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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Setze „634 Dr. VLochs^WvchMschrift EW Nr„ 3ß tinentes die Namen katholischer Theologen ^nd" Professoren. Diese Tatsache wurde vielfach bemerkt. Eines ist klar: Wenn der Papst den Antisemitismus verurteilen würde, liehen die Kirchenfürsten aller? Länder die Judenhetzer nicht ruhig gewähren. Die Wiener „Reichspost" und ihr frommer Chefredakteur haben sich gerade in den Tagen des Euch arktischen Kongresses nicht genug tun können an Iudenschimpfen und Judenhetzen. Warum gebietet der Kardinal Fürsterzbischof Dr. Nagel diesem Treiben keinen Einhalt? Warum läßt der Kirchenfürst von Briren nicht, wie man bei ihm vorstellig geworden, in den Dörfern und Ortschaften Tirols die aufreizenden Blutbilder des „Simon von Trient" und „Andreas von Rinn" usw. beseitigen, welche das betörte Volk von Tirol im blöden Blutaberglauben immer wieder bestärken? Wenn der Papst den Antisemitismus nicht will, so ist er binnen eines halben Jahres in allen katholischen Ländern gerade so gründlich ausgerottet wie z. B. der Modernismus. Offenbar soll zwischen „Antisemitismus" und „gewalttätigem Vorgehen" eine Linie gezogen werden, Der Papst mißbilligt jede „Gewalttätigkeit"; allein der Antisemitismus ist ein nützliches politisches Machtmittel, auf welches die Leiter der Kirche nicht verzichten können. Die Massen werden immer zahlreicher, die an die festen Burgen der kirchlichen Schatzkammern pochen, ihr zorniges Fordern läßt sich mit frommen Formeln nicht immer beschwichtigen. Man mutz sie also auf die Juden Hinweisen, auf diese Wehrlosen den Zorn lenken. Der ungeheure Fortschritt der Sozialdemokratie in allen Ländern zeigt deutlich, daß die Führung der großen Menge der Kirche zu entgleiten droht. Daher die alljährlichen Eucharistenkongresse, Katholikentage usw., um durch äußerliche pomphafte Veranstaltungen eine suggestive Wirkung auf, den gemeinen Mann auszuüben, um ihn immer von neuem der Kirche wieder zuzuführen. Selbst der außerordentliche Strahlenglanz dieses feierlichen Kongresses kann über diese Erscheinung nicht hinwegtäuschen. Man hat es Jedem leicht gemacht, den Kongreß zu besuchen; alle staatlichen Derkehrsinstitute haben sich zur Verfügung gestellt. Man sollte aber einmal versuchen, von den frommen Katholiken ernstliche Opfer zu fordern; man sollte z. B. dem Gläubigen als Pflicht auferlegen, am Kongreßtage, wie die Juden am Versöhnung stage, der Religion 24 Stunden ohn e Speise und Trank zu widmen. Dann wird sich die Macht der Kirche über das Volk offenbaren. Da die Frömmigkeit allein offenbar nicht mehr hinreicht, die Massen bei der Kirche festzuhalten und sie die Bitterkeit des Alltagslebens vergessen zu machen, da muß gelegentlich der Judenhaß nachhelfen. Der Antisemitismus rühmt sich, die Kirchen gefüllt zu haben, in Rom wehrt man sich darum gegen den Verdacht, den Antisemitismus zu mißbilligen. Das Wiener Judentum hat jede Gemeinschaft mit den Veranstaltern der Septemberdemonstration gegen den Eucharistischen Kongreß in der denkbar feierlichsten Form durch den Mund des Oberrabbiners abgelehnt. Das war gewiß klug, gerecht und der Wahrheit entsprechend. Es wäre indes eine schwere Täuschung, sich einzubilden, daß solche Kundgebungen auf die leitenden Machthaber der Kirche irgendeine Wirkung erzielen. Man braucht das „Juden"schlagwort als Lockmittel für die Menge, die Kirche muß immer wieder über „Feinde" triumphieren, das geschieht am leichtesten gegen die wehrlosen Juden. Man schafft sich einen vermeintlichen „Feind", um ihn zu „vernichten". Das Judenschlagwort muß aber insbesondere gelten die Sozialdemokratie herhalten, auf die Identifizierung von „Äuden^un^ „Sozialdemokraten" darf man nicht verzichten,^ es ist die einzige und letzte Waffe gegen dieH wähHaft gefährlichen Kirchenstürmer. A Deswegen wird konstatiert, daß ein Rundschreiben des Papstes gegen den Antisemitismus nicht existiert, das Oberhaupt der Kirche mißbilligt bloß — „ein gewalttätiges Auftreten". Me Jude« iw statistische« Jahrlruche der Stadt Wien für das Jahr 1910. Von Dr. Arnold Ascher. (Fortsetzung.) Im Abschnitte XIV über das Bildungswesen sind folgende Daten anzutreffen; es studierten an der Wiener Universität im Schuljahre 1910/11 . 2404 Juden und zwar an der rechts- und staatswisfenschaftlichen Fakultät. 977 „ medizinischen Fakultät ...... 798 „ philosophischen Fakultät. 629 „ weiters studierten im Schuljahre 1910/11 an der technischen Hochschule .... 783 an der Hochschule für Bodenkultur . . 31 an der israel.-theologischen Lehranstalt 22 an der evangelisch-theologischen Fakultät 2 an der Akademie der bildenden Künste . 19 an der Graveuru. Medailleurhochschule 1 an der tierärztlichen Hochschule ... 39 „ an der Akademie für Brauindustrie . . * 2 „ an der Exportakademie. 165 „ Ueber die Anzahl jüdischer Mittelschüler finden sich nachstehende Ziffern: In Gymnasien . . . . ... . 2017 in Reformrealgymnasien -i ~ ' 20 in Realgymnasien.. . ■ . . . -478 in Realschulen..' 1757 im Freien Lyceum.. 21 Von höheren Mädchenschulen besuchten sechsklassige Mädchenlyoeen .... 773 Mädchen zweiklassige Fortbildungskurse .... 88 „ Anders organisierte Kurse. 67 „ In den Lehrerbildungsanstalten findet sich kein jüdischer Schüler, ebenso nicht in den Lehrerinnen-Vildungsanstalten, bloß in der Privatbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen 6 Mädchen, 5 Schülerinnen in der Privatbildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und 1 im k. u. k. Offizierstöchter-Jnstitute. Ueber das Glaubensbekenntnis der Schüler in der k. k. Akademie für Musik und darstellende Kunsh und den Militär-Vorbereitung sschulen sind keine Daten zu finden. Zweifellos sehr erfreulich ist es, daß an allen gewerblichen Lehranstalten jüdische Schüler mit Erfolg studieren: im k. k. technologischen Gewerbemuseum . / . . 134 in der k. k. Staatsgewerbeschule im I. Bezirke . . 12 in der k. k. Staatsgewerbeschule im X. Bezirke . .11 in der k. k. Zentrallehranstalt für Frauengewerbe 4 in der k. k. Lehranstalt für Textilindustrie ... 16 in der k. k. Geograph. Lehru. Versuchsanstalt . . 54 Nicht minder befriedigend ist die Teilnahme jüdischer Schüler an den gewerblichen Fortbildungsschulen, die gleichzeitig eine interessante llebersicht über den größten Teil der jüdischen Handwerkslehrlinge ermöglicht: es waren in den 7 allgemein gewerblichen FortbildUngS!- schulen . . . ..,14 Israeliten in 4 Schulen für Bäcker . . . . . 8 „ in 1 Schule für Baugewerbe . . . . 3;, in 1 Schule für Bildhauer . ... 2 „

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