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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 601 Dazu war aber, wie mein erster Artikel ausführt, weder Grund noch Anlaß. Ich freue mich übrigens, daß mein Rat auch bei der „Voltswehr" und ihren Hintermännern wohlwollende Aufnahme gefunden hat. die mich erwarten iaht, daß er auch ganz befolgt werden wird. Denn nur darauf deutet die Bemerkung, daß der Konflikt nicht so arg ist und beigelegt werden wird. Nicht minder erfüllt es mich mit großer Genugtuung, daß meine Ausführungen über die unvergänglichen Verdienste des Abg. v. Wassilto um die Butowinaer Juden und deren Pflicht, ihm dankbar zu sein, nicht nur mit keinem Wort widerlegt, sondern bestätigt wurden. Wenn Strauch er die Tatsache, daß ich ihm in dem Konflikte mit dem Abgeordneten v. Wassilko die Gefolgschaft weigere, schon eine Feindseligkeit erblickt, so ist dies eine Sache des persönlichen Empfindens. Ich aber rufe alle Leser meines Artikels zu Zeugen auf, um zu beweisen, daß mein Artikel auch nicht ein Wort enthält, welches als Feindseligkeit ausgelegt werden könnte! Ist aber Straucher in der Tat Führer der Iudenschaft des Landes und des Reiches, wie er es stolz verkünden läßt, so muh er alles vermeiden, was den Juden nachteilig sein könnte. Die fortwährende Verunglimpfung des Abg. Wassilko war und ist für alle Juden schädlich. Der Iudenführer muß daher selbst Persönliches zurückstellen, wenn er der Sache seines Volkes dienen will. Ist aber der Konflikt lediglich ein persönlicher der beiden Führer, wozu die Zeitungspolemiken, wozu die beiden verbündeten politischen Parteien in den Konflikt hereinzerren, wozu der gewohnte Apparat von Volksversammlungen, aufgedrängten Resolutionen rc.? Der Leitartikler der „Volkswehr" fragt mich, ob ich denn Nicht weiß oder nicht wußte, daß der Abg. Wassilko in einer Parlamentsrede die Juden als Wucherer bezeichnet hat? Darauf antworte ich: Für mich bedurfte es der Berichtigung in der „Post" nicht, um mich von der vollständigen Unwahrheit dieser Beschuldigung zu überzeugen. Ich habe die Ehre, den Menschen Wassilko seit länger als 26 Jahren, und den Politiker Wassilko seit seinem Eintritte in die Landispolitik zu kennen. Der Mensch Wassilko war stets gegen jedermann edel, hilfreich und gut. Seine Taten stehen also im Widerspruch mit seinem angeblichen Ausspruch. Der Politiker Wassilko ist zu klug, um so einer Pauschalverdächtigung Ausdruck zu geben. Auch hier stehen seine Taten im Widerspruch zu diesem Wort, denn er würde einem Volke von Wucherern zu einer sicheren, besonderen Vertretung im Reichsparlamente nicht verholfen haben. Ein Bibelwort sagt aber: an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Und daß der Abg. Wassilko durch seinen Einfluß das Mandat Czernowitz-Ost den Juden gerettet hat, leugnet auch die „Volkswehr" nicht. Ich frage aber die „Volkswehr": ist sie der Sünden Wassilkos erst jetzt gedenk, da sie von ihnen schon lange vorher Kenntnis hatte? Wie konnte und durfte Straucher den Bund mit einem Politiker aufrecht erhalten, der sich so offenbar feindselige Äußerungen gegen die Juden leistet? Ueberhaupt hat das persönliche freundschaftliche Verhältnis Wassilkos zu Straucher zu einem politischen Bunde beider Nationen des Landes geführt: dieser Bund ist für die Juden, die noch immer wenig Freunde haben, so wertvoll, daß wir alles anwenden müssen, um ihn aufrecht zu erhalten. Eine persönliche Verstimmung Strauchers darf also sicherlich nicht den Anlaß geben, den Bund zu erschüttern. Alle Argumentationen der „Volkswehr", also Strauchers, laufen aber immer nur darauf hinaus, daß Wassilko Straucher angreift und nicht die Juden. Ich erinnere gerade Straucher daran, daß anläßlich der vorjährigen großen Wahlkampagne Briefe Wassilkos an die Juden abgedruckt waren, in denen Wassilko den Juden rät, sich an ihren Führer Straucher zu halten und sich in jüdischen Fragen nicht bei ihm, sondern bei ihrem Führer Straucher Rats zu erholen! Alle diese Umstände sollten aber Straucher veranlassen, seinen Anhängern den Rat zu erteilen, mit der Abhaltung von Versammlungen und Fassung von im vorhinein tertierten Resolutionen gegen Wassilto recht sparsam umzugehen und derlei Dinge am besten ganz zu lassen. Die Frage der „Volkswehr", was es michangehe, wenn Lucian Brunner an Hl. v. Wassilko schreibt, habe ich bereits in meinem ersten Artikel beantwortet. Meiner Ansicht nach wäre es angemessener und im Interesse der Juden gelegen gewesen, wenn die offizielle Vertretung der Judenheit den famosen Briesschreiber in die Schranken gewiesen hätte. Es wäre dies eine schöne Revanche für die von mir eben erwähnten Briefe Wassilkos an die Juden gewesen, wobei ich mir die Gegenfrage erlaube, was es die „Volkswehr" angeht, wenn ich gegen Herrn Brunner polemisiere. Auf den Gedanken der Notwendigkeit und Nützlichkeit eines engen Zusammengehens der Juden mit den Ruthenen kann ich dem Abg. Straucher einen Anspruch auf Originalität nicht zubilligen. Denn meine Wenigkeit hat im Oktober 1906 in der „Neuen Zeitung" Birnbaums eine Artikelserie veröffentlicht, die in dem Rate gipfelte, Juden und Ruthenen mögen einen politischen Bund zur gemeinsamen Abwehr des auf beiden Nationen tastenden Druckes gründen. Diese Artikel haben in Galizien derartiges Aufsehen erregt, daß sie vom „Dilo", dem offiziellen Organ der Ukrainer, und von „Haliczanin", dem offiziellen Organ der Altruthenen (die damals noch nicht Russen waren), als Leitartikel übernommen wurden und der Gedanke selbst der Realisierung wert erachtet wurde. Meine Veröffentlichungen finden also doch wohl mehr Beachtung, als die „Volkswehr" sagt. Auch aus diesem Grunde halte ich mich für besonders legitimiert, in dieser Sache das Work zu ergreifen und die Juden darauf aufmerksam zu machen, daß das jüngste Vorgehen Strauchers gegen den Abgeordneten v. Wassilto den überaus wertvollen politischen Besitz zu verringern geeignet ist. Wenn meine Ausführungen, wie die „Volkswehr" mit wenig Takt und noch weniger Grund sagt, dem Bedürfnisse entsprungen sind, vor Herrn v. Wassilko den Kotau zu machen, so erkläre ich offen, daß es mir in der Tat ein Bedürfnis war. dem Abg. Wassilko zu sagen, daß er den Dank und die Hochachtung der Juden des Landes verdient und daß die Angriffe gegen ihn wohl persönliche Angriffe Strauchers, aber nicht der Juden sind. Es ist mir eine Ehre und Auszeichnung, in Gesellschaft des Hl. v. Wassilko aus Anlaß meines Linkreiens für ihn von der „Vollswehr" angerempelt sit venia verbo — zu werden. Ich hoffe bestimmt, daß mir Straucher und die Juden für meine publizistische Tätigkeit in dieser Frage noch Dank wissen werden. Hoffentlich wird die „Volkswehr" nun zur Einsicht gelangen, daß nicht alles Huld ist, was ich schreibe, und daß ich mit meinem Vorräte an Vertrauen nicht so verschwenderisch umgehe, wie sie glauben machen will. Ich gewähre nur die Huld und das Vertrauen, wo es verdient ist! Im übrigen halte ich es mit dein „Recht" (volkstümliche Zeitschrift für Oesterr. Rechtsleben), zu dessen Mitarbeitern ich mich mit Stolz zähle. Ich ersterbe nie in Demut vor sogenannten Autoritäten, sondern gewähre den Verdienten Respekt der Autorität, von deren Berechtigung ich mich überzeugt habe. Abgesehen von der Pflicht, einem Mitarbeiter Dank zu wissen, den ich übrigens nicht begehre, sollte die „Volkswehr" schon

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