Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 36 (6.9.1912)
- Date
- 1912-09-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 602 aus dem' Grunde mit der Bemerkung, daß meine Veröffentlichungen nicht beachtet werden, etwas sparsamer umgehen, weil ich ihr zu einem Ruhm verholfen habe, zu dem sie sonst nicht gelangt wäre. Es wurden nämlich ohne mein Dazutun und auch ohne mein Wissen einige meiner in der „Volkswehr" veröffentlichten Artikel ins Hebräische übertragen und in russischen Tagesblättern veröffentlicht! Hiemit glaube ich, die Einrede der „Volkswehr" genügend deutlich und ausführlich beantwortet zu haben. Sereth, 31. August 1912. Dr. Isaak Kohn. Korrespondenzen. Kaisers Geburtstag in einer Londoner Synagoge Aus London wird uns berichtet: Anläßlich des 82. Geburtsfestes des Kaisers und Königs Franz Joseph I. haben die jüdischen Mitglieder der hiesigen österreichischen und ungarischen Kolonie in der österreichisch-ungarischen Synagoge einen eigenen Festgottesdienst veranstaltet. Die Synagoge war bis aufs letzte Plätzchen von Festgästen gefüllt. Nach den üblichen Gebeten für den Monarchen hielt Rabbiner David Kohn- Zedek die Festrede, welche mit einem vom. Rabbiner selbst verfaßten Gebete in Form eines Gedichtes schloß. Rach dem Gottesdienste fand ein Festbankett statt. Pogromangst m Galizien. Großes Aufsehen erregt eine Korrespondenz des ruthenischen Blattes „Dilo" aus Gorlice in Galizien, aus welcher hervorgeht, daß die Mosbrlophilen in der Gorlicer Gegend eine heftige blutrünstige Agitation gegen die dort ansässigen Juden führen. Der Korrespondent macht die Oefsentlichkeit darauf aufmerksam, daß hie Hetze gegen die Juden und zum Teile auch! gegen die antirussischen Ruthenen bereits solche Formen angenomm«r hat, daß jeden Augenblick der Ausbruch von Pogromen nach russischem Muster zu befürchten ist. Die Korrespondenz macht schon heute die Behörden dafür verantwortlich, wenn durch ihre Lässigkeit, wie sie bisher beobachtet werden kann, die geradezu öffentlich organisierten und vorbereiteten Uebersälle auf Juden wirklich zur Ausführung gelangen sollten. Än dem Berichte wird sogar der Anführer der ganzen Mion namhaft gemacht. Es ist ein gewisser Kaczmaczik, ein ehemaliger Richter und Advokaturskandidat in Gorlice, der, wie es scheint, von gewisser Seite gewönnen wurde, uni das ruthenische Volk gegen die Juden aufzuhetzen. Naturalisierung der marokkanischen Juden. Der französischen Regierung ist dieser Tage ein Memorandum zugegangen, das die Unterschriften sämtlicher Rabbiner Frankreichs und der französischen Kolonien, sowie sämtlicher französisch-jüdischer Rotabilitäten trägt. In diesem Memorandum wird das Ersuchen gestellt, die Naturalisierung der marokkanischen Juden zu französischen Bürgern en bloc durchzuführen. In dem Gesuche wird aus die Lei Cremieur als Prüzedenz hingewiesen, durch welche im' Jahre 1870 infolge der Intervention Adolf Cremieur 20.000 algerische Juden en bloc zu französischen Bürgern erklärt wurden. Die Petenten sprechen die lleberzeugung aus, daß die marokkanischen Juden nur durch eine solche generelle Naturalisierung dem fürchterlichen Zustande zu entrinnen vermöchten, in dem sie sich gegenwärtig befinden. Heute seien die Juden in Marokko vollständig vogelfrer, da die Marokkaner selbst sie nicht als ihre Mitbürger betrachten. Rr, -36 Frankreich hingegen ihnen nicht Mit , jenem Nachdrucke einen legalen Schutz gewähren könne, da sie nicht französische Bürger seien. Ueberdies würden die Marokkaner Eingeborenen aus Respekt vor Frankreich sich wohl hüten, gegen französische Bürger, selbst wenn sie Juden sind, jene mörderische Haltung einzunehmen, wie dies jetzt gegenüber den Marokkanischen Juden mitunter selbst aus den nichtigsten Gründen der Fall zu sein pflegt. Die Verlegung eines JahrmarWs Wiegen des Mischen Versöhmmgsfestes. Virovitica. Der diesjährige Herbstjahrmarkt in Virovitica, der sehr stark besucht zu sein pflegt, fällt auf den 21. September, also auf einen Tag, an dem wir dieses Jahr das heilige Iomkippurfest feiern. Der geehrte Vorsteher unserer israelitischen Kultusgemeinde, Grundbesitzer und Großkaufmann Julius Reich, wandte sich daher schon im Mai d. I. mit einem Gesuch, an den hiesigen Gemeinderat um Verlegung des betreffenden Jahrmarktes auf einen anderen Tag, das aber erst im Juli mit der Motivierung zurückgewiesen wurde, daß die Zeit bereits zu vorgeschritten sei, um den Jahrmarkt auf einen anderen Zeitpunkt verschieben zu können. Herr Kultusvorsteher Julius Reich ergriff gegen den einstimmigen Beschluß der Ablehnung des erwähnten Gesuches den Rekurs an die Viroviticaer Komitatsbehörde und an die hohe K. Landesregierung tn Agram, mit dessen Abfassung und Ueberreichung der hiesige Advokat, Dr. Felir K o h % der sehr wohltätig ist und dem jüdischen Eemeindeleben reges Interesse entgegenbringt, betraut wurde. Gleichzeitig aber wandten sich Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann und Kultusvorsteher Julius Reich an Herrn Dr. Hugo Spitzer, Präses der Israel. Kultusgemeinde in Essegg, und an Herrn Dr. Lavaslav Schick, Advokaten in Agram, um Intervention^bei der hohen K. Landesregierung in Angelegenheit der Vertagung des Jahrmarktes. Es ist nämlich bekannt, daß Herr Dr. Spitzer, vermöge seiner außerordentlichen Begabung als Jurist und seines hohen Ansehens wegen seines idealen Strebens, das jüdische Volk in Kroatien auch geistig zu heben, in maßgebenden Regierungskreisen von großem' Einflüsse ist. Nicht Minder rühmend bekannt ist der noch sehr junge AgraMer Advokat Dr. Lavaslav Schick wegen seiner Uneigennützigkeit, Beredsamkeit und glühenden Liebe zu seinem Volke, der bereils als Gymnasiast in der „Oesterreichischen Wochenschrift" so manchen Beitrag zur Hebung des jüdischen Bewußtseins veröffentlicht hat. Und in der Tat hat die Intervention der Herren Dr. Spitzer und Dr. Schick großen Erfolg gehabt. Denn die hohe K. Landesregierung zu Agram hat durch einen Erlaß angeordnet, daß der auf den 21. September 1912 fallende Jahrmarkt in Virovitica wegen des Mischen Versöhnungsfestes erst am 23. September stattzufinden hat. — Es sei noch an dieser 'Stelle bemerkt, daß dieselben Gemeinderäte, welche dafür waren, daß das Gesuch der jüdischen Gemeinde um Verlegung des Jahrmarktes abgelehnt werde, bei der am 17. August stattgehabten Gemeinderatswahl in Virovitica um jüdische Stimmen geworben haben. Die miMeren Zustände! bei der Klagemauer. Aus Jerusalem' kommt die bedauerliche Mitteilung, daß die Zustände an der Klagemauer in Jerusalem sich noch imMer nicht gebessert, eher verschlechtert haben. Bekanntlich liegt die Angelegenheit offiziell vor den Behörden, welche aber jetzt, wie es 'scheint, Wichtigeres zu tun haben, als sich der Juden an der Klagemauer anzunehmen. Die Juden scheinen nun den Prozeßweg als zu lange empfunden zu haben, und erwirkten im Wege der Protektion irgend eines Arabers die Erlaubnis, die Bänke, deren Aufstellung, wie erinnerlich, sistiert wurde,