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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 600 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 36 Juden im Sport. Unter den Lehrern des Fliegersports in Johannistal steht der Aviatiker Willy Rosen st ein mit an erster Stelle. Einem Feuilleton der „Neuen Freien Presse" (11. 7.): „Ein Flug mit der Rumbler-Taube" entnehmen wir folgende Charakteristik: «Der Name des Aviatikers Billy Rosenstein dürfte den Antisemiten verdächtig Vorkommen; und es maß gesagt werden, daß jeder derartige Verdacht begründet ist. Nur werden die Antisemiten in Verlegenheit sein, ihre Theorien von der „jüdischen Feigheit" auf den Fall des Herrn Rosenstein anzuwenden, der mit seinen kaum mehr als achtzehn Jahren einer der tüchtigsten, bewährtesten und kühnsten Flieger von Johannistal ist und bereits eine ganze A-.zabl von Off.steren ausgebildet hat Er entstammt einer angesehenen württembergischen Familie und befi idet sich in einer Situation, die ihm alle Möglichkeiten des Daseinsgenusses bieten würde. Aber dieser junge Mann hat den eigentümlichen Geschmack, die Betätigung in einem gefahrvolle Berufe, der täglich den Tod bringen kann, dem Wohlleben vorzuziehen. „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein." Es ist doch eine merkwürdige Zeit, in der die Dichter Aestheten sind, ohne Herz, ohne Schwung, und in der man den Idealismus, den man in der Poesie jahrelang vergebens gesucht hat. eines Tages auf dem Sportplätze findet." Ein Institut für jüdische Erfinder. Aus Newyork wird uns geschrieben: Unter hen vielen Vorschlägen, welche dein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für das Ehepaar Isidor und Jda Strauß, welche bei der „Titanic"-Katastrophe ums Leben kamen, vorliegen, findet ein Projekt besondere Beachtung. Laut diesem Vorschläge soll aus den Mitteln des gesammelten und noch zu sammelnden Fonds ein Institut errichtet werden, in welchem unbemittelten Künstlern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Erfindungen zu modellieren und, wenn sie sich bewähren, auch zu verwerten. Die dem Fonds entnommenen Kosten hiefür sind als Darlehen zu betrachten, welche der Erfinder nebst einem minimalen Gewinnanteil von seiner Erfindung dem Strauß-Fonds zurückzuerstatten hätte. In demselben Institut sollten überhaupt Juden, die auf irgend einem Gebiete ein unbestrittenes Talent verraten, ihre Ausbildung genießen, bezw. sich vervollkommnen können. Schließlich soll nach diesem Vorschläge in dem Institut eine ständige Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Erfinder untergebracht werden. — Wie die amerikanischen Blätter meinen, ist dieser Vorschlag so ernst und begründet, daß er auch dann realisiert werden dürfte, wenn der Strauß-Fonds sich als nicht hinreichend erweisen oder das Komitee ihn aus irgend einem Grunde ablehnen sollte. Ein jüdischer Genrralprolurator in Kanada. Wie die Newyorker „Times" melden, wurde der Rechtsanwalt E. Lewinsohn zur Generalprokurator für Winipeg in Kanada ernannt. Es ist dies der erste.Fall, daß ein Jude in diesem Staate es zu einer solch hohen Würde bringt. Forschungsreise nder Aurel Stein. Wie die „Newyorker Times" melden, hat die Museumsverwaltung der Universität in Pennsylvania dem berühmten, aus Ungarn stammenden Forschungsreisenden Aurel Stein für sein hervorragendes Forschungswerk in Zentralasien die „Lucie Wharton-Medaille" für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschung verliehen. Das Newyorker Blatt hebt insbesondere hervor, daß diese Medaille eine hohe Auszeichnung bedeutet, da sie nur hervorragenden Gelehrten, deren Schriftsprache englisch ist, verliehen werden kann. Professor Aurel Stein ist nicht nur der einzige Jude, sondern auch der einzige Gelehrte, der nicht aus England oder Amerika stammt und im Besitze dieser Medaille ist. Funde attlsraelitischrr Matze und Gewichte'. Vor kurzem erschien ein interessanter Bericht über die Ergebnisse der von den französischen Asumptionistenpatres in Palästina durchgeführten Grabungen. Aus diesem Briefe geht hervor, daß wir heute bereits im Besitze von Exemplaren aller jener Maße und Gewichte sind, welche in der Bibel erwähnt werden. So kennt man heute schon Form und Wert des Lug, Kab, Hin, Vath, Omer, Kikar, Ephah rc. Unter anderem wurde auch ein ganz kleines Maß gefunden, dessen Bedeutung bisher unbekannt blieb. Nun soll es endlich gelungen sein, durch vergleichende Messungen festzustellen, daß dieses kleine Hohlmaß zum Messen des Zehents gedient haben soll. Diese Entdeckung wird für die weitere archäologische Forschung sowohl, wie auch für die Kenntnis der Geschichte der Bibel von großem Werte sein. Der Konflikt WaflUka—Klraircher. Replik auf die Erwiderung in der „Volks- Wehr". Es war meine Absicht nicht, den Konflikt Wassilko-Str auch er zum Gegenstand einer Zeitungs-, Polemik zu machen. Ich wollte lediglich! meiner Ansicht über diese die Judenheil der Bukowina berührende Frage Ausdruck geben, ohne mich in eine Polemik gegen Politiker einzulassen. Ton und Inhalt meines Artikels lehren dies jedermann, welcher lesen kann. Die „Volkswehr", das offizielle Organ Strauchers, hat sich jedoch mit meinen Ausführungen in der Nr. 390 vom 21. August l. I. in einer Art und Form befaßt, die mich zu einer Erwiderung zwingt. Ich benenne meine Antwort Replik, wenngleich ich eine Klage nicht ausgetragen habe. Da aber die Erwiderung auf meine Ausführungen als Einrede auftritt, die mich heftig angreift, muß ich wohl auch replizieren. Auf den Ton der „Volkswehr", zu ironisieren, ohne sachliche Argumente vorzubringen, kann ich nicht eingehen, da ich stets den Grundsatz hochgehalten habe, nur sachlich zu argumentieren. Auf die Epi heta ornantia, die die „Volkswehr" meinem Charakter beilegt, bemerke ich in aller Bescheidenheit, daß ich das Urteil über meine Persönlichkeit und über meine publizistische Tätigkeit getrost denen überlasse, die mich kennen und meine Veröffentlichungen mit Aufmerksamkeit lesen. Zu diesen gehört der Leitartikelschreiber der „Volkswehr" offenbar nicht. Wäre ich, wie der Leitartikler der „Volkswehr" so lieb und schön von mir sagt, eine jener mediokren Naturen, die sich von der Sonne bescheinen lassen und hinterher die wohltätigen Wirkungen der Strahlen preisen, so hätte ich überhaupt nicht zur Feder gegriffen. Ich hätte es mir in der Gunst Strauchers, deren Sonne mich beschien. wohl sein lassen und den Zorn dieses Allgewaltigen nicht heraufbeschworen. Denn es ist mir aus meinem langjährigen Verkehr mit Straucher wohl bekannt, daß er jede Ansicht, die mit der seinigen nicht fibereinstimmt, gleich als Hochverrat an der jüdischen Sache stempelt und als persönlichen Angriff empfindet. Wenn ich nun den berufenen Leitartikel der „Volkswehr" auf seinen Inhalt hin analysiere, so finde ich keine treffendere Charakteristik für ihm als das Dichterwort: „Man spricht vergebens viel, um zu versagen, der andere hört vor allem nur das Nein." Der Sukkus der Ausführungen der „Volkswehr" gipfelt nämlich in dem' Vorwürfe, daß ich nicht den Abgeordneten Hl. v. Wassilko angegriffen habe. (!!!!)

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