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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-27 · 39 (27.9.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
39 (27.9.1912)
Date
1912-09-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 661 ausbildeten durch Herstellung dieser Flachreliefs mit farbigem Glasurbelag, die zu gröberen Friesen vereinigt als Wand- und Mauerschmuck in größtem Maßstab dienten. Von diesen Bildern erzählt schon Diodor (II., 8), indem er eine Palastmauer in Babylon erwähnt, an welcher „auf rohen Ziegeln allerhand Tiergestalten abgebildet waren, mit einer die Natur glücklich nachahmenden Farbengebung". „Auch sonst," sagte er, „sah man an den Türmen und Mauern Abbildungen von mancherlei Tieren, in Rücksicht auf Farbe und Gestalt wohl getroffen. Das Ganze stellte eine Jagd dar. wo alles voll war von Tieren jeder Art, in der Größe von mehr als vier'-Cllen; dabei war auch Simiramis zu Pferd dargestellt, wio sie eben den Spieß nach einem Panther warf, und in geringer Entfernung ihr Gemahl Ninus, wie er mit der Lanze einen Löwen niederstieß." Nebukadnezar erwähnt selbst kunstvolle Bilder von Wildochsen und riesigen Schlangen, die er auf glänzenden, blau emaillierten Backsteinen zum Schmuck der Tore habe anbringen lassen. Und auch der Prophet Ezechiel (Kapitel 23, 14) nennt ähnlichen Mauerschmuck: „Denn da sie sähe gemalte Männer an der Wand in roter Farbe, die Bilder der Chaldäer. Um ihre Lenden gegürtet, und bunte Kogel auf ihren Köpfen, und alle gleich anzusehen wie gewaltige Leute; wie denn die Kinder Babels und die Chaldäer tragen in ihrem Vaterlande." So hatten wir wohl Anhaltspunkte für die Gestaltung dieser Bilder, aber sichere Wissenschaft kam erst aus dem Beispiel der Perser zu uns. 538 eroberte Cyrus Babylon, und in der Stadt. Susa, der ersten Herrscherbürg, die in der Bauweise von Babylon angelegt und seit Cyrus Winterresidenz der persischen Könige wurde, haben wir diese Bilder zuerst in wundervollster Wirkung gefunden.*) In den drei' aus Ziegeln aufgeführten Umfassungswänden der großen Audienzhalle der Perserkönige lief innen ein breiter, aus glasierten Ziegeln zusammengesetzter Figurenfries hin, aus neun würdevoll ausschreh tenden Löwen bestehend, umrahmt von einem prächtigen Fries aus zarten Palmettsn in wunderbarer Farbentönung. Die Außenfläche der Mauern zierte ein farbiger Fries, darstellend die Garde des Darms, die berühmten zehntausend Unsterblichen. Beide Friese sind, teilweise rekonstruiert, seit Mitte 1891 im Louvre zu Paris ausgestellt. Unermüdlicher Forschungsarbeit von Koldewey und Andrae gelang es, vom Kopf bis zum Schweife aus echten Stücken auch den Löwen von Babylon wieder herzustellen, dessen natürliche Größe vom Ende der Vordertatze bis zum Schweifende 195 Zentimeter und vom Scheitel bis zur Sohle der Vordertatze 90 Zentimeter beträgt. Gleich dem susischen Löwen erhebt sich auch der babylonische auf blauem Grunde. Man denkt sich die technische Herstellung der farbigen Ziegelreliefs etwa folgendermaßen: Jedes Bild ist aus einzelnen Ziegelsteinen zusammengesetzt. Die Siegel tragen Versatzmarken in ähnlicher Art, wie heute noch die Zimmerleute die Balken des Fachwerkes bezeichnen. Daraus wird geschlossen, daß die Figuren im ganzen aus Ton modelliert und dann zum Brennen "zerschnitten sind. Der Ton ist vorher mit feingeschnittenem Häcksel vermengt worden, um das Brennen zu erleichtern, vielleicht auch, um das Gewicht der Steine zu vermindern. Von den Originalen sind vermutlich Tonformen hergestellt, und in diesen die einzelnen Teile geformt worden, wie die Gleichmäßigkeit der ein- *) Dieux-la-Foy: L’acropole de Süse. Paris 1888. zelnen Bilder untereinander mit großer Wahrscheinlichkeit permuten läßt. Än farbigen Glasuren sind dunkelblau, hellblau, gelb, weiß, grün und schwarz verwendet. Mit schwarzen Amrißlinien. die teilweise vertieft in das Relief eingdlegt sind, ist jede Farbe begrenzt. (Technik der Schutzränder.) Zuweilen fehlen diese Ränder. Die farbigen in der Masße gefärbten Emails liegen ein bis zwei Millimeter dick, an den Steinkanten vielfach überlaufend, auf den Scherben. Es sind Vleiglasuren. Der Grund der Bilder ist durchweg dunkelblau und mit Kupferoryd gefärbt, dann herrschen Weiß, Gelb und Smaragdgrün vor. Die Ziegel haben 7,5 bis 8 Zentimeter Höhe und 32 bis 33 Zentimeter Länge; pe sind, um Stoß;- und Lagerfugen genau zu schließen, in den Lager- und Stoßfkächen keilig geformt. Ob der Fugenmörtel gefärbt war, ist nicht bekannt. Der Mörtel im Innern der Mauer besteht aus Asphaltüberstrich und Lehmbettung; an den Fassaden ist dagegen der Asphatlverstrich weggelassen, um die Glasuren nicht zu beschmutzen. Den wunderbaren Zauber dieser farbigen Reliefs und ihren erwärmenden Glanz vermochten selbst Jahrtausende nicht auszulöschen. *) Wie bereits erwähnt, verdanken wir dem Umstande, daß die glasierten, äußeren Teile der Ziegelmauern des Königspalastes Kasr wahrscheinlich, weil für Bauwerke hinderlich, bei der Beraubung abgeschlagen wurden, die Erhaltung der wertvollen Reste, die sonst, wie die Hauptteile der Ziegel, in den Häusermauern von Hillak verschwunden wären, nun aber in solchen Mengen zutage gefördert wurden, daß schon im November 199 der Bauführer Andrae mehrere farbige Zeichnungen von den Ziegelreliefs unfertigen konnte, nämlich einen links und einen rechts schreitenden Löwen. Diese Löwen sind in Form und Farbe einander ganz ähnlich, aber in der Fugeneinteilung abweichend. Jede der beiden Typen kommt in zwei verschiedenen Färbungen vor. entweder mit weißem Fell und gelber Mähne, oder mit gelbem Fell und grüner Mähne. Später sind dann auch die Stiere und Greife (Sirruschu) des Istatores aufgefunden worden. „Der Stier," schreibt Dr. Koldewey, „ist natürlich keines von den gewöhnlichen, unsauberen und ruppigen Tieren der gemeinen Welt, sondern es ist ein gut gewachsener, gekämmter und frisierter Stier. In regelmäßigen Reihen stehen die zierlichen Locken seiner Rückgrats- und Bauchhaare nebeneinander, und die Fallen der Halshaut sind so gleichmäßig gelegt, wie die Falten an einem Chemisett aus der Zeit Ludwigs XVI. So schreitet er in straffer Grandezza dahin." Der Sirruschu sieht etwas unheimlicher aus. erinnert durch die Langhalsigkeit an die Körperformen der Saurier, hat aber keine Flügel, wie sie sonst die assyrischen Fabeltiere haben. Die vorgestreckte, gespaltene Zunge, das Horn auf dem Kopf und der Kamm auf dem Hals entlang, sowie die Panthervorderfüße und der Schuppenleib lassen ihn identisch mit dem Tier des Marduk erscheinen. Der stolz emporgestreckte, sich ringelnde Schweif ist besonders chraiteristisch. Am Istator umfaßt jede Reihe der Tiere 24 Ziegelschichten von zusammen rund 2 Meter Höhe, wovon 13 Schichten aus die Tiere selbst, die übrigen auf die ungeschmückten Zwischenräume entfallen. Indessen ist das Tor im Laufe der Zeit mehrfach erhöht worden, so daß nicht alle Friese aus einer Zeit stammen und gleichzeitig sichtbar waren. Die unteren sieben Reihen haben unglasierte Reliefs, dann folgten nach der Lage der Bruchstücke — zwei Tierfriese aus farbigen, glasierten Backsteinen ohne Relief, endlich zwei obere Reihen von *) Bergt. Koldewcn: Mitt. der Deutschen Orientgesellschuft Nr. 3 S. 5, und F. Delitzsch. Mitt. Nr. 6 S. 13.

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