Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 37 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Vlochs WochenWrfft Sette 628 Beruf ernst nimmt, der die Interessen des Hausherrn zu wahren versteht, ohne die Interessen der Wohnparteien zu verletzen. Es mutz hiebei betont werden, daß der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde auf Initiative des Präsidenten Dr. Alfred S t e r n der erste war, der die soziale Bedeutung der Aktion begriff und mit gutem Beispiele voranging, indem er die bei Gemeindeanstalten zur Besetzung gelangenden .Portierposten mit Juden besetzte. Das gute Beispiel wirkte und fand bei den Bethausvereinen und privaten Hausbesitzern dankenswerte Nachahmung. Der beste Beweis für die Tüchtigkeit der jüdischen Portiere und Hausbesorger ist wohl die Tatsache, datz auch christliche Hausbesitzer, denen der gute Ruf der jüdischen Hausbesorger bekannt wurde, jüdische Eheleute anzustellen beginnen und diesen Schritt durchaus nicht bereuen. Wie wir erfahren, geht der Verein jüdischer Portiere und Hausbesorger nun daran, für seine Mitglieder eine Schule zur Heranbildung moderner Portiere und Hausbesorger zu errichten, und wir sind überzeugt, datz sowohl die Hausbesitzer, welche die Intervention des Vereines mit gutem Ergebnisse bereits in Anspruch genommen haben, sowie die grotze jüdische Gemeinschaft den Verein in der Ausführung seiner verschiedentlichen sörderungswürdigen Aufgaben unterstützen werden. Wien. (Religionsschule der Adaß Jisroel.) Der Vorstand beehrt sich b-kanntzugeben, daß die Einschreibungen für Knaben nnd Mädchen Sonntag. IS. September. 8 Uhr morgens, beginnen und an jedem Sonntag von 8 bis 12 Uhr vormittags und Mittwoch nachmittags, 2 bis 5 Uhr, fortgesetzt werden. Es wird dringend ersucht, die Schüler sofort einschreiben zu laffen, da der Unterricht, der am 22. September beginnt, durch Verspätung des Eintrittes leidet. Schullokal: II., Malzgasie 16, Zimmer 9 (Tilmud-Thora-Gebäude). Lustrltt« aus dam Judentum Vom 1. September bis inkl. 7. September 1912. Glanz Klara, geb. 15. Oktober 1897, Drohobycz, VII., Neubaug. 27. Kauder Ernst, Handelsangestellter, geb. 8. April 1888, Wien, VI., Mollardgasse 44. Weiß Rosa, geb. 17. März 1879, Purkersdorf, Zmachofsky Leo, geb. 28. Oktober 1897, Kiew, VII., Mariahilferstraße 41. * . * * Kellner Josef, ..IX., Liechtensteintsraße 80, geb. 1. Oktober 1883 zu Stoizendorf' N.-Oe., ist wieder zum Judentum zurückgetreten. Dobkisch. Die Jahresversammlung der hiesigen Beeidigungsbrüderschaft „Chewra-Kadischa" fand am 25. August statt. In seiner Eröffnungsrede führte der Obmann zwei Gründe an, weshalb die Vollversammlung im Jahre 1911 ausfallen mußte, Gründe, die jedoch nicht als stichhältig bezeichnet werden können, da die Einhaltung des Statuts über alles gehen soll. Nach Verlesung des ersten Protokolls vom Jahre 1910, sowie der Tätigkeits- und Kassaberichte, folgte der wichtigste Punkt, die Vornahme der Neuwahlen, die folgendes Resultat zeitigte: Obmann: Leopold Lederer. Fabrikant; Obmannstellvertreter: Ludwig Eisner, Buchhändler; Kaffier: Eduard Meisler, Kaufmann; Schriftführer: Heinrich Hermann; Beisitzer: Julius Porges. Beide Handschuhfukcoren: Dieses Wahlergebnis begegnete hier allseitiger Zustimmung und Befriedigung, da die oberwähnten Herren die Verehrung und Wertschätzung aller hiesigen Kreise genießen. Diesem Gedanken verlieh auch Herr Rabbiner Dr. I. Eiseuberg in der darauf stattgefundenen Büßpredigt Ausdruck und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Ntue Leitung der „Chewra-Kadischa" zur Ehre gereichen wird. Straßnitz (Mähren). (Rabbiner-Installation.) Am Sonntag den 8. September l. I. fand in der israelitischen Kultusgemeinde in Straßnitz die Installierung des neugewählten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn S. Freifeld statt. Zur Begrüßung dieses aus Modor bei Preßburg kommenden Herrn Rabbiners und seiner Familie hatten sich an der ungarischen Grenze, nämlich am Bahnhofe Ung.- Skalitz. Herr Kultusvorsteher S. Rebenwurzcl und die Gemeinderäte Herren M. Deutsch und D. Weiß eingefunden. Von Ung.-Skalitz fuhr man dann nach Straßnitz, wo in der Judengasse sämtliche Gemelndemitglieder unter Begleitung der Schuljugend den Herrn Rabbiner erwarteten. Die Herren Tempelvorsteher A. Kornfeld und B. Rebeuwurzel kamen mit den heiligen Gesetzesrollen unter dem Baldachin entgegen und führten den Herrn Rabbiner, der vorerst vom Beirat Herrn Jakob Rebenwurzel mit einer formvollendeten Rede begrüßt wurde, in den Tempel. Hier wurde ein Festgottesdienst abgehalten, wonach Herr Kultusvorsteher S. Rebenwurzel den neuen Seelsorger begrüßte und letzterer seine Antrittsrede hielt. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß den Herren, welche seit drei Jahren, nämlich seit dem Tode des früheren Rabbiners H. Friedmanu, in selbstloser Weise um die Wiederbesetzung der Rabbinerstelle gekämpft und trotz der Schwierigkeiten, die hiebei zu überwinden waren, siegreich aus dem Kampfe hervorgingen, der Dank aller Gemeindeangehörigen gebührt. Lnhatschowitz. Ihrem Ende zu geht die Saison. Ihren frühzertigen Abschluß bewirkten die anhaltenden Regengüsse und die herannahenden jüdischen Feste, welche einen großen Teil des Kurpublikrms zur vorzeitigen Abreise bestimmten. Ein Rückblick auf dieses bietet manche lehrreiche Momente. Jntereffant war der Anblick der freundschaftlich, kollegial m teinander verkehrenden Rabbiner aus Ungarn, Böhmen und Mähren, welche den verschiedenen religiösin Dichtungen angebören. Alle beteten gemeinschaftlich, einer wurde nach dem anderen zur Th)ra gerufen; keiner machte Prioritätsrechte geltend. Diese hier herrschenden idyllischen Zustände ergötzten besonders die Laien aus Ungarn, denen ein ganz anderes Bild aus ihrer Heimat vorschwebte, wo der orthodoxe Rabbiner dem neologen aus dem Wege geht. Sprach man mit dem hochgeachteten Oberrabbiner Koppel Reich, Budapest, aber dieses Thema, über die anzustrebende Einheit und Vereinigung Israels, da brach er die Debatte mit dem Einwande ab, daß in Ungarn ganz andere Verhältnisse bestehen, über welche der Auswärtige nicht urteilen kann. Jede« Wort diese; Nestors der ungarischen Rabbiner war wohl bedacht. — Weniger zurückhaltend äußerte sich der Rabbiner aus Szerdahely. der in der talmudilchen Disputation in dem Juwelier Gutfeld aus Antwerpen einen ebenbürtigen Partner fand. Ferner weilten hier zum Kurgebrauche Rabbiner Psertofer, Sereth; Rofenfeld, Freistadt; Fischer, Karlstadt; Reumaun, Chamboklet; Seidl, Salanta; Frei. Surany; Kohu, Tschorna; Schlesinger. Roika; Schreiber. Osfad; Dr. Diamant, Trerciön; Dr. Schöuwald, Tapolza; Dr. Hillel, Leipnik; Dr. Hoff. Bisenz; Dr. Krakauer. Komotau. Die Kantoren waren v rtreten durch Oberkantor Heler. Brünn, und Stosler, Rausnitz. Beim Festgottesdienste am 18. August fungierte Herr Lauterbach aus PrzemySl. Diese Feier fand in einer Restauration statt, da es leider hier noch an einem Bethause fehlt. Ein vom Badearzte Dr. Frankl veranstalteter Vortragsabend ergab einen bedeutenden Beitrag zum Tempelfond. Mitwirkten Dir. Arnold Kohn aus Budapest und Prof. Dr. Frankl, Reichenberg. Hoffentlich wird dieser Bau, der ein dringendes Bedü fnis für alle Kurgäste «st, im nächsten Jahre aufgeführt werden. Karlstadt (Kroatien). In unserer Stadt wurde vor einigen Tagen unser Kultusvorstand Herr Dr. Batroslav Reiner einstimmig zum Vizebürgermeister wiedergewählt. — Da in Karlstadt jeden Freitag Wochenmarkt ist, unser Neujahrstag Donnerstag und Freitag ist, so hat der Stadtmagistrat den Markt, wie Sie aus beiliegendem Zirkulär ersehen, verschoben. Lipto-Rosenberg. Der verdienstvolle hochwürdige, 82jährige Rabbiner Emauuel Elsaß zu No^sahegy (LiptoRosenberg) wurde plötzlich in dar bessere Jenseits abberufen. Sein inhaltreiches Leben, seine wahrhafte Bescheidenhett und Liebenswürdigkeit verschafften ihm in allen Kreisen nur Verehrer und Freunde. Seine hohe talmudiiche Gelehrsamkeit erwarb er sich auf verschiedenen Jeschibot; unter Bachs Regime hat er zu Preßburg mit Auszeichnung maturiert. Später ging er nach Prag und setzte beim dortigen Oberrabbiner Rappaport seine theologischen Studien fort, frequentierte gleichzeitig mit Erfolg die philosophische F ikultät der dortigen Universität. Nach Beendigung seiner Studien kehrte er in seine H'imat zurück und heiratete vom L'plo St. Mikloser Komitats-Oberrabbiner Beruat Nikolaus eine Tochter. Zur Zeit des ungarischen israelitischen Kougreffes wurde er zum Abgeordneten des Ersekujvar-Suranyer-Bezirkes gewählt. Nach Rozsahegh wurde er im Jahre 1872 berufen, wo er vier Jahrzehnte hindurch der Schule — er unterrichtete auch in der Volksschule mit Liebe und Begeisterung — und dem Gotteshause sein Leben weihte. Daß sein Wirken vollends Anei kenn ung und Würdigung fand, das bezeugte am eklatantesten jene Trauer, welche bei seinem Hinscheiden die ganze Stadt und Bevölkerung ohne Unterschied der Religion und Nation erfüllte. Um dieser vollends Ausdruck verleihen zu können, wurde die Beerdigung auf Sonntag nachmittag 2 Uhr festgesetzt. Der Sarg wurde schon vormittag im Tempel ausgestellt, wo die verschiedenen Delegierten einander abwechselten. Die Vertretung der Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa unter Leitung ihres Präsidiums, ferner die Delegierten der Lipto St. Mikloser, Alsokubiner und Kesmarther israelitischen Gemeinden. Ferner eine Vertretung der Stadtrepräsentanz unter Leitung des Bürgermeisters Bela Krouer. Diese kondolierte der Familie, nahm im Tempel an der Trauerfeierlichkeit teil und begleitete den Sarg hinaus bis zum Friedhof. Am Stadthaus wurde die Trauerfahne hinousgegeben. Der königliche ungarische Gerichtshof war durch den Präsidenten Herrn Geza von Chudovszky samt mehreren Richtern vertreten. Das Piaristen-Obergymnasium ließ sich durch drei geistliche Profefforen vertreten. Die evangelische Kirchengemeinde vertrat eine zahlreiche Deputation unter Leitung ihres ehrwürdigen Seelsorgers, Herrn Bella Metod und Kirchenvorsteher Herrn Bladomir Makovitzky. Ferner waren im Tempel unter anderen Honoratioren noch anwesend : der ungarische Reichstagsabgeordnete Herr Josef Angyal. Vor diesem glänzenden Auditorium sprach zuerst Herr Oberrabbiner Dr. Wilhelm Singer aus Lipto St. Miklos in schwungvoller deutscher Sprache über den Verlust und würdigte in vollem Maße die Verdienste seines Kollegen. Nachher sprach auf Wunsch der Chewra-Kadischa Herr Dr. Bernhard Kolbach, Ober-Gymnafialprofeffor zu Budapest. Reffe des Verstorbenen, ungarisch, sehr inhaltreich; diesem folgte der herzergreifende und tieferschütternde Abschied des Ehrwürden Herrn Rabbiner