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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-13 · 37 (13.9.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
37 (13.9.1912)
Date
1912-09-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Blochs WochenWrfft Seite 621 In dem gesamten Verlaufe der Verhandlungen ist diese Konstatierung der Unschuld Hilsners ohne Widerspruch geblieben, und Dr. Schneeberger erhielt während seiner Rede vielfache Zeichen des Beifalles und der Zustimmung. Nun ist es Sache der österreichischen Justizverwaltung, die Konsequenzen dieser Tatsache zu erwägen. Es wäre eine schwere Anklage gegen die verantwortlichen Träger der österreichischen Justiz, datz sie einen notorisch unschuldigen Menschen, dessen rechtsirrtümliche Verurteilung auf einer Versammlung der deutschen Juristen widerspruchslos konstatiert wurde, weiter im Kerker behalten wollte. Es bleibt dieser Justizverwaltung kein anderer Ausweg, als die so oft vertagte Revision des Prozesses Hilsner endlich einmal in Angriff zu nehmen. Emigranten-Fürsorge der Israel. Allianz zu Wickn. Während des Monates August 1912 wurden von der Zentralstelle der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 144 Emigranten, davon 138 russische und 6 rumänische, weiterbefördert, u. zwar 78 nach den Vereinigten Staaten, 23 nach Argentinien, 1 nach Kanada, 13 nach England, 22 nach Frankreich (nach den beiden letztgenannten Kündern in jedem einzelnen Falle nach vorherigem Briefwechsel mit den Hilfskomitees in London bezw. Paris wegen der Existenzmöglichkeit der betreffenden Einwanderer). 7 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimat zurückbefördert wurden 19 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im August für 64 Personen zusammen 246 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt, und an 81 Emigranten insgesamt 214 Speisemarken für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Von Januar bis Ende August 1912 wurden insgegesamt von Wien aus 79O russische und rumänische Emigranten nach überseeischen, bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 146 Rückwanderer repatriiert. Die Tragödie des Antifemitclnführers. So und nicht anders mutz das Ende des Klausenburger Professors Desider Köpösdy genannt werden, der in einem Hotel des am Plattensee gelegenen Badeortes Siofok Selbstmord verübt hat. Köpösdy war als Aniversitätshörer ein bekannter Antisemitenführer: er stand seinerzeit an der Spitze der sogenannten „Kreuzbewegung" an der Budapestsr Hochschule. Die Kreuzbewegung hat vor mehr als einem Jahrzehnt die öffentliche Meinung Ungarns vielfach beschäftigt. Klerikale und antisemitische Studenten verlangten damals die Anbringung von Kruzifixen in den Hörsälen der Universität, was zu grotzen Reibereien und Raufereien Anlatz gab. Der Selbstmörder Hinterlied acht Briefe. Einer Version zufolge soll Köpösdy den Selbstmord infolge materieller Schwierigkeiten verübt haben, da sein juridisches Seminarium (eine Art Rechtsschule) in Klausenburg nicht prosperiert. Mehr Wahrscheinlichkeit hat jedoch die zweite Version, datz die Ursache des Selbstmordes — und darin liegt für den einstmaligen Antisemitenführer das tragische Moment — in der Liebe zu einer Jüdin zu suchen ist. Der Olim-Judenfeind hatte sich nämlich in eine junge Künstlerin des Klausenburger Theaters verliebt, die jüdischen Glaubens ist. Gelegentlich seines letzten Budapefter Aufenthaltes machte Köpösdy seinen hiesigen Verwandten davon Mitteilung, datz er die Erwählte seines Herzens nicht ehelichen könne, da sie eine Jüdin sei, und in dem Schreiben, welches Köpösdy an seine Budapester Verwandten gerichtet hat, heitzt es, datz ihn „subjektive, und zwar sehr subjektive Gründe" in den Tod getrieben Haben. Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens. Am 3. d. M. begann um 9 Uhr vormittags in Prerau die diesjährige Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens. Anwesend waren die Herren Rabbiner Dr. Freimann (Holleschau), Dr. Oppenheim (Olmütz), Prof. Dr. Tauber (Prerau), Prof. Dr. Reach (Gaya), Dr. Schweiger (Kremsier). Dr. Hoff (Bisenz), Dr. F r i§- d i n g e r (Pohrlitz), Dr. S p i r a (Mähr.-Ostrau), Dr. Halber stamm (Schaffa), Dr. Ketzler (Gewitsch), Dr. Rosenmann (Mähr-Schönberg), Dr. Kanter (Zwittau), Dr. Goldschmidt (Protznitz). Dr. Flesch (Kanitz), Dr. Hillel (Leipnik), Dr. Steif (Neu-Rausnitz), Dr. Mandl (Neutitschekn-Wagstadt). Die übrigen Rabbiner Mährens und Schlesiens gaben grötztenteils schriftlich ihren Sympathien für den Verband Ausdruck und wünschten den Verhandlungen desselben in ihren Entschuldigungsschreiben besten Erfolg. Der vom Obmann des Vereines, Herrn Dr. Freimann. erstattete Tätigkeilsbericht wurde mit lebhaftem Beifall und mit allseitkger Befriedigung zur Kenntnis genommen, ebenso der Kassabericht des Prof. Dr. Tauber. lieber Antrag des Dr. Schweiger wurde beschlossen, datz eine Kreiseinteilung getroffen werde, damit die einander räumlich nahe wohnenden Kollegen allmonatlich einmal zur Besprechung von rabbinischen und pädagogischen Fragen zusammentreten: dir Rabbiner eines solchen Kreises wählen ihren Referenten, der an die Verbandsleitung bezw. an die Generalversammlung zu berichten hat. Zur Vornahme der Kreiseinteilung wird die Verbandsleitung ermächtigt. Die Resignation Sr. Ehrwürden des Herrn Landesrabbiners Dr. B. Placzek auf die Ehrenpräsidentschaft des Verbandes wird mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Zum Präsidenten des Verbandes wird neuerdings Dr. Freimann, zum Vizepräsidenten Dr. Oppenheim. zum Schriftführer Prof. Dr. Reach und zum Kassier Prof. Dr. Tauber gewählt; in den Vorstand des Verbandes werden des weiteren entsandt die Herren Rabbiner Dr. E o l d s ch m i d t, Dr. H i l l e l. Dr. L e w i n (Nikolsburg) und Prof. Dr. Steiner (Bielitz); zu Kassarevisoren die Herren Rabbiner Dr. Hoff und Dr. Schweiger. Herrn Prof. Dr. Rabbinowicz, der eine Wiederwahl ablehnt, wird der Dank des Verbandes für seine bisherige Tätigkeit ausgedrückt. Herr Rabb. Prof. Dr. Reach berichtet über die Bestrebungen zur Gründung eines Landesverbandes der Kultusgemeinden Mährens als weiteren Ausbau der Organisation der israelitischen Religionsgenossenschafl. Er präzisiert den Standpunkt, welchen die Rabbiner in Wahrung der ihnen anvertrauten religiösen und geistigen Güter zu gewissen Punkten des ihnen bekannt gemachten Entwurfes einzunehmen haben und beantragt, es möge der Vorstand des Verbandes ermächtigt werden, mit den Proponenten des Entwurfes gemeinsam zu beraten bezw. zu beschlietzen, damit das im Interesse der Iudenheit gelegene Werk bald einem gedeihlichen Abschlüsse zugeführt werde. Die Anträge des Referenten werden angenommen und werden dem Vorstande des Verbandes von der Generalversammlung entsprechende Direktiven gegeben. * In der Nachmittagssitzung bespricht Herr Rabb. Dr. Fr ei mann die Bestrebungen der Agudas Iisroel, deren provisorisches Komitee in Frankfurt a. M. seinen Sitz hat. Er definiert in einem geistreichen Vortrage an der Hand des historischen und halachischen Materials die Begriffe „orthodox, glaubens- und gefetzestreu" und kommt zu dem Resultate, datz die Agudas alle auf be-

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