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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 599 Nr. 36 geirüber den Juden ist absolut nicht größer, als irgend wo anders,- ich behaupte, daß sie sogar geringer ist, als die der anderen Kulturvölker, wenn man die polnischen Juden mit den unter den anderen Kulturvölkern lebenden vergleicht. Es geht auch den Polen in Galizien nicht viel besser, und wenn sie zu Handel und Gewerbe greifen, .um ihre Lage zu verbessern, kann ihnen dies durchaus nicht verargt noch als Antisemitismus ausgelegt werden. Von einer Schlachzizenwirtschaft ist hier nicht viel zu spüren,- bald wird man einen Schlachzizen nur am Theater oder im Museum sehen können. Es ist auch eine kolossale Verblendung, wenn man von einer Bedrückung der Ruthenen spricht und die Letzteren als die Freunde der Juden gegen die Polen ausspielt. Die Ruthenen sind die direkten Nachkommen der Kosakenhorden Ehmielnickis, deren Feldruf „rizaty Lachiv i zydiw" (schlagt die Polen und Juden tot) noch heute unter den Ruthenen Geltung hat. (Grattez le Russe et le Tartare apparaitra.) Die Kosakenhorden Chmielnickis haben die Polen und die Juden, die Polen zuerst als deren Beschützer, lotgeschlagen. Wer das nicht glaubt, der lese die Geschichte und frage in den kleinruffischen Gouvernements Rußlands nach, wo vielleicht heute noch das „Fasten Cmiel" gehalten wird. Die Pogroms sind ruthenischer Provenienz und in eine Linie mit dem Totschlägen der Juden sind die gegen die Polen gerichteten Taten der Lemberger ruthenischen Studenten an der Universität und eines Siczynski gegen den Statthalter zu stellen. Der Jude in Ostgalizien spiele nicht mit dem Feuer, sonst geht es zuerst gegen den Polen und dann gegen den Juden los. Es ist aber auch eine krasse Uebertreibung, von einem allgemeinen Judenelend in Galizien „von Biala bis Sadagora" zu sprechen. Ich kenne in Galizien jüdische Hofräte, Oberlandesgerichts-, Landesgerichts-, Bau- und Finanzräte, Professoren an der Universität und an den Mittelschulen, eine Unzahl Advokaten, Aerzte, Notare und eine Unmasse von reichgewordenen und reich werdenden Kaufleuten, Fabrikanten, Haus- und Gutsbesitzern. Sind diese vielleicht nicht mehr zu den Juden zu zählen? Wir spielen eine Vogel-Strauß-Politik, indem wir die eigentliche Ursache des Judenelendes in Galizien nicht sehen wollen. Und doch liegt die Ursache auf der Hand. Es ist dies die Unkultur der immensen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, die ja geradezu sprichwörtlich geworden ist. Darüber dürfen Sie jedoch nicht mit den berühmten Rabbis von Czortkow, Belz, Sadagora und anderswo, noch mit den berühmten Gaonim und Oberrabbinern Galiziens sprechen. Diese werden sich darüber beklagen, daß noch zu wenig Thora studiert, soll wohl heißen, gelernt wird. Mit diesem' „Studium" ausgerüstet, kann es der armselige, indolente, irregeleitete polnische Jude zu nichts bringen und wird durch die Konkurrenz sowohl von christlicher als jüdischer Seite gezwungen, das Land zu verlassen, wenn er es nicht vorzieht. hier im Elend zu verkommen. Ich behaupte, daß hier jeder Jude, der nur lesen und schreiben gelernt hat, es zum Wohlstände bringt, für die anderen ist leider keine Hilfe vorhanden. Direkte Folge der jüdischen Unkultur ist bei Männern namenloses Elend, bei Frauen Mädchenhandel. Für wen sollen amerikanische und andere Gönner Geld hergeben? Der kulturelle Jude braucht es nicht, der unkulturelle kann es nicht brauchen. Wer daher dem Juden in Galizien wohl will, wer auch dem Lande wohl will, der rufe in allen Gaffen: Juden, schickt eure Kinder in die Schule!, mit einem Worte, der weise ihm den Weg zu Kultur! Wadowice, 27. August 1912. Hochachtungsvoll Dr. Js. Daniel. Zur Naturgeschichte der Täuflinge. Sehr geehrter Herr Doktor! Das im Leitaufsatze Ihres sehr geschätzten Blattes vom 30. v. M. zitierte Bonmot erinnert mich an eine Aeußerung des damaligen Probstes, nachmaligen Bischofs Marschall, die vielleicht verdient der Vergessenheit entriffen zu werden. Der Hofpferdehändler St., der aus geschäftlichem Jntereffe die Taufe genommen, konnte den Widerstand seiner Gattin und seines Sohnes, seinem Beispiele zu folgen, lange nicht verwinden. Endlich gab sein Sohn nach. Unmittelbar nach der vom damaligen Probste Marschall in der Votivkirche vollzogenen Taufe entwickelte sich zwischen Täufling und Priester folgender Dialog: Probst: Hoffentlich werde ich Ihnen jetzt bald gratulieren können. St.: Wozu denn Hochwürden? Probst: Sie werden sich doch jetzt verehelichen? St.: Ich denke nicht daran. Probst: Warum ließen Sie sich dann taufen? An dem Tage des Geschehnisses erzählte die standhafte Mutter mir und meiner Frau das Zwiegespräch. In vorzüglicher Hochachtung Wien, 3. September 1912. G. Bettelheim. Zur Naturgeschichte der antisemitischem Rasse. Das führende Berliner antisemitische Organ, die „Staatsbürger-Zeitung", publizierte einen Artikel, der mit „M ehr Herzensroheit" überschrieben war und in seinem Kernpunkt wie folgt lautet: „Ungezählte Millionen Mark gehen jährlich dem deutschen Volksvermögen verloren. Fleischklumpen, die nichts Menschenähnliches haben, von denen man nicht einmal aus Gefühlsäußerungen auf eine Seele schließen kann, werden mühselig erhalten. Statt Werte schaffen zu helfen, glauben ehrenwerte Leute sich ein Verdienst zu erringen, wenn sie in Krüppelheimen und Jdiotenanstalten Werte verzehren lassen . . . . . . Demgegenüber muß dringend der Ruf erschallen: Mehr Herzensroheit! Für den, deffen Familie nun ein solches krankes Glied aufzuweisen hat, mag es hart erscheinen und roh, dessm Vernichtung zu fordern. Man prüfe aber nach, ob der Allgemeinheit, ja, ob selbst der Familie ein Schaden bei dem Nichtvorhandensein erwachsen würde; ob ein Nutzen. Niemand, weder Eltern und Geschwister, haben ein Recht, das niederstergende Leben zu schützen, sie haben vielmehr die Pflicht, das aufsteigende zu fördern. Staat, Gesetz, Recht und Sitte müssen sich wandeln, dem Arzt ausmerzende Befugnisse eingeräumt werden, sonst verkommt die Menschheit in den Folgen der Kultur und des übel angebrachten Mitleids" Zu den „Fleischklumpen", deren Vernichtung das kulturfreundliche Blatt forderte, gehören also auch die Krüppel; nun blättere man die Kulturgeschichte durch: Milton war blind, Beethoven war taub, Spinoza und Schiller waren schwindsüchtig, Helmholtz hatte einen ausgesprochenen Waflerkopf, Darwin war sein Leben lang ein Siecher, Kant desgleichen. Treitschke, der große Geschichtsforscher und allererste Autorität für die Antisemiten, war ebenfalls in den letzten Jahrzehnten vollständig taub, und Helen Keller, die berühmte amerikanische Schriftstellerin, ist blind und stumm. Eine geniale antisemitische Erfindung. Die „Staatsbürger-Zeitung" hat sich — was tut man nicht alles, wenn der Pleitegeier droht! — mit Vehemenz auf die Spieleraffären geworfen und veröffentlicht sensationelle Artikel über die „Sprengung der Bank von Monte Carlo", die, wie sie selber mitteilt, unterstützt durch die lärmende Reklame der Straßenverkäufer „großen Absatz" staden. Den Clou der Artikelserie bildet eine der „Staatsbürger-Zeitung" mitgeteilte Erfindung, wie man der Spielbank und dem Roulette gegenüber ständig im Vorteil bleibt, so daß die Spielkafinos schließlich mit Naturnotwendigkeit Bankerott machen müssen: „Uns ist eine mathematische Maschine von dem Ersinder selbst vorgeführt worden, und wir haben auf Grund eigener Prüfung durch wiederholtes Arbeiten mit der Maschine die untrüg'ichsten Beweise für deren die Spielbank in jedem Falle schädigende Funktion erhalten." Die „Staatsbürger-Zeitung" hat auch schon ausgerechnet, daß man die Bank von Monte Carlo durch dieses System vom Dezember bis Ende März um 120 Millionen schwächen kann.

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