchenbehörde durch Erlaß vom 18. September 1912, Nr. 535, das Verbot v. I. 1895 ausgehoben und folgende Anordnungen verfügt. 1. Die Mitwirkung bei einer Feuerbestattung (auch im Krematorium) sowie bei der Beisetzung von Aschenresten auf einem israelitischen Friedhof, wo ein solcher vorhanden ist, wird in das Ermessen des einzelnen Rabbiners oder Vorsängers gestellt. 2. Versagt der zuständige Rabbiner oder Vorsänger aus religiösen Bedenken seine Mitwirkung, so hat er einem hiezu bereiten württembergischen Kollegen die Erlaubnis gebührenfrei zu erteilen. 3. Die Beisetzung der Aschenrefte auf einem israelitischen Friedhofe ist unbedingt zulässig. Sie hat in einem rituellen Sarg und in einem besonderen Grabe zu erfolgen. Der Erfinder des Eisberg-Signals. Aus London kommt die Nachricht, daß Dr. Mayer Kopplans von der Leeds Universität einen Apparat erfunden habe, welcher den Schiffen die Nähe der Eisberge signalisiert. Dr. Kopplans neuer Apparat wird von allen Fachleuten als eine grandiose Erfindung bezeichnet. Dr. Mayer Kopplans ist städtischer Bakteriologe in Leed und Dozent für Pathologie an der dortigen Universität. Er nahm an dem südafrikanischen Kriege teil und wurde wegen seiner Tapferkeit ausgezeichnet. Ihm ist auch die Einführung des Schulärztewesens in