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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-04 · 40 (4.10.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
40 (4.10.1912)
Date
1912-10-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Vlochs Wochenfchrfft Seite 681 noch in seiner tiefsten Erniedrigung gesehen. Ihnen, diesen fünf Söhnen eines Volkes, das jeder nach Belieben treten konnte, ihnen war durch diesen Mammon eine Macht in die Hände gegeben, die sie weit emporhob über ihre Glaubensgenossen. Aber unsichtbare Bande zogen sie in die Reihen dieses Volkes zurück und sie gehören zu uns. Nein, es ist in diesem Jahrhundert nichts geschehen, was einen Schatten auf dieses Haus werfen könnte. Die Rothschilds sind im Kampfe um das Gold nicht hart geworden — im Gegenteil, mit wachsendem Erfolge ging eine vermehrte Wohltätigkeit Hand in Hand. Man kann ruhig sagen, daß die Wohltätigkeit großen Stils, die wie alles Schöne in Amerika zum Sport ausgeartet ist, von ihnen stammt. Unzählige Waisen- und Wohltätigkeitsinstitute, Spitäler, Stiftungen und Spenden legen von diesem regen Wohltätigkeitssinne beredtes Zeugnis ab. Nie war ihr Geld ein Mittel zur Ausbeutung, aber es arbeitet an der Kultur, an der Industrie mit, es hat Eisenbahnen erbaut, ungeahnte Verkehrsmöglichkeiten eröffnet und es lag in einer stets offenen, gebefreudigen Hand, die sich den Armen nie verschloß. So sind die Rothschilds an die Wende eines Jahrhunderts getreten und wir wollen dieses Tages gedenken, denn sie gehören zum Bestände des modernen Judentums und sie tragen freiwillig und trotz vielfacher Versuchung gerne die Kette ihres Glaubens, eine Ehreukette, die sie mehr adelt, als alle Könige der Welt es je vermochten. Thkkla Blech-Merwin. Kiterat«r. 17. Sept. 1912. Redaktion der »Oesterr. Wochenschrift«! Herr Redakteur! In Nr. 32 Ihrer geschätzten Zeitschrift, S. 533, erzählen Sie von Nicolaus Flamellus, »dass er im Jahre 1393, als die Juden aus Paris vertrieben werden sollten, eine Reihe von Flugschriften zu ihren Gunsten, verfasste« und dann auch, dass er sich durch Ankauf der den Juden gehörigen Grundstücke bereicherte. Das Letztere wird in dem Artikel über Nicolaus Flame! in »La Grande Encyclopedie« als unbewiesenes Gerücht verzeichnet. (On a pretendu sans le prouver.) Yon einer schriftstellerischen Tätigkeit Flamels wird nichts berichtet. Im Gegenteil heisst es: »Tandis qu’ on connait un grand nombre d’ oeuvres de son frere, Jean Flamel, la signature de Nicolas Flamel ne se rencontre pas.« Auch in dem Artikel über Jean Flamel findet sich nichts von einer literarischen Tätigkeit zu Gunsten derJuden. Der Name Nicolas Flamels findet sich weder bei Graetz, noch in Leon Kahns »Les Juifs a Paris«, noch in dem Artikel »France« in »Jewish Encyclopedia«. Für Aufklärung wäre ich sehr dankbar. In ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster Cincinnati, 0. G. Deutsch. 8. Krauß, Talmudische Archaeologie. Bd.III. (Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Leipzig 1912, Gustav Fock. * Geläufig ist das Bild von dem »Meere des Talmuds«. Man unternimmt eine Seereise, um an ersehnte ferne Küsten zu gelangen. Bald treibt uns praktisches Bedürfnis, bald der Wunsch nach neuen Eindrücken für Geist und Sinn. Manche Reise trägt den Charakter einer wissenschaftlichen Expedition, unter anderem auch zur Erforschung des Meeres selbst und seiner Bewohner. In jedem Falle bevorzugt man ein zuverlässiges Schiff, nicht veralteten Typs. Der erfahrene Reisende trifft auch seine Auswahl unter den Kapitänen. Jede wohlberatene Schiffahrtsgesellschaft sorgt übrigens ohnehin dafür, daß von dieser Seite jede ungastliche Behandlung des Publikums unterbleibt. Die Schiffahrt auf dem Meer des Talmud ist leider in mancher Hinsicht stiefmütterlich bedacht. Bei der Anmusterung der Kapitäne und Mannschaften wird auf den Punkt der — sagen wir — Manierlichkeit nicht immer der Wert gelegt, der doch zur Werbung und Befriedigung des Publikums nicht außer Rechnung bleiben darf. Und nicht immer paart sich Unmanierlichkeit mit fachmännischer Fähigkeit. Wir sind darum noch heut so weit davon entfernt, den Talmud zur populären Lektüre selbst jüdischer Kreise zählen zu dürfen. Als sei ein Preis darauf gesetzt, ihn dem bildungsfreundlichen Juden zu verleiden und zu verschließen, während doch tatsächlich einige Kenntnis dieses Grundbuches des Judentums, von apologetischen Rücksichten abgesehen, jedem seiner Bekenner unentbehrlich ist. Die Zeiten, da unseren wirklich großen Talmudisten die Mittel der Verständigung mit der Wissenschaft der Umwelt fehlten, sind doch glücklich überstanden, Warum also nicht aus jüdischer Feder oder jüdischem Munde eine allgemein verständliche, in ihrer Form möglichst gefällige Einführung in den Talmud, der jetzt noch für die meisten ein Pontos axeinos ist! Ihn»euxeinos«,gastlich zu machen, ist das Werk von Kraus in hervorragendem Maße geeignet. Ich weiß nicht, ob ich zu viel wage mit der Behauptung, daß das, was der einzige M a i m o n i d e s in seinem Talmud-Kompendium für die Halakha geleistet hat, für das Archaeologische und Folkloristische, die »Peripherieoth« das Um und Auf des Talmuds, von Krauß geleistet wird. Ueberdies begegnet er dem Vorwurf, den Maimonides durch Weglassen der Quellen und Diskussionen sich zugezogen hat. Fast die Hälfte des vorliegenden Bandes ist den unsäglich gewissenhaften Nachweisen gewidmet. Der Text selbst zeigt aber den steuerfesten Führer, der das weite Meer mit geübtem Blick und sicherer Hand beherrscht. Das Buch bietet das allgemeinste Interesse, weil es über den philologischen Kleinkram das Religiöse und ethisch Bedeutsame wirksam heraushebt. Es ist ein Buch, zu dem wir Juden uns beglückwünschen dürfen. L. Moses Mendelssohn. Eine Auswahl aus seinen Schriften und Briefen. (Denkmäler jüdischen Geistes, herausgegeben von Dr. May und J. B. Levy), Frankfurt a. M. 1912, J. Kauffmann. Mk. —.90. Dieses Unternehmen, welches unsere Geislesheroen mit ihren eigenen Worten zu uns sprechen lassen will, ist ein glücklicher Einfall und warm zu begrüßen. Die vorliegende Probe empfiehlt es auf das Beste. Die Ausstattung ist sehr angemessen. M. Gesetz betreffend die israelitische Religionsgemeinschaft und Kirchenverfassung der israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg. Verlag der Hofbuchdruckerei Carl Grüninger in Stuttgart. Preis 60 Pfg. und 5 Pfg. Porto. Das seit dem Jahre 1828 bestehende Israelitengesetz hat wegen der eigenartig geordneten Verhältnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft, die in Württemberg wie die evange ische und katholische Kirche einheitlich organisiert ist, von jeher ein hervorragendes Interesse beansprucht. Da in dem neuen Gesetz eine unter den bezeichneten Gesichtspunkten eingehende und zeitgemäße Regelung des israelitischen Kirchenwesens in einem deutschen Staat vorliegt, so wird die neue Kirchenverfassung auch weit über die Grenzen Württembergs hinaus von großer Bedeutung sein und überall auf lebhaftes Interesse rechnen dürfen. 0. Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray. Deutsch von J. G a u 1 k e. Mit einer Einleitung von II. H. Ewer s. U 11stein & Co., Berlin. Mk. 1.—. Für das Buch selbst erübrigt sich jede Empfehlung. Die Uebersetzung ist gelungen. Die Einleitung berührt passend am Schluß auch die Lebenstragödie Heinrich Heines. M. Goldene Klassiker-Bibliothek. Nestroya Werke, hera sgegeben von 0. Rommel. Raimunds Werke, herausgegeben von R. Fürst, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin, Potsdamerstr. 88. Alle Ansprüche, die selbst eine strenge Kritik an Inhalt und Ausstattung stellen kann, sind hier erfüllt. Die beiden lieben Gesellen kommen einem, so im Staatskleid unter die Klassiker erhoben, ein wenig fremd vor. Sorgfältige Einleitungen, ausführliche Anmerkungen und Worterkläi ungen erhöhen den Wert der mit aller philologischen Gewissenhaftigkeit revidierten Texte. Wie uns Raimund in das Reich der Träume entführt, macht Nestroy uns immer noch so herzlich lachen, dass wir ihm selb.-t die Mauscheleien in »Judith und Holofernes« nicht gar so verübeln können. M. Friedrich Fürst Wrede, Die Goldschilds. Die Geschichte einer jüdischen Familie. 3. Auflage. Berlin, Ernst Hofmann u. Co. Dieses Buch muß man lesen, wenn man erfahren will, wie ein gläubiger Katholik und edler Mensch sich das Judentum vorstellt und über die Lösung der Rassenfrage denkt oder besser: sich Gedanken macht. Das Judentum ist ihm nichts als eine Summe historischer Erinnerungen. Inbrünstiges Glauben führt in den Schoß des Christentums. Im Judentum, wie der Verfasser e,s kennt, hat es keinen Raum. Wir begreifen, wie solche Ueberzeugungen dem Siege der christlichsozialen Partei über den Liberalismus eine Berechtigung zusprechen können. Eine Zukunftsmöglichkeit sieht Fürst Wrede für das Judentum nur noch im Zionismus, und dessen Erfolg erscheint ihm fraglich. Als Religion hat das Judentum ausgespielt und ohne Religion kann die Menschheit nicht bestehen. Solche Prämissen müssen zu Urteilen führen, wie sie dieses übrigens sehr gut geschriebene Buch vorträgt. R. Geyer und Ritteimeyer, Gott und die Seele. 7. und 8. Auflage. Ulm 1909, Heinrich Kerler. Preis M. 7.50. Als das beste Zeugnis für dieses vortreffliche Buch! kann die Wirkung gelten, die es, obwohl auf konfessionell christlichem Standpunkt geschrieben, auf ein großes interkonfessionelles Lesepublikum ausgeübt hat und die sich

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