Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 39 (27.9.1912)
- Date
- 1912-09-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022021--21493-3046590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 654 Dr. Bkochs Wochenschrfft Nr. 39 dicsmal und auch später bei solchen Gelegenheiten gut aufpassen, ob wieder ein christlichsozialer Führer wird sagen dürfen, daß seine Partei ohne Hilfe der jüdischen Großbanken nicht hätte siegen können. Der jüdische Finanzier, der gegen seine Ehre und das Interesse der Juden gehandelt hat und betreten wird, dürfte sich seines Ansehens wohl nicht lange erfreuen. Jedenfalls muß die Masse der jüdischen Bürger tatkräftig die Politik ablehnen, welche einigen in mehrfachem Suine vermögenden Juden beliebt und der Kandidat der freiheitlichen Sozialdemokraten im XV. Bezirk, August Forstuer, muß jede Art von Unterstützung finden, denn es handelt sich um die Antwort auf einen christlichsozialen Gewaltstrelch, um eine antisemitische Position und schließ ich in fortgeietzter Linie um den haß'rfülltcn Feind der Juden, um Ernst Schneider. Die Jude« im statistischen Iahrbnche der Stadt Mie« für das Iahe 1910. Von Dr. Arnold Ascher. (Schluß) Der letzte Abschnitts(XX) des Jahrbuches enthält auf 55 Seiten die Daten der kommunalen Armenpflege: während im Laufe der letzten 10 ,Jahre fast alle Abschnitte eine namhafte Bereicherung erfuhren und neue statistische Ermittlungen brachten, sind seit dieser Zeit die in früheren Berichten erwähnten Daten über die Anzahl der mit Armengeldern beteilten Juden u. ähnl. nicht mehr veröffentlicht worden: es ist deshalb nicht mehr ersichtlich, wie viel Juden unter den 2527 männlichen und 113 weiblichen Armenräten sich befinden, wie viel von den Fonds für Zwecke der öffentlichen Armenpflege per K 48,955.444 19 Juden zugute kommen, wie viel von den 32.527 Personen, die bei den Armeninstituten mit K 418.354 92 Und außerdem aus Legaten, Geschenken rc. mit K 64.872 82 beteilt wurden, auch unseren Glaubensgenossen zukam. Nur einmal finden wir das Glaubensbekenntnis angeführt: bei den im' städtischen Asylhaus aufgenommenen Personen, und hier finden wir gegenüber den Vorjahren eine bedauerliche Steigerung: 1907 31 Juden, 5 Jüdinnen 1908 24 „ — 1909 79 „ 4 1910 77 „ 9 Als Lichtpunkt finden wir auch in diesem Abschnitte eine Reihe Ziffern über die unentgeltliche Verpflegung, bezw. Behandlung armer Personen im Spitale der Wiener israelitischen Kultusgemeinde; es werden die bereits angeführten Ziffern wiederholt, wonach 1199 männliche und 1253 weibliche Personen im Spitale unentgeltlich verpflegt, überdies aber 15.503 Personen ambulatorisch behandelt wurden: die Zahl der Verpflegstage betrug 58.715, die Auslagen (ohne die Auslagen für Vermögenserwerbung und -Verwaltung) 411.012 23 Kronen. Die Bedeutung dieser Ausgabenpost wird wohl gm deutlichsten aus der Tatsache erhellen, daß das Jahrbuch 15 Krankenhäuser anführt, in welchen unentgeltliche Verpflegung, bezw. Behandlung armer Personen aus Mitteln der Privatwohltätigkeit erfolgt und Ziffern anführt, wonach alle anderen 14 Institutionen zufammengenommen nur K 658.541 97 verausgabten, darunter,das Spital der Barmherzigen Brüder K 25.415 52. Nur unentgeltliche ambulatorische Behandlung armer Kranker aus Mitteln der Privatwohltatigkeit erfolgte überdies noch in 4 Instituten, darunter dem Frauen- Krankeninstitute „Charite", welches zwar keinen konfessionellen Charakter besitzt, aber ob seiner unter der außerordentlich hingebungsvollen und opferwilligen Leitung des Gynäkologen Dr. Isidor Fischer entfalteten humanen Fürsorge für arme kranke Frauen dankbarst erwähnt werk den soll: für die Behandlung von 917 Personen, von welchen 25 außerhalb Wien wohnten, wurden für den Anstaltszweck K 4.661 80 verausgabt. Das bereits oben erwähnte Rekonvaleszentenheim für arme israelitische Frauen und Kinder verausgabte K 7.324 64. In dem Verzeichnisse der Waisenhäuser stehen natürlich obenan die k. k. Waisenhäuser in Wien und Judenau (623 Zöglinge, Ausgaben Ii 238.675) und die 8 städtischen Waisenhäuser (761 Zöglinge, Ausgaben K 550.334), Anzahl der jüdischen Waisen ist nicht ersichtlich. Unter den aus den Mitteln der Privatwohltätigkeit erhaltenen Anstalten finden wir das insbesondere durch die hochherzigen Widmungen der Brüder Wilhelm und David Ritter v. Entmann begründete und speziell von der unausgesetzten, liebevollen Fürsorge des letzteren behütete israelitische Waisenhaus für Mädchen (70 Zöglinge, Auslagen K 50.778); der gleichen opferwilligen Initiative verdankt das im Vorjahre eröffnete Knabenwaisenhaus im XIX. Bezirk seine Entstehung: die Begründung desselben war um so dankbarer zu begrüßen, als bis dahin für israelitische männliche Waisen bloß das unter der ausgezeichneten Leitung des Direktors Alerander Hecht stehende Waisenhaus der Mar v. Springers chen Waisenhaus-Stiftung für israelitische Knaben bestand (52 Zöglinge, Ausgaben K 30.432 70). Von den sonstigen Anstalten zur Pflege armer Kinder nimmt unstreitig den ersten Platz ein der „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort", welcher von dem Leopoldstädter Frauenwohltätigkeitsverein unter dem Präsidium der leider allzu früh verschiedenen, unvergeßlichen Frau kais. Rat Dr. S. Krüger begründet wurde: die Zahl der im Jahre 1910 dort unentgeltlich verpflegten Mädchen betrug 67, der Kostenaufwand K 28.000; seither wurde dem Horte ein Arbeiterinnenheim angegliedert. Unter. den jüdischen Kinderfürsorge-Institutionen, welche das statistische Jahrbuch ausweift, verzeichnet der im Jahre 1892 begründete, unter der unermüdlichen Fürsorge der Frau Sofie Grünfeld geleitete Verein „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" imposante Leistungen. Die Zahl der Schützlinge hat im Jahre 1910 560 betragen und es wurden für deren Unterbringung in Kolonien und Heilbädern Kronen 34.007*20 verausgabt. Seit seinem Bestände hat der Verein 8842 Kinder mit einem Aufwands von Kr. 585.204 48 während der Ferialmonate versorgt. Als Schwesterinftitution des Ferienheim besteht seit dem Jahre 1908 das von ihm begründete „Kaiser Franz Josephs Jubiläums-Seehospiz" in Grado, welches bisher alljährlich 50 skrophulose und rhachitische Kinder mit einem Kostenerfordernisse von rund Kr. 10.000 pro Jahr in einem gemieteten Heime in Grado der Erholung und Gesundung zuführt und daselbst bereits Baugründe für den Betrag von Kr. 60.000 besitzt. Demnächst soll an die Durchführung des Baues eines eigenen Heimes in Grado geschritten werden. Schließlich finden wir noch das israelitische Lehrkingshaus, IX., Grüne Thorgasse 26, eine Schöpfung des bereits erwähnten Vereines zur Beförderung der Handwerke unter "den inländischen Israeliten: Zahl der unentgeltliche Verpflegten 40, Auslagen E 3.733 39; außerdem wurden bloß beherbergt: 36 Lehrlinge. Unter den aus Mitteln der Privatwohltätigkeit erhaltenen Anstalten für die Verpflegung nicht vollsinniger Kinder finden wir außer dem schon angeführten israelitischen Vlindeninstitute und dem israelitischen Taubstummeninstitute noch das vom Verein „Kinderheim" (Präsident kais.