Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 39 (27.9.1912)
- Date
- 1912-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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"r 3t Dr. Bloch’s M Zenttalocgan kür die gesamten Ilnteressen des Judentums. ——n., ~:d- Wien, 27. September 1912 LrscdeLnt jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Eine Pflicht der Wiener Juden. — Die Juden im statistischen Jahrbuche der Stadt Wien für das Jahr 1910. — Das jüdische Genossenschaftswesen in Rußland. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein europäisches Komitee zur Regulierung der jüdischen Auswanderung. Soziale Probleme in Palästina. Vom Schachmeister Rubinstein. — Die Juden und das deutsche Wirtschaftsleben der Gegenwart. — Keramische Kunst in Babylon. — Korrespondenzen: Der 'Londoner Besuch des Wiener Gemeinderates. Zar Steuerreform in der israel. Kultusgemeinde. Prag. Agndas Jisroel. Ableben eines jüdischen Bibliographen. Auszeichnung algerischer Juden. Aufhebung der jüdischen Gerichtsbarkeit unter den Juden in Tripolis. Eine jüdisch-medizinischhygienische Gesellschaft in Rußland. Ueberfälle auf Juden an Stolypins Jahrzeit Die Borodino-Feier und die Juden. Eme jüdische Dame als Gerichtsassistentin am australiicken Obersten Gerichtshöfe. — Vermischtes. — Feuilleton:- Die Blonde und Brünette. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. 0(3=-- .— =QO "p Stfugaprcia für Srsterreich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Fnr's Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die Snalgespal» O tene Petitzeile 4« Heller. C oQ- -■ -Qo 0(j o Do o K. Pöflfpar&aflr*ttatnl Sleartng-Verkebr «r. 810.076. Redaktion und Administration: wir« n/i, Hahugaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. oO - -v ■ ——Oe Eine Pflicht der Wiener Inden. Am 1. Oktober wird in Wien wieder eine Wahl stattfinden, welche mit einer Schlacht der Gesinnung, das ist in diesem Falle der Gesittung und des Fortschrittes, gleichbedeutend ist. Der Sozialdemokrat August Foxstner steht in Fünfhaus dem Christlich-Sozialen Gebhart gegenüber. Auch wenn es sich nicht auf Seite der Arbeiterpartei um einen Mann von der lautersten und erprobtesten freisinnigen lUberzeugung handelte, steht es wohl außer Zweifel, daß alle Gegner der Christlich-Sozialen die größten Anstrengungen machen müßten. Denn die Wahl ist sozusagen eine Probe auf das Exempel. Nach den vernichtenden Juniwahleu des Vorjahres glaubte man Heuer im Frühjahr, daß die jetzt in Wien herrschenden Meister der Korruption auch aus dem Ralhause hinweggefegt würden. Eine klug berechnete Wahlgeometrie und der skrupellos ausgeübte Wahlschwindel haben es jedoch anders gefügt, die Verluste der Christlich-Sozialen bei den Gemeinderatswahlen waren geringfügig. Wie die kleinen, manchmal sogar winzigen Majoritäten der Christlich- Sozialen ausgesehen haben, ging mit schreiender Ueberzeugung aus den Veröffentlichungen des sozialdemokratischen Organs über den Wahlschwindel im dritten Bezirk hervor, wo städtische Beamte falsche Wähler aufnahmen, instruierten und sogar kostümierten. Trotzdem hatten die Rathausleute den Mut, von großen Siegen zu sprechen und schließlich sogar das Mandat eines ihrer Gegner annullieren zu lassen, eben des Sozialdemokraten Forstner. Das wirkliche Recht wurde auf den Kopf gestellt, als dieser behördliche Beschluß gefaßt wurde. Man hat zar Begründung festgestellt, daß einige falsche Stimmen abgegeben wurden. Aber für jeden Einsichtigen steht es fest, daß diese Stimmen von den Christlich-Sozialen für ihre Kandidaten fabriziert worden sind und daß sich Forstner nicht hätte einer Wiederwahl unterziehen müssen. Wenn also Recht Recht bleiben soll, müssen die christlichjozialen Künste bei dem neuen Wahlgang zunichte gemacht werden und die korrupte Herrschaft im Rathause muß von einer großen Mehrheit der Wähler einen neuen scharfen Gegner erhalten. Die Christlich-Sozialen dürfen nicht sagen, daß sie damals im Juni nur einer Ueberrumpelung und einem Zufall zum Opfer gefallen sind, sondern es muß sich der stetig zunehmende Widerwillen der Bevölkerung gegen ihre Politik Herausstellen. Ovwohl es sich diesmal um einen Kandidaten der Arbeiterpartei handelt, müss n daher auch alle freisinnigen Bürger ihr Möglichstes machen, um eine Position der Freiheitsgegner diesen abzunehmen. Wir Juden haben außerdem noch ein ganz besonderes Interesse daran daß Forstner zum Siege kommt und nicht etwa sein Gegner, für den man wohl vom Rathause aus alles Mögliche tun wird. Der Wahlkreis, um den es sich diesmal handelt, ist nämlich auch zugleich der Wahlbezirk Ernst Schneiders, des bekannten Slampiglius und Mechanikus, der so lüstern ist nach einem Schußgeld für die Juden. Der Bezirk Fünfhaus hat die Ehre, diesen Vertreter der Intelligenz und Ehrenhaftigkeit in den Landtag entsendet zu haben, wo der Slampiglius als Landesausschuß fungiert. Bei der Gemeinderatswahl kommen nun dieselben Wähler in Betracht wie bei der Wahl in den Landtag. Es gilt also eine Feuerprobe. Wird man sehen, daß der Bezirk von den Christlich-Sozialen abgefallen ist, so unterliegt es keinem Zweifel, daß das Mandat auch für Ernst Schneider verloren ist und damit dieser Mann endlich aus der Politik herausgelehnt ist, wo er wahrlich in unserer Zeit der Aufklärung und Bildung nichts mehr zu suchen hat. Da es also in zweiter Linie einen solchen Gegner wie Ernst Schneider gibt, so wäre es für uns Juden eine besondere Unterlassungssünde, wenn wir nicht alle Anstrengungen machen würden, um diesen Mann endlich der wohlverdienten politischen Vergessenheit anheimzugeben. Wir sind dazu umso mehr verpflichtet, als ein großer Teil des Mißerfolges bei den letzten Gemeinderatswahlen auf unser Konto zu buchen ist. Sachverständige, welche mit der Leitung dieser Wahlen zu tun gehabt haben, klagen über die Lässigkeit der jüdischen Wähler, von denen Hunderte an einem Tage nicht an der Urne erschienen, an welchem in einem wichtigen Belang, auch über ihr Schicksal entschieden wurde. Nicht genug daran, ist es ein offenes Geheimnis, daß in einigen Finanzkreisen, wo jüdischer Einfluß eine große Rolle spielt, bei den letzten Wahlen nicht die freiheitlichen Parteien unterstützt wurden, sondern aus geschäftlichen Gründen ihre Gegner. Solche Dinge lassen sich schwer beweisen und niemand möchte gern einen umständlichen Prozeß auf sich nehmen. Aber man wird