Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 689 „Die ganze Seele war gepackt!" „Und das war eine blasse von jüdischen Mädchen, von denen die Hälfte nicht einmal in Amerika geboren war, die aber die englische Sprache vollständig beherrschten und ganz erfüllt waren von vaterländischem Geiste." „Zweifellos ist ein nicht geringer Teil des Erfolges auch auf den Umstand Zurückzuführen, daß die jüdische Nasse aus dem südlichen Rußland nicht nur eine begabte Rasse ist, sondern daß auch die Eltern dieser Kinder ungleich mehr Interesse haben und Anteil nehmen an der Erziehung ihrer Kinder, als die Bevölkerung der armen Stadtteile unserer großen deutschen Städte." „Die Juden Newyorks sind ein ausgezeichnetes Erziehungsmaterial, die Knaben ehrgeizig wie die Eltern, und die Familie stets bereit, die Schule zu unterstützen." Ueber die Neigung der Juden zur deutschen Sprache bemerkt der Verfasser: „In St. Louis wie in Cincinnati, wo große deutsche Stadtviertel heute noch bestehen, ist niemand eifriger im Besuch des deutschen Unterrichts, als die Juden und Hager (!). während die deutschen Familien relativ wenig von ihm Gebrauch machen." Dr. Kerschensteiner weist auch hin auf den „religiösen Sinn", der. im Gegensatz zu Millionen von Familien, in der jüdisch-russischen Familie noch nicht geschwunden ist. Obige Zitate sind selbstverständlich aus dem Zusammenhang gerissen, bilden sie doch nur einen kleinen Teil einer großen, weitumfassenden Darstellung. Der eiinzige jüdische Vahnkeamte in Rußland cvlassen. In Rußland gab es noch bis vor kurzem einen jüdischen Stationsvorstand. Er war der einzige jüdische Bahnbeamte, der allerdings nach vieljährigem Dienste durch außerordentliche Tüchtigkeit und Verläßlichkeit es zum Stationsvorstand gebracht hat und sich auch kn dieser Stellung die vollste Zufriedenheit seiner Vorgesetzten zu erwerben verstand. Aber gerade sein Avancement ward ihm Zum Verhängnis. Als. Stationsvorstand kam er mehr mit den Herren von der Behörde in Berührung, und die hochmögenden Herren Bureaukraten konnten es nun einmal nicht verwinden, daß ein Jude, wenn auch der einzige und außerordentlich tüchtige einen solchen Vertrauensposten bekleide. Der Mann wurde jetzt entlassen. Rußland braucht keinen jüdischen Beamten, es braucht überhaupt keine verläßlichen Beamten. Dort, wo Bakschisch und Chabär blühen, ist Verläßlichkeit Nebensache und als Eigenschaft eines Juden ein Verbrechen. Geadelte jüdische Familien in Oesterreich. ' Ern Verzeichnis geadelter österreichischer Juden hat das „Neue Wiener Journal" zusammengestellt. Der erste Jude, der in Oesterreich geadelt wurde, war Jakob B a s e v i, der mit dem Prädikat „von Treuenberg" im Jabre 1576 den österreichischen Adel als Münzmeister von Prag erhielt. Unter Kaiser Josef wurde dem Armeelieferanten Israel Honig mit dem Prädikat „von Hönigsberg" der erbländische Adel verliehen. Kaiser Franz I. verlieh d-n Juden auch schon den Freiberrnstand, die Bankiersfamilien der Arnstein. Vereira, Eskeles. Oppenheim erhielten im Jahre 1805 und 1815 die Baronie, ebenso die Rothschilds 1892. Auch der Bankier Soffmann wurde 1613 mit dem Prädikat „von Hoffmannsthal" geadelt. Sämtliche dieser Familien, mit Ausnahme der Rothschilds und einem Zweige der Hoffmannsthals, find schon seit längerer Zeit katholisch. Kaiser Franz Josef hat zirka zwanzig Juden baronifiert. und zwar die Born, Biedermann, Heine, Erlanaer Mautner. Menaffe, Todesco, Svringer, Schnapper, Popper, Königswarter, Morpurgo, Waldberg, Kubinzky und andere. Häufiger wurde der Ritterstand verliehen. da der Besitz des Ordens der Eisernen Krone Hl. Klaffe bis zum Jahre 1885 gleichzeitig den systemmäßiqen Anspruch auf diesen Titel begründete. So zum Beispiel: Goldschmidt, Boschan. Leon, Pollak v. Rudin. Pollak v. Klarwill, Pollak v. Borkenau, Eiß (Militäradel), Hahn, Singer, Schlesinger, Schweitzer (Militäradel). Bauer, Frankfurter. Stengel, Pfeiffer, Weiß v. Wellenstein, Weiß v. Weisach, Weiß v. Weiffenhall, Sichrovsky, Tauffig, So menthal, Flirtb. Kub, Herz, Herzseld, Mautner, Sternaraber, Guttmann, Wiener v. Welten, Evhruffi, Gomverz, Lippmann, Nauffau, Kallir, Schenk. Wechselmann, Landau usw. usw. Seit dem Jahre 1885 wurde der Ritterstand direkt verliehen an die Brüder Horace und Alfons Landau, F'ydmaan, Doclor, Kahler usw. usw. Die oben angeführten Freiherren sind auch zumeist Bankiers, nur Kubinzky, Popper. Mautner und Born sind Großindustrielle. Von den Rittern ist ebenfalls ein großer Teil aus dem Bankierstande hervorgegangen. Eiß und Schweitzer sind Offiziere. Sichrovsky. Sterngraber waren Staatsbeamte, Boschan, Leon, Pollak v. Rudin. Pfeiffer, Guttmann find Großindustrielle, Pollak v. Klarwill, Singer, Nassau find Journalisten. Der gewöhnliche Adel wurde ungefähr siebzig Juden verliehen, darunter: Porges. Loewenstein, Rappaport, Mises, Horovitz, Rosenstock v. Rostock:, Pollak v. Parnegg und Pollack v. Parnav, Redlich Redlich v. Vezeg, Schiff v. Suvero, Fischer. Stiaßny, Eißler von Terramare, Mayer v. Gunthos, May v. Mayenau. Bardach (MilitäradeN. Leidesdorf (Militäradel), Epstein. Vivante, Richetti, Goldreich von Bronneck, Zwicklita, Auspitz, Kraßny, Kürschner, Lieben, Kuffner, Jnwald. Mandl v. Mauden. Neumann v. Heilwarth, Cohn v. Hortenau, P ck v. Seewart (Linienschiffskapitän), Sachs, Lämel, Frankl-Hochwart, Winternitz, Pfeiffer. Gutfeld. Hollitscher, Peter, Oberländer, Klemperer, Rosenkranz, Landsberger, Fleisch!, Doktor und als jüngster Emanuel von Singer. Unter diesen geadelten Juden sind fast alle Stände vertreten, Aerzte, Advokaten, Offiziere, Industrielle. Journalisten, Gutsbesitzer, Bankdirektoren. Ingenieure und Kaufleute. Es dürfte im übrigen ziemlich unbekannt sein, daß es in Oesterreich viel mehr geadelte J-'den a'bt als in Ungarn, nur daß diese in Wien, Prag, Lemberg, Cl'rnow tz vertilt lcb-n. während sie in Ungarn fast nur in Budapest aniäisir i'nd. Dadurch, daß sich die Nachkommen der vor längerer Zeit geadelten östcrrcich.schcn Juden taufen ließen, ist auch die Zahl der geadelten Juden im allgemeinen nicht sehr groß. In Ungarn wurde vor dem Jahre 1849 kein Jude in den Adelsstand erhoben, weil zu einer Nobilitierung nach dem alten ungarischen Gesetz der Reichstag seine Zust'mmung geben mußte. Nachdem nun bis zn dieser Zeit der Reichstag ausschließlich aus Magnaten und Landedelleuten, der sogenannten Gentry, bestand, ist es leicht erklärlich, daß ein derartiger Adelsantrag niemals gestellt wurde. Erst nach dem Jahre 1849 bis zum Jahre 1867, wo bekanntlich roch kein ungarischer Reichstag bestanden hat, wurden einige Juden geadelt, als erster der Großindustrielle Goldberger de Buda. Der erste jüdische Baron war Schoßberger von Tornya 1886, was zu einer Interpellation im Reichstag Anlaß gab. Nach dem Jahre 1867 wurde die Nobilitierung als ausschließliches Recht der Krone erklärt, doch auch dann waren Adelsverleihungen an Juden selten. Erst unter dem Regime Banffy waren die Adelsverleihungen an Juden häufig geworden. Die geadelte Familie Schch von Koromka. Wir erhallen folgende Zuschrift: 12, Taunus-Anlage Frankfurt a. M.,' den 8. Oktober 1912. An die Redaktion der „Oesterreichifchsn Wochenschrift" Wien. Löbliche Redaktion! In Ihrer letzten Nummer vom 4. Oktober l. I. findet sich unter der Aufschrift: „Geadelte jüdische Familien in Ungarn" der nachstehende Paffus: „Zu den ehemalig jüdischen Baronsfamilien können auch die Barone Schey von Koromla gezählt werden." Als Mitglied der genannten Familie erlaube ich mir hiezu folgende Berichtigung: Sowohl mein Urqroßonkel Philivv Schey. als auch mein Großvater Friedrich Schey. beide Ungarn wurden in den österreichischen (nicht ungarischen) Freiherrnstand mit dem ihnen bereits früher verliehenen Adelsprädikate Koromla erhoben. Philipp starb als strenggläubiger Jude und hinterließ keine Kinder, von der zahlreichen, im Mannesstamme heute in die dritte Generation reichenden Deszendenz meines gleichfalls als strenggläubiger Jude verstorbenen Großvaters hat kein einziges, deffen Namen und Adel tragendes Mitglied, sei es ein lebendes oder bereits verstorbenes, den jüdischen Glauben abgelegt. Wir können somit im Gegensätze zu der Mehrzahl der vor längerer Zeit baronisierten jüdi'chen Familien gerade auf unsere fortdauernde Zugehörigkeit?um Judentume Hinweisen, und ich wäre persönlich der löbl. Redaktion verbunden, wenn dieselbe obige irrtümliche Notiz — alten-