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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 688 Dr. Blochs Wochenschrfft Nr. 35 XU. Bezirkes erworben hat. Im Trauerzuge bemerkte man den Sekretär Herrn Dr. Adler in Vertretung der Kultusgemeinde und den Beamten Herrn Vogl in Vertretung des Friedhofamtes. Austritte aus dem Judentum Vom 18. August bis inkl. 24. August 1912. Bauer Alfred, Privatbeamter, geb. 9. März 1890, Wien, II., Obere Donaustrasse 109 Beck Pauline, geb. Löbl, Malerswitwe, geb. 4. Mai 1867, Wien, II., Taborstrasse 11 Berger Friedrich, Buchlialter, geb. 30. Mai 1884 in Wien Fünfhaus, XIV., Rustengasse 9 Bodenstein Hi da, geb. Juni 1887, Wien, Rodaun Fillipp Josef, Mediziner, geb. 16. Jänner 1875, Klausenburg, XVIII., Anlonigasse 15 Fröhlich Hermi e, geb. Goldberger, geb. 29. Oktober 1862, Prag, VIII., Laudongasse 44 Fröhlich Irene, Private, geb. 12. Mai 1887, XVI., Albrechtskreithg. 30 Guttmann Olga, Weissnäherin, geb. 20. April 1887, Wien, XII., Sehönbrunnerstrasse 107 Löwy Carl, Geschäftsdiener, geb. 27. Oktober 1882, Wolin, N.-Oe., II., Miesbachgasse 14 Pils Adolf, geb. 15. September 1888, Wien, X., Favorilenstrasse 84 Pollak Ignaz, Private, geb. 18. Juni 1885, I., Lothringerstrasse 16 Pollak Ludwig, Schlosser, geh. 2. Oktober 1881 in Iglau, II., Kaiser Josefstrasse 27 Reichenberg Leop., Kaufmann, geb. 22. März 1873, Marköbel, Preussen, XIII., Linzerstrasse 15 Wachsmann Bisa, geb. 16. Februar, Wien, Bozen. Holleschau. Die «Jüdisch-akademische Ferialverbiulung Zepbyra" in Holleschau bat unter der Leitung Sr. Ebrwürden des Herrn Rabbiner Dr. I. Freimauu einen allgemein zugänglichen Ferialkurs für jüdische Geschichte und Literatur eröffnet. Bei dem bereits am Sonntag den 25. d. M. gehaltenen ersten Vortraae: „Der jüdische Kaufmann in kulturhistorischer Beleuchtung" fand sich ein zahlreiches Publikum aus allen Kreisen der Bevölkerung ein, das den glänzenden Ansföhruugen des allverehrten Redners mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Diese populärwissenschaftlich gehaltenen Vorträge des Herrn Dr. I. Freimauu finden von nun ab in kurzen Zwischenräumen statt. Außerdem hält Herr Dr. Freimauu in einem Konvente der„Zephy a" llwöchentlich ein Seminar ab. Leipuik. Donnerstag den 22. August d. I. veranstaltete der hiesige Kultusvorstand in der hiesigen Synagoge einen feierlichen Trauergottesdienst für das verewigte Ehrenmitglied und den großen Gönner unserer Gemeinde, weil. David Ritter von Gutmann. Die Synagoge war der Trauerfeier entsprechend schwatz dekoriert. Herr Rabbiner Dr. H i l l e l hielt die Trauerrede, welche die Anwesenden tief ergriff; Herr Kantor P r e tz n e r rezitierte in erhebender Weise die üblichen Trauergebete. Der Feier wohnten bei: Herr Wilhelm von Gutmann in Vertretung der Familie Gutmann, Herr Inspektor Sandor Wertheimer von der GutsverwaÜung in Tobitschau, Herr Kultusvorsteher David Spitzer mit den Kultusbeiräten, den Mitgliedern des Kultus- und des verstärkten Kultusausschuffes, Herr Bürgermeister Ritter mit den Mitgliedern des Ausschusses der politischen Jsraelitengemeiude und als Vertreter der Stadtgemeinde, in Abwesenheit des Bürgermeisters Herrn Kunovsky die Stadträte Herr Markus und Herr Czerny. Aus diesem Anlässe spendete Herr Wilhelm von Gutmann zur Verteilung an die Beamten und Angestellten der Kultusgemeinde und an die Armen den Betrag von 1400 Kronen. Lundeuburg. (Definitive Anstellung.) In der am Sonntag den 25. August abgehaltenen Sitzung des verstärkten Kultusausschuffes wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. Schwengel nach einer einjährigen provisorischen Amtstätigkeit das Definitivum einstimmig erteilt. Stiftung für Nervenkranke. Die Kurdirektion der Heilstätte für Psychoneurosen (erschöpfungs-, vorstellungs-, gefühlsbedingte Nervosität und verwandte innere Leiden) in Komotau-Alaunseebad, Böhmen, gibt bekannt, daß von einem stillen Wohltäter mehrere Freiplätze für nervenkranke Juden gestiftet wurden. Diese Freiplätze erstrecken sich ans den Unentgeltlichen Gebrauch der Kurmittel, einschließlich der kostenlosen nervenärztlichen Behandlung. Zuschriften von Bewerbern übernimmt die Kurdirektion Komotau- Alaunseebad, Böhmen. Jubiläum eines Gelehrten in Jerusalem. Am Sabbath Nachamu wurde in Jerusalem das dreißigjährige Schriftstellerjubiläum des bekannten Gelehrten Abraham Moses Lunz gefeiert. Im Saale der jüdischen Bibliothek versammelten sich die zahlreichen Verehrer und Freunde des Jubilars, sowie die Vertreter der jüdischen Gemeinden in Jerusalem, um dem gefeierten Gelehrten ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Es hat sich ein Iubiläumskomitee mit dem berühmten Lexikographen Ben Iehuda an der Spitze gebildet, zu dem Zwecke, dem Jubilar, der nicht mit Glücksgütern gesegnet ist, die Vollendung seines Lebenswerkes „Talmud Ieruscholajim" zu ermöglichen. Gin Kesuch in der Farmerschule ,,M Iehuda" mi Kleinastem Die Jewish (Kolonisation Association unterhält in Tchiftlik in Kleinasicn eine Farmerschule, die 1899 gegründet, 1907 erweitert und gegenwärtig unter der bewährten Leitung des Direktors Zuckermann, armen jüdischen Jünglingen eine gediegene landwirtschaftliche Ausbildung angedeihen läßt. Dieser Schule war der Besuch unseres Korrespondenten gewidmet, über den er uns den nachstehenden Bericht übermittelt. - Von Smyrna aus umfährt die Bahn die herrlichen Gestade des Golfes von Smyrna, fährt dann weiter durch braches Land, dann durch das fruchtbare Hermostal nach Magnesie, das mit seinen zahlreichen schlanken, Minarets den typischen Eindruck einer orientalischen: Stadt macht. Von hier aus führt ein Zweig der Bahn nach Ak Hiffar (Alsar) und eine Station vor dieser Stadt, Tchiftlik, bildet das Ziel meiner Reise. Als ich nach mehr als fünfstündiger Fahrt dort anlangte, erwartete mich bereits her Direktor, Herr Zuckermann, dessen Gast ich während meines zweitägigen Aufenthaltes war, und machte sich sofort in liebenswürdiger Weise erbölig, mir die Schule, wie auch den ganzen Grundbesitz derselben zu zeigen. Nach einer kurzen Gußwanderung standen wir vor zwei Häusern, zur Rechten mit der Inschrift in hebräischer Sprache. „Or Iehuda" war die Schule, ein schöner, zweistöckiger Bau, der mir im Scheine der untergehenden Sonne wie von Gold übergossen vorkam, und gegenüber das Haus des Direktors und der Verwaltung, ehemals die Schule selbst', da das neue Gebäude erst 1907 eröffnet wurde. Der Direktor Machte mir den Vorschlag, die Schüler beim Abendessen zu besuchen. Als wir in den geräumigen Speisesaal eintraten, saßen gerade die 45 Schüler um zwei lange Tische und verzehrten unter allen Anzeichen eines ausgezeichneten Appetites ihr Abendbrot. Nach Tisch wurde gemeinsam das Tischgebet verrichtet, worauf alle einen kleinen Abendspaziergang unternahmen. Auch wir gingen dann speisen, und als darnach die beiden Kinder des Direktors zu Bette gebracht werden sollten, sang die Mutter, eine palästinensische Jüdin, die perfekt hebräisch spricht, mit einem " hebräischen Liede die Kinder in d.en Schlaf. Ich will hier einstigen, daß, wie ich auch später wiederholt bemerken Gelegenheit hatte, der Geist, der die ganze Schule durchzieht, ein so echt und anheim melnd jüdischer ist, der die Schüler, die doch fast alle aus gut jüdischen Familien stammen, die Fremde leicht ertragen läßt. Es kamen dann die Professoren der Schule, größtenteils Absolventen jüdischer Lehrinstitute in Palästina, zu Besuch, mit denen wir in angeregtestem Geplauder bis in die späte Nacht beisammen blieben.

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