Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 37 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022019--21461-3046556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gelte ML Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 37 Dr- Bernhard Elsaß aus Landsberg a. W., Sohn des Verstorbenen, der zugleich der Gemeinde und allen Vertretungen, wie auch Anwesenden tiefbewegten Dank aussprach. Nachher setzte sich der Trauerzug in Bewegung, dem in Gala gekleidete Polizeimänner voranschi'tten. Die Juden als „Wurzen". In der Gemeinderatssitzung vom 6. September a. c. wurden die in der letzten Zeit eingelausenen Spenden veröffentlicht. In der „Neuen Freien Presse" vom 7. September ist ein anscheinend vollständiges Verzeichnis abgedruckt. Es ist nun interessant, zu sehen, daß die „Arbeiter-Zeitung" diese Spenden im Ganzen verschweigt; während das „Deutsche Volksblatt" die Spenden Auspiz K 5000.—, Schmarda K 2000.—, Geitler (früher Jeiteles) X 500.—, Gomperz K 2000.— und Biedermann K 600.— erwähnt, unterschlägt sie dagegen die Spenden Ahorner K 100.—, Friedhuber K 30.—. Immerhin können Juden daraus eine Lehre ziehen. Audchrmns einer jüdischen Dante?. Aus Paris wird uns berichtet: Mme. Tepha Levy- Onlmann, welche erst vor kurzem die große goldene Medaille für hervorragende Verdienste auf dem Gebiete .der Wohltätigkeit erhielt, wurde jetzt mit dem Orden Merite Agricole für ihre besonderen Verdienste um die Beförderung der Agrikultur ausgezeichnet. Eine MMionenfpende. Aus Chicago wird gemeldet, daß der dortige Großkaufmann und bekannte Philanthrop Julius Rosenwald am Tage seines 50. Geburtstages 690.000 Dollar an verschiedene jüdische und allgemeine Wohlfahrtsinstitute gespendet hat. Hauptsächlich wurden Anstalten bedacht, welche die Aufbesserung der sozialen Lage bestimmter Gesellschaftsschichten zum Ziele haben. So z. B. erhielt von den nichtjüdischen Anstalten unter anderem auch der gelehrte Reger Booker T. Washington zur Erweiterung seiner gemeinnützigen Erziehungsanstalt für Reger den Betrag von 25.000 Dollar. Julius Rosenwald wird der „Jakob Schiff des Westens" genannt, was wohl das beste Zeugnis für ihn ist. Ben Jehüd a in Amerika. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, begibt sich der bekannte Hebraist und Lexikograph Ben Jehuda zu Beginn des kommenden Monates nach Amerika, um in den großen Bibliotheken von Rewyork und Washington Material für sein großes hebräisches Lexikon, von dem bereits einige Bände erschienen sind, zu sammeln. Vjekanntlich sind die großen jüdischen und hebräischen Bibliotheken, welche in den letzten Jahren zu haben waren, alle nach Amerika gewandert. Die großen jüdischen Organisationen Amerikas rüsten sich zum feierlichen Empfange des hervorragenden jüdischen Gelehrten aus Jerusalem. Sterblichkeit unter den Jndün Rewyorks. Laut den soeben erschienenen statistischen Ziffern über die Sterblichkeit in Rewyork ist die Sterblichkeit unter den.Juden daselbst viel geringer als unter der übrigen Bevölkerung. Rach dieser Statistik sterben im Alter von 15—25 Jahren unter den Juden 2'53 °/o. Von den eingewanderten Irländern sogar 1515 °/o. Im Alter von 25—65 Jahren jiethen unter den Juden 7'99 °/o, bei den nichtjüdischen Amerikanern 25 92 °/o und unter den nichtjüdischen Einwandern 21 20 %. Ern Jude Mitglied des ruWchen Rchchsmtes. - Aus Odessa wird berichtet: Bei der vor einigen Tagen stattgefundenen Wahl eines Vertreters der Handels- und Eewerbekammer im russischen Reichsrate (nicht zu verwechseln mit der Reichsduma) wurde Herr Jakob /Weinstein, ein angesehener Kaufmann, mit erdrückender Majorität zum Reichsratsmitglied gewählt. zfeuLUeton. Gin Kris vom allen Stamme. Erinnerungsblatt an Baron Alfred von Berger. Von Dr. D. Leimdörfer in Hamburg. Der vor kurzem verstorbene Direktor Pes Wiener Hofburgtheaters, Professor Dr. Alfred Freiherr v. Berger, der Schöpfer und Leiter des Hamburger Deutschen Schauspielhauses, mit dem ich. seit 12 Jahren des öfteren zusammengekommen bin, gewährte mir einen Einblick in sein Wissen, Können und Wirken, wie auch in das Wesen seines Charakters als Mensch, Gelehrter und Menschenbildner. Auf dieses Erinnerungsblatt setze ich nur einige kleine Episoden aus der Zeit seines Hamburger künstlerischen Schaffens, in der ich ihn kennen und schätzen lernte, Episoden, die sein Denken und Forschen in der jüdischen Literatur und manche Berührungspunkte mit den Bekennern des israelitischen Glaubens beleuchten sollen. Der 18. August des Jahres 1900, der 70. Geburtstag des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn, führte uns zum erstenmale zusammen. Nach dem Gottesdienste in der katholischen kleinen Michaeliskirche hatte sich unter Leitung des Generalkonsulats die österreichisch-ungarische Kolonie mit Fahnen, Sang und Klang, im israelitischen Tempel versammelt, woselbst -ich meine unter dem Titel „Der Gesalbte des Herrn" veröffentlichte und nachher auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers der Fidei-Kommis-Gibliothek in Wien einverleibte Festrede hielt. Am Abend fand ein Festbankett im Uhlenhorster Fährhaus statt. An dem in die Saalmitte postierten, für die religiös-rituell lebenden Teilnehmer hergerichteten Tisch war mein Platz gerade gegenüber dem des Herrn v. Berger, der mich mit Glückwünschen zu meiner Rede warM begrüßte und mir mit- Leilte, daß er mich dem Namen nach von Wien her kenne, denn, so sagte er „ich verkehrte viel mit dem glänzenden Wiener Prediger Dr. Jellinek, der oft von Ihnen, seinem Schüler in Hamburg, sprach." Als ich ihn an unseren gemeinsamen Lehrer der Philosophie an der Wiener Universität, Professor Robert Zimmermann, und an unseren gemeinsamen Freund Meister Adolf Sonnenthal erinnerte, da war jedes Gefühl der Fremdheit gewichen, und nutzer lebhaften Zwiegesprächen knüpften sich die Fäden inniger Annäherung um uns für etwa volle 10 Jahre seiner hierortigen Wirksamkeit. Es fehlten nur wenige Tage bis zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses, ich lernte durch ihn seine Mitarbeiter und mehrere Künstler kennen, auch den pon ihm „entdeckten" Rudolf Schildkraul, der sich mir und meiner Familie itits Anverwandter vorstzellte und der bis zu seinem Konflikt mit .Berger viel in unserem Hause verkehrte. Schildkraut entledigte sich einst eines Auftrages von Berger, der sich mit dem Studium der Bibel eifrig beschäftigte, ich möchte ihm die von mir erschienenen Arbeiten über die Psalmen und Ecclesia st es, nämlich das „Psalterego in den Jchpsalmen" und „Koheleträfel" zugehen lassen, von denen eine Enkelin des Senatspräsidenlen und Bürgermeisters Petersen, Frl. Clara P., die ich fast ein Jahr hindurch in die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur eingeführt hatte, Herrn Baron Berger Mitteilung machte. Selbstverständlich schickte ich ihm die Schriften zu, über die ich nachher oft. persönlich, mit B. einen regen Gedankenaustausch pflog. Ein junger Schriftsteller veranlaßte mich einmal, ein von ihm verfaßtes Drama, das bei direkter Zustellung an die Bühnenleitung wenig Aussicht hatte,