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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 587 raiten Rußlands. ' Die Wahl eines Chachams wird unter ihnen immer schwieriger, weil die Zahl der Gielehrten unter ihnen immer geringer wird. Die Karaiten von Odessa haben deshalb wieder den gchoefenen Ratgeber des Schah von Persien, Schabsal, für den Chachamposten kandidiert. Für diese Kandidatur spricht hauptsächlich der Umstand, daß Schabsal die Odefsaer Karaitengemeinde feit seiner Rückkehr nach Rußland sehr stark unterstützt und überdies seinen hohen Einfluß in allerhöchsten Kreisen zu ihren Gunsten geltend gemacht hat. Aber gerade mit Rücksicht auf feine Vergangenheit sind die übrigen Darlaten Rußlands gegen seine Kandidatur. Da sie der Meinung sind, daß gerade die fragwürdigen Ratschläge Schabsals die Ursache waren, daß in Persien seinerzeit so viel unschuldiges Menschenblut geflossen ist. Aus diesem Grunde erließen seihe Gegner ein Wahlflugblatt, in welchem sie protestieren gegen die Kandidatur „eines Menschen, dessen Hände blutbefleckt sind. Es ist eine Schande, daß ein solcher Mensch an der Spitze der heiligen Karaitengemeinschaft sfehe und ihr geistiger Führer werde." Einen Gegenkandidaten konnte diese Gruppe bisher noch nicht namhaft machen. Vermischtes. Gratulationen anläßlich des N2VN - Festes zugunsten der Chewra Kadischa. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch eine Anzeige in der „Oesterreichischen Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung einer unserer ältesten und würdigsten jüdischen Anstalten. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Roschhaschanoh-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 11. September l. I. gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.—, zugunsten der Chewra-Kadischa Wien. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 4. September 1912. Kranzablösungsspendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.. Seiteustettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Weiß: I. Lichtmeß Sohn 10 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Josef Hoffmann: Paul Fischer 10 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Abraham Schoen: Kranken- und Unterstützungs-Verein der Lemberger in Wien 10 Kronen. Anläßlich des Ablebens des sel. Robert Friedländer: Die Hinterbliebenen 50 Kronen. Wilhelm Goldbaum. Nach jahrelangem Leiden ist Mittwoch den 28. August der Schriftsteller Wilhelm Goldbaum in seiner Wohnung III., Metternichgasse 2, gestorben. Er zählte zu den hervorragendsten politischen Schriftstellern Oesterreichs. Geboren zu Kempen in der Provinz Posen am 6. Jänner 1843, begann er seine literarische Laufbahn mit einem Artikel in der „Gartenlaube". Nach Absolvierung seiner juridischen Studien war er bis zum Jahre 1869 Redakteur der „Po^ner Zeitung". Im Jahre 1872 wurde er in die Redaktion der „Neuen Freien Presse" nach Wien berufen. Hier schrieb er hauptsächlich Leitartikel (auswärtige Politik), Feuilletons und Buchbesprechungen. Seine Artikel behandelten zumeist die russische und die Orientpolitik. Dabei war er auch noch Mitarbeiter der „Westermannschen Monatshefte", der „Rundschau", der „Gegenwart", der „Gartenlaube", der „Nationalzeitung" und zahlreicher anderer Revuen. Ein gründlicher Kenner Bismarcks, hat er über den großen Reichskanzler oft und oft mit größter Sachkenntnis geschrieben. Bekannt ist sein Werk „Entlegene Kulturen", das 1877 erschienen, die Absonderlichkeiten der russischen Kultur in scharfen Miniaturen zeichnete. Mit Spannung wurde sein Werk „Literarische Physiognomien" (1884) ausgenommen, das die Charakterköpfe der damaligen Literatur zeichnete. Kraszewskis Roman „Ohne Herz" übersetzte er ins Deutsche. Mit allen bedeutenden Männern seiner Zeit war Goldbaum in innigste Fühlung getreten. Größen der Literatur widmeten ihm ihre Werke, und Goldbaums Bibliothek zählt zu den größten Privatbibliotheken Wiens. W. Goldbaum war ein treuer Sohn des Judentums, hat allen Vorgängen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft warmes Interesse entgegengebracht. Eine eingehende Würdigung seiner anziehenden Persönlichkeit behalten wir uns vor. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem praktischen Arzte Dr. Emil L ö w y, Inhaber des Sanatoriums in Sul;-Stangau, den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 1. September, 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel XVI., Hubergaffe 8, die Trauung des Fräulein Irma Politzer, Tochter des Herrn Eduard Politzer, Obmann des Tempels für den XVI. und XVII. Bezirk, mit Herrn Ingenieur Maximilian S t e i n h e r z Sohn des Herrn Simon S t e i n h e r z, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 1. September d. I. findet um 3 Uhr nachmittags im israelitischen Tempel II., Tempelgasse, die Trauung des Frl. Fanny Breuer, der Tochter des Herausgebers des Kurortealbums Herrn Gustav Breuer und Enkelin des sel. Rabbiners Breuer, mit Herrn Alfred Epstein, Sohn des Herrn Moritz Epstein, statt. Wien. (Verein jüdischer jugendlicherArbeiter.) Sonntag den 1. September d. I. findet im Privatlokale des „Cafe Stefanie", II., Stefaniestraße 2, pünktlich um 10 Uhr vormittags, eine Versammlung des Vereines statt, in der ein Bericht über die IV. Jugendkonferenz in Lemberg erstattet und gleichzeitige Stellungnahme unseres Vereines zu deren Ergebnis stattfinden wird. Gäste willkommen. Wien. (Erinnerung an einen bedeutenden Schrift st eller und Dichter.) Wenige Monate vor dem 100. Geburtstage des unvergeßlichen großen Rabbiners und Gelehrten Josef Weisse s. A. fällt der 70. Geburtstag seines als Schriftsteller und Dichter während seines langjährigen Wirkens in Hamburg sehr geschätzten Sohnes Dr. Arnold Weisse. Am 28. August d. I. waren es 70 Jahre, daß er zu Pnerau in Mähren geboren wurde. Vor zwei Jahren verschied er in Wien und ruht nun zu den Füßen seiner großen Eltern auf dem alten jüdischen Friedhof zu Vägujhely in Ungarn. Ec war ein großer Freund unserer Jugend und war von der von uns noch zu erfüllenden kulturellen Aufgabe uud der unser harrenden großen Zukunft ganz durchdrungen. Seine letzten literarischen Arbeiten galten unserer Familie und unserer Jugend. Ehre seinem Andenken! M. A. * Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „Poale Zion".) Samstag den 31. d. M. im „Cafe Stefanie": Vortrag des Gen. Wachmann über „Die Lage der Partei in Galizien und der Bukowina." Beginn präzise 8 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Wien. (JüdischerHandlungsgehilfen -Verband.) Dienstag deu 3. September d. I., 8 Uhr abends, findet im Verbandslokale, II., Taborstraße Nr. 11b, ein Vortrag des Herrn Josef Fischhof statt. Thema: „Revolutionen und deren Wirkungen." Gäste willkommen. Wien-Floridsdorf. Unter großer Beteiligung der Mitglieder des XXI. Bezirkes und vieler Fremder wurde am 22. d. M. das Mitglied der Bezirkskommission und des Tempelvorstandes für den XXI. Bezirk, Herr Jakob E p l e r, zu Grabe getragen. Die kantoralen Funktionen versah der Kantor E i b e n s ch i tz und der Gemeinde-Rabbiner Dr. R e i ch widmete dem Verblichenen einen eindrucksvollen Nachruf. Tiefen Eindruck erweckte der Nachruf, den hierauf der Obmann der Bezirkskommission und des Tempelvorstandes für den XXI. Bezirk, Herr Dr. I. König, dem verdienstvollen Vorstandsmitgliede hielt. Er hob in seinem Nachrufe hervor, daß der Dahingeschiedene sich durch nahezu 40 Jahre an allen jüdischen Institutionen des XXI. Bezirkes erfolgreich betätigt hat, daß er Mitbegründer der bestandenen Floridsdorfer Kultusgemeinde war und auch die Chewra-Kadischa schaffen hclf, an welcher er mit allen Fasern seines Herzens hing. Zum Schluffe dankte Herr Dr. I. König dem Verstorbenen im Namen beider Korporationen und der Chewra- Kadischa für die Verdienste, die er sich um das Kultusleben des

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