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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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r»r. 38 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 637 Vom Jahrmarkt des Lebens. Veamtenmaßregekung rvMen Unterzeichnung der Erklärung gegen den Rituaünord. Aus Odessa Wird uns geschrieben: Der Schulinspektor für den Odess'aer Bildungsrayon Hai den Beamten Barbaschew seiner Stelle enthoben, weil er seinerzeit die russische Erklärung gegen di/: »Ritualmordbeschuldigung mitunterzeichnet hat. Bei dieser Gelegenheit wird es nun bekannt, daß ähnliche Maßregelungen gegen eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die sich unter den Unterzeichnern jenes Dokumentes befanden und öffentliche Stellungen innehaben, in Aussicht genommen sind und zum Teile auch bereits durchgeführt wurden. Jüdische Ringkämpfer. Die olympischen Spiele in Hamburg (bei Sagebiel), die in der Hauptsache Ringkämpfe darstellten, haben in Deutschland das größte Interesse erregt. Aus aller Herren Ländern haben sich die Matadore auf dem Gebiete des Ringkampfes bei Sagebiel zusammengefunden, um ihre Kräfte, ihre Gewandtheit und Ausdauer zu messen. Zwei der hervorragendsten waren Juden. Bon dem einen Ringkämpfer, Herrn Westergard-Smit, war es bekannt, daß er Jude sei, da die Tageszeitungen die Mitteilung brachten, daß Herr Westergard-Smit in Amerika bei einem Ringkampf als Sieger hervorging und dafür als Preis das nette Sümmchen von 12.000 Dollar erhielt, diesen Betrag aber seinen Glaubensgenossen, den armen Juden von Nejwyork, übermittelte. Diese bekannt gewordene Tatsache verschaffte dem jungen Manne (er ist erst 24 Jahre alt) bei feinem Auftreten hier große Sympathie. Jeder Zuschauer freute sich beim Anblick dieses herkulisch und doch ebenmäßig gebauten jungen Mannes. Diese Freude wurde erhöht, wenn man den jungen Mann bei der Arbeit sah. Man wußte nicht, ob man die entfalteten Riesenkräfte oder die schlangenartige Gewandtheit mehr bewundern soll. Das Endresultat war auch, daß Herr Westergard-Smit einen der ausgefetzten Preise erhielt, jedoch mit einem andern jungen Manne, Herrn Saikow, der auch vorzügliches leistete, teilen mußt» Als die Ringkämpfe schon im vollen Gange waren, wurde von der Direktion bekannt gemacht, daß ein neuer Kämpe auftreten würde, und zwar der Weltmeister Cyganiewicz. Auch hier eine lerkulische Gestalt, dessen Knochen und Muskeln aus Eisen zu sein schienen. Während Westergard-Smit doch einige Niederlagen erleiden mußte, ging Herr Cyganiewicz unbesiegt aus den Kämpfen hervor, und . mit Ausnahme einiger unentschieden gebliebener Kämpfe hat derselbe alle, mit denen er kämpfte, besiegt. Mit Ausnahme einiger weniger wußte niemand, daß Herr Cyganiewicz Jude sei. Derselbe hat in Krakau ein koscheres Hotel „Union". Antokolski als Jude. Die zehnte Jahreswende seit dem Ableben des unvergeßlichen russischen Bildhauers Antokolski wird von der russischen Presse zum Anlaß genommen, sich mit den großen Schöpfungen des Künstlers zu beschäftigen. Hie und da findet man auch einen Hinweis auf feine Zugehörigkeit zum Judentum. Ein Mitarbeiter der „Hazefirah" weiß aber auch zu berichten, daß Antokolski nicht nur der Geburt nach, sondern auch seinem ganzen Gefühle nach ein überzeugter guter Jude war. So erzählt ein Berufskollege des verstorbenen Künstlers, daß Antokolski einmal von Petersburg nach Wilna in der Uniform der Kunstakademiker gekommen war. Dir gelben Messingknöpfe der Uniform trugen zwei hebräische Buchstaben, „nem" und „alef", eingekritzt. Es waren dies die Anfangsbuchstaben seines Namens Mardochai Antokolski. Der Freund rief ihm zu: „Verrückter, was tust du denn, wozu erponierit du so dein Judentum?" Und Antokolski antwortete erregt: „Ich betrachte es als eine Ehre, Jude zu fein! Ich bin stolz darauf und will haben, daß jeder wisse, daß ich Jude bin." Antokolski begnügte sich aber nicht mit solchen Aeußerlichfkeiten: es wird zum Beispiel wenigen bekannt sein, es ist aber doch Tatsache, daß dieser große Künstler, dessen Atelier von den höchsten Persönlichkeiten besucht wurde, niemals am Samstag oder an einem jüdischen Feiertag gearbeitet hat. Einem Freunde namens Gurewitz, der ihn darüber befragte, schrieb er wie folgt: „Du brauchst dich hierüber nicht zu wundern. Ich weiß, ich bin ein sündhafter Mensch. Aber den heiligen Sabbat entweihe ich nicht. Zeit m^eines Lebens war ich gewohnt, diesen wunderbaren Tag der Ruhe und des einsamen Gedenkens zu hüten und zu achten." Sehr treffend charakterisiert Antokolski her angesehenste russische Kritiker Stasow, indem er schreibt: In brr Tiefe seiner Seele lebten festgewurzelt das ganze jüdische Leben, das jüdische Gefühl und die Bilder aus dem jüischen Leben seiner Jugendzeit. Und deshalb sind seine ersten Kunstwerke dem jüdischen Leben entnommen. Em^jüWheer GesandtschaftssetreHär in Rumänien. Aus Newyork wird uns gemeldet: Präsident Taft hat dieser Tage dem Senat die Ernennung des Mr. Ralph Straßburger zum Sekretär der amerikanischen Gesandtschaft in Bukarest bekanntgegeben. Straßburger ist ein im Newyorker öffentlichen Leben bekannter Jude. Diese Ernennung ist in Konsequenz einer seit vielen Jahren geübten Politik erfolgt, im ^-inne welcher die amerikanische Regierung gerade nach Rumänien immer Juden für den diplomatischen Dienst entsendet. Dies geschieht mit Rücksicht darauf, daß in Rumänien die Judenfrage noch immer nicht erledigt ist und Rumänien daher ein starkes jüdisches Auswandererkontingent nach Amerika stellt. Interessant ist. daß Rumänien in Amerika seit jener berühmten scharfen Note der amerikanischen Regierung in Angelegenheit der rumänischen Juden im Jahre 1902 keinen diplomatischen Vertreter hat. Der feierliche Einzug dc's Helden von Tobruk m feiner Vaterstadt Vemdig. Aus Rom wird uns geschrieben: Meldungen aus Venedig zufolge, hat dieser Tage dort der gefeierte Held von Tobruk, Kapitän Angelo Frank, unter großer Begeisterung der gesamten Bevölkerung seinen Einzug gehalten. Frank hat als Kapitän des italienischen Kriegsschiffes „Napoli" an der Einnahme von Tobruk in Tripolis teilgenommen und bei diesem Gefechte einen solchen Heldenmut an den Tag gelegt, daß er in einem eigenen Tagesbefehl vom Kommandanten das höchste Lob geerntet hat. Ebenso war er bei anderen gefährlichen Gefechten beteiligt, bis er durch eine Schußwunde im Bein kampfunfähig gemacht wurde. Er war nahe daran, sein Bein verlieren zu müssen, und nur der Geschicklichkeit und liebevollen Fürsorge seiner ärztlichen Freunde in Rom, wohin er mit feiner schweren Verwundung! gebracht wurde, ist es zu danken, daß eine Amputation des Beines vermieden wurde. Als er das Krankenhaus in Rom verließ, eilte er nach Venedig, um feine lebende Mutter zu umarmen. An dem festlichen Empfange des gefeierten Helden von Tobruk haben die Vertreter sämtlicher Behörden, sowie nahezu die gesamte Bevölkerung teilgenommen, welche den beliebten Kapitän endlose Ovationen darbrachten. Das Präsidium der jüdischen Gemeinde von Venedig hat in einem Telegramm seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, an den wohlverdienten Ehren eines heldenmütigen Sohnes Israels teilnehmen zu können.

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