Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 39 (27.9.1912)
- Date
- 1912-09-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022021--21505-3046602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 666 WoWnschM Nr. 39 Jetzt Nagt sie plötzlich über Hunger, und es ist noch so lange hin zum Speisen. ».Verehrte Frau," sagt sie zur Brünetten, „unsere Kinder haben genug gespielt, mir schicken sie nach Haus, und wir gehen ins Frühstückszelt nebenan und essen eine Kleinigkeit." Die Brünette lehnt nicht ab, weil sie fürchtet, für verletzt gehalten zu werden. Nun sitzen sie im Frühstückszelt. Die Blonde läßt sich ein Käsebrötchen, die Brünette ein Stück Braten geben. „Sie Hütten sich auch Braten geben lassen sollen, wenn Sie so großen Hunger haben," sagt die Brünette. „Um keinen Preis," beteuert die Blonde sehr energisch und etwas verdrießlich auf den vor der Brünetten stehenden Braten fehend, „meine Eltern waren sehr orthodor, und ich bin sehr streng erzogen, ich esse nur koscher." _ Literatur. nrn» Olmütz, 22. September 1912. Sehr geehrter Herr Redakteur! Bezugnehmend auf die in- Ihrem geschätzten Blatte Nr. 38 vom 20. September 1912 zur öffentlichen Diskussion gestellte Frage: »Woher das Wort -iimv stammt, womit speziell unsere Festgebetbücher betitelt werden?« erlaube ich mir, folgendes zu bemerken : Bekanntlich bedeutet TiTHO neben »die Rückkehr, das Zurückkehren« auch »die Umkreisung, der Zyklus« (jtap 'ö bru v) und im Rituale: Machsor, das Buch, das die Festgebete enthält. Zyklus (Kreis, Periode) bedeutet in der Chronologie eine Reihe von Jahren, nach deren Beendigung gewisse astronomische Erscheinungen oder bestimmte, einem Kalenderjahre zukommende Eigenschaften in derselben Ordnung wiederkehren. Daselbe gilt auch von dem Worte mina (von im) womit unsere Festgebetbücher deshalb bezeichnet werden, weil sie nach einer bestimmten Zeit, d. i. wenn das Fest wiederkehrt, in Gebrauch genommen werden. Hochachtungsvoll J. ü. Dr. Robert Sonnenmark. In gleichem Sinne lauten uns zugekommene Beantwortungen von Prof. Dr. M. G r ü n f e 1 d-Brünn, G. M. Löwe n-Wien, M. 8. G r y b e 1-Wien, Franz T e 11 s c h-Wien, G. R. in Mähr.-Schönberg. Wir erhielten ferner nachstehende Zuschriften: Auf die Anfrage des Herrn Alexander Schorr in Nummer 38 Ihrer geschätzten Wochenschrift vom 20. d. M. erlaube ich mir in Erinnerung zu bringen, daß das Wort iimv, das eigentlich Cyklus bedeutet, zum erstenmale vom berühmten Piut-Dichter Elieser Kallir gebraucht wurde und zwar zur Benennung seines Gedicnte- Cyklus für die verschiedenen Feiertage. Später wurde der Namen für alle Feiertags-Gebetbücher gebräuchlich. Stryj, 22. Sept. 1912. Isidor Bernfeld, Religionslehrer. Dieser Ausdruck für einen Cyklus von Jahren (^ntl ilMÜ und jep -mna) kommt des öfteren im Talmud vor: p® n°2 bs iimv "nm (Ber. 59 b). Da nun das Fest-Gebetbuch sämtliche Fest- und Fasttage des Synagogenjahres umfaßt, wurde auch dasselbe schon in sehr alter Zeit ninn genannt. Vgl. Zunz Gottesdienstliche Vorträge S. 399. In alten Handschriften kommt der Ausdruck liM!2 auch für die 24 heiligen Bücher (*pr>) vor. Siehe auch Jeruschalmi Sabbat a»n 'K Loschitz (Mähren). Rabb. Dr. J. G ü n z i g. Herr J. Rappaport in Rzeszow erinnert daran, daß Wolf Heidenheim in seiner Vorrede zur Uebersetzung der Gebete für den ersten Tag rwn V8N wörtlich sagt D'v ‘£>b NM» *Op3 N3V.1 ri»’ bd bar aits-sm nibsnn 12. Es heißt Machsor (Wiederholer), weil es Gebete von anderen Tagen des Jahres enthält. Da sich dagegen ein wenden ließe, daß auf Grund dessen auch die Gebete für Sabbattage unter dem Namen »Machsor« gehen sollten, indem Gebete der Wochentage da wiederholt werden, so glaube ich, daß Machsor sich auf ruapn “HTnö beziehe, indem die Feiertage nach dem Wiedererscheinen des Mondes festgesetzt wurden. Eine originelle Erklärung bietet Herr J. B. Br o ein er in Bukarest. Derselbe schreibt uns: »Meiner Meinung nach ist »Machser« ein arabisches Wort und bedeutet: Bittgesuch. Unserem »Sidur Tefila« für die Alltage wurde die Sammlung von Piutim für die Feiertage als »Machser« (Bittgesuch) beigegeben. Folgendes kann ich als Beleg anführen: In dem Ferman (Hatti-cherif) betreffend die Ernennung der Hospodaren der Wallachei vom Jahre 1802 (siehe Rdcueil d’aetes internationnaux de l’Empire Ottoman de G. Noradounghian 1900, Seite 55) lesen wir folgendes: »A la suite de l’expödition de ce ferman, il vient de la part des Metropolitains, des eveques, de Jgoumenes, des moines et des pretres de toutes les eglises e monasteres, des boiards, des capitains et de tous les autres officiers de la Valachie un Arzi-Machzar, en grec et en turc, qui porte que la conquet du pays .-,..« Hier finden wir das Wort: Arzi-Machzar im Sinne eines Bittgesuches an den Sultan. Im Dictionnaire Rournain-Franyais v. Fr. Dame, Seite 95, finden wir das Wort Ar z mit folgender Erklärung (anc.) rapport, memoire, rdquöte, supplique. Folglich, Arz, gleichlautend mit Rapport, Mahzar, gleichlautend mit Bittgesuch. — Dies scheint mir die Erklärung des Wortes Machser zu sein, u. zw. ein arabisches Wort, welches in der offiziellen Amtssprache in der Türkei noch üblich ist. — Seine Ehrwürden Grand Rabbin v. Adrianopel, Herr Haim Bejarano, der der türkischen und arabischen Sprache vollkommen mächtig ist, könnte uns diesbezüglich am besten belehren. Hochachtend J. B. B r o c i n e r. Bukarest, 23. September 1912. Jaroslav Vrehlicky. 'Die Weisheit des Rabbi«. In Bezug auf das Feuilleton in der letzten Nummer der »Oesterr. Wochenschrift« werden wir ersucht, zu erwähnen, dass das behandelte Drama in deutscher Sprache unter dem Titel »Der hohe Rabbi Löw«, Lustspiel in drei Aufzügen, Von Jaroslav Vrehlicky. Autorisierte Uebersetzung von Edmund Grün« vor etwa 17 Jahren in der »Jüdischen Universal Bibliothek« erschienen ist. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin G. 2, An der Spandauerbrücke 15. Schriftleitung: Dr. Bruno Blau, Berlin, 8. Jahrgang, Heft Nr. 9. September 1912. Inhalt: I. Abhandlungen: 1. Joseph Schalmann, Warschau: Die Eheschliessungen der Juden in Warschau von 1901 bis 1910. — 2. B. Goldberg, Wilna: Zur Kriminalität der Juden in Russland. — 3. Austritte aus dem Judentum und Uebertritte zum Judentum in Wien im Jahre 1910 mit Rückblicken. — II. Statistisches Archiv: Bericht über die israelitische Gewerbeschule zu Strassburg i. E. — Geburten und Eheschliessungen in Oesterreich im Jahre 1908 und 1909. — Städte in Ungarn mit über 1000 Juden im Jahre 1900. III. Literatur. , Jung-Juda“. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend XIII. Jahrgang, Nr. 18, Prag den 20. September 1912. (9. Tischri 5672.) Inhalt: Adolf Donath: Rabbi Amnon. — Gottlieb König: Der Sukkothfeststrauss. — Josef Hart: Mamas Rosen. (Fortsetzung.) — Der kluge Sohn. — Die Mar armen. — Eine jüdische Stadt. (2 Illustrationen.) — Dr. Max H a u b e r: Atemhaltung als vorzügliches Mittel zur Stärkung der Lungen. — Leopold Kraus: Die Sukkah. — Guck in die Welt. — Uebersetzungsaufgabe und Briefkasten. — Rätsel. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Briefkasten. Dr. F. Das Programm der Palästinareise lautet: Freitag 18./X.: Abfahrt Triest. — Montag: Ankunft in Alexandrien, Empfang durch Rabbiner Pergola, Besichtigung der Synagogen. Nach Kairo. — Dienstag: Besichtigung der Pyramiden, Museen,'Alt- Egypten, Rambamsynagoge, Empfang beim Lhachambaschi, Besuch der Synagogen. — Mittwoch: Besichtigung der Khalifengräber und Alt-Kairo. — Donnerstag: Zoologischer Garten und Bazare. — Freitag: Neukairo, Schulen und Bazare. Samstag: Synagogen, Rabbinate. — Sonntag: Nach Portsaid, nach Jaffa. — Montag: Jaffa, Rabbiner Kuh, Tellawiw, Gymnasium, Tachkemoni, Talmud Thora, nach Jerusalem, hier Empfang durch Rabbiner Horooicz. — Dienstag: Klagemauer, Oelberg, Königsgräber, Zion, Schulen, Jeschibot, Hospitäler. — Mittwoch: Jericho, Jordan, Totes Meer. — Donnerstag: Bezalel, Wohlfahrtsanstalten. — Freitag: Rachels Grab, Salomons Teiche, Hebron, Abend: Klagemauer. — Samstag: Synagogen, Bibliotheken. -— Sonntag: Ramie, Rechoboth, Neß- Ziona, Rischon le Zion, Mikwe Israel, Jaffa. —. Montag: Pethach Tistoa, retour Jaffa, ab nach Portsaid. —: Dienstag: An Portsaid, abends Alexandrien. — Für den Besuch Galiläas sind noch weitere sieben Tage erforderlich. Hierüber ist eine Entschließung Vorbehalten. Der Preis für sämt- 1 i d) e Erfordernisse — auch Trinkgelder — ist für Egypten mit 26, für Palästina mit 21 Francs pro Tag und Person angesetzt. G. Wien. Wegen der Gesellschaftsreise nach Palästina wenden Sie sich an Herrn Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, Wien, XV., Mariahilferstraße 167.