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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-10-04 · 40 (4.10.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
40 (4.10.1912)
Date
1912-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 673 Nr. 40 Die Geschichte einer tausendjährigen Synagoge. Die jüdischen Bewohner von Feodofia in der russischen Krim haben jetzt Gelegenheit, eine recht interessante Feier zu begehen. Es ist das die Tausendjahrfeier des Bestehens ihrer Synagoge. Die Synagoge war allerdings während dieser tausend Jahre nicht ununterbrochen in Benützung und mußte zur Zeit Katharina II. gewissermaßen aus der Erde hervorgegraben werden, um sie für die Zukunft zu retten. Bei jener Ausgrabung wurden auch zahlreiche authentische Dokumente vorgefunden, welche sich auf die Entstehung der Synagoge beziehen und aus denen hervorgeht, daß die Synagoge heute genau 1000 Jahre alt ist. Der Gelehrte Dr. Harkavi, der diese und andere Dokumente, die gleichfalls in der Synagoge vorgefunden wurden, überprüft hatte, erklärte dieselben für authentisch und für besonders wertvoll für die Erforschung der Geschichte der Juden in Rußland. Auf Grund dieses Aktenmaterials hat nun der in Feodofia lebende jüdische Gelehrte Farvel jetzt die Geschichte dieser Synagoge mit einer Geschichte der Juden in der Krim von ihren ersten Ansiedlungen noch lange vor der russischen Herrschaft bis auf den heutigen Tag geschrieben und herausgegeben. Dieses Buch enthält wichtiges und lehrreiches Material, nicht nur über die Geschichte der Juden in Rußland, sondern auch über die Geschichte der Juden in Italien aus jener Zeit, da die Krim noch italienischer Besitz war. Jüdische Ringkämpfer. In Bezug auf die Hamburger Blättern entnommene Notiz in Nummer 38 der „Oesterreichischen Wochenschrift", betreffend den Ringkämpfer Cyganiewicz. wird uns aus Krakau mitgeteilt, daß derselbe arischer Abstammung ist. Dagegen schreibt Dr. I. S p i e r in einem Artikel „Sport und Rasse" im Sportblatt des „Berliner Tageblatt" folgende sehr interessante Ausführung bezüglich der Juden im Sport: „Daß die jüdische Rasse gute Faustkämpfer gestellt hat, dürfte doch für viele etwas Neues sein. Und hier muß ich erwähnen, daß ein hoher Prozentsatz aller Varietekraftkünstler Juden find, vielleicht 40-50 Prozent; daß viele Zirkusunternehmer, Drahtseilkünstler, Jongleure, Dresseure Juden find, und auch im Ringkampfe finden wir hervorragende Vertreter. Ich war erstaunt, in Amerika fast keinem Boxkampf beiwohnen zu können, ohne jüdische Pugilisten zu treffen. Berühmt geworden ist in Amerika das Boxmatch Abe Attel mit Francie Burns im Winter 1911. Abraham (Abe) Attel hatte einen Monat vorher in einem bösen Match sein linkes Schlüsselbein gebrochen, einen Monat später sahen wir ihn in New-Iork gegen Burns mit kaum verheilten Knochen antreten. In der sechsten Runde brach das Schlüffelbein wieder, sein linker Arm, der Hauptstoßarm im Boxen, hing schlaff herunter. Er gab nicht auf, obwohl Burns ihn, den Wehrlosen, furchtbar punchte und Attel siegte noch durch zwei furchtbare Rechtshänder im neunten und zehnten Gange. Die New-Aorker waren ob solchen Heroismus außer sich vor Bewunderung. Joe Chomsky hatte eine Weltmeisterklaffe. Kid Hermann (ein Chigagoer jüdischer Boxer) focht ein unentschiedenes Match, obgleich er im ersten Gange seinen Unterkiefer gebrochen hatte. Kid Goddman (ein Bostoner jüdischer Boxer) war einer der besten Leichtgewichtsboxer der Welt. Joe Bernstein war der einzige Boxer, der den „furchtbaren" Mrs. Govern in seinem Siegeszuge aufhalten konnte. Harry Harris war in seiner Zeit ein „Wunder", eine Klasse für sich in seiner Gewichtsklasse." Geadelte jüdische Familie« in Ungarn. In keinem Lande der Welt gibt es einen zahlreicheren jüdischen Adel als in Ungarn. Jüdische Adlige sind ja schließlich auch in Oesterreich keine besondere Rarität, jüdische Freiherrn aber in Oesterreich bedeutend seltener als in Ungarn. Die folgenden Zusammenstellungen brachte das „Neue Wr. Journal" aus dem Anlasse, daß jüngst wieder einem Juden die ungarische Baronie verliehen wurde: dem berühmten Chirurgen Professor Emanuel v. Herczel. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Kapitel über die jüdische Aristokratie Ungarns geschrieben: Vielfach werden auch solche Familien dem jüdischen Adel beigezählt die sich selber seit längerer Zeit nicht mehr als zum Judentum gehörig betrachten. (Diese sind mit einem * bezeichnet.) So können die freiherrlichen Familien v. Harkanyi und v. Koranyi beispielsweise nicht mehr als jüdische gelten, denn sie leben bereits in zweiter und dritter Generation als Christen. Die Barone Harkanyi sind Magnatenhausmitglieder, die Koranyis werden unter den Pairs von Ungarn vorläufig nur durch den Profeffor Friedrich Koranyi vertreten. Die beiden Söhne — Alerander, gleich seinem Vater ein großer Arzt, und Friedrich, Sektionsrat im Finanzministerium — dürften aber bald folgen. Jüngeren Datums dagegen ist das Christentum der Barone Orosdy. Dirsztay, L ü - vay und Wo dianer. Dje Wodianer v Capriora sind eine alte Bankierfamilie: ihr letzter lebender Sproß, der alte Baron Albert Wodianer. ist Junggeselle. Wird er ernst Zu seinen Vätern versammelt, so wird die Familie im Mannesstamme erloschen sein: die erste unter den jüdischen Baronsfamilien Ungarns, vor deren Gruft das Wappenschild umgekehrt wird. Die Barone Lövay haben ihre Krone von ihrem als Hagestolz verstorbenen Onkel Heinrich ererbt, einem der Begründer der Ersten * ungarischen allgemeinen Versicherungsgesellschaft. Die Dirsztays - aus dem Hause Fischl — sind Finanzbarone und leben in Wien. Baron Philipp Orosdy, dessen Vater Chef der großen Exportfirma Orosdy, Back und Komp, war, ist der Schwiegersohn des Barons Peter Herzog. Zu den ehemalig jüdischen Baronsfamilien können auch die Barone Schey v. Koromla gezählt werden. Von den Familien, die jüdisch blieben, sind unter den Baronen zu nennen: Die Kornfelds. Die Magnatenhausmitgliedschaft und die Baronie hatte noch der Vater der jetzigen Barone. Siegmund Kornfeld, Generaldirektor der Ungarischen Allgemeinen Kreditbank, der vor wenigen Jahren starb, erhalten. Von seinen drei Kindern ist Baron Paul Direktor der Bank, die sein Vater zu so hoher Blüte gebracht hat, Baron Moritz Direktor der Maschinenfabriken und Schiffswerften Ganz-Danubius. Ihre Schwester. Baronesse MiM, ist dir Gattin des Direktors der Königlichen Fluß- und Seeschiffahrtsgesellschaft, des Ritters v. Domony. — Die Madarassy-Beck gehören ebenfalls zu dem finanziellen Adel Ungarns. Baron Mar ist Präsident des Verwaltungsrates der Ungarischen Eskompte- und Wechslerbank, sein Sohn Baron Marcel Generaldirektor derselben Bank. Baron Julius, ein Sohn des verstorbenen Barons Ferdinand, ist Generaldirektor der Ungarischen Hypothekenbank und Reichstagsabgeordneter. — Die Kohners sind Jndustriebarone. sehr reich und sehr wohltätig. Baron Adolf ist ein großer Musikfreund, selbst ausübender Künstler, überdies einer der eifrigsten Gemäldesammler und ein feiner Kenner. Seine Galerie ist berühmt. Baron Eugen ist in der vornehmen Lebewelt bekannt, dabei aber der gewiegteste und arbeitsfreudigste Kaufmann und Großindustrielle. Baron Alfred ist. gleich den eben Genannten, Teilhaber der Firma. Baron Willy ist der leidenschaftlichste Trabersportsmann und Rennstallbesitzer. — Die Hatvanys. Ebenfalls Jndustriebarone, Spezialität: Zucker. Gehören zu den größten Produzenten und Raffineuren Europas. Steinreich. Baron Alerander ist Magnatenhaus, Mitglied: von den Söhnen des Barons Josef ist Ludwig der bekannte Aesthetiker und Schriftsteller, Franz ein begabter Maler. Beider Onkel. Baron Karl, ist vor kurzem zum Christentum übergetreten und aus der Firma

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