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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 646 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 38 Wien XV. Dem Talmud-Thora-Verein für die westlichen Bezirke Wiens hat der verewigte Herr Samuel H e i t in seinem letzten Willen ein Legat von 200 Kronen bestimmt. Talmud-Thora-Vereinsschule für die westlichen Bezirke. XV., Turnergasse 22. Die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1912/13 findet im Schulraume statt: Sonntag, den 29. Sept. d. I., von 10—12 Uhr vorm., Montag, den 30. Sept. d. I., von 5—7 Uhr nachm. Dienstag, den 1. Oktober d. I., von 5—7 Uhr nachm. Die Anmeldung — auch derjenigen Kinder, welche bereits im Vorjahre die Schule besuchten — wird für die angesetzte Zeit der Einschreibung erbeten, da eine spätere Anmeldung nur nach Maßgabe des vorhandenen Raumes berücksichtigt werden könnte. Begleitung der Eltern oder Vormünder dringend erwünscht. Der Unterricht beginnt Montag den 7. Oktober d. I. Die Schulleitung. Wie». Am Jom-Kippur wird Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann im Leopoldstädter Tempel die rabbinischen Funktionen versehen. Wie». (Bibelschule, Ilgplatz 2.) Die Einschreibung für die Talmud-Thora-, Lese- und Bibelschule, Prater, Zlpplatz 2. findet Sonntag den 22. September von 9 bis 12 Uhr statt. Wien. (Eröffnung einer Lese- und Bibelschule sT a l w u d - T h o r a^) des Tempelvereines Wieden-Margareihen in Wien für Volks- und Bürgerschüler der beiden Bezirke. Die Einschreibungen für diese Schule finden in der Tempelkanzlei V., Siebenb unnengoff- Nr. la statt: Sonntag, den 6. Oktober d. I.. vormittags 10 bis 12 Ubr; Montag, den 7. und Dienstag, den 8. Oktober d. I., nachmittags von 4 bis 6 Uhr. Das monatliche Schulgeld beträgt eine Krone. Die Schule bezweckt die Ergänzung und Erweiterung des Religionsunterrichtes der öffentlichen Schulen und steht unter Leitung des Herrn Gemeinde-Rabbiners und Berirksschulrates Ebrwürden Dr. Heinrich Reich. Adolf Hofmann. Obmann; Ignatz Taußik, Obmann der Schals.klion; Franz Frankl. Schrif führer. Negine Landeis. „Unersetzlich!" Unsere Zeit mit ihrer puritanischen Strenge gegen jede llebrrtrnbnng im Rederausch läßt dieses Wort nicht leicht passieren. Und doch bleibt es,' man kann nicht anders sagen als — unersetzlich, so lange noch für Sonnenschein ein Surrogat fehlt und ein Präparat für Mutterliebe. Und eine Mutter ist Ungezählten entrissen morden in der emig unglückseligen Stunde, die uns Regina Landeis genommen hat. Den Vereinen und Instituten, die diese in ihrer Art wahrhaft Große aus dem — oft recht steinigen — Boden gezaubert hat, wird man neue Präsidentinnen an die Spitze stellen. GM, Energie und guter Wille werden sich zusammenfinden, um diese weit klaffende Lücke zu schließen. Der Mechanismus, den sie fehlerlos konstruiert und aufgiezogen hat, wird pünktlich weiterfunktionieren. Nur eines wird ihm, so fürchten wir, fehlen: die Seüe, das, was ihn zum Organismus mit individueller Prägung erhebt: „dfr Landeis". Vieles läßt sich aufpfropfen, nur nicht der werbende, mitfortreißende Ton, di,e lebendige Farbe der Persönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit mit ganz eigener Note war in hervorragendem Maße diese Frau, ein Bild ewig sprudelnder Tatkraft und Herzensjugend. Auch andere haben ähnliches gleschaffen: Das Besondere ihres Werkes war das Jüdische daran. Nicht ein Judentum mit Zirkel und Lineal, aber eines für Herz und Gemüt und fürs Leben. Ihre Zöglinge schickte sie nicht nur in die Religionsstunde, sie selbst leitete sie zum praktischen jüdischen Leben an, sie selbst führte sie ins Gotteshaus. Sie war nicht dort allein ihr bestes Vorbild, sondern in ihrem ganzen Lebensaufstieg aus der Tiefe zur Höhe. Man faßt es kaum, daß sie nun nicht mehr nutzer uns schaffen soll und werben, ansporn,en und Frohsinn und Glück verbreiten. Stze, deren höchstes Glück die Arbeit war. Während alle Quellen des Wohllebens ihr fließen konnten, legte sie schwerer Hand an als der Letzte, der ihrer Leitung unterstand. An ihr wurde das Wunder wahr, das von den Trägern des Heiligtums in der Wüste erzählt wird. Sie trugen nicht, sie wurden getragen. So erwuchs auch ihr aus jeder neuen Aufgabe und Last eine neue straft. Nun ist der Vorhang gefallen über dem äußeren Leben eines Menschenherzens, das von seinem, innersten wohl — leider, leider! — nie den Schleier gelüftet hat außer vor Gott. In dieser Frau lebte und webte die glänzende Tradition unserer jüdischen Frauen. Eine der geistvollsten unter ihnen hat einmal gesagt: „Eigentum ist, was keiner uns nachmachen kann." So einzigartig, jüdisch, uns eigen war Regine Land eis. Der Stolz darauf überwiegt in dieser Stunde unsere Wehmut über ihre Unersetzlichkett. Dr. Grunwald. Das Leichenbegängnis. Obwohl einem letzten Wunsch der Dahingeschiedenen entsprechend das Leichenbegängnis in den denkbar einfachsten Formen gehalten und von jeder Publizierung abgesehen worden war, machte diese Leichenfeier doch auf alle Anwesenden einen liefergreifenden Eindruck. Sie alle, die da sich eingefundrn halten, nicht irgend welchem gesellschaftlichen Zwange gehorchend, sondern aus vollem Herzen einem bedeutenden, verdienstvollen Menschen den Tribut der Verehrung zollend, standen erschüttert unter dem Eindruck dieser urplötzlichen Katastrophe. Man bemerkte nt der Trauerversammlung u. a. die Herren Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g, Kultusvorsteher S. Steiner, Vorsteher der Chewra Kadischa Jakohü Kan n, Amtsleiter F r e i ft ad t und K r a ü s unw Präsident Gottlieb Vettelheim und Gemahlin, die Vertreter des Fünfhauser Tempels N e u f e l d, Simon Weinberg er und Gemahlin, den Vorstand des Ausspeisevereines Herrn L e w y, die Damen M i l lh o f e r, K ö n i g st e i n, S i m o n u. a. In Vertretung des Ottakringer Ausspeisungsvereines die Herren V. Kahane, Ö. K atz, S. Fischer und S. Stein, den Vorstand der Fünfhauser Chewra Kadischa, kurzum so viele, die der Verstorbenen in Freundschaft ergeben waren. Ein reiches Segensgeleit auf dem letzten Gange! Wien-Josefftadt. (Jakob Modern.) Ein schwerer Verlust hat den Tempelverein Josefstadt getroffen. Am 9 d. M. ist unser I. Vizepräses, Herr Architekt Jakob Modern, nach kurzem, schweren Leiden im 75. Lebensjahre gestorben. Er war der Mitbegründer unseres Tempelbauvereines und hat Jahrzehnte hindurch in aufopferungsvoller Weise unser Gemeinwesen mit all dessen Lasten und Sorgen getragen. Am Lrorv Kosch-haschonoh haben wir ihn zu Grabe getragen. Im Trauerhause versammelte sich unser Gesamtvorstand und geleitete den Sarg zum Tempel, VIII., Neudeggergasse 12, vor dtssen Pforten Herr Präses Hermann Beck tiefergriffen dem treuen Kollegen den folgenden Nachruf hielt: „Jakob Modern! Schmerzbewegten Herzens nehme ich Abschied von Dir, teuerer Freund, fleißiger, ehrlicher Mitarbeiter an diesem schönen, heiligen Werke! Selbstlos und aufopfernd bast Du Deine schoien Kräfte in den Dienst dieses Heiligtums gestellt. In schweren Stunden bist Du mir treu zur Seite gestanden. Du warst meine Stütz?, auf Deine Mithilfe haben wir, Deine Kollegen, zu jeder Zeit und unter allen Umständen rechnen können. Darum tut es uns in der Seele web, Dich von uns so früh scheiden zu sehen. Hoffnungsvoll .waren unsere Augen stets auf Dich gerichtet — und nun ist erlahmt Deine fleißige, tätige Hand, erloschen Dein liebes Auge, Dein gutes, kameradschaftliches Herz hat zu schlagen aufgehört. So nimm denn hin den besten, innigsten Dank, den ich Dir im Namen Deiner Kollegen hiermit entbiete, für den idealen Sinn, den Du in unserer Gemeinde entfaltet hast. Dein Name wird in unserer Mitte fortleben, denn Du

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