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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-13 · 37 (13.9.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
37 (13.9.1912)
Date
1912-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Blochs Wochechchrfft Seile 622 Vutzt jüdischEligiösem Boden Stehenden umfassen solle, die Delegierten derselben aber und ihre Vorstände ausschließlich Männer sein müssen, die durch die exakteste Uebung der Vorschriften des Ritualgefetzes rühmlich st bekannt sind. Er fordert die Kollegen zur Werbearbeit für die Agudas Iisroel auf, welche sich in Ortsgruppe gliedern wird, die wiederum zu Landesverbänden zusammengefatzt werden sollen und verteilt die entsprechenden Drucksorten. Seine Ausführungen werden sehr beifällig ausgenommen. — Schluß der Generalversammlung 4 Uhr nachmittags. Gegen die Verleumder der russischen Studenten. Im Auslande, besonders in Deutschland, aber nicht minder auch in Frankreich und der Schweiz, macht sich eine starke Bewegung gegen die ruffischen Studenten bemerkbar. So etwas, sollte man meinen, müßte in Rußland verstimmen und das patriotische Empfinden stark beleidigen. Weit gefehlt! Die offiziöse „Roffia" „erklärt" in ihrer Nummer vom 1. August die an den ausländischen Uuiverfitäten herrschende Antipathie gegen die ruffischen Studenten und findet es ganz natürlich, daß man sich im kulturellen Europa von den wesensfremden Elementen usw.-abschließt. Sie verpflanzten dann ihre russische Art nach Europa, „schafften", wie die „Roffia" so vielverstehend und vielverzeihend sagt, „überall, wo sie in bemerkbarer Menge erscheinen, in der kürzesten Zeit eine Atmosphäre, die den Traditionen, Gebräuchen, Begriffen der westeuropäischen Studentenschaft widerspricht." Um so ehrenvoller ist das Zeugnis, das jetzt diesen Studenten entgegen den Verleumdungen der „Roffia" von den angesehensten Professoren der Heidelberger Universität ausgestellt wird. Professor von Lilienthal bezeichnet seine russischen Zuhörer als „fleißige und tüchtige Mitarbeiter, die hinter den deutschen Teilnehmern durchaus nicht zurückstehen." In gleichem Sinne sprechen sich die Professoren Endermann, Schröder, Bütschli, Gottlieb und Ernst aus. Ein hervorragender Gelehrter, Professor Dr. Radbruch, hielt es sogar für angebracht unaufgefordert im „Heidelberger Tageblatt" mit folgender unzweideutiger Erklärung gegen die Angriffe der „Roffia" hervorzutreten: „Ich empfinde es als meine unabweisliche Pflicht gegen meine «egenwärtigen russischen Zuhörer wie gegen die zahlreichen Freunde in Rußland, die einstmals meine Zuhörer waren, zu erklären, daß die ruffischen Studierenden stets zu meinen fleißigsten und begabtesten Schülern^ gehört haben und daß ich ihre Anwesenheit an den deutschen Universitäten — aus Gründen, die ich bei dem baldigen 50jährigen Bestehen der hiesigen Ruffischen Lftchalle darzulegen Anlaß haben werde — geradezu als einen Segen für unsere, den G.fahren der Saturiertheit ausgesetzte Studentenschaft ausehe. Auch ohne ein besonderes Mandat glaube ich damit zugleich die Ansicht vieler meiner Kollegen zum Ausdruck zu bringen. Der „Roffia" für die Preisgabe ihrer eigenen Landsleute an die Verachtung des Auslandes Beifall zu zollen; wäre wohl besser den deutschen Gesinnungsgenossinnen dieses Blattes überlasten geblieben, etwa der „Deutschen Tageszeitung", die in ihrer Numtner vom 5. August sogar vor-Anwürfen gegen die Frauenehre der ruffischen Studentin nicht zuröckscheut." . Das löbliche Bemühen der nationalen Press: in Rußland, die .eigenen Landeskinder bis in die Länder ihrer Zuflucht mit ihrem Hoffe zu verfolgen und sie dort unmöglich zu machen, ist diesmal gründlich mißlungen. Man wird in den Kreisen der „Roffia" die Wahrnehmung gemacht haben, daß in der Gelehrten- Rkpnblick Europas ein ausgiebiger Boden für echtruffische Umtriebe nicht vorhanden ist. Vermischtes. Wie«. (Ver'lobung.) Dr. Arnold Frankfurter« Prediger des Tewpelvereines in Döbling und Religionsprofeffor an Wiener Mittelschulen, hat sich mit Fräulein Stella Schick ans Wien verlobt. Wie«. (Ve r l o b u n (f.) Fräulein Jda G r o ß hat sich mit Herrn.Hermann Reich, Sänger im Stadttempel und der k. k. Hofoper, verlobt. Wien. Samstag den 14. d. M., vormittags Präzise 11 Uhr, wird Herr Lektor Dr. S. Rubin im Beth-Hamidrasch-Lokale, II., Ferdinandsstraße 23, einen Vortrag halten. Thema: „Neujahr". Wien. Frau Elsa Funk-Freund wurde seitens der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei die Konzession zur Errichtung einer Opern- und Operettenschule in Wien erteilt. Genannte Gesangsmeisterin ist den Lesern dieses Blattes durch ihr tatkräftiges, künstlerisches Wirken in den jüdischen Toyabeehallen Wiens seit vielen Jahren vorteilhaft bekannt. Wien. Die mit der israelitischen Kinderbewahranstalt verbundene I. Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen (mit Oeffentlichkeitsrecht) in Wien, II., Schiffamtsgaffe 15, eröffnet am 25. September ihre Kurse, für welche Anmeldungen bis zum 19. d. M. entgegengenommen werden. Wien. (P f l e g e r i n n e n v e r e i n.) Im Kaiserin Elisabeth-Institut für israelitische Krankenpflegerinnen, beginnt anfangs Oktober ein neuer Unterrichtskurs und die Aufnahme neuer Schülerinnen. Anmeldungen an die Frau Oberin, XVIII., Währinger Gürtel 99. Wien. (Grabdenkmal-Enthüllung) Am 8. d. M., mittags, wurde das Grabdenkmal des vor Jahresfrist verstorbenen unvergeßlichen Oberkantors Böla Guttmann unter außerordentlicher Teilnahme aller Kreise am Zentralfriedhofe feierlichst enthüllt. Lange vor der festgesetzten Stunde fanden sich, trotz der ungünstigen Witterung, eine große Anzahl von Freunden und Verehrern, Vertretungen der Kultusgemeinde und der Beamtenschaft und die Berufsgenossen des Verewigten, das Präsidium des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereines ein. Mit einem vom Oberkantor Morgenstern rezitierten Psalm hob die Feier an, dann fiel die Hülle von dem mit einer Lyra geschmückten Grabdenkmal des gottbegnadeten Sängers, worauf der Präsident des Kantorenvereines, Herr Oberkantor Bauer, hie wirkungsvolle Denkrede hielt. Nach einem ergreifenden Trauerchoral des gesamten Chores, trat Prof. Nascher vor das Grabdenkmal um in flammenden Worten die Persönlichkeit und die nie vergeßlichen Leistungen des Verklärten zu würdigen, worauf Oberkantor Morgenstern, sowie alsauch Erster Kantor Matyas das LI mole rachamim in erhebender Weise rezitierten. Das vom Gesamtchor gesungene Lcbiwissl schloß die würdige und pietätvolle Gedenkfeier ab. — Das Grabdenkmal wurde von der brkäßnM' Firma W u l k a n und N e u b r u n n, Wien, außgeführt. Wien. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, Wien, II., Malzgasse 1, veranstaltete für die im Vorjahre dahingeschiedenen Ehrenmitglieder des Vereines, I. M. Brenner und Moses Butterfaß sel. And. eine Trauerandacht, welche Sonntag den 8. d. M. unter sehr zahlreicher Beteiligung der Mitglieder im Vereinsbethause abgehalten wurde. Herr Kantor Leo Wolfensohn versah hiebei in ausgezeichneter Weise die kantorale Funktion. Die Trauurede hielt Herr Rabbinatskandidat Bernhard Lefkowitsch, welcher in sehr sinnreichen Gleichnissen die Bedeutung und die Wirksamkeit der Verewigten für den Verein beleuchtete. Den Schluß der Trauerfeier bildeten die üblichen Gebete für das Seelenheil der Dahingesch irdenen. Jüdische Portiere und Hausbesorger. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Als vor zwei Jahren der Verein jüdischer Portiere und Hausbesorger ins Leben gerufen wurde, mochten viele von uns Zweifel darüber gehegt haben, ob der Verein seinen Aufgaben auch gewachsen sein werde. Und diese Zweifel waren auch durch unsere Verhältnisse begründet. Die jüdischen Hausbesitzer waren durchwegs in dem Vorurteile befangen, daß jüdische Eheleute sich nicht für den Hausbesorgerdienst eignen und machten gar nicht den Versuch, sich vom Gegenteile zu überzeugen. Dieses Vorurteil war vor zwei Jahren noch so tief eingewurzelt, daß sogar jüdische öffentliche Anstalten bei einem Wechsel im Hausbesorgerpersonale gewissermaßen mechanisch wieder nur nach nichtjüdischen Bewerbern Umschau gehalten haben. Die Ergebnisse der zweijährigen Tätigkeit dieses Vereines, dessen Mitglieder ausschließlich aus jüdischen Portieren und Hausbesorgern und solchen Personen, die auf solche Posten reflektieren, bestehen, haben nun den Beweis erbracht, daß dieser Verein tatsächlich eine sehr wichtige soziale Mission erfüllt und seine Gründung eine Nosioendigkeit war. Nicht weniger als vierzig Hausbesorger- und Portierposten wurden durch den Verein mit Juden besetzt und es kann, ohne einen Widerspruch zu befürchten, behauptet werden, daß sowohl die jüdischen Vereine und Gesellschaften, wie auch die Hausbesitzer, welche im Wege des Vereines jüdische Hausbesorger anstellten, mit ihrem Personale jetzt außerordentlich zufrieden sind und dem Verein Dank wissen für seine Intervention. Der jüdische Hausbesorger ist ein nüchterner, ernster Angestellter, der seinen

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