Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Bkochs Wochenschrfft Seite 641 Em HeidsWaal im Jüdischen Museum. Die Leitung des ungarländischen jüdischen Museums in Budapest hat, wie uns von dort berichtet wird, eine sehr schöne Jd^r gefaßt. Sie errichtet einen Saal, in welchem die Andenken gesammelt werden, welche sich an die jüdischen Helden her ungarischen Freiheitskämpfe knüpfen. Bekanntlich haben die Iuhen an den Freiheitskämpfen der Ungarn mit Gut und Blut teilgenommen, so daß diese wertvolle und interessante Sammlung sehr reichhaltig zu werden verspricht. Mit Rücksicht darauf» daß mancher.jüdische Kämpfer, der in den Jahren 1848 und 1849 für die Freiheitssache der Ungarn wacker mitgefochten hat, dann ins Ausland emigrierte, so erwartet die Leitung des ungarisch-jüdischen Museums (Budapest, VI. Dodmaniczky-Straße 73) von diesen etwa noch im Auslande lebenden Freiheitskämpfern oder ihren Nachkommen, daß sie etwa in ihrem Besitze befindlichen Reliquien, Dokumente, Bilder, Waffen etc. mit der diese Gegenstände erläuternden Erklärung dem Museum zur ewigen Verwahrung überlassen. Unseres Wissens wird, falls dem Aufrufe der Museumsleitung in entsprechendem Maße Folge geleistet wird, dies der einzige jüdische Heldensaal der Welt sein. Das Kommando des ungarischen Honved-(Landwehr)-Asyls hat dem Museum eine Liste derjenigen jüdischen Invaliden aus dem Jahre 1848 49 zur Verfügung gestellt, welche seit dem Jahre 1872 in diesem Asyl Unterkunft fanden. Von allen den 31 Invaliden lebt heute nur noch ein einziger in dem Asyl, es ist dies der 83jährige Leopold Sternhuck, der sich jedoch erst seit fünf Jahren in dem Asyl befindet. Tachau (Tempeleinweihung.) Der 28. April 1911 bildet einen traurigen Gedenktag für die Stadt Tachau, insbesondere aber für die Kultusgemeinde, denn an diesem Tage fiel der altehrwürdige Tempel samt Nebengebäuden einer furchtbaren Brandkatastrophe zum Opfer. Sofort nach dem Brande wurde von dem damaligen energischen Kultusvorsteher Herrn Siegmund Strauß eine umfangreiche Hilfsaktion eingeleitet, bei der er von allen Gemeindemitgliedern, aufs tätigste aber von Herrn Dr. Gustav Blaustern, k. k. Regimentsarzt i. P. besonders wirksam unterstützt wurde. Von allen Seiten machte sich ein reges Mitgefühl bemerkbar. Herr Architekt Alfred Grotte, königl. preußischer Professor an der Bauschule in Posen, erbot sich, die Pläne ganz unentgeltlich auszuarbeiten, und so war es möglich, schon am 30. November desselben Jahres unter Hinweis auf die 63. Wiederkehr der Thronbesteigung Sr. Majestät des Kaisers die Grundsteinlegung des neuen Tempels feierlich vorzunehmen. In den Grundstein, der unter der Bundeslade liegt, wurde ein Dokument aus Pergament in deutscher und hebräischer Sprache versenkt, in welchem in kurzen Umristen das Brandunglück, die Entstehung des Baues und die Personen, die sich um das Zustandekommen des Baues verdient gemacht haben, verzeichnet ist. Der Bau machte rasche Fortschritte und steht heute in seiner Schönheit vollendet da. Die Formen des Baues lehnen sich an die heimatliche Bauweise an, wie fie die alten Synagogen und Kirchen im Egerlande ausweisen, in der Architektur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Bundeslade und das kunstschmiedeeiserne Gitter stammt aus der ausgelassenen Synagoge in Neu-Zedlisch. Der Bundeslade aus kunstvoller Holzschnitzarbeit lehnt fich in Stil und Form das Aeußere an, ganz abweichend einer architektonischen Schablone, selbständig und einheitlich im Gefüge und so stellt der Tempel ein Bauwerk von eminent künstlerischer Bedeutung dar. Der Architekt Herr Professor Alfred Grotte hat mit diesem Baue eine besondere Aufgabe gelöst, indem er mit den vorhandenen sehr spärlichen Mitteln dennoch etwas Bedeutendes geschaffen hat, und zwar ein Baudenkmal, wie es sehr wenige Städte aufzuweisen haben, in architektonischer Beziehung ein Kunstwerk ersten Ranges. Der Altar ist in einem runden Vorbau eingebaut, oberhalb dem runden Vorbaue sind fünf Fenster angeordnet, in denen die Gesetzestafeln mit umgebenden Gewölke in Kunstverglasung, auf beiden Seiten von zwei Nischen flankiert, in denen fich der fiebenarmige Leuchter und eine Ampel Ner Tamid befindet. Das Empore, auf welchem drei Stufen führen, ist aus massiven Stein, die Säulen find mit einem Gitter verbunden, oberhalb von einer Steingallerie abgeschloffen, in der eine Kanzel eingebaut ist, weitere drei Stufen führen zur Bundeslade, vier Ecksäulen tragen Messtngkandelaber. Ueber der Bundeslade find im Schwiebbogen zahlreiche Lampen angeordnet. Von der Wölbung aus Eisenbeton hängen Meffingluster. Die Gallerie ist auf beiden Seiten und rückwärts amphitheaterartig aufgebaut. Sv bildet das Innere ein Schmuckkästlein und eine wahre Augenweide. Die feierliche Einweihung fand am Dienstag den 10. September statt. Anwesend waren: der k. k. Bezirkshauptmann mit seinen Beamten, ferner die Beamten der Gerichts-, Finanz- und Gendarmeriebehörden, der Bezirksschulinspektor, die Schuldirektoren mit dem Lehrkörper, die Postbeamten, die Kommandanten der Feuerwehr, Veteranen, der Bürgermeister mit den Gemeinderäten, Abordnungen der Kultusgemeinden Pilsen, Mies, Kuttenplan, Dürrmaul, Marienbad, Königswart und Neustadtl mit den Rabbinen Dr. Golinsky, Dr. Diamant, Klauber und B r u m m l, Oberkantor Goldenberg aus Marienbad und viele andere. Um halb 3 Uhr nachmittags übergab der Baumeister. Herr Anton Brondner, dem Architekten die Schlüffel, welcher mit Worten des Dankes an den Baumeister für die exakte Ausführung des Baues und an den Kultusoorstand für seine werktätige Unterstützung bei Förderung seiner Ideen, Herrn Kultusvorsteher Heinrich Steiner ersuchte, den Tempel zu öffnen. Herr Kultusvorsteher Heinrich Steiner dankte allen Anwesenden für ihr Erscheinen, dann Herrn Profeffoc Alfred Grotte für die uneigennützige Ausarbeitung sämtlicher Pläne, sowie für seine rastlose Tätigkeit bei Beauffichtigung und Durchführung des Baues, sowie allen Förderern des Werkes. Nachdem Herr Steiner die Pforten geöffnet, hielten die Festteilnehmer ihren Einzug unter Harmoniumklängen. Herr Oberkantor Josef Schön stimmte mit dem gutgeschulten Chore das Ma towu an, worauf von den Rabbinen die Thorarollen hereingetragen wurden, bei welcher Gelegenheit Naumbergs Leu sebeorim exekutiert wurde und unter Klängen Sulzers Ez Chajim in die Bundeslade gehoben wurden. Das ewige Licht wurde von Herrn Rabbiner Dr. Moritz Wohl entzündet; nach der Festrede sprach er das Weihegebet, welches, wie die Predigt, alle Anwesenden erbaute. Das Gebet für den Landesvater und die Volkshymne bildeten den Schluß der Fäer, die auf alle einen würdigen und erhebenden Eindruck machte. Von Seite des Kultusvorstandes wurde ein Huldigungstelegramm an Seine Majestät, der auch einen namhaften Betrag zum Baue spendete abgesandt. Das Teslamsn-t des Fürstbischofs Samaffa. Der vor kurzem verstorben^ Kardinal Erzbischof von Erlau, Josef Samassa, roar ein überaus toleranter und wohltätiger Kirchenfürst. Er hat Zeit seines Lebens die Hilfsbedürftigen nicht nach ihrer Religion gefragt, und gedachte, so oft er sich zu Wohltätigkeitsakten veranlaßt sah, auch der jüdischen Wohltätigkeitsanstalten seiner Diözese. Ganz im Sinne seines Lebens war auch sein Testament abgefaßt, das unter anderem die Der? fügung enthielt, daß am Tage seines Leichenbegängnisses eine bedeutende Summe zu gleichen Teilen unter den jüdischen und christlichen Armen von Erlau verteilt werden möge. Die jüdischen Bergarbeiter in Oberschlefie». Heber die Erfolge des Versuches, arbeitslose Juden des Ostens in Oberschlesien als Bergarbeiter zu beschäftigen, und zwar unter Wahrung des Sabbaths, sind widersprechende Berichte in der Presse erschienen. Es haben nun einige unparteiische Herren aus Lattowitz und Umgegend die Gruben, die jüdische Arbeiter beschäftigen, besucht und sich informiert.